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XVm. Jahrgang.

JTlarßurfl, Sonntag, 11. November 1883.

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WcheUlhe jfitinio

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Die Reise des Kroupriazen nach Madrid.

Die gestern bereits mitgeteitte Nachricht, daß unser Kronprinz in der nächsten Woche, unmittelbar nach dem Lutherfeste, nach Spanien reisen wird, um den Besuch des AhnigS Alfons XII. Sr. Maj. des Kaisers zu erwidern, wird nicht verfehlen, freudiges Aufsehen in Deutschland und hoffentlich auch in Spanien zu erregen. ES ist wohl das erste Mal, daß ein deutscher, insonderheit ein preußischer Fürst in die spanische KönigSburg als Gast einzieht. Bon der Lutherfeier mit ihrer Erinnerung an den Spanier Karl V. als deutschen Kaiser bis zu dieser Reise des deutschen Kronprinzen ist ein gewaltiger Schritt, der einen großen politischen Umschwung darstellt über den wir Deutsche «ns nicht genug freuen können. Die Zeit ist vorbei, wo Spanier die deutsche Kaiserkrone trugen und spanische Truppen deutsche Städte verwüsteten. Deutschland und Spanien reichen sich in Frieden die Hand zur Stärkung der Friedens Europas. Das spanische Volk, namentlich in seinen nördlichen Provinzen, steht durch Stammeöverwandt- schast dem Deutschen nahe; möge diese Verwandtschaft sich immer mehr zu einer starken, herzlichen Freundschaft zwischen den beiden großen Nationen gestalten. Der Glanz, mit welchem die Reise deS Kronprinzen umgeben ist, zeigt, wie hoch unser Kaiser die edle spanische Nation und ihre Freund­schaft schätzt. Ein Generaladjutant des Kaisers ist bereits mit einem eigenhändigen Handschreiben nach Madrid gereist, der Kronprinz wird von drei deutschen Kriegsschiffen von Genua nach Barcelona geleitet werden. Dieser Besuch des deutschen Kronprinzen wird auch für Spanien eine große Bedeutung haben; daS schöne Land tritt dadurch aus seiner bisherigen Isolierung heraus und reiht sich wieder ein in die Reihe der politischen Mächte Europas. König AlfonS beweist, daß er seine Aufgabe erkennt, und er wird dadurch, daß er seiner stolzen Nation wieder das Gefühl und Be­wußtsein einer politischen Bedeutung gewährt, auch die revo­lutionären Zuckungen zur Ruhe bringen und der Monarchie wieder einen Boden im Herzen deS Volkes gewinnen. Im Norden von den Pyrenäen, wo man erst kürzlich dem ritter­lichen König von Spanien einen so schmachvollen Empfang bereitet hat, wird man kein sonderlich freundliches Gesicht zu der Reise unseres Kconpetnzen machen, aber desto leb­hafter und angenehmer wird die spanische Nation die Ge- nuglhuung empfinden, welche ihrem Könige und in ihm auch ihr durch diesen glänzenden Besuch deS deutschen Kron- prinz n gegenüber jenen Vorgängen in Paris bereitet wird. Möge der Besuch, wie alles, was von der deutschen Regie­rung auSgeht, ein neues Unterpfand für die Befestigung des Friedens darbietenl

Augelica.

Novelle von E.Lenzendorf.

Es ist sehr liebenswürdig von Ihnen," meinte Frau von Wulfenstein,daß sie trotz der Einwendung deS Herrn van Blombirk Ihr Vorhaben auSgeführt haben und ich kann Ihnen nur versichern, daß Sie, liebe Schwägerin und Angelika stets willkommen auf Bevern sein werden. Doch nun möchte ich mit Ihnen noch einige Worte reden. Ist t8 Ihnen denn gar nicht auffällig, daß Hrr van Blombirk Sie von weiteren Besuchen bei uns abzuhalten sucht und glauben Sie wirklich, daß ihn hierzu nur die Rücksicht auf die Abneiaung meine« verstorbenen Bruders gegen uns, feine nächsten Verwandten, bewogen hat?"

