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Marburg, Dienstag, 6. November 1883.
XVm. Jahrgang.
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grUeint täglich außer an den Werktagen nach Eonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage .JllustrirteS VomrtaaSblatt" durck di» < o „
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Deutsches Reich.
derliu, 3. Nov. Se. Majestät der Kaiser stattete
UB* Für die Monate November u. Dezember nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Landpostboten) auf die
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Sxpedition d. BlatteS, rL, d.Ännoncen-Bureaux le jh. Dietrich u. Co. in tffii und Hannover; Th. Aki» in Frankfurt a.M.; Aiafenfietn u. Vogler tn jr'tfutt a. M., Berlin, Etiig, Köln ic.; Rudolf «jfe in Berlin, Frank- furt a. M. ic.
iehnborff, v. Albedyll und Major v. Bröstgke, ferner der russische Militärbevollmächtigte, Fürst Dolgoruki, der Kom- .. aanbant von Berlin, Generalmajor v. Oppeln-BronikowSki, _ ier Direktor der Sammlungen des Zeughauses, Profestor * Beiß, und die an der inneren Vollendung deS Zeughauses hatig gewesenen Künstler versammelt. Nachdem Se. Maje- läl sämtliche Herren begrüßt hatte, wurde der Rundgang >urch die Prachtsäle unter Führung deS Obersten Ising mb Professors Weiß angetreten. Nach Besichtigung deS kovembtl ürtilleriemuseums begab sich Se. Majestät in die Jngenieur- ibteilung, tn welcher u. a. auch die Festungsmodelle stehen. Inter diesen betrachtete der Kaiser lange und mit sichtlichem Znleresie die Modelle von Sedan und Straßburg. Darauf vurde über die große Treppe der Gang in die obere Etage
htule mittag rem Zeughause einen mehr als zweistündigen Besuch ab. Um 12 Uhr erschien Allerhöchst derselbe, begleitet vom Flügeladjutanten Oberstleutnant v. BomSdorff, in offener Equipage vor dem Hauptportal, dort vom Kom- )D Saab Mandanten deS Zeughauses, Oberst Jnsing, empfangen und ’ in daS Innere geleitet. Hier standen die Minister v. Putt- tamer, dieser in seiner Eigenschaft alS Vize - Präsident deS StaatöministeriumS, Maybach, v. Goßler und Bronsart v. Schellendorff, die General- und Flügeladjutanten Graf o. d. Goltz, Fürst Radziwill, Frhr. v. Steinäcker, Graf
mommen und zunächst die Waffensammlung besichtigt. Konceff l8t einzelnen Gegenstände, Schuppenpanzer, Beile, Schwerter, mnehmlich aber die Uniformstücke früherer Zeit fesselten «n Monarchen für längere Zeit, der sich über die kleinsten dachen ganz genau informieren ließ, wie dies gleich daraus
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoneen-Bureaux von L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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nab.Hani ^tlgsain, ja, ich möchte fast wetten, daß ein mißver- ---Qit.i um Qhrp mm kl«
[375 der RuhmeShalle der Fall war, in welcher der — Monarch die Büsten dec Herrscher und Heerführer lange mb eingehend betrachtete. Besonderes Wohlgefallen sand . , re. Majestät auch an der Ausschmückung der noch unvoll-
aemver. ndeten Kuppel und sprach sich zu seiner Umgebung wieder- ui» mit anerkennenden Worten über alles Gesehene auS.
