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,ti,tgen nimmt entgegen: Sl$rpebition d. Blattes, i^ied.Ännoncen-Bureauk I j[b- Dietrich u. Co. in Ltg und Hannover; Th. Ulrich in Frankfurt a.M.; U,senstem u. Bögler in

JUorfiurg, Mittwoch, 7. November 1883.

XVIII. Jahrgm^

WcheWc Zeitung

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. Co. in

Frankfurt a. M; Jüaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalibendank in

Berlin: 6. ThieneS in «berfelb: 6. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für bas Quartal mit bet wöchentlichen BeilageJllustrirtel vomtlag-blatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 8*/♦ Marl, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Oberhesfische Zeitung

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Dir Lesteueruug uueutbeyrltchrr LebeuSmittel.

Die fortschrittlich * manchestertiche Opposition versprich; jich bekanntlich ganz besonders große Erfolge von ihrem Kampfe gegen dieBesteuerung unentbehrlicher Lebens­mittel", und in der Thal hat sie hiermit schon einige Er­dige erzielt. Sie weiß am besten den Wert von Schlag- Litern zu schätzen, die sich an das Gefühl und nicht an dm Verstand wenden, und was könnte wohl daS Gefühl mehr empören, als der Gedanke, daß das, was man zu des Leibes Nahrung und Notdurft nötig hat, noch durch Steuern verteuert werden soll!

Aber daß die Opposition selbst an die Berechtigung bti Schlagworts:keine Steuer auf unentbehrliche Lebens­rnittel" glaubt, ist nicht anzunehmen. Sie muß wissen, d,ß kein Staat der Welt aus die Besteuerung von Gegen­ständen des täglichen Verbrauchs und Genusses verzichten kann und daß tatsächlich auch kein Staat darauf verzichtet. Die Bedürfnisse eines Staates können unmöglich allein durch direkte Steuern gedeckt werden: er muß zur Besteue­rung von ganz unentbehrlichen Lebensmitteln oder von nahezu unentbehrlichen Genußmitteln des verbreitetsten VolkS- luxuS, wie Kaffee, Tabak, Zucker, Bier, Branntwein, Salz u. j. w. greifen. Wie alle Staaten, so hat auch das deutsche Reich seine Besteuerung fast ausschließlich hierauf begründet.

Daß die fortschrittliche Opposition dtrS einsteht, darf Wehen: ihre Wortführer haben bei den Berliner Ge- oeinvewahlen oft genug erklärt, daß eS unnütz und thöricht ist, eine Forderung zu erheben, die nun einmal nach Lage der Sache gegenwärtig nicht zu erfüllen ist. Trotzdem werden sie nach wie vor versuchen, mit jenem Schlagwort Geichä te zu machen und dem Volke vorzuresen, daß nur eitReakUon" unentbehrliche Lebensmittel besteuere. Es wird daher nölig fein, einmal zu untersuchen, wie es solche Staaten mit diesen Steuern halten, die bei FortschrittS- huten nie in den Verdawt derReaktion" kommen können, Frankreich und England.

Wenn man die von ReichSwegen erhobenen Steuern nach der BevölkerungSziffer au, Preußen reduziert, fo zahlt Prruß.n an indlreklen Stenern (Steuern auf Lcbmö- inid Genußmittel) pro Kopf dec Bevölkerung 10 Mark, Großbritannien dagegen 25 86 Mk und Frank,eich 25,08 Mk.

Zieht man die indirekten Kommunalabgaben mit in Betracht, so wird das Mißverhältnis noch größer, weil in England und Frankreich die Gemeinden ihre Bedürfnisse zu einem weit größeren Teil durch indirekte Steuern decken; in Preußen fällt dann auf den Kopf 10,22 Mk., in England 28,50 Mk. und in Frankreich 30,13 Mk. Die direkten Staats« und Kommunalsteuern betragen dahingegen in Preußen 13,59 Mk., in England 30,25 Mk., in Frank­reich 31,33 Mk.

