XVIII. Ja-lMg.
Jllaröurg, Sonnabend, 17. November 1883,
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Für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches aus den sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens steht. Der engere An« shiuß an die realen Kräfte dieses Volkslebens und das Zusammenfaffen der letzteren inderFormkorporattver Genossenschaften unter staatlichem Schutz und staatlicher Förderung werden, wie Wir hoffen, die Äsung auch von Aufgaben möglich machen, denen die
fanden, so daß sogar die von einem „Augenzeugen* mit vielen dramatischen Details erzählte Niedrräschemng de» Palastes von St. Cloud in Frankreich selbst für unwahr erkannt wurde, nachdem auch die „deutschen Spione*, die al» Kellner, Photographen, HandlungSkommiS rc. ihr Wesen treiben sollten, sich einer nach dem andern als Gebilde bösartiger Einbildungskraft entpuppt hatten, versuchen e» die chauvinistischen Zeitungen jetzt mit einem Ausruf an die in der ganzen Welt und auch in Frankreich stark grassierende Sucht nach Geldgewinn, indem sie Deutschland für den wirtschaftlichen Rückgang verantwortlich machen, über den die französische Industrie seit Jahr und Tag Klagen erhebt. Daß dies gläubige Ohren findet, ist nicht zu verwundern. Die großen Mafien sind immer gern bereit, anderen die Schuld für die von ihnen selbst begangenen Fehler aufzubürden; aber mit der sonst mit Recht gerühmten politischen Intelligenz der Franzosen ist eS kaum in Gnklang zu bringen, daß sie es nicht empfinden, wie sie ihr wirtschaftliches Leben durch ihre eigene Prefle und die fortwährenden Kriegshetzereien ruinieren. In jedem Lande, welches ununterbrochen in der Sorge vor einem demnächst ausbrechenden Kriege sich befindet, geht da» Vertrauen auf den Kredit und die Lust zu Unternehmungen notwendig verloren. Frankreich» wirtschaftliches Leben wird durch die französische Hetzprefie zerstört. Diese ist rS, welche die ganze Bevölkerung in steter Sorge für einen nahe bevorstehenden Krieg erhält und dadurch alle» Erforderliche leistet, um jedes Geschäft und jedes Unternehmen in Frankreich lahm zu legen. — Ueber die umgehenden DiSlokationSgerüchte läßt sich heute die „N. Pr. Ztg.* in einem längeren Artikel vernehmen, in welchem sie zunächst als Zweck der zu erwartenden Verschiebungen der Garnisonen deS 1., 2„ 5. und 6. Armeekorps bezeichnet: „möglichst rasche Besetzung der Grenze und Sicherung der Eisenbahnlinien, um für den Fall einer überraschend rin- tretenden kriegerischen Situation eine eventuelle Mobilmachung und Konzentrierung der bez. Korp« ungestört vollziehen, auch wertvolle EtablifiementS, wie Gestüte rc., nach rückwärts in Sicherheit bringen zu können.* Dann heißt e» weiter: Daraufhin deuten die bereit» angeordneten Verlegungen, wie: ein Bataillon Infanterie-Regiments 33 nach Goldap, Infanterie - Regiment» 45 nach Lyck und Lötzen, JägerbataillonS 1 nach Allenstein, Jägerbataillon» 2 nach Kulm, Füsilierbataillon» Infanterie-Regiment» 5 nach Deutsch - Eylau, Infanterie-Regiment» 21 nach Thorn, während das 11. Dragoner-Regiment und Feldartillerie- Regiment 17 nach Bromberg kommt u. s. w. An Wahrscheinlichkeit gewinnt die Nachricht, daß Infanterie-Regiment 44 Osterode, Soldau und Ortelsburg besetzen soll, dasür
Augeltea.
Novelle von E.Lenzendorf.