Bevor Se. Majestät um 2'/i Uhr auS dem Zeughause schied, gab er seiner Anerkennung noch dadurch besonderen Ausdruck, daß er dem Obersten Ising den Roten Dler- orden 3. Klasse mit der Schleife verlieh und den Professor Weiß zum Geh. RegierungSrat ernannte. Ober-Zeugwart Müller erhielt den Kronenorden 4. Klaffe. Am Montag wird daö Zeughaus in der Zeit von 10—2 Uhr mittags zum ersten Mal dem großen Publikum geöffnet sein, und wird vorläufig diese Zeit für die tägliche Besichtigung beibehalten werden. — Unter dem Vorsitze deS Staatsministers v. Bötticher wurde am 2. November eine Plenarsitzung des Bundesrats abgehalten. Die Versammlung erteilte gemäß den Vorschlägen der Ausschüsse dem Entwürfe der AuS- führungSbestimmungen zu der Uebereinkunft zwischen Deutschland und Frankreich betreffend den Schutz an Werken der Litteratur und Kunst, vom 19. April 1883, die Zustimmung. — In der bevorstehenden Session werden dem Landtage, wie die „Kreuz-Ztg." hört, seitens des landwirtschaftlichen Ministeriums Landgüter - Ordnungen für die Provinzen Schlesien und Schleswig-Holstein und außerdem das Konsolidationsgesetz für die Rheinprovinz zugehen. Letzteres liegt gegenwärtig dem Obergericht in Köln zur Prüfung vor und wird auch dem Ende dieses Monats zusammentretenden rheinischen Provinzial-Landtage zur Begutachtung vorgelegt werden. Auch verlautet, daß dem Landtage die neue Jagdordnung vorgelegt werden wird; doch sind darüber noch keine definitive Bestimmungen getroffen worden. — Der „Aktionär" bestätigt, daß der LandeSeisen- bahnrat demnächst und zwar wahrscheinlich noch im Laufe der nächstfolgenden Woche zu einer Sitzung zusammentreten wird. Die Einberufung macht sich mit Rücksicht auf die ebenfalls nahe bevorstehende Einberufung des Landtags notwendig, dem in hergebrachter Weise alsbald nach seinem Zusammentritt der StaatShauShaltS-Etat vorgelegt werden wird. Dem EtatSentwurfe ist eine Ueberstcht der Normal- Transportgebühren beizufügen und über diese Ueberstcht ist vorher der Landes-Eisenbahnrat zu hören. — Wie der „Reichsanzeiger" meldet, wurde Herrn Wettendorf der Charakter eines Geheimen RegierungSrats verliehen. — Der neu berufene Hof- und Domprediger Bayer ist den Morgenblättern zufolge zum Ober - Konststortal - Rat ernannt und in den Oberkirchenrat berufen worden. — Auf Veranlassung des Kultusministers hat das Königliche Provinzial-Schulkollegium und die Ministerial-Baukommis- sion in Berlin im verflossenen Winter in mehreren Gymnasien und sonstigen Lehranstalten Berlins eingehende Unter« iuchungen über die Beschaffenheit der Luft in den Klassenzimmern anstellen und dabei den Einfluß der Heizungs- und
in den Hof und lenkte die Aufmerksamkeit der Frau vom Hause nach einer anderen Richtung; nach einigen Minuten öffneten sich die beiden Flügel der zum Salon führenden Thüre und herein traten die verwitwete Baronin von Roden und ihre Tochter Angelica, denen ein junger Herr in gewähltestem Gesellschaftsanzuge folgte, bei dessen Anblick Herr von Singer, mit einem keineswegs freundlichen Blicke ihn musternd, murmelte: „Bei Gott, es Ist dieser BlombirkI"
Die beiden Damen von Roden trugen eng anschließende scbwarzseidene Gewänder; als einzigen Schmuck hatte die Baronin eine Perlenkette angelegt, während den Hals An- gelicas ein funkelndes Diamantkreuz schmückte. Das schwarze Kleid Angelicaö von Roden bildete zu dem rosigen, zarten Teint und dem hellblonden Haar des jungen Mädchens einen eigentümlichen, aber anziehenden Gegensatz und die Augen der Frau von Bakroth und die ihrer Töchter ruhten mit offenbarem Wohlgefallen auf der frischen Erscheinung Angelicas. WaS Herrn van Blombirk anbelangte, so war derselbe ein junger Mann von fünfundzwanzig bis sechsundzwanzig Jahren; seine