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JHarÖurg, Freitag, 9. November 1883.
XVIII. Jahrgang.
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sLaften über -150 Prozent des Grundsteuer - Reinertrages. Eine größere Gemeinde in Osnabrück, die vor 15 Jahren an direkten Steuern und Kommunalabgaben 9750 Mark aufbrachte, zahlt jetzt 15 228 Mk., eine kleine Gemeinde, rie vor 15 I ihren etwa 130 Mk. jährlich an Kommunallasten verausgabte, zahlt j tzt 2332 Mark für denselben Zweck. Zuschläge von 200 bis 300 Prozent für Korn- munal-Zwrcke gehören nicht zu den Seltenheiten, in einigen Fällen wird sogar von 500 Prozent berichtet. Besonders haben sich die Kommnnallasten durch die steigenden Ausgaben für die Schule und für Armenpflege vermehrt.
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Die Lage der bätterliche» Verhältviffe.
III.
Ursachen der Verschuldung.
hältniS zum Ertragswert stehen. Als weitere Ursache der Verschuldung spielt oit auch zu geringes Betriebskapital eine große Rolle. Kommen überdies schlechte Ernten hinzu — und an diesen haben wir in den letzten I ihren keinen Mangel gehabt — so sucht der Bauer Kredit. Und hier ist der Punkt, an welchem er häufig scheitert.
IV.
Fernere Ursachen der Verschuldung.
FürdieBefriedigung deS Kreditbedürfnisses ist meist in ungenügendem Maße gesorgt. Auch da, wo in dieser Beziehung viel geschehen ist, wie in Westpreußen und namentlich in Schlesien — die Landschaft, die Landeskulturrentenbank, Provinztal-HilfSvercin, Sparkafirn, Raiff- eisensche DarlehnSkassm — wird über zu teuren Kredit und über das Vorhandensein von Wucherern geklagt, denen die Bauern zu leicht in die Hände fallen. Diese Klage ertönt besonders in Pommern und Oberschlesten, in Hannover wie in Westfalen, zumal in Arnsberg, in Hessen- Nassau und in der Rheinprovinz. In einem Bericht auS Pommern heißt es, daß die Wucherzinsen für Darlehne an ländliche Besitzer die fast unglaubliche Höhe von 1300 Prozent per anno erreicht haben. Die 'Notwendigkeit, einen soliden, unkündbaren Kredit zu erhalten, wird allenthalben betont.
Als weitere Ursachen der Verschuldung wird schlechte Wirtschaft — vornehmlich bei den polnischen Bauern und in Rhetnpreußen — aufgeführt; ferner der Trunk, dessen Zunahme in Posen, Schlesien, Pommern, Hannover, Westfalen und Hesien konstatiert wird. Die höheren Lebensansprüche, die nicht immer von dem Erträgnis der Wirtschaft befriedigt werden können, wirken besonders in den westlichen Provinzen — Hannover, Westfalen, Rheinpreußen und Wiesbaden — nachteilig. In denselben Gegenden werden zuhoheArbeitSlöhne,in Westfalen Mangel an Arbeitskräften und hier auch die Entwertung der Waldes als eine Mitursache angeführt. Ebenso in den westlichen Provinzen wird über den schlechten Einfluß der Hausierer, die zu unnötigen Einkäufen verleiten, geklagt; ferner auch wird hier auf die wachsende Konkurrenz des Auslandes hingewiesen, welche die Preise für die Bodcnprodukte herabdrücke. Die Gemengelage und Zersplitterung, die Herrschaft deS FlurzwangeS und der Drei- felverwirtfchaft — welcher jetzt durch ein KonsolidationS- gesctz abgeholfen werden soll — wird in Rheinpreußen als besonders nachteilig wirkend hervorgehoben.
Eine der wesentlichsten Ursachen der Verschuldung — in Verbindung mit den anderen — bildet aber die Zunahme der Kommunallasten und anderer öffentlicher Lasten. Hierüber herrscht fast Einstimmigkeit. Im Regierungsbezirk Oppeln absorbieren beispielsweise die direkten Staatssteuern, Gcmeindeabgabcn aller Art und Ablösungsrenten bei dem bäuerlichen Besitz 73, bei den kleinen Wlrt-
DerrtscheS Reich.