Was das Verhältnis der direkten zu den indirekten Steuern anbetrifft, so bringt Preußen nach neueren Untersuchungen GerstfeldtS von seinen sämtlichen Steuern 30.3 Prozent auf direktem Wege auf, England hingegen nur 17,7 Prozent und Frankreich 17 Prozent. Durch indirekte und VerkchrSsteuern werden in Preußen auf­gebracht 69,8 Prozent, in England dagegen 82,3 Prozent und in Frankreich 83,0 Prozent aller Steuern. Zieht man die Kommunalsteuern mit hinzu, so werden in Preußen an direkten Steuern aufgebracht 50,6 Prozent, in Eng­land 40,2 Prozent und in Frankreich 22,7 Prozent aller Stmern; an indirekten und Verkehrssteuern in Preußen 49,4, in England 59,8 und in Frankreich 77,3 Prozent sämtlicher Steuern.

Es ergiebt sich hieraus, daß Frankreich und England weit mehr als Preußen (bezw. Deutschland) die indirekten Steuern, wozu vorzugsweise diejenigen auf Lebensmittel gehören, entwickelt haben. Dieselben sind dadurch im staube, weit größere Steuerlasten ohne allzu großen Druck für den Einzelnen zum Wohle der Gesamtheit auf sich zu nehmen. Wenn in Preußen über die Höhe der Steuern geklagt wird, so kommt dies nur daher, daß die direkten Steuern und zwar namentlich in den Gemeinden zu stark ausgebildet sind. Eine höhere Besteuerung der Lebensmittel allein kann den Druck der Steuern beseitigen. Mit ihrem Schlagwort:keine Steuern auf Lebensmittel" wollen die Fortschrittler diesen Druck nur aufrecht erhalten und vermehren, um die hieraus entstehende Unzufriedenheit der Masten für ihre Zwecke ausbeuten zu können.

Deutsche- Reich.

Berlin, 5. Nov. Der Kaiser nahm die Einladung der Stadtbt Hörden zur kirchlichen Feier des Luthertages in der Nikolaiktrche an. Der Erzherzog Rudolf, Oesterreichs Kronprinz und Thronfolger, und dessen junge Gemahlin, Ihre Kaiserliche Hoheit die Erzherzogin St phanie, sind gestern abend 9 Uhr 37 Minuten zu m-hrtägtgem Be­suche am hiesigen Hofe cingetroffm. Die zum Bahnhof befohlene Ehrenwache war die erste Kompagnie res Kalter Franz Garde Grenadter-Reglments Nr. 2 unter Befehl deS Hauptmanns von T otha. Kurz vor der festgesetzten An­kunftszeit langte der Kaiser auf dem Bahnhöfe an, um pertönllch seine erlauchten Gäste bei deren Ai k-nst in

