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XVIII. Jahrgang.

Marburg, Donnerstag, 8. November 1883.

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trägt, ferner in Posen die polnischen Bauern, in Brau» denburg die Neumark und Mittelmark, besonders aber die Ackermark, die als überschuldet bezeichnet wird, ferner Ober- schlesten, im Hannocerschen die Bezirke Hannover, HildeS- deim, Göttingen, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Arenberg- Meppen und teilweise OstfrieSland, von Westfalen Münster, zum Teil auch Paderborn, ferner Kassel, der Rheingau und zum großen Teil Rheinpreußen; ferner auch Hohen- zollern.

Vergleicht man Zahl und Größe der in diese beiden Kategorieeu fallenden Gegenden, so stellt sich ein entschie­denes Uebergcwicht auf Seiten der V e r s ch u l d e t e n heraus. Doch wird fast überall in den bezüglichen Berichten be­merkt, daß gerade in den lehten drei bis vier Jahren ein Stillstand etngetreten ist, aber zum Teil nur, weil der Kredit abgenommen hat.

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wichen die landwirtschaftlichen Hauptvereine Preußen« aus Anordnung des Ministers für Landwirtschaft, Domänen unb Forsten im vorigen Jahre erstattet haben. Es ist dies bie erste sich über den ganzen preußischen Staat in seinem gegenwärtigen Umfange erstreckende Untersuchung gewesen, welche einen Ueberblick über die Gcsamtverhältnisie gewährt.

Die von dem Herrn Minister gestellten Fragen, die sich etwa in drei Gruppen zusammensassen laflen, nämlich: 1. Stand der Verschuldung, 2. Ursachen derselben und 3. teils durch Verschuldung, teils durch andere Verhältnisse veranlaßte Teilung der ländlichen Grundstücke, sind überall von ortskundigen Sachkennern beantwortet worden. Die Antworten dürsten deshalb von allergrößtem Wert sein. Freilich ist nicht zu verkennen, daß die Untersuchung sich nicht überall auf aktenmäßigeö Material stützen konnte: nut selten sind die Grundbücher, die auch nicht vollstän­digen Aufschluß über alle Verhältnisse geben können, oder «uch die Klassensteuerrollen benutzt worden. Dabei war mit Recht anempfohlen worden, lästiges Eindringen in die Privatverhältniffe zu vermeiden. Ferner ist zu erwägen, daß dem subjektiven Urteil freier Spielraum gelassen wurde unb die Urteile von den individuellen Eigentümlichkeiten der betreffenden Persönlichkeiten abhängig sind. Aber alle diese Verhältnisse in Rechnung gezogen, muß das vor­liegende Ergebnis als das vollständigste und überhaupt erreichbare betrachtet werden. ES ist damit die Bahn zu

verweilt. Indessen gab die Baronin von Roden die ent­schiedene Versicherung, daß sie mit Angelika ihren Besuch auf Bevern baldigst wiederholen würde und nachdem die beiden Damen von den übrigen einen sehr herzlichen, Herr van Blombirk dagegen einen sehr förmlichen Abschied ge­nommen hatte, fuhr der Wagen der Baronin davon.

Frau von Wulfenstein hatte ihren Gästen aus Schloß Gnanstein das Geleite bis zum Wagenschlag gegeben und war kaum in das Zimmer zurückgekehrt, in welchem Frau von Bakroth mit ihren beiden Töchtern und Herr von Singer noch zurückgeblieben waren, als sie auf den Letzteren zuschritt und mit erwartungsvoller Miene sagte:Nun, Herr von Singer, da sie über diesen Herrn van Blombirk, welcher übrigens auf mich, ich muß es offen gestehe», durchaus keinen ansprechenden jEindruck gemacht hat, jeden­falls näher unterrichtet sind, so möchte ich Sie um einige Details über denselben bitten, da ich mich gern eingehender über den wahren Charakter Herrn van BlombirkS informieren möchte. Also, heraus mit der Sprache, Herr von Singer und wehe Ihnen, wenn Sie etwas verheimlichen!"