Berlin, 7. Nov. Der „Reichsanzeiger* widmet dem Grafen Revern folgenden Nachruf: Se. Majestät der Kaiser und König sind durch den Verlust eines langjährigen treuen Dieners schmerzlich bewegt. Gestern abend ist der Oberst- Kämmerer Sr. Majestät, Wirkliche Geheime Rat, General der Kavallerie L la suite der Armee, Kanzler des hohen Ordens vom Schwarzen Adler, erbliches Mitglied des Herrenhauses Wilhelm Graf von Redern, nach mehrmonatlicher Krankheit, wenige Wochen vor Vollendung des 81. Lebensjahres heimgegangen. Einem alten, in der Mark und in Pommern angeseffenen, reich begüterten Geschlecht angehörig, war Graf Redern schon in jungen Jahren zum Königlichen Hause in nähere Beziehungen getreten. Die Anhänglichkeit an dasselbe und sein reger Sinn für die Kunst bestimmten König Friedrich Wilhelm III., ihn im Jahre 1830 zum General - Intendanten der Königlichen Schauspiele zu ernennen, deffen Geschäfte er schon einige Jahre vorher seit Erkrankung des Grafen von Brühl verwaltet hatte. Erst im Jahre 1842 wurde er von dieser Stellung unter Ernennung zum General-Intendanten der Hofmusik entbunden. Schon im Jahre 1825 erlangte Graf Redern die Würde eines Kammerherrn, im Jahre 1853 die des Oberst-Truchseß, welche letztere er bekleidet hat, bis er im Jahre 1861 durch das ganz besondere Vertrauen Sr. Majestät des jetzt regierenden Kaisers und Königs zur höchsten Hofwürde, der eines Oberst-Kämmerers berufen wurde. Hingebung und Treue bestimmten seine Stellung zu dreien Königen, denen er gedient, reiche Erinnerungen waren ihm geblieben aus den nahen Beziehungen, in die er zu ihnen hatte treten dürfen. Einen edlen milden Sinn, große HerzenSgüte, echte« Wohlwollen hat der Heimgegangene während seiner langen viel- bewegten Lebenslaufbahn nie verleugnet, und der Dank dafür ist ihm in der aufrichtigen ungeheuchelten Hochachtung und Verehrung aller derer geworden, die ihn kannten und denen sein Andenken teuer und unvergeßlich bleiben wird. — Der „Diätenfonds der Fortschrittspartei" wird nun auch von der „Prov. Corr." in nachstehendem Artikel besprochen: Die von der Fortschrittspartei begründete Kasse zur Gewährung von Tagegeldern au ihre dem Reichstage angehörigen, nicht in Berlin lebenden Fraktionsgenossen hat in
^aen nimmt entgegen: Mpeditw" d. BlatteS.
1 f Annoncen-Bureauz 'Dietrich u. Eo. in und Hannover; Th.
Frankfurt aM.;
*f,nftein u. Vogler in •ffirt °. M., Berlin, Köln ic.; Rudolf Kl* * in Berlin, Arant- fart a. M- ic-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u. Sa. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermonsche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin: B. Thiene? in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
■ yebcr die Ursachen der Verschuldung herrscht in fast ' f°rn? den Bericht n Uebereinstimmunu; nur in wenigen Gegenden [378 .jinien zu den allgemein vorhandenen Ursachen noch be- **". ;ntere hinzu. Auch diejenigen Berichte, welche im allge- seinen die Frage nach schneller Zunahme der Verschuldung ’ t ihre Gegenden verneinen, führen doch auch für die- ickönb^ oigen Fälle, wo im einzelnen Verschuldung zu konstatieren ,r t dieselben Ursachen an, welche anderwärts so viel allge- tunrei! ittoete und größere Wirkungen gehabt haben.