Berlin zu begrüßen. Allerhöchsiderselbe hatte die Uniform des 34. ungarischen Infanterie - RegimentsWilhelm I. deutscher Kaiser, König von Preußen" angelegt. Ebenso trugen auch der Prinz Wilhelm und der Prinz Friedrich Karl dem hohen Gaste zu Ehren die Uniform ihrer öster­reichischen Regimenter. Außer diesen beiden Königlichen Prinzen waren auch noch der Prinz Friedrich Leopold, der Prinz August von Württemberg und der Erbprinz von Sachsen-Meiningen kurz hintereinander vor Sr. Majestät dem Kaiser auf dem Bahnhofe erschienen. Der Kaiser sowohl wie die Königlichen Prinzen trugen die Dekoration und das große Band des König!, ungarischen St. Stefans- Ordens und außerdem noch mehrere andere österreichische Orden. Bei dem Einfahren deS Extrazuges in die Etsenbahnhalle präsentierte die'Ehren-Kompagnie, während dir Musik die österreichische Nationalhymne intonierte. Als­bald verließen der Erzherzog und die Erzherzogin unter den KlängenGott erhalte Franz den Kaiser* ben Salon­wagen. Se. Majestät der Kaiser war aber bereits, gefolgt von den Königl. Prinzen, den erlauchten Gästen entgegen­geeilt und begrüßte Höchstdieselben sofort, nachdem sie den Perron betreten, bot darauf der Erzherzogin Stephanie den Arm und führte dieselbe nach dem Salon, wohin der Prinz Wilhelm mit dem Erzherzoge nachfolgte. Nachdem hier der Kaiser die erlauchten Gäste noch einmal überaus herz­lich begrüßt, verließ et mit dem Erzherzog wieder den Wartesalon, um mit demselben die Front der Ehrenwache abzuschreiten, während der Prinz Wilhelm mit der Erz­herzogin Stephanie, die Rückkehr Höchstderselben erwartend, im Königl. Empfangssalon zurückgeblieben waren. Der Kaiser führte darauf den Erzherzog Rudolf, welcher die Uniform des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments mit dem GeneralSabzeichen trug ' und das Band de« hohen Ordens vom Schwarzen Adler angelegt hatte, die Front der Ehren-Kompagnie entlang. Darauf meldete sich dann beim Erzherzoge auch der zum Ehrendienst befohlene Kom­mandeur der Garde - Kavallerie - Division Generalleutnant von Winterfeld und hierauf kehrte der Kaiser mit dem Kronprinzen Rudolf nach den Fürstenzimmern zurück. Nach den üblichen Vorstellungen des beiderseitigen Gefolges, in dem der erlauchten Gäste befanden sich die Hofdame Gräfin Waldstein, der Oherhofmeister Admiral Graf BombelleS und der Flügeladjulant Oberstleutnant v. MittrowSki, wurde dann die Fahrt nach dem Königlichen Schlöffe an­getreten. Im ersten Königlich n Stadtwaaen geleitete Se. Majestät der Kaiser den Erzherzog dorthin, während der Prinz Wilhelm in einem zweiten mit der Erzherzogin St phanie nachfolgte. Am Aufgange zu den Köuigin- Muttcr Kammern erwartete der Kaiser die Ankunft der Erzherzogin und, nach em diese erfolgt, bot Allerhöchst- terselde dieser wieder den Arm, um die hohe Frau die Treppe hinauf nach den hin - Mutter - Kammern zu

17

rr 1883.

llung des

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Angelika.

Novelle von 6-Lenzendorf.

O," versetzte Angelika von Roden und deutete Über mit prächtigen alten Linden- und Kastanienbäumen be- idenen Garten hinweg auf die anmutig geformte, be- dete Hügelkette, welche hn Norden den Horizont ab-

Man hatte bereits den Th?e eingenommen, als auch lllbrecht von Wulwr stein, welcher soeben von tinem Ritt über die zu der Besitzung der Frau von Wulfenstein g- hirigen Felder zurvck«rkchrt war, in der auf den Garten gehenden Veranda des Hause« erschien, wo der Thee serviert vorven war. Da er alle Anwesenden kannte, mit Ausnahme les Herrn van Blombiik, so stellte ihm seine Mutter den Letzteren vor. Die beiden jungen Männer verneigten sich Wnseitig böslich, aber die kalten Blicke, mit denen sie sich hierbei musterten, sprachen gerade nicht dafür, daß sie für Einander große Sympathien empfänden und Albrecht von Wulfenstein wandte sich denn auch, nachdem er einige gleich­gültige Phrasen mit Herrn van Blombirk gewechselt, rasch tei von den drei jungen Damen und Herrn von Singer gebildeten Gruppe zu.

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[3788 bürg.

Als er an den Tisch, an welchem die Genannten saßen, freundlichem Gruße herantrat, reichte er seiner Koustne Ha'd, in welche dieselbe ohne Zögern ihre zarten, hstzen Finger legte, und sagte mit herzlicher Betonung: Ätfltommen, liebe Koustne, auf Bevern; ich brauche Hnen und Ihrer Frau Mutter wohl kaum zu versichern, et freut ich bin, Sie in unferm Heim, das sich mit obrem Schloß freilich niLt an Größe und Pracht mess n . An, zu begrüßen und ich will hoffen, daß Sie die besten Abdrücke aus unserem Kreise mitnehmen mögen."

Bürger. i2 Uhr. Jecht. iadj. iei.

