Einzelbild herunterladen
 

ortto. Skr. 2S7

Marburg, Sonnabend, 3. November 1883.

XVffl. JahlMg.

$ Havl^ und

>ohl ichtSdieiist

«Chritz bds.8^

Imeni.

ier.

fovbr., hr an, in seine» »(Nord, liotli^ des Herrn

a r> gegen >ie Biblio-

) Bänden und liegt i Einsicht

[3707

etter.

Herr:

mit Li­ren. M _ [3708

-Jacken en in ba m Farbe oder nu

alt Hoi !0.

VS«-ei h Must!

[372

/38 mSbl ten. [371

Cabinet en [en 22. Labinet in. Nih [371!

ich Mit ähercs Nr. 3.

Bäckerei isucht DOS jmibt, 28.

sind ui» iräh. i. d [3722

ermiethrih i r.

592.

It

bürg, 14.

98

58

101 102 !O1! 102 101

67 74

71 294

99 22» 118 1011 l«)i 691

101', 101i 101$ lOOg 101 100

66t 73! 96

1024 97{ 57 76!

704 292|

98 22U 117' 101 100»

69$

«eigen nimmt entgegen: die Expedition b.Blatte», (eDie b.ülnnoncen-Bureaut

Th- Dietrich u. 6o. in »effel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; ftaafenftein u. Vogler in franlfurt a- M., Berlin, lipjig, Köln re.; Rudolf Sgfle in Berlin, Frank- furt a. M. re.

(Olirrljdfifilir Jritimg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoneen-Bureanx von L. Daube u. Es. in Frankfurt a. M-; JSgerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. LhieneS In Elberfeld: E- Schlotte dr ötttncn.

Erscheint täglich außer an den Werttaam nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJünstrirta» Somrtagsblatt" durch die Expedition («o ch'sche Buchdinckerei) bezogen 8/* Mark, durch die PostLrnter de» Deutschen Reiche» 8 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 86 Pfn. berechnet

Mf Für die Monate November u. Dezember nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Land­postboten) auf die

Oberhesfische Zeitung

itttb deren Gratisbeilage

Illustriertes SormtagSblatt Bestellungen entgegen.

Deutsche- Reich.

Berti«, 31. Okt. Der Kaiser besuchte heute abend mit dem Prinzen Wilhelm und zahlreichen Generalen den in der Kriegsakademie stattgehabten Bortrag des Afrika- reisenden Leutnant Wißmann über die erste Durchquerung de» äquatorialen Afrika. In den Kreisen der höheren Beamten des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten nimmt man mit Bestimmtheit an, daß Minister Maybach aus Gesundheitsrücksichten gezwungen sein wird, in kurzer Zeit seine Entlastung zu nehmen. Der Aufenthalt in Italien und der Schweiz ist nicht von stichhaltiger Wirkung gewesen, und das frühere Nebel hat sich rasch wieder eingestellt, sobald der Minister seine AmtSgeschäste wieder übernahm. Den Näherstehenden konnte dies allerdings nicht zwetfel- hast sein, da für die Verwaltung des AtbeitSmtnisteriumS in der jetzigen Zusammensetzung wegen seiner Größe, Aus­dehnung und Wichtigkeit auf die Dauer kaum die Kräfte eines geistig und körperlich sehr rüstigen Mannes mehr auSreichen. Herr Maybach befindet sich augenblicklich in einer so hochgradigen Abspannung, daß die in der Nähe seines Arbeitszimmers befindlichen Büreaux haben verlegt wcroen müssen, und die Beamten durch Al sichen in den Treppen und Korridoren aufgefordert werden, jeeeS Geräusch zu verweisen. Gleichzeitig taucht von anderer Seite die Nachricht auf, daß Erwägungen im Gange seien, in welcher Weise bet dem zunehmenden Umfang der Staatsbahnlinien in dem Ministerium oer öffentlichen Arbeiten eine teilweise Entlastung herbeigesührt werken könnte. ES ist dabei auch der früher bereits ventilierte Vorschlag wieder angeregt worden, von dem genannten Ministerium die Abteilung für Bauwesen abzuzweigen und dieselbe, da ein eigenes Bauministerium zu schaffen noch nicht angängig erscheint, mit dem Handelsministerium zu vereinigen. Die Angelegen­heit soll jedoch noch in den ersten Stadien der Verhandlung sich befinden. Die Meldung, daß die Errichtung von ordentlichen Professuren für Elektrotechnik an den technifchen Hochschulen zu Berlin, Aachen und Hannover schon im nächsten Etat werde vorgeschlagen werden, wird jetzt von derN Pr. Zlg." bestätigt. Aus landwirtschaftlichen Kreisen war oem Minister deS Innern ein Gesuch zu­gegangen, eine Revision deS den Schlachthauszwang be­