Gewiß ist mir der so plötzlich aufgetauchte Widerwille Herrn van Blombirkö gegen Bevern ausgefallen," entgegnete die Jndierin,aber ich habe mich vergeblich bemüht, hierfür eine Erklärung zu finden."

Ich glaube Ihnen hierüber Auskunft geben zu können," sagte Frau von Wulfenstein und warf einen Blick nach dem jungen Paar, das einige Schritte entfernt saß, das ober augenscheinlich nicht die mindeste Notiz von dem Ge­spräch zwischen Frau von Wulfenstein und der Baronin in nehmen schien, so daß die Erstere beruhigt fortfuhr: »Herr van Blombirk fürchtet offenbar, hier Herrn von Ginget, dessen Sie sich ja noch erinnern werden, wieder zu begegnen, was für ihn aus Gründen, die ich Ihnen gleich auseinandersctzen werde, sehr unangenehm ist und er ist daher auch bemüht, Sie und Angelika von einem ferneren Besuche hier in Bevern abzuhalten."

Frau von Wulfenstein teilte nun ihrer Schwägerin alle ^dutzerungen Herrn von Singers über Herrn van Blombirk und die Baronin von Rodm war allerdings auf'S

Deutsche- Reich.

Berlia, 9. Nov. Der Kronprinz ist vormittags um 11 Uhr hier eingetroffm. Auf dem Bahnhofe in der

Friedrichstraße wurde er von der Prinzessin Wilhelm empfangen und nach dem kronprinzlichen Palais geleitet. Der Kronprinz stattete gegen Mittag der österreichischen Kronprinzessin Stephanie einen Besuch ab und empfing später den deutschen Gesandten beim Könige von Spanien, Grafen Solmö - Sonnenwalde, sowie den Staatssekretär Grafen Hatzfeldt. In der Begleitung des Kronprinzen auf der Reise nach Spanien werden sich der kommandierende General Graf von Blumenthal, der Hofmarschall von Nor- mann, die Adjutanten von Sommerfeld und von Nyven- heim und Generalmajor Kischke befinden. Der heutigen Lutherfeier der Universität wohnten der Staatsmtnister von Bötticher, der Kultusminister, der Ministerialdirektor Greiff, der Präsident des evangelischen OberkirchenratS Hermes, der General-Superintendent Berlins Dr. Brückner, der Stadt­kommandant und andere Notabilitäten bei. Die Feier begann mit dem Choral:Ein' feste Burg"; die Festrede hielt der Dekan der theologischen Fakultät Kleinert. Anläßlich der Feier wurden zu Ehrendoktoren der Theologie ernannt: der Rektor der Universität Kirchhoff, der Dekan Kleinert, der Kultus­minister, der Präsident v. Sydow, der Hofprediger Frommet und die Professoren Grell, Pfannschmidt und Lommatzsch. DieKöln. Ztg." skizziert die den Landtag erwartenden Aufgaben. Dabei sagt sie bezüglich der Steuerreform: Praktisch möchten wir an dem gegenwärtig angekündigten Reformplane das meiste Gewicht auf die Erleichterung der Gemeinden legen. In den offiziösen Mitteilungen wird vor allem betont, daß eine bedeutende Beteiligung des Staates an den Schullasten beabsichtigt sei. Sehr richtig bemerkt hierzu dieKreuz Ztg.":Wir gelangten somit anläßlich der geplantenSteuerreform" mitten in die Schulfrage überhaupt, da sich eine vollständige Begrenzung der äußeren und inneren Verhältnisse derselben schlechter­dings nicht ziehen lasten dürfte. Und so ist denn die Verwahrung, daß solche Vorlagen nicht einseitig vom Finanzmtnister ausgehen können, erst recht an ihrem Platze. Denn zunächst würden auch der Kultusminister und der Minister des Innern hierbei befragt werden müssen. Was aber das Schicksal einer derartigen Vorlage betreffend die Neuordnung der äußeren Verhältnisse der Volksschule soweit die erwähnten, für offiziös gellenden Ausführungen dahet in betracht kommen im Landtage fein würde, das steht heute außer jeder Berechnung." Schneller aus­führbar und allgemeiner wirksam dünkt uns der Geoank: einer Reform der Gemeindesteuergesetzgeb',ng. Es muß der bisherige Grundsatz, daß die Gemeinden nurZu­schläge" zu den dir.kten Staatssteuern erheben dürfen, nolwcndig aufgegeben werden, wenn eine Ueberbürdung der Steuerzahler vermieden und doch die finanzielle LeistungS- fähigüit der Gemeinden erhalten werden soll. Vor allem ist bringend zu wünschen, daß die in der letzten Session erreichte Freilassung der beiden untersten Stuten der Staats-