M fia Als Hauptursache wird überall der Erbgang ange- ' ™ eben. Diejenigen Bauerngüter sind am wenigsten ver- lÄt„ hMt, welche seit Generationen zu einer mäßigen Taxe um Vater auf den Sohn übergegangen sind, wie in J Meswig Holstein und in den vom sächsischen Stamme
' wohnten Teilen von Westfalen. Wo aber die Bauernhöfe
L‘11 den letzten Jahrzehnten im Wege deS Kaufs den Besitzer “ J;utt wechselt oder wo die Vererbung derselben nach Maßgabe L c® ss allgemeinen JntestaterberechtS stattgefunden hat, da L" egt gewöhnlich eine starke Verschuldung vor. Natural- u 'ur 1 Hungen finden in Ost- und Westpreußen, Posen, in annover, Westfalen nur selten statt; in Pommern und wndenburg wird nicht mehr so viel Gewicht auf die Er- 0 r 8 iltung und Unteilbarkeit deS Besitzes gelegt, und in den l^1 m fränkischen Stamme bewohnten Teilen Westfalens, chl und in der Rheinprovinz ist die Naturalteilung von her Sitte gewesen. Für die Erhaltung des Besitzes in [382 ii Familie dort, wo man an diesem Herkommen festhält, nb aber die Verhältnisse immer schwieriger geworden, ieist wird über zu hohe Abfindungsgelder für die Mit- - rbtn, und bei Uebergabeverträgen über zu hohe Altenteile ttterhi! ni Ausgedinge (namentlich in Schlesien, Posen, Lüneburg), ttlagt. Bei Abfindung der Milerben ist die Schätzung t$ Gutes meist in Zeiten steigender Grundwerte gefallen,
(folge besten der Uebernchmer sich genötigt sieht, entweder ermielhi ihm Zinfen, als er selbst herauswirtschaftet, seinen Mit- [381 tben zu zahlen, oder wenn er die Erben herausbezahlt H' it, das dafür geliehene Kapital zu verzinsen, als es der - ™ itlragSwert deS Grundstücks gestattet. Durchgängig wird it Höhe der Erb Portionen als eine Haupturfache der Glichen Lage derer, welche daS Gut übernommen haben, Mit. Diese Erbportionen beschweren den Grundbesitz öttttplk lit einer Last, die in der Gegenwart um so drückender tzenpfuh fi, je mehr der Grundwert zurückgeht.
len unt Neben den Erbportionen drücken bei Kauf deS Gutes ^[371 it Restkaufgelder. Meist — so wird fast durch« »artn, Na geklagt — ist der Ankauf zu zu hohem Preise 1371 lsvlgt, besonders in den 50er und 60er Jahren. Wo der —___«kauf mit unzulänglichen Mitteln erfolgte, muß ein hohes
►♦♦♦♦ «pital verzinst werden, dessen Zinsen in keinem Ver-
grf*eint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtet 6<roatag«6latt*‘ durch die Expedition St o ch'fche -uchdruckerei) bezogen 2*A Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.^ — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adresten werden 25 Pfg. berechnet.
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„Je NUN, gnädige Frau," fiel Herr von Singer ein, der weiß, was hierbei da Alles für Ursachen spielen? >och darin stimme ich Ihnen bei, daß eS empörend ist, H ein so reizendes Geschöpf, wie Angelika von Roden, htm Rouö vom Schlage Herrn van Blombirks die Hand toi ehelichen Bunde reichen soll und wenn ich wüßte, wie kit Heirat zu hintertreiben wäre, ich würde mir wahr- «ftig ein Vergnügen daraus machen, dies zu thun."
Frau von Wulfenstein nahm jetzt wieder das Wort «b sagte in ernstem Tone: „Lasten wir vorläufig derartige
ed rirterungen und überlasten Sie mir, meine Freunde, das eitere; jedenfalls bin ich Ihnen, Herr von Singer, sehr tbunben für die Eröffnungen, die Sie unS über Herrn ti Blombirk gemacht haben und ich werde bei paffender 1« elegenheit schon dafür Sorge tragen, daß meiner Schwägerin 10f btt das wahre Wesen ihres Hausfreundes und zukünftigen Schwiegersohnes, deS Herrn van Blombirk, die Augen ge- gi n«et werden, ich hoffe dann bestimmt, daß die Rolle iti 8 holländischen NabobS im Schlöffe Gnanstein bald auSge« dj ^1 sein wird."
?( Das Gespräch wandte sich hierauf wieder anderen A Mnständen zu, bis schließlich auch Frau von Bakroth 29t "l ihren Töchtern, begleitet von Herrn von Singer, das
* tos der Frau von Wulfenstein verließ, wobei die Schetden-
01 ebenfalls das Versprechen gaben, ihren Besuch bald 10j 1 wiederholen.