treffenden Gesetzes vom 18. März 1868 herbeizuführen, namentlich aber das nicht gewerbsmäßige Schlachten von dem Zwange, wo er durch Gemeindebeschluß besteht, aus­zunehmen. Im Einverständnisse mit den Ministern für Handel und Landwirtschaft hat der Minister des Innern das Gesuch abgelehnt und dabet bemerkt, daß eine derartige Aenderung die Besorgnis nahe lege, daß von dem Haus­schlachten ein übermäßiger Gebrauch, ja wohl gar Miß­brauch gemacht werden würde. Für die durch die Er­nennung des Herrn v. Hagemeister zum Oberprästdenten von Westfalen erledigte Stelle deS Präsidenten der Regie­rung zu Düff'ldorf ist der Regierung« - Vize - Präsident Freiherr v. Berlepsch zu Koblenz bestimmt. An seine Stelle wird der bisherige Oberprästdtalrat v. Sydow zu Breslau treten. Zum Polizeidirektor von Potsdam an Stelle des verstorbenen Präsidenten v. Engelken dürfte der Landrat Wolffgramm zu Gerdauen designiert fein. DerReichS- anzeiger" enthält eine amtliche Bekanntmachung von gestern, welche eine gesundheitspolizeiliche Kontrolle wegen deS Aus­bruchs der Cholera in Peking anzeigt.

Berlin, 1. Nov. Der Kaiser konferierte heute längere Zeit mit dem Kriegsminister und erteilte nach­mittags dem Botschafter Fürsten Hohenlobe Audienz. Das österreichische Kronprinzenpaar trifft hier am nächsten Sonntag zu mehrtägigem Aufenthalte ein. Am Dienstag findet zu Ehren des Kronprinzen Rudolf eine Parforcejagd im Grünewald statt. Der Kronprinz wird voraussichtlich auch am 8. und 9. November an der Hofjagd in der Schorfhaide teilnehmen. Der Botschafter Fürst Hohen­lohe, der heute früh von seinen Besitzungen wieder hier etngctroffen ist, beabsichtigt sich morgen auf seinen Posten nach Paris zurückzubegeben. Unter dem Vorsitze des Staatsministers v. Bötticher wurde am 31. Oktober d. I. eine Plenarsitzung des Bundesrats abgehalten. Von der Vorlage, betreffend den Stand der Arbeiten der zur Vor­bereitung einer Reform der Zuckerbesteuerung eingesetzten Enquete-Kommission, nahm Die Versammlung Kenntnis. Der Vorsitzende machte Mitteilung von der erfolgten Ver­pflichtung eines neuernannten Mitgliedes der Königlich preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden. Dem Entwürfe von Ausführungsbestimmungen zur deutschen Ge­werbeordnung erteilte die Versammlung gemäß den An­trägen der Anschüsse ihre Zustimmung; zugleich erklärte die Versammlung mehrere, auf die Ausführung des § 44 der Gewerbeordnung bezügliche Eingaben durch diese Be- schlußfaffung für erledigt. Der Entwurf der AusiührungS- bestimmungen zu der Uebereinkunst mit Frankreich wegen deS Schutzes an Werken der Litteratur und Kunst wurde zur nochmaligen Vorberatung an die Ausschüsse zurück­verwiesen. Eine Eingabe, betreffend die Gestaltung deS Ankaufs von Menschenhaaren im Umherziehen, wurde zu- rückgcwiesen. Nachdem eie Versammlung von zwei Ein­

