-kr. 265
Marburg, Dienstag, 13. November 1883.
XVm. Jahrgang.
GerMchk Jfitmiß
ungen
mber
IS.
en
1881-
rfest.
Ute Kix ' mG I nichi>
5tz, . icol«
iat\
[381
feld, en.
en-
)
(Quedlinburg) Profesior Mejer (Göttingen), Professor Möller (Kiel) und Pastor Otto (Merseburg).
E i S l e b e n, 10. Nov. Der heutige Festtag wurde von den Glocken der evangelischen Kirchen eingeläutet. Bald nach 8 Uhr begann unter Musik der Aufmarsch der Kriegerund Schützenvereine, sowie der einzelnen Gruppen deS Fest. zugeS; die Schüler der höheren Lehranstalten sammelten sich um das Lutherdenkmal. Inzwischen hatten sich auch die Stadtbehörden und Komiteemitglieder im Rathause vereinigt, wo der Bürgermeister Funk dieselben dem Kultus« Minister von Goßler vorstellte. Um 10 Uhr setzte sich der Zug des Magistrats nach der Andreaskirche in Bewegung. Gleichzeitig begab sich die Provinzial-Geistlichkeit, mit dem Konsistorialpräsidenten Rödenbeck an der Spitze, in feierlichem Zuge nach dem GotteShause. Beim Eintritte in dasselbe wurden beide Züge durch das Händelfche „Hallelnjah" begrüßt. Der Kultusminister, Graf v. Stolberg-Wernigerode, der Regierungspräsident v. Diest und etliche andere Notabilitäten nahmen auf Ehrensttzen vor dem Taufbecken im Kirchenstuhle Platz. Nachdem Superintendent Rothe die Liturgie gehalten, begann die Festpredigt deS Hofpredi- aerS Fromme! unter Zugrundelegung von Luc. 1, Vers 66, 76 und 77. Nach dem FriedenSgruß und Kirchengebet endete ein Te Deum die Feier. — Die Zahl der herbeigeströmten Fremden wird auf 30000 geschätzt. Das Wetter ist günstig. — Mittags um 12 Uhr fand auf dem festlich geschmückten Marktplatze die Enthüllungsfeier des Luther- denkmals statt, welcher u. a. der Kultusminister Dr. v. Goß- ler, der regierende Graf Otto von Stolberg-Wernigerode und der Direktor der König!. Museen, Schoene, beiwohnten. Die Geistlichkeit hatte am Fuße des Denkmals Aufstellung genommen. Nachdem die hiesigen Gesangvereine, von der Kapelle des 27. Infanterie-Regiments begleitet, den Choral »Ein' feste Burg" vorgetragen hatten, hielt Bürgermeister a. D. Dr. Martins einen Vortrag über die Geschichte der Entstehung des Denkmals, worauf die Hülle des auf einem Sock.l von grünem schwedischen Granit ruhenden, 9 Fuß hohen Denkmals fiel. Hierauf hielt Oberhofprediger Dr. Kögel die Weihrede, in welcher er Luther als den größten Sohn des deutschen Volkes pries und zum Schluß der Versammlung den Segen erteilte. Die Anwesenden intonierten den Choral „Lobet den Herrn". In Stellvertretung des noch kranken Oberpräsidenten v. Wolff übergab der Regierungspräsident v. Diest das Denkmal der Stadt, welches Bürgermeister Funk übernahm. Während der Enthüllungsfeier ging folgendes Telegramm Er. K. K. Hoheit des Kronprinzen an den Bürgermeister Funk ein: „Wenngleich Mir nicht vergönnt ist, den bedeutungsvollen heutigen Tag an der Geburtsstätte Martin LutherS mit Ihnen festlich zu begehen, denke ich doch in warmer Teilnahme der seinem Andenken in der Vaterstadt gewidmeten Feier." — Die Feier schloß mit dem Gesänge des ChoralS „Run danket Alle Gott", worauf sich der historische Festzug unter den Klängen deS Torgauer Marsches in Bewegung setzte. — Den vom Historienmaler W. Beckmann auS Düsseldorf arrangierten Festzug eröffnete ein berittener Herold mit den Emblemen des Deutschen Reiches; ihm folgten in den rotweißen Farben der Stadt Mansfeld ein Heerpauker und 12 Fanfarenbläser. Hieran reihte sich in blau-weißen Farben der Herold der Stadt EiSleben, deren Magistrat und Bürger zum Empfange LutherS sich vor dem Stadt- thore eingefunden und sich dem großen Herrenzuge angeschloffen hatten. Bannerträger der Grafen Mansfeld, von einigen Rittern der nahen Umgebung begleitet, kündigten durch die farbigen Wappen die nachkommenden Edlen an, denen sich Trohleute, Falconiere und Jäger zu Pferd und zu Fuß angeschloffen haben. Einem Herolde und vier Fahnenträgern folgten die Grafen ManSfeld selbst, Albrecht und Gebhard, mit ihren Frauen, Fräuleins und Kindern, sämtliche in kostbarsten Gewändern. Es schloffen sich Banner- träger und die Hofmarschälle deS Fürsten