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hat, entschieden nicht. Aber sie gibt sich so einfach und natürlich, ste besitzt ein so angeborenes feine» Takigefühl, sie offenbart einen so lebhaften und empfänglichen Sinn für alles Schöne und Edle, baß man sich unwillkürlich zu ihr hingezoaen fühlt. Und welch' ein reizendes Geschöpf ist nicht düse Ang lila in ihrer köstlichen Naivetät und in ihrer ganzen lieblichen Erscheinung! Wenn Du Deine „indische Nichte* nur einmal gesehen und gesprochen hättest, Du wärest von allen Deinen Vorurteilen und aller Eingenommenheit gegen dir Familie unseres guten Bruders befreit. Lieber Maximilian, wenn Du mich nur ein wenig lieb hast, so erfülle meine Bitte und entschließe Dich mit Hertha zu einem Besuche bei unserer Schwägerin Aida. Beverke, daß ste und Angelika doch so allein dastehen und da ste nun einmal zu unseren näLsün Verwandten gehören, so haben ste gewiß ein Recht darauf, eaß wir sie demgemäß behandeln und in unfern Familienkreis ziehen. Noch einmal, M x, bitte ich Dich, gib diesen sallchcn Stolz uno dieses Voruri.il gegen ie Familie unseres theuren Bru er« auf, Du würdest mich s nst aui's Tüsste verletzen, wie Du ja auch am besten weißt, daß Deine bisherige Handlungsweise durchaus nicht den Intentionen S'giSmnnvs entspricht.*
Baron M xmnlian naite zorni. an seiner Unterlippe und schien noch keineswegs überzeugt zu sein, aber seine Schwester ließ mit Billen und Vorstellungen nicht nach, so daß er sich endlich, wenn auch nur unter Widerstreben, zu dem Versprechen herbeiließ, nicht nur alle Feindseligkeiten gegen Aida zu unterlvss n, sondern dieselbe auch als gleichberechtigte Verwandte anzuerkennen. Es fiel bann Fran von Wulfenstein auch nicht mehr schwer, ihren Bruder mit betraten Worten von der Notwendigkeit eines Besuches zu überzeugen, den er und die Gräfin von Roden auf Schloß Gnanstem demnächst abstaiten müßten und der Baron versprach sogar, sein Möglichstes zu thun, um Gräfin Hertha zur Tellnahme an dem in Aussicht genommenen Besuche zu
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Frau von Wulfenstein stützte ihr Haupt gedankenvoll Ms t; re Rechte und versetzte: „Du wirst Dich tnbefien doch darein finden müssen, daß Aida von Roden im Besitz ihrer Erbschaft bleibt un> ich kann Dir auch bestimmt versichern, baß weder Aida noch ihre Tochter Angelica, unsere Nichte, durchaus keinen unwürdigen Gebrauch von
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Staatsgewalt allein in gleichem Umfange nicht gewachsen sein würde. Immerhin aber wird auch auf diesem Wege das Ziel nicht ohne die Aufwendung erheblicher Mittel zu erreichen sein.
Auch die weitere Durchführung der in den letzten Jahren begonnenen Steuerreform weist auf die Eröffnung ergiebiger Einnahmequellen durch indirekte Reichssteuern hin, um die Regierungen in den Stand zu setzen, dafür drückende direkte Landessteuern abzuschaffen und die Gemeinden von Armen- und Schullasten, von Zuschlägen zu Grund- und Personalsteuern und von anderen drückenden direkten Abgaben zu entlasten.
Deutsche- Reich.