gaben brtreffend Klagen über Schäden der Gewerbefreiheit in Stadt und Land, sowie betreffend die Vagabondage und die Mittel zu ihrer Abhülfe, Kenntnis genommen hatte, faßte dieselbe schließlich Beschluß über die geschäftliche Be­handlung einer auf Versetzung in eine höhere ServiSklaffe gerichteten Eingabe. Die im gestrigen Artikel demBerl. Tageblatt" nach gebrachte Nachricht, daß der Minister Maybach aus Gesundheitsrücksichten gezwungen werde, in kurzer Zeit seine Entlastung zu nehmen und daß derselbe sich augenblicklich in einer so hochgradigen Abspannung befinde, daß die in der Nähe seines Arbeitszimmers be­findlichen BüreauS hätten verlegt werden müsten, ent­behrt, wie diePost" hört, in allen Teilen der Begründung. Der Herr Minister erfreut sich eines sehr guten Wohlseins und hat die Kur im Sommer eine nach­haltige Wirkung gehabt. Es wird zuverlässig gemeldet, daß andere Verwaltungsvorlagen, als die für die Provinz Han­nover, in der nächsten Session nicht erscheinen werden. Dieser Entwurf ist aber, soweit er von dem Ministerium des Innern allein abhängt, durchaus abgefchlosten. Behufs feiner definitiven Abschließung handelt eS sich nur noch darum, mit dem gegenwärtig versammelten Provinzial- Landtage von Hannover über die Regelung der Wegebauten im Zusammenhänge mit den neuen Behörden-Einrichtungen zu einer Verständigung zu kommen. In einem zuweilen offiziös bedientem Blatte befindet sich folgende Notiz:Die Verhandlungen behufs Erwerbung de» Unternehmens der Berlin-Hamburger Eisenbahn für den Staat sind bekanntlich seither durch diejenigen Schwierigkeiten erschwert worden, welche seitens Mecklenburgs erhoben wurden. Wie wir hören, haben in neuerer Zeit Annäherungen zwischen den beiden verbündeten Regierungen stattgefunden, hervorgerufen durch hohe maßgebende Persönlichkeiten, welche eine baldige Verständigung in sichere Aussicht stellen. Die Verhand­lungen mit dem Hamburger Senat wegen der Strecke Hamburg-Beraekvrf haben bereits zu einem vollständig be­friedigenden Resultat geführt, so daß ein baldiger Abschluß der ganzen Angelegenheit zu erwarten steht."

Breslau, 1. Nov. ''Der Wagen, worin der Prinz und die Prinzessin Albrecht gestern abend von Frankenstein zu'ückkchrten, kam im Dorfe Zadel infolge dichten Nebels vom Wege ab und wurde umgeworfen. Die Prinzessin erlitt einen leichten Knochenbruch oberhalb deS rechten Knöchels. Die Nacht verlief fieberloS. Der Fürst- blfo of ist gestern aus Rom zurückgekehrt.

Posen, 31. Okt. Ein sür die Kreise Schildberg, Adel- nau, Pieschen, Krotoschin und Kröben erlasteneS Verbot der Verladung von Rindvieh auf Ei|enbahnen ist wieder aufgehoben worden.

Glogau, 31. Okt. Im Prozeß Förster und Genoffen beantragte oer Staatsanwalt gegen Friedrich Förster fünf­jähriges Gefängnis und fünfjährigen Ehrverlust, gegen

14 Angelika.

Novelle von T. Lenzend orf.

Nach herzlichem Abschiede von den beiden Damen ent­fernte sich Frau von Wulsenstein mit ihren beben Söhnen alSdann auS dem seltsamen Hause und verließen, durch den Park schreitend, auch rasch die prachtvolle Besitzung ihre» verstorbenen Bruders, worauf sie ihren noch draußen harren­den Wagen bestiegen, der sie nach der Residenz brachte.

Als Baron Maximilian und feine Schwägerin, Gräfin von Roden, mit ihren Söhnen und Töchtern das Schloß dts verstorbenen Barons Sigismund verlaffen hatten, waren ste thatsächlich sofort zu dem Advokaten Doktor Schurzer geeilt, um mit dessen Re chsbeistand Einspruch gegen die Gültigkeit der Ehe und deS Testaments deS BaronS Sigis­mund zu erheben.

Der Doktor Schurzer war aber bei der Ankunft des Amons und der Gräfin nicht zu sprechen, er war in einer Arozeßsache abwesend und der Baron und die Gräfin meldeten sich daher für ben nächsten Vormittag al« in einer dringenden Rechtssache bei dem Advokaten zur Konferenz an, denn diese beiden Anverwandten deS verstorbenen BaronS Sigismund von Roden hielten mit leidenschaftlicher Zähigkeit an dem Plane fest, daß da« Testament ihres Bruder« und Schwagers von Recht« wegen umgestürzt werden könne. Bon diesem Plane hatten sie sich nicht nur durch die Bitten ihrer Schwester und Schwägerin, der Frau von Wulsenstein, Nicht abbringen lasten, sondern auch ein erneuter Versuch derselben, ihres Bruders Sinn zu ändern, blieb ganz erfolglos.