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stet.

srlvß, währ.nd vor den Hüg In ein terraffemörmigeS Ge­lände sich ausbreitete, daS mit reizenden Villen und kleinen, im Grün fast ganz versteckten Dörfern bedeckt war, invtß am Fuß dieses G ländeS ein Fluß herübeibl'tzte,hier ist eS so wu verschön! Hier diese herrlichen Bäume, dort drüben bet schimmernde Fluß, darüber die weißen stolzen Schlöffet und em Ich die herübetgrüßenden Hügel wie schön, wie schön ist dies Alles! Die« haben wir in unfetm großen Parke nicht, denn überall stößt dort bet Blick auf die häßliche graue Mauer und ich sehe kaum die Wipfel der Bäume in den benachbarten Gärten."

Mit leuchtenden Augen sah die Sprecherin bei diesen Worten in die Ferne, so daß die Blicke Albrechts von Wulfenstein mit Interesse und Teilnahme auf dem feinen, rosig angehauchten Antlitz Angelika'S von Roden hafteten und er erwiderte jetzt:Wer allerdings wie Sie, liebe Koustne, gewissermaßen nur auf den Park eines Schlosses beschränkt gewesen ist, der wirb überrascht fein, wenn er zum ersten Mal einen Ausflug in bie ja so reizende Umgebung unserer Residenz macht und ich hoffe, daß Sie und meine gnädige Frau Tante nunmehr es sich angelegen fein lasten werden, unsere nähere und weitere Umgebung kennen zu lernen, wobei ich mich den Damen als gewissen­hafter Cicerone ganz zur Disposition stelle. Für heute freilich," fügte er lächelnd hinzu,ist es zu spät, um jenen Bergen dort drüben, die Ihre Sehnsucht zu erwecken scheinen, den sogenannten Marwitzer Bergen, noch einen Besuch abzustatten. Indessen können wir einen Spazier­gang nach der Ftanzenhöhe, einer kleinen, noch inmitten unserer Besitzung gelegenen Erhöhung, unternehmen, von wo ans man ein weit schöneres, umfangreicheres Bild genießt, als hier von der Veranda aus und wenn die

Her,schäften nicht« dagegen babn, so plai iere ich für die sofortige Ausführung meines Vorschlages."

Der Vorschlag fand so allseitige Zustimmung, daß selbst Herr van Blombirk nicht zu widersprechen wagte, obwohl ihm der längere Aufenthalt in diesem fröhlichen Kreise sichtlich immer unang nehmet wurde und so fetzte sich die Gesellschaft in Bewegung. Anfangs war die Unterhaltung eine allgemeine, aber bet schmäler roerbenbe Feldweg, welcher nach dem Austritte au« dem Garten zu der Franzenhöhe führte, zwang die Gesellschaft, sich in Gruppen zu sondern, deren erste Albrecht von Wulfenstein und seine Kausine bildeten, ihnen folgten lachend und schäkernd Herr von Singer und die beiden Fräulein von Bakcoth, hinter denen die Jndlerin, Fran von Wulfenstein und Fran von Baktoth, ebenfalls in lebhafter Konversation begriffen, schritten. Herr van Blombirk bildete ben Schluß des Zuges unb beschäftigte sich eifrigst damit, in einer Art schlecht verborgenen Zornes mit seinem Spazietstöckchen ben an beiben Seiten des Wege­stehenden Blumen unbarmherzig bie Köpfe abzuschlagen, wobei er jeboch nicht unterließ, von Zeit zu Zeit einen lauern­den Blick nach Albrecht von Wulfenstein unb Angelika von Roden zu senden, welche Atm In Atm ben Uebtlgen etwas votangeeili waren unb bereits bie Franzenhöhe erreicht halten.

Mit einem Ausrufe des Entzückens betrachtete Angelika das sich eröffnende landschaftliche Panorama, denn man erblickte von hier aus nicht nur einen großen Teil der Residenz und der sie in weitem Halbkreis Anschließenden Hügel mit ben sie bedeckenden Ortschaften, sondern über letztere hinaus noch schweifte da« Auge, zu höher an« strebenden Bergen, welche endlich am äußersten Horizonte in blaue dunstige Massen verschwommen. (Fortsetzung folgt)