Herr von Singer legte sich behaglich in seinen Sessel zurück und erwiderte:Sie können sich darauf verlassen, gnädige Frau, daß ich in meinem Berichte über Herrn van Blombirk weder etwas hinzudichten, noch etwas weglassen werde, sondern ich werde mich bemühen, den Charakter diese» Herrn möglichst getreu wiederzugeben. Doch, kommen wir zur Sache! Herr van Blombirk ist einer der leiden­schaftlichsten Spieler, er hat in unserm Klubhause oft ganze Nächte mit mehreren seiner würdigen Genossen gespielt und hierbei ganz bedeutende Summen gewonnen, weshalb man sich in die Ohren raunt, Herr van.Blombirk verstünde

werde ich Herrn von Wulfenstein sehr dankbar sein, wenn er uns mit den Annehmlichkeiten der hiesigen Gegend näher bekannt macht und ich denke, daß wir ihn schon in den nächsten Tagen um die Gefälligkeit bitten werden; denn auch mich verlangt, diese reizende Scenerie, welche wir von hier aus erblicken, kennen zu lernen," wobei die Baronin ebenfalls einen bewundernden Blick auf die Landschaft warf.

Albrecht von Wulfenstein erklärte nochmals seine Bereit­willigkeit, den beiden Damen von Roden als Führer bei dem beabsichtigten Ausfluge zu dienen und nachdem man sich noch eine Weile an der entzückenden Fernsicht erquickt hatte, wurde der Rückweg angetreten. Diesmal schritt Herr van Blombirk der Gesellschaft voran, denn er schien es sehr eilig zu haben, wieder nach Hause zu kommen, während Albrecht von Wulfenstein und die junge Baronesse von Roden den Zug beschlossen. Angelika hatte wieder den Arm ihres KousinS angenommen und wie das junge Paar so dahin- schrilt, die schlanke Gestalt Angelika's wie unbewußt an die hohe, kräftige Figur Albrechts geschmiegt, da konnte man an den schwankenden Epheu denken, der am starken Stamm der Eiche sich hinanwindet, an ihm Schutz suchend und findend. Die Konversation der beiden jungen Leute berührte nur oberflächliche Gegenstände, aber Albrecht von Wulfen­stein gewährte eS einen besonderen Reiz, die oft sehr naiven Fragen seiner Koustne zu beantworten und ihr über ver- schiedene Dinge, welche gerade Angeltka'S Interesse erregten, Auskunft zu geben und als man Bevern nun wieder erreicht hatte, da konnte Albrecht von Wulfenstein sein Be- bttuent nicht unterdrücken, als die Baronin von Roden den Wagen vorfahren ließ, und auch Angelika hätte augen­scheinlich gern noch länger in der Gesellschaft ihres Vetters

Die Verschuldung.

Die Berichte der 27 landwirtschaftlichen Hauptvereine Preußens, die sich wieder auf die Berichte von mehreren hundert Zweigvereinen, wie auch auf einzelne landrätliche Gutachten stützen, konstatieren samt und sonders mit wenigen Ausnahmen das Vorhandensein vornehmlich hypothe­karischer Belastung und auch überwiegend eine Zu­nahme dieser Belastung. Hieraus ist aber um deshalb noch nicht auf schlechte Besitz- und WohlstandSverhältnisse zu schließen, weil auch der Wert der Grundstücke gewachsen ist. ES fragt sich nur, ob die hypothekarische Belastung mit dem Wert der Grundstücke in einem Mißverhältnis steht, ob jene schneller gewachsen ist, wie dieser.