,J Es waren nur wenige Tage seit dem ersten Besuche «J * Baronin von Roden und ihrer Tochter auf Bevern
vergangen, als an einem Nachmittage der Wagen der Baronin wieder an dem Eingänge des Wulfenstein'schen Landgutes vorfuhr. Die Baronin von Roden und Angelika entstiegen dem W 'gen und begaben sich, nachdem der Kutscher die nötigen Befehle erhalten hatte, in das Haus, wo ihnen Frau von Wulfenstein, welche die Ankommenden sofort bemerkt hatte, entgegenkam und mit allen Zeichen'' auf« richtiger Freude ausrief: „Das nenne ich Wort gehalten, liebe Schwägerin und Nichte 1 Bitte, folgen Sie mir gleich auf die Veranda, es ist dort draußen, wo ein angenehmer Luftzug geht, an diesem heißen Tage entschieden angenehmer als im Salon und Überdies werden wir dort auch Albrecht finden, welcher sich, als da« Diner vorüber war, mit einem Buche nach der kühlen Veranda flüchtete."
Die Frau vorn Hanse schritt bei diesen Worten ihren Gästen nach der Veranda voran, wo in der That Albrecht von Wulfenstein, mit der Lektüre eines Buche« beschäftigt, sich befand, welcher die beiden Damen von Roden gleichfalls freudig begrüßte und bann sofort seine Koustne in eine angelegentliche Unterhaltung verflocht. Während die beiden jungen Leute eifrigst miteinander flüsterten und lachten, frug Frau von Wulfenstein ihre Schwägerin, warum Herr van Blombirk diesmal die Damen nicht begleitet habe.
Sichtlich verlegen erwiderte die Baronin: „Herr van Blombirk hatte verschiedene Geschäfte in der Residenz zu besorgen, welche ihn verhinderten, uns heute zu begleiten und dann — dann wünscht er auch nicht, daß wir so häufig bei Ihnen Besuche machen —"
„Wie?" unterbrach Frau von Wulfenstein entrüsteten Tone« ihre Schwägerin, „Herr van Blombirk wünscht nicht, daß Sie und Angelika uns, Ihre nächsten Verwandten,
öfters besuchen? Das finde ich doch eigentümlich und ich wäre begierig, zu erfahren, welche Ursachen eS Herrn van Blombirk als wünschenswert erscheinen lassen, daß Sie ferner mein Haus möglichst meiden sollen!"
Die Baronin blickte einen Augenblick sinnend zu Boden und gab bann wie zögernb zur Antwort: „Herr van Blombirk meint, daß wir gegen den Willen meine« verstorbenen Gemahles hanbelten, wenn wir im Gegensatz zu bemfelben, den Verkehr mit unfern Verwanbten wieber aufs nchrnm und weiter pflegen würden und ich weiß ja auch, daß Baron Sigismund so gut wie gar keinen Umgang mit seinen Verwandten gepflogen hat, wozu er wohl auch, wenigstens was seinen Bruder Maximilian und die Gräfin von Roden anbelangtf, gegründete Ursache hatte. Sie indessen, liebe Schwägerin und Ihre Herren Söhne, meine Neffen, sind mir und Angelika in so herzlicher Weise ent- gegengekommen, Sie haben in so teilnehmender Form Ihr Interesse für mich tunbgegeben, baß ich hiervon höchst wohl- thueub berührt worden bin und Sie sehen mich und Angelika darum schon wieder bei Ihnen erscheinen, wodurch ich Ihnen einen Beweis zu geben hoffe, wie sehr ich Ihre Teilnahme und Freundschaft zu schätzen weiß. Allerdings hatte ich Herrn van Blombirk gebeten, uns heute wiederum zu Ihnen zu begleiten, allein während er uns das erste Mal ohne Widerrede begleitete, suchte er unS heute von unserem Vorhaben durch allerlei Einwände abzubringen und al« er sah, daß ich dennoch darauf bestand, unfern Besuch auf Bevern heute zu widerholen, schien er sehr verdrießlich zu werden und erklärte, er könne uns nicht begleiten, da er wichtige Geschäfte vorhabe." (gottfeHune folgt)