Wolfgang von Anhalt an. Jäger mit der Meute kamen hinterher, dann zwei Trompeter und nun, in hohem Turniersattel reitend, ganz in Eisen gekleidet, der streitlustige Graf Affeburg mit gewaltigem Speer. Wieder folgten Hofmarschälle und dann die edlen Gestalten des Grafen von Schwarzburg, seiner Gemahlin und Töchter. In malerischer Tracht schritten nun einher die Landsknechte. Würdevoll, in schwarzer AmtS- schaube, die goldene Kette mit großer Denkmünze auf der Brust, folgten ihm die Herren vom Rat der alten Bergstadt. Sie kündeten da« Erscheinen Dr. Martin LutherS. @c fährt in einem reichen Prachtwagen des Grafen von ManSfeld, neben ihm sein Freund JustuS Jonas und feine drei Söhne Johannes, Martin und Paul. Hofprediger Michael CöliuS und gräfliche Notare und Räte schließen
Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae 'lUnftrirtef Bamitaaihlnti“ hur* m.
av.Wb^ M. iw«l« $rÄ^»dd,.«8 »tat 60 wX Ät«sÄi. w
5flr in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Bia. berechnet.
meindegesänge auf ein Minimum reduziert worden. Nach Beendigung der Liturgie und nachdem die Gemeinde sämtliche vier Verse des Lutherschen ChoralS: „Ein' feste Burg ist unser Gott" gesungen, bestieg General - Superintendent Dr. Brückner die Kanzel zur Festpredigt. In den einleitenden Worten nahm Redner Bezug auf den Erlaß Sr. Majestät des Kaisers, betreffend die Lutherfeier, nach welchem es sich nicht um die Lobpreisung eines Menschen handele, sondern um die Lobpreisung Gottes für die in der Reformation dem deutschen Volke gewährte Gnade. Der nun folgenden Gedächtnisrede für Luther legt Dr. Brückner die Stelle der heiligen Schrift 1. Korinther 1, 26—31 zu gründe und wies nach, daß sich der Willen Gottes durch ihn offenbart und daß der Schatz Gottes, ber_ durch ihn behoben, darin bestehe, unseren Beruf zu erfüllen. Luther sei nicht nur ein Werkzeug Gottes gewesen, sondern vor allem ein Schatz Gottes, der die verschiedensten Segnungen Über die Menschheit gebracht. Der eigentliche Kern sei aber der, daß er uns Christum gebracht, der uns gemacht sei zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heilung unv Erlösung. Unser Beruf solle nicht nur darin bestehen, evangelisch zu heißen, sondern auch evangelisch [zu fein. Zum Schluß betonte Redner, daß eS schön sei, für Luther Denkmäler von Stein und Erz zu setzen, daß aber daS schönste Denkmal für ihn sei, evangelische Frömmigkeit, Sittlichkeit und ein rechtschaffener Lebenswandel. — Hieran schloß sich eine kurze Liturgie und der von der ganzen Gemeinde stehend gesungene Choral: „Lob, Ehr und Preis sei Gott rc." Unter den Segensprüchen des Geistlichen verließ darauf der Hof das Gotteshaus, nach einem kurzen Zwischenraum gefolgt von den Teilnehmern des Festzuges. — Einen höchst feierlichen Eindruck machte der Zug der Schüler, welche sich gegen 9 Uhr von ihren Schullokalitäten aus allen Richtungen der Stadt mit Musikbegleitung nach den verschiedenen Kirchen bewegten. 212 Schulen, darunter Gymnasien, Gemeinde- und Privatschulen — auch die Schüler Der Blinden-Anstalt waren nicht ausgeschlossen — entsandten ihre Zöglinge nach 53 Kirchen, um daselbst der Lutherfeier an geweihter Stätte beizuwohnen. Schon der äußere in Guirlanden und Kränzen bestehende Schmuck der Schullokale gaben den Vorübergehenden Kunde von der Wichtigkeit des heutigen Tages und unter den feierlichen Choralklängen von „Ein' feste Burg ist unser Gott" zog in festlichem Gewände Die Jugend, teilweise von Fahneii- nnv Marschallstab - Trägern begleitet und unter zahlreicher Beteiligung der Angehörigen den Kirchen zu. Nach beendigtem Gottesdienst, der bis ca. 10 Uhr währte, kehrte die muntere Dchar nach den Schulgebäuden zurück, wo in den Hörsälen von den betreffenden Rektoren oder Oberlehrern auf den Tag bezügliche Redeakte gehalten wurden. In sämtlichen Hörsälen waren Luther- und Melanchtonbilder, in Oeldruck ausgeführt, ausgestellt. Den Schluß der Feier bildete die Verteilung einer von der Stadt Beilin der evangelischen Schuljugend gewidmeten Festgabe: „Martin Luther" von B. Rogge, Hof- und Garnisonprediger zu Potsdam.