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Tiefste erstrecken, als st: erfudr, welchen zweid.utigen Ruf der Verlobte ihrer Tochter im Klub deS Herrn von Singer genoß und Frau von Wulfenstein nahm daher die Ge­legenheit wahr, ihre Schwägerin auf das Eindringlichste vor Herrn van Blombirk zu warnen. Die Baronin von Roden versprach auch, von jetzt ab den Handlungen und dem Benehmen des Herrn van Blombirk eingehende Aufmerk, samkeit zu widmen und auch über den Verkehr zwischen ihrer Tochter uns deren Verlobten zu wachen. Indessen meinte sie, daß in bezug auf letzteren Punkt man sich E iner großen Sorge hinzug-ben brauche, denn Angelika bekunde eine größere Zurückhaltung gegen Herrn van Blombirk, als vielleicht unter Verlobten sonst üblich sei und sie habe daher Grund, anzunehmen, daß Herr van Blombirk auf daS Herz Angelika's gerade noch keinen zu tiefen Eindruck gemacht habe.

Diese letztere Bemerkung schien in der That nicht un­begründet zu sein und wer das junge Paar, welches mittler­weile die beiden Damen ihrem Gespräch überlassen und sich in den Garten begeben hatte, bei seinem Spaziergange durch den Garten näher beobachtet hättef, der würde wohl zu der Erkenntnis gelangt sein, wie sich, den Beteiligten selbst noch unbewußt, vielmehr zwischen den beiden jungen Leuten eine keimende Neigung kunsgab. ES war heute daS drittemal, daß Albrecht von Wulfenstein mit seiner Koustne zusammen war, aber schon fühlte sich der junge Mann wie mit einer Zaubergewalt zu dem holden Geschöpf hingezogen. Albrecht war sich vielleicht dessen selbst un­bewußt, wa« ihn an Angelika von Roden festelte, ob deren liebliche, jugendfrische Erscheinung und der eigentümliche Liebreiz, welcher über der ganzen schlanken Gestalt der jungen Baroneste lag, oder das naive Plaudern und die angenehme Ungebundenheit dieses Kindes der Natur genug, Albrecht von Wulfenstein gab sich widerstandslos