GesichtSzüge wären vielleicht schön zu nennen gewesen, wenn ihnen nicht der unverkennbare Stempel rasch durchlebter Jahre aufgedrückt gewesen wäre, dafür sprachen die etwas schlaffen Züge und der bleiche Teint, nur in den großen, schwarzen Augen blitzte etwas wie verhaltene Leidenschaft und um die schmalen Lippen lag ein gewiffer energischer Zug, welcher sein Gesicht aber nicht anziehender machte. Beim Eintritt der Neuangekommenen war ihnen Frau von Wulfenstein rasch entgegen« geeilt, hatte ihre Nichte herzlich bewillkommnet und die tiefe Verbeugung van BlombirkS, welcher hierbei seinen Namen nannte, mit einem nicht uns eundlichen Neigen deS Kopfes beantwortet. Frau von Wulfenstein übernahm hierauf die gegenseitige Vorstellung idier Gäste, wobei eS ihr nicht entging, daß Herr van Blombirk, alS er Herrn von Singer vorgestellt wurde, einen Moment betroffen aufblickte, sich aber dann rasch sammelte und mit erzwungener Freuud-
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Endlich war der Tag, an welchem Aida von Roden in «gleitung Angelika's und deS Herrn van Blombirk ihren Tawern. Gegenbesuch in Bevern machen wollte, herangenaht. Frau )mnnftafiiCn und ihre Töchter, sowie Herr von Singer ir ertbeil« Men ^ete*16 *n bem Empfangssalon ver Frau von Wulfm- |375 ,ln versammelt und die letztere hatte den Versammelten ------eben eine flüchtige Schilderung der noch zu erwartenden ft., M. 21 «sie und deren Verhältniffe gegeben. Frau von Bakroth, 3! 6c noch stattliche, brünette Dame, war begierig, die Be- 3.! "nischafl einer geborenen Indien» zu machen, während 4.5 $ ihre beiden Töchter, graziöse, lebensfrische Mädchen- b.l malten, besonders darauf freuten, Angelika von Roden z. zu lernen. Nur Herr von Singer, ein Mann von 2,1 sechsundvierzig bis fünfzig Jahren, mit offenen, ein« 8,3 senden GestchtSzügen, zu denen aber eine gewiffe Ver- 3.( wnbeit, die aus seinen klugen Augen und dem scharf- ^ntttenen Munde sprach, nickt recht paßte, saß mit 9_'j Binder Miene neben Frau von Wulfenstein, so daß diese, .( ® Einen leichten Schlag auf die Schulter gebend, sagte: ig ttn, Herr von Singer, Sie sind ja heute so merkwürdig
Lüftungsanlagen prüfen laffen. Die im Zentralblatt der Bauverwaltung nunmehr veröffentlichten Ergebniffe der Untersuchungen zeigen aufs klarste, wie dringend notwendig diese Prüfungen waren und welcher Unterlassungssünde sich die Schulverwaltungen und Architekten schuldig machen die es verabsäumen, Schulbauten ohne die erforderlichen LuftungSvorrichtungen herzustellen. In den Klaffenzimmern einiger Anstalten stieg der schädliche Gehalt an Kohlensäure, die sich in geschloffenen Räumen durch daS AuS- atmen der Jnfaffen schnell vermehrt, im Verlaufe der Unterrichtszeit auf daS Vierfache, ja, auf daS Sechs- und Achtfache derjenigen Menge, welche als äußerste zulässige Grenze anerkannt ist, wenn anders der Aufenthalt in solchen Räumen der Gesundheit nicht schädlich werden soll. Anderseits erwies sich in mehreren Anstalten, in denen gute Lüftungseinrichtungen vorhanden waren, die Klaffenluft während der ganzen Dauer des Unterrichts als normal zusammengesetzt und von gleichmäßiger und guter Temperatur. Selbstredend haben die Untersuchungsergebnisse alsbald dazu geführt, die in mehreren Lehranstalten vorgefundenen Uebelstände durch Einführung vom umfaffenben LuftungSvorrichtungen abzustellen. Die hier gemachten Erfahrungen mahnen aber dringend, derartige Prüfungen allgemeiner anzustellen: denn wie mag es in manchen anderen Städten in dieser Beziehung aussehen, wenn in einem Teile der als vortrefflich ausgeführt und eingerichtet bekannten höheren Lehranstalten Berlins bislang solche Stift« verhältniffe geherrscht haben. Bringt doch unsere Jugend einen erheblichen Teil