Entschieden verneint wird diese Frage vor allem in Ostpreußen und SchleSwig-Holstein, wo wie wir gleich vorausschicken wollen in jeder Beziehung die besten und gesündesten bäuerlichen Verhältnisse anzutreffen sind, worauf wir später noch zurückkommen wollen. Verneint wird diese Frage ferner bezüglich der deutschen Bauern in Posen, ferner bezüglich der Provinz Brandenburg in der Priegnitz, im Oderbruch und in der Lausitz; hier und da in Nieder- und Mittelschlesten, in Pommern nur in Usedom-Wollin und Demmin; auch in Iber Provinz Sachsen wird keine bedenkliche Verschuldung des Grundbesitzes konstatiert. AuS den westlichen Provinzen werden immer abgesehen von einzelnen AuSnahmefällen im Regierungsbezirk Arns­berg, im Minden - RavenSbergschen, zum Teil auch im Paderbornschen und hier und da im Nassauschen bezüglich der Verschuldung und ihrer Zunahme ziemlich normale Verhältnisse oder wenigstensnicht auffällige Ver­mehrung der Verschuldung" gemeldet.

Dagegen wird über mehr oder weniger schnelle, mit dem Wert deS Bodens im Mißverhältnis stehende Ver­schuldung uns demgemäß über einen entschiedenen Rück­gang der WohlstandSverhältnisse in folgenden Gegenden geklagt: in Westpreußen, zum großen Teil in Pommern, besonders in Rügen-Franzburg und Anklam, wo die Verschuldung bis 100 Prozent deS reellen Wertes be-

Augelica.

Novelle von E.Lenzendorf.

Die Lage der bäuerliche« Verhältnisse. I

DaS junge Mädchen klatschte vor Vergnügen in die Hände und meinte dann in ihrer naiven Art zu ihrem Be- gleiier:O, hätte ich nur eher gewußt, daß eS hier so prächtig ist, ich hätte gewiß Mama und auch meinen guten heuern Papa veranlaßt, mich diese herrliche Natur näher kennen zu lassen, aber statt dessen bin ich nie über die Mauern von Gnanstein hinauSgekommen und während ich ylaubie, daß eS wohl nichts Schöneres geben könnte als unseren Park mit seinen Teichen und Springbrunnen und seltenen Bäumen, sehe ich jetzt, daß eS noch weit schönere Dinge giebt."

Darum bitte ich Sie inständig, theuere Koustne, sich eechi bald meiner Führung zu einem AuSfluge in die Um­gebung unserer Stadt anzuvertrauen, woran sich Ihre Frau Mutter gewiß gern beteiligen wird," warf Albrecht von wulfenstein ein.

Ich werde Sie gleich darum bitten," gab Angelika zur Antwort und flog bei diesen Worten ihrer Mutter, welche toiüerweile mit den Uebrigcn ebenfalls die Anhöhe erreicht litte, entgegen, indem sie lebhaft auSrief:Nicht wahr, Mama, hier ist eS prächtig, viel schöner als in unserem dark? Sieh' nur da drüben, wie sich der breite Fluß an tot Hügeln hinwind! t und wie darüber die dunkeln Berg- totpter so freundlich herüberwinken! Vetter Albrecht hat tot versprochen, Dich und mich nach jenen Bergen begleiten $8 wollen, nicht wahr, Mama, wir nehmen dieS freundliche Verbieten gern an?"

Gewiß,' gab die Baronin von Roden zur Antwort,

weiteren statistische^ Untersuchungen, deren Nichtvorhanden­sein überall empfMden wird, gebrochen werden.

Wenn wir Mi daran gehen, zur unbefangenen Wür­digung deS besehenden ZustandeS das Thatsachenmaterial zu sichten unb von den gegenwärtigen bäuerlichen Besttz- und WohlstandScelhältnissen in Preußen ein Gesamtbild zu entwerfen, so darf nicht verhehlt werden, daß die Zu­sammenfassung gleichartiger Zustände oft eine Nichtbeach' tung abweichender Zustände involviert, denen überall gerecht zu werden in einem Gesamtüberblick kaum möglich erscheint. Hält man hieran fest, so dürften die nachfolgenden Bilder von der Lage der bäuerlichen Verhältnisse im großen und ganzen den wirklichen Zuständen entsprechen.

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Deutscher Reich.