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einkommensteuer auch auf die Gemeindesteuer ausgedehnt werde. Bis dahin klebt der Freilassung eine leidige Halb­heit an, welche den Dank niederhält, der andernfalls von den betroffenen Klassen sicher empfunden sein würde. Verständige Städte, z. B. auch Köln, Aachen und Frank­furt a. M., haben die Ausdehnung der Freilassung bei sich beschlossen, sind aber nun in Not, den erforderlichen Ersatz" zu schaffen. In Köln gedachte man denselben von den höheren Stufen und Klaffen der Personalsteuer zu erheben, wogegen die Staatsregierung ihre ernsten Be­denken hegt; in Aachen hat man den Plan, die Deckung aus einerKommunal-Biersteuer" zu suchen. Wir möchten hoffen, daß die von der Regierung für die nächste Session beabsichtigte Gemeindesteuervorlage den Gemeinden in den Schranken wohlerwogener Normativbedingungen den Weg der indirekten Verbrauchssteuern (z. B. als Schanksteuern, die uns für Staat und Reich unausführbar, dagegen für die Gemeinden ganz zweckmäßig erscheinen, wie wir während der vorigen Landtagssesston wiederholt ausgeführt haben) entgegenkommend eröffnen werde." Unter dem Vorsitze des Staatsministerö v. Bötticher wurde am 8. November eine Plenarsitzung des BundeSratS abgehalten. Der Kgl. württembergtsche Ministerialrat v. Weizsäcker ist für daS Königreich Württemberg zum stellvertretenden Bevollmäch­tigten zum BundeSrat ernannt worden. Der Königlich württembergische Direktor, frühere Ministerialrat v. Kapp ist aus dem BundeSrate ausgeschieden. Ein Antrag wegen Rückerstattung von Zoll für ein durch Ueberschwem- mung verloren gegangenes Quantum Petroleum wurde dem zuständigen Ausschüsse zur Vorberatung überwiesen. Ein Ausschußantrag, die aus 48 Blättern bestehenden sog. Widderkarten als doppelte Spiele zum Spielkarten­stempel heranzuziehen, wurde genehmigt. Auf eine Eingabe betreffend den Erlaß der Steuer für ein durch lieber« schwemmung verlorenes Quantum Rohzucker, erteilte die Versammlung ablehnenden Bescheid. Es wurden ferner zurückgewiesen, eine Eingabe betreffend die Ermäßigung der Mühlenabgaben in Mccklenburg-Strelitz und das von einem Postbeamten gegen die zwangsweise Versetzung in den Ruhestand erhobene Rekursgesuch. Mtt einer Abänderung der Formulare für die Erhebung btt Statistik der Berg­werke, Salinen nnd Hütten, und der dieserhalb geltenden Bestimmungen, war die Versammlung gemäß den Anträgen der Ausschüffe einverstanden. Hebet den Antrag von Schwarzburg - Rudolstadt betreffend die Erledigung einer Streitigkeit zwischen Schwarzburg Rudolstadt und Schwarz- burg-SondetShausen, wurde die Regierung von Schwarzburg- SonoerShausen um Abgabe einer Erklärung ersucht.

Kiel, 9. Nov. Wie dieKieler Ztg." vernimmt, werden die KriegsschiffePrinz Adalbert",Sophie" und der AviioLoreley" den Kronprinzen nach Spanien geleiten.

Stuttgart, 9. Nov. Der König von Württemberg

dem Zauber hin, den Angel«! s ganze Erscheinung auf ihn ausübte. Auch Angelika trug ihrem neugewonnenen Koustn ein lebhafte^ Interesse entgegen und dies war auch erklärlich, denn infolge der Abgeschlossenheit, in welcher der verstorbene Baron von Roden feine Tochter Angelika und deren Mutter erhalten hatte, war Angelika so gut wie gar nicht mit jungen Männern zusammengekvmmen, ihr Verlobter aber, Herr van Blombirk, wir weder in bezug auf feine äußer­lichen Vorzüge, noch hinsichtlich seiner Charaktereigenschaften und geistigen Gaben im Stande, sich mit Albrecht von Wulfenstein zu messen und dies Letztere besonders hatte Angelika von Roden schnell herauSgefühlt. Albrecht von Wulfenstein vereinigte allerdings neben äußerlichen Vorzügen einer ritterlich schönen Gestalt in sich eine große Liebens­würdigkeit und Offenheit des Benehmens, verbunden mit einer gediegenen Bildung, welche er auf feinen ausgedehnten Reifen nur noch vervokommnet hatte.

Von letzteren hatte Albrecht von Wulfenstein feiner Koustne eben erzählt und zwar hatte er ihr eine norwegische Reise geschildert, die er im vorigen Jahre unternommen. Angelika wae feiner beredten Schilderung der großartigen GebirgSnatnr, der romantifchen Seen, der ungestüm dahin- brausenden Flüffe Norwegens mit sichtlichem Jntereffe ge­folgt und rief, als Albrecht mit seiner Schilderung zu Ende war, auS:Wie gern möchte ich auch eine Reise nach dem Norden unternehmen, von dem Sie mir eine so anziehende Schilderung gegeben haben, doch" und ein leichter Seufzer schlüpfte über die Lippen deS jungen Mädchens statt deff n werde ich meine gute Mama wohl wieder zurück nach Indien begleiten muffen, denn Sie wissen ja, daß sie den festen Entschluß hegt, binnen kürzerer oder längerer Zeit, in Begleitung Herrn van Blombitk's nach ihrer indischen Heimat zurückzukehren." (Fortsetzung folgt)