Noch am Abende destelben Tage» sandte nämlich Frau Wulsenstein ihren ältesten Sohn Albrecht zu ihrem

Bruder, dem Baron Maximilian, ließ diesem sagen, daß ste mit ihren Söhnen der Witwe und Tochter Sigismund« einen Besuch gemacht habe, um d ß es ihr thatsächlich als richtig schiene, daß diese indische Frau die rechtmäßige Gemahlin Sigismunds gew fcn sei.

Ferner warnte Frau von Wulsenstein ihren Bruder eindringlich vor einem feindseligen Vorgehen gegen die Jndieriu und deren Tochter, da hierdurch leicht alle Erb- schasts aussichten für alle Anverwandten verloren gehen könnten und außerdem ihr Bruder noch die Kosten eines langwierigen ProzesteS würde zahlen müssen. Von der Existenz des Verlobten der Tochter der Jndierin schwieg Frau von Wulsenstein, da sie glaubte, daß die Erwähnung dieses Umstandes auf die Entschließungen ihres Bruders wahrscheinlich nur im gegenteiligen Sinne Eifluß haben würde, denn wenn der Baron Maximilian erfahren hätte, daß auch noch die Testamentsklausel durch die Vermählung der angeblichen Tochter seines verstorbenen Bruders mit einem anderen Manne als einem der Anverwandten, gegen­standslos gemacht werden sollte, so würde er wahrscheinlich erst recht alle Anstrengungen gemacht haben, um die Ehe seines Bruders für ungültig und das Testament für un­gesetzlich erklären zu lasten.

Diese Vorstellungm der Frau von Wulsenstein bei ihrem Bruder, sowie die hinzugefügten Bitten ihres gutherzigen Sohnes Albrecht blieben aber dennoch vollständig ohne Erfolg, denn die einmal gefaßten Ideen und Vorurteile des BaronS Maximilian grenzten nah zu an Starrsinn, er be« urteilte die ganze Affaire eben lediglich von seinem Stand­punkte aus und zog die seltsamen LebenSverhältniste seines verstorbenen Bruders dabei gar nicht in Betracht. Außerdem übten allerdings die hinterlasteuen Millionen Sigismund«

auf den Ehrgeiz unb in den letzten Jahren durch mißliche Vermögensverhältniste einigermaßen gebrückten Standesstolz be« BaronS Maximilian einen solchen eminenten Zauber au« unb erregten seine Begehrlichkeit in so hohem Grabe, daß er alles baran setzen zu müssen glaubte, um sich in den Besitz eines Drittteiles iber kolossalen Erbschaft zu versetzen. Eine Million Thaler wäre so ungefähr beS BaronS Maximilian Anteil gewesen, eine Million war so schrecklich viel Geld, baß er damit unter allen Umständen ben Glanz seines unb feiner Kinder Namen und Stand höher zu erheben gedachte, al« er früher jemals zu hoffen wagte. Und diese Aussicht sollte er sich nicht mit allen Mitteln und Kräften zu verwirklichen fachen?! Nimmermehr 1

Aehnlich wie bet Baron Maximilian dachte auch besten Schwägerin, bie stolze Gräfin von Roben, für sich unb ihre Kinder aus gleichen Gründen unb gleichen Hoffnungen unb so kam denn zwischen bem Baron Maximilian und der Gräfin von Rosen infolge einer nochmaligen ,Unter- rebung eine Vereinbarung dahin zu Stande, wonach der Baron, versehen mit der Vollmacht seiner Schwägerin, Einspruch gegen die angebliche Rechtmäßigkeit der Ehe unb deS Testaments seines Bruders Sigismund erheben wollte.

Am andern Morgen begab sich daher der Baron Maximilian in aufgeregter Stimmung zu dem berühmten Advokaten Dr. Schuber und trug diesem den Fall vor. Rätselhaft und merkwürdig war die Ehe und das Testament des BaronS SigiSmund von Roden ja offenbar und der Advokat machte deshalb bem Baron die besten Aussichten auf das Gewinnen des ErbfchaftSprozeffeS, fall» sich nur irgend ein kleiner gesetzlicher Fehler vorfände, waS bei diesem seltsamen Falle sehr, sehr wahrscheinlich sei, wie der Advokat noch mehrmals betonte. (Fortsetzung folgt)