Berit«, 6. Nov. Der Kaiser hatte gestern abend eine längere Konferenz mit dem Grafen Hatzfeldt und heute eine solche mit dem Kriegsminister. Wie dieB. P. N." melden, liegt eS in der Absicht der landwirtschaftlichen Verwaltung, einen Teil der zu allgemeinen Landeskultur« zwecken disponiblen Fonds speziell auf die Förderung der bäuerlichen Wirtschaften zu verwenden. ES handle sich hierbei hauptsächlich um die Förderung der Pferde- und Viehzucht und um die Ausdehnung deS Systems der Prämiierung ganzer Wirtschaften, welches sich schon in ver« schiedenen Provinzen bestens bewährt hat. Die im nächst­jährigen Etat zum Ausdruck kommende Erhöhung der be­treffenden disponiblen Fonds der landwirtschaftlichen Ver­waltung werde es ermöglichen, den Gegenden, welche als Sitz zeitweise immer wiederkehrender Notstände bekannt sind, eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und damit durch dauernd kleinere Zuwendungen die Wiederkehr von Zu­ständen zu verhüten, welche besonders große einmalige Opfer für die Staatskasse verursachen, ohne daß damit der eigent­liche Grund des Nebels gehoben werden könnte. Speziell für die Eifel werde beabsichtigt, noch ganz besondere Fond- flüssig zu machen, um dieser verwahrlosten armen Gebirgs­gegend nach den verschiedensten Richtungen hin, wie Auf­forstung, Hebung der Ackerbaus und der Viehzucht, För­derung der Korbweidenkultur und der damit in Verbin­dung stehenden Hausindustrie gründlich aufhelfen zu können. DieKreuz-Ztg." macht auf die eigentümliche Er­scheinung aufmerksam, daß in dem gegenwärtigen Augen­blick, wo die von allen Seiten laut werdenden Friedens- Versicherungen überall die vertrauensvollste Aufnahme finden; daö Organ der montenegrinischen Regierung, derGlaS Czernagorca", rückstchtlich der allgemeinen Auffassung der politischen Situation ein Separat - Votum abgiebt und in seiner neuesten Nummer nicht nur den Frieden als keines­wegs gesichert bezeichnet, sondern die angebliche Unsicherheit

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Der gegenwärtige Stand der bäuerlichen Verhältnisse Del bekanntlich in der Wissenschaft wie in der Presse, in jtn Parlamenten wie bei den Parteien eine sehr verschie­be Beurteilung: alle stützen sie sich auf Thatsachen, aber meift doch nur auf Einzelheiten und lokal begrenzte Er- sthrungen, aus denen sie ihre Schlußfolgerungen auf die Allgemeinheit ziehen. Die Verkehrtheit diese« Verfahren« leuchtet ein und wird auch auf allen anderen Gebieten ^glichst vermieden. Bei der Beurteilung der bäuerlichen Verhältnisse aber ist man mit den hierfür notwendigen Vorbedingungen minder streng, da eS den Parteien meistens weniger auf objektive Wahrheit, als auf Förderung ihrer Sestrebungen ankommt.

Die Bauernfrage aber ist für den Staat eine so wich- 1371« ttze, daß sie aufhören müßte, den Parteien zu ihren Zwecken L|u dienen. Erst bann wird eS gelingen, sie in das richtige Geleise zu bringen unb ben wahren Bedürfnissen be« Bauern­standes wie be« gesamten Staatswesens gerecht zu werden, wenn sie nicht mehr Zankapfel der Parteien ist, sondern oenn sich dieselben vereinigen, um offenliegenden Mißständen Abhilfe zu bringen.

Hierzu ist vor allem eine genaue und umfassende Dar­stellung der thatsächlichen Verhältnisse notwendig, und zwar nicht nur in vereinzelten Bezirken, sondern Über den ganzen Staat. Eine solche Darstellung liegt in den Berichten vor,

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie b.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Herrnansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Xhienec- in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quattal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS TomttagSblatt" durch die Expedition (R o ch'fche Buchdruckerei) bezogen S'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr., JnsertionSgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-

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