Königsberg, 10. Nov. Um 9 Uhr vormittags versammelten sich die Mitglieder des Konsistoriums, die evangelische Geistlichkeit, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, die von den Gerichten abgeordneten Deputationen, der Magistrat, die Kaufmannschaft, das Schulkollegium, die Angehörigen der Kunstakadamie, die Studenten der Uni« veesttät rc. vor dem Rathause und zogen in feierlichem Zuge nach dem Dom, wo Generalsuperintendent Dr. Carn« die Festpredigt hielt. Nach dem Schluffe des Gottesdienstes bewegte sich der Zug durch die von einer dichtgedrängten Menschenmenge gefüllten Hauptstraßen nach dem Schloß, platze. Hier brachte Der Sängerverein eine Festkantate zu schöner Aufführung. Konststortalrat Kretschmer sprach den Segensspruch über Se. Majestät den Kaiser ans. An diese Feier schloß sich sodann ein Festakt in der Universität.
Halle, 10. Nov. Bei der heutigen akademischen Lutherfeier wurden zu Ehrendoktoren der Universität Halle- Wittenberg promoviert: Von der theologischen Fakultät, Profeffor Dörner (Wittenberg), Superintendent Rietschel (Wittenberg), Superintendent Foerster (Halle), Pastor Hofmann (Halle), Pastor Hesekiel (Sudenburg), Profeffor Kawerau (Magdeburg), Präsident des Oberkirchenrats, Hermes (Berlin), und Profeffor Tschakert (Halle); von der juristischen Fakultät: Kultusminister von Goßler, Generalsuperintendent Brückner (Berlin), Präsident deS Konsistoriums Roedenbeck (Magdeburg) und Professor Sigwart (Tübingen); von der medizinischen Fakultät: Profeffor Abbe (Jena) und Baurat Hobrecht (Berlin); von der philosophischen Fakultät: Bürgermeister Brecht
S84 ö.
Die Lutherfeier.
Berlin, 10. Nov. Durch festliches Geläute sämtlicher Glocken der hiesigen Kirchen am Freitag zwischen 5 und 6 Uhr abends erhielt das Lutherfest eine würdige Einleitung. Während des gestrigen Tages waren in der Nikolaikirche, in welcher die Hauptfeier für die Mitglieder her Stadtvertretung stall findet, Handwerker und Gärtner beschäftigt, dem Innern des Gotteshauses einen festlichen Anblick zu verleihen. Mit Blumen und Guirlanden wurden die Emporen geschmückt und hauptsächlich der Eingang, durch welchen die Ankunft Sr. Majestät deS Kaisers erwartet wurde, mit tropischen Gewächsen in einen förmlichen Hain umgewandelt. In der Frühe deS heutigen Morgens, um 71/2 Uhr, erklangen von dem Über Dem Hauptportal des Rathauses in der KönigSstraße belegenen Balkon die feierlichen Klänge des Lutherschen ChoralS: „Ein' feste Burg ist unser Gott" und Tausende von Menschen hatten sich vor dem mit unzähligen Fahnen und Guirlanden geschmückten Rathause versammelt, um dieser geistlichen Morgenmustk beizuwohnen. Ein ähnliches lebhaftes Bild bot der Nene Maikt, wo vom Turme der Marienkirche derselbe Choral geblasen wurde. Sämtliche öffentliche Gebäude waren mit Fahnen geschmückt, während man in den Straßen noch damit beschädigt war, die letzte Hand an die teilweise wirklich großartige Dekoration der Privathäuser zu legen. Der größte Anziehungspunkt der früheren Wallfahrer war demgemäß natürlich die altehrwürdige Nikolaikirche, deren Portal ein Hauptaugenmerk bildete. Dasselbe war einfach, aber sehr sinnig mit Guirlanden und Emblemen geschmückt. Ueber diesem Portal befand sich das Berliner Stadtwappen, etwas liefet das Wappen Dr. Marlin Luthers, zur linken Seite die Inschrift: „Den 10. November 1483“ nnd auf der anderen Seite: „Den 2. November 1539", der Tag der Erbauung der Kirche. Für den Kirchengang der Gemeindebehörden