ihres Lebens in der Schulstube zu. — Der Entwurf zu einem Gesetze, betreffend die Errichtung und Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, durch welche auf der Grundlage deS Kommunalprinzips der VolkSschul- Unterhaltungspflicht die letztere unter unmittelbarer Einfügung des Staates in den Kreis der gesetzlich Unter« haltungSpflichtigen neu geregelt werden soll, ist bereits im Kultusministerium aufgestellt worden, allein es ist wegen Mangels an den erforderlichen Geldmitteln noch fraglich, ob der Gesetzentwurf schon dem nächsten Landtage vorge- ttgt werden wird. Hierüber, sowie über den Inhalt deS Gesetzentwurfs ließ die Staatsregierung bereits während der letzten LandtagSsefston in der UnterrichtSkommisston deS Abgeordnetenhauses folgendes mitteilen: „Nach dem Plane dieses Gesetzentwurfs soll die Feststellung der Normen der Lehrerbesoldungen einen integrierenden Teil derselben bilden. Gleicherweise ist beabsichtigt, die zur Neuordnung deS Pen« sionSwesenS der Volksschullehrer erforderlichen Bestim- mnrigen in dem gedachten Gesetzentwurf als integrierenden Teil desselben mit aufzunehmen. Bei der anderweitigen lichkeit sagte: „Ah, Herr von Singer — ich bin wirklich sehr erfreut, in diesem gastlichen Hause Ihnen zu begegnen und hoffe, daß wir Muße haben werden, Manches aus unserem Klub gemütlich zu besprechen."
„Ich bin gleichfalls sehr angenehm überrascht, Ihnen in diesem Kreise wieder zu begegnen, Herr van Blombirk," entgegnete Herr von Singer mit einer Stimme, die es im Zweifel ließ, ob er seine Worte ernsthaft meinte, „allerdings war unser persönlicher Verkehr im Klub nur immer ein sehr flüchtiger, aber das hindert ja nicht, daß wir unsere Klub-Erelgniffe gegenseitig austauschen, obwohl ich fürchte, daß manche derselben kaum für das Ohr von Damen taugen werden.
Herr von Singer heftete einen unverkennbar ironischen Blick auf den vor ihm Stehenden, so daß Herrn van Blomdirk's Augenbrauen sich drohend zusammenzogen, aber schon hatte sich Herr von Singer den beiden Damen von Roden zugewendet und war bald mit Angelika von Roden in ein lebhaftes Gespräch verwickelt, an welchem auch die beiden Töchter der Frau von Bakroth eifrig teilnahmen, während ihre Mutter sich mit ter Baronin von Roden in ein von Seiten der Letzteren anfangs sehr zurückgebalteneS Gespräch über Indien einließ. Jndeffen gelang eS der likbenSwurdigen, gewinnenden Weise der Fran von Bakroth bald, die Schüchternheit der Jndierin zu überwinden und die Unterhaltung wur e nun rasch allgemein. Nur Herr van Blombirk schien sich nicht recht behaglich zu fühlen, wenn er sich auch Mühe gab, feine verdrießliche Stimmung zu verbergen; nur, um nicht aufzufallen, beteiligte er sich bann und wann an der Unterhaltung, im übrigen blieb er jedoch wortkarg und verschlossen. Die übrige Gesellschaft schien dies jedoch nicht zu beeinträchtigen und oft erklang das helle Lach n der jungen Damen, denen Herr von Singer in halb chevaleresker, halb drolliger Weise den Hof machte, denn er war hierbei unermüdlich an launigen Einfällen und Bemerkungen. (Fottfc-ung folgt..
----'Wer Zug um Ihre Lippen spielt; darf man nicht die "»che dies-.r anscheinenden Verstimmung erfahren?"
iU Kali- haben Recht, gnädige Frau," erwiderte Herr von „Ich bin etwas verstimmt und zwar darüber, daß _ , "*cfem H rrn van Blombirk, deffen Sie erwähnten, hier lUrieaw 'Ihnen begegnen sell: e« unterliegt fast keinem Zweifel, tS‘ ■derselbe Herr van Blombirk ist, den ich von meinem "b her kenne und welcher dort in einem nicht besonderen bömmö steht, indessen will ich vorläufig schweigen, um önb auch Ihren Gästen nicht die Laune zu verderben." Jjtau von Wulfenstein wollte Herrn von Singer noch 8tt fragen, aber in diesem Augenblick rollte ein Wagen