Berlin, 15. Nov. Der „Köln. Ztg.* wird von hier geschrieben: Die Zurückhaltung, welche sich die französische Presse anfänglich der Reise des Kronprinzen gegenüber auferlegte, hat nunmehr dem üblichen rohen Geschimpfe Platz gemacht, an da« die Welt von Paris her sich gewöhnt hat und für das man in den vornehmeren politischen .Kreisen außerhalb Frankreichs nur noch ein verächtliches Achselzucken hat. Auch der Artikel des „National*, den der Pariser Korrespondent der „Köln. Ztg.* gestern witteilte und in dem die spanischen Republikaner aufgefordert werden, durch eine Empörung auf den Empfang zu antworten, den der König von Spanien und mit ihm das ganze gutgesinnte Spanien unserem Kronprinzen bereitet, auch dieser unglaubliche Artikel wird möglicherweise nur mit stillschweigender Verachtung behandelt werden, aber Entrüstung wird eS erregen, zu sehen, daß die in Spanien lebenden Franzosen von ihren Landsleuten zu Demonstrationen gegen den deutschen Kronprinzen aufgehetzt werden. Auch unterliegt e» in wohlunterrichteten Kreisen keinem Zweisel, daß französische Geldsendungen zu diesem Zwecke nach Barcelona bereits stattgefunden haben. Spanten wird die spanische Ehre zu verteidigen wifien; ähnliche Auftritte, wie sie in Paris bei der Ankunft des Königs Alfons statlstnden konnten, find glücklicherweise in einem anderen Lande als Frankreich heute nicht denkbar. Die französischen Wühlereien beunruhigen keineswegs, aber man darf wohl versichert sein, daß dieselben hier nach Verdienst gewürdigt werben. Die kurze Verzögerung in der Abreise deS Kronprinzen hak durchaus keinen politischen Charakter.
Berit«, 15. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg.* schreibt: Die französischen Blätter haben sich seit Jahren die Aufgabe gestellt, unermüdlich nach neuem Material zu suchen, um dem Deutschenhaß in Frankreich frische Nahrung zuzuführen. Nachdem die alten Unwahrheiten von deutschen Grausamkeiten während deS Krieges nicht mehr Anklang
bewegen und als dann Frau von Wulfenstein die Wohnung ihres Bruders verließ, so geschah die» mit dem erbebenden Bewußtsein, einen definitiven Schritt zur Annäherung zwischen ihrem Bruder und der Jndierin gethan zu haben, Nachdem Fran von Wulfenstein nach Hause zurückge- kehrt war, teilte ste Albrecht — Feodor war schon seit längerer Zeit auf einer größeren Reise begriffen — daS, was sie bei Baron Maximilian von Roden im Jnterefie der Veisöhnung defielben uns der Gräfin von Roden mit der Familie Baron SigiSmnndS erreicht hatte, mit, und Albrecht billigte natürlich vollkommen den Schritt seiner Mutter. Frau von Wulfenstein beruhigte sich indefien nicht bei diesem vorläufigen Erfolge, ste war entschlossen, die Jnterefien ihrer inbiichen Schwägerin nach allen Seiten hin wahrzunehmen, vor allem aber war sie jetzt bemüht, e» zu einer Auseinandersetzung zwischen Ai a und Herrn van Blombuk zu bringen und sie hoffte, daß eS hierdurch gelingen roür^e, Aida und Angelika gänzlich von dem Einflüsse, den der Holländer bisher auf sie ausgeübt hatte, zu befreien. Wir wifien, daß Frau von Wulfenstein bereit» begonnen hatte, ihre Schwägerin über den wahren Charakter u-d Den zweideutigen Ruf Herrn van Blombirk's aufzu- ktären und eS war Frau von Wulfenstein auch bei den ferneren Zusammenkünften, die ste mit Aida hatte, gelungen, daS in Letzterer gegen die eigentlichen Absichten de» Holländers hervorgerufene Mißtrauen wachzuhalten. Einige Tage nach ihrem Besuche bei ihrem Bruder stattete denn Frau von Wulfenstein einen neuen Besuch auf Schloß Gnanstein ab und wurde wie gewöhnlich von ihrer Schwägerin auf da» Herzlichste empfangen. Aida von Roden befand sich, als Frau von Wulfenstein eintrat, allein in dem reich und mit großem Geschmack eingerichteten Empfangssalon von Schloß Gnanstein und die erste Frage der Frau von Wulfenstein galt, nachdem beide Damen sich niedergelafieu hatten, daher Angelika. (Fortsetzmr, folgt.»