war folgende Ordnung des Zuges getroffen. Vier Nuntien, zwei Marschälle, ein Mustkkorps, das Stadtbanner, zwei Marschälle, die evangelische Geistlichkeit, zwei Marschälle, die Universität, zwei Marschälle, die wirklichen Geheimen Räte und Exzellenzen, die eingeladenen Generale, Reichsund Staatsbeamten, die Präsidenten des Aeltesten-KollegiumS der Kaufmannschaft, die Direktoren der höheren Lehranstalten, zwei Marschälle, die Ehrenbürger, die Direktoren der städtischen Anstalten, Bau-Inspektoren und Schul-Inspektoren, zwei Marschälle, ein MustkorpS, zwei Marschälle, die Bezirksvorsteher und Deputationen der unbesoldeten Kommunal- Beamten, zwei Marschälle, die Rektoren der Gemeindeschulen
»o«e ] 50 Pf elsteuJ 1 durcl
bit,
Nnietgcn nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, fnwie d.Annoncen-Bureaux * Tb- Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.
»jetrich in Frankfurt a-M-; k-,aasenstein u- Bögler in faantfurt a. M., Berlin, föpjig, Köln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- V furt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u. 6«. in Frankfurt 0. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanitu Berlin; fe. Thienes in Elberfeld: S- Schlotte in Bremen.
und die Magistrats Büreanvorstcher, zwei Marschälle und vier Nuntien. Der Zug brach vom Bibliotheksaal im Rat- hms präzise um 12^/z Uhr auf und ging durch die Spandauerstraße über den Molkenmarkt und die Poststraße zum --Hauptportal der Nikolaikirche. — Gegen ’ el Uhr langte en groj der F stzug an dem Hauptportal der Nikolaikirche an, cm« , piangen von Vertretern des Magistrat« und den Kirchen- [38 Ackrstcn, die sich auch der Arbeit der Platzanweisung in der Kirche unterzogen halten. In der Magistratsloge nahmen die eingdaDenen Minister und Exzellenzen Platz, während für die Universität und die übrigen eingeladenen Ehren- ßäste Plätze vor der Hofloge und der MagistratSloge reser- viert waren. Rechts vor Der Kanzel, mit dem Gesicht nach der Hofloge, nahmen Magistrat und Stadtverordnete von Berlin, links von der Kanzel die Bezirksvorsteher und alle Idnsligen höheren MagistratSbeamtcn mit der ArntSkette Platz. Der Altarraum selbst war der Geistlichkeit und den Ge> veindcorganen von St. Nikolai und St. Marien zugewiesen. Äuti nach 1 Uhr, nachdem die Teilnehmer des Zuge« Platz Benommen, erschien Se. Majestät der Kaiser mit Gefolge 8n dem nach der Poststraße zu belegenen Eingang, der dem Hoftapezier Otto Fischer mit einem prachtvollen pur- rai)j purfarbcnen Baldachin überwölbt war. Zum Empfange [08 batten sich hier der Propst von St. Nikolai und St. Marien Mneral - Superintendent Dr. Brückner, der Bürgermeister Duncker und der stellvertretende Stadtverordneten-Vorsteher ®Wemann, sowie die beiden Kirchenältesten Geh. Kom- ®ctiienrat Keibel und Verlagsbuchhändler Mecklenburg ein- it Äw Pfunden, die, nachdem Bürgermeister Duncker Se. Majestät
Müßt, die Höchsten Herrschaften In die für Allerhöchst- J^en reservierte Hofloge geleiteten. Sofort nachdem, die höchsten Herrschaften Platz genommen, intonierte die Orgel omauÄ??t8 Präludium, während die Gemeinde mit dem Chor- Uung: „Komm heiliger Geist, Herr Gott rc." einfiel. ?'u Uun vom Altar au« gelesene Liturgie hielt Prediger Gärtner vn der Nikolai-Kirche, während die in der Liturgie vorkom- J^en Chorgesänge von dem Sängerchor der Nikolaikirche ^uier Leitung ihres Direktors Krause gesungen wurden. Auf ——■ Wellen Wunsch Sc. Majestät warm die Chor- und Ge-