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mit vcacyorucr UND, auf lyren -oruoer zu,m"»rnv, 7lan9 sie ihre Arme um seinen Hal», sah ihm innig in e 96 ? Augen und fuhr mit bewegter Stimme fort: „Lieber 221 A Amilian, wenn Du doch wüßtest, welch' ein edler 116’ »harakter dieses „frühere Hindumävchen* ist und welch' « «nen Schatz edler Weiblichkeit dafielbe in sich birgt! S «testich, eine Salondame ist unsere Schwägerin nicht, dazu --**■ W sie wegen der Abgeschlossenheit, in der ste bisher gelebt
den Millionen unseres Bruder» machen, obwohl sie in Hm Naivetät von der bevorzugten Stellung, welche ihnen diese» riesige Vermögen in der Gesellschaft anweisen würde, leine Ahnung haben. Uebrigen» wirst Du Dich doch entschließen müficn, mit der Gräfin von Roden demnächst einen Besuch »uf Schloß Gnanstein zu machen —*
„Wie,* unterbrach sie ihr Bruder ungestüm, „Du verengst auch noch, M rte, daß ich und Hertha diesem Ab- kitnmling einer Hindu F mitte — Dem da« ist und bleibt ^>da von Roden für mich trotz ihrer Millionen — einen Besuch abitatten, d ß wtr Aida wvmöllich um Verzeihung bitten sollen, raß wir eS überhaupt gewagt haben, ihr Do» Nns rechtmäßig zukommende Vermö ten unseres Bru er» o'ettig zu m chen? Nun, Marie, Du weißt nicht, was Du v rungst!*
„Ich weiß sehr wohl, was ich thne, wenn ich Dich und Hertha bitte, unserer so einsam dastehenden Schwägerin durch Euren Besuch endlich einmal ein Zeichen von Teil- ,»i 8 n°hme zukommen zu lafien,* erwiderte Frau von Wulfen- ■*< Mn mit Nachdruck und, auf ihren Bruder zuschreitend,
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$i( Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881.
Den heutigen denkwürdigen Tag, an welchem vor zwei -»,hren die unvergeßliche Botschaft Sr. Majestät an den Reichstag erlassen, welche die feierliche Sanktion der Ziele deutschen Politik auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Steuerreform und der sozialen Reform ausgesprochen, können nicht bester feiern, al» wenn wir die Hauptsätze der Botest wiedergeben. Se. Majestät sagt:
w Schon im Februar dieses Jahres haben Wir Unsere Überzeugung aussprechen lasten, daß die Heilung der sozialen Schäden nicht ausschließlich im Wege der Repression sozial- bemokratischer Ausschreitungen, sondern gleichmäßig auf dem bei positiven Förderung de» Wohles der Arbeiter zu suchen sein werde. Wir halten eS für Unsere Mrliche Pflicht, dem Reichstage diese Aufgabe von neuem wS Herz zu legen und würden Wir mit um so größerer Ktftiedigung auf alle Erfolge, mit denen Gott Unsere Regierung sichtlich gesegnet hat, zurückblicken, wenn es Uns gelänge, dereinst das Bewußtsein mitzunehmen, dem Vater« taube neue und dauernde Bürgschaften seines inneren Frie- ben» uud den Hilfsbedürftigen größere Sicherheit und Er- . MM deS Beistandes, auf den sie Anspruch haben, zu lailÄ hinterlasten. In Unseren darauf gerichteten Bestrebungen find Wir der Zustimmung aller verbündeten Regierungen 000 M gewiß und vertrauen auf die Unterstützung deS Reichstages ebne Unterschied ter Parteistellungen.
In diesem Sinne wird zunächst der von den verbün- beten Regierungen in der vorigen Session vorgelegte Ent- mischtt^mrs eines Gesetzes über die Versicherung der Artober i! beiter gegen Betriebsunfälle mit Rücksicht auf die (e für ij im Reichstag stattgehabten Verhandlungen über denselben ließen (5 einer Umarbeitung unterzogen, um die erneute Beratung desselben vorzubereiten. Ergänzend wird ihm eine Vorlage zur Seite treten, welche sich eine gleichmäßige Organisation dts gewerblichen KrankenkassenwesenS zur Aufgabe stellt. Aber auch diejenigen, welche durch Alter ober Invalidität erwerbsunfähig werden, haben Ur Gesamtheit gegenüber einen gegründeten Anspruch auf »vembn e*n höheres Maß staatlicher Fürsorge als ihnen bisher hat za teil werden können.