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XVIII. Jahrgmg.

JRarÖurg, Donnerstag, 1. November 1883.

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Durch diese Zusicherung der Frau von Wulfenstein Durde die Jndierin und ihre Tochter hinsichtlich des Besuches im Wulfensteiu'schen Hause beruhigt und sie gaben wiederholt die Versicherung, daß sie zum Besuche demnächst bestimmt kommen würden.

Frau von Wulfenstein schickte sich mit ihren Söhnen an, d«S Haus ihrer Schwägerin wieder zu verlasien, doch während sie diesen Wunsch kundgab, wurde sie durch das Denken an zwei Personen, die in ganz entgegengesetzter ®«fe Einfluß auf tie Vcrhäitnisie unv Zukunft der Witwe

baß es überhaupt ungültig sein müsie, daß sein Bruder, der Baron, ein einfaches indisches Mädchen zur rechtmäßigen Frau genommen haben sollte.

Diese Ansicht schien auch ihre Schwägerin zu teilen und ihre Anstrengungen hinsichtlich der UngilligkeitSerkiärung des Testaments mit denjenigen ihres Bruders Maximilian vereinigen zu wollen.

Aus einem solchen Vorgehen gegen die Jndierin |unb deren Tochter mußten natürlich für dieselben die schmerz­lichsten Empfindungen entstehen und beide Damen auf'S neue in ihrer Meinung bestärkt werden, daß ihnen von ihren Verwandten anstatt Trost und Hülfe in ihrer ver­einsamten Stellung, nur Nachteil und Verderben drobe.

Frau von Wulfenstein wollte so gern diese schlimme Eventualität von den beiden Frauen fern halten, aber sie fand kein Mittel dagegen, weil es auch thatsächlich kein solch S gab, da sich ihr Bruder Maximilian unmöglich von seinem einmal gefaßten Vorsatze abbringen ließ.

Doch da kam der Frau van Wulfenstein noch ein guter Gedanke. ES handelte sich hauptsächlich zunächst nur darum, alle lästigen und peinlichen Fragestellungen von den beiden Frauen fernzuhalten, und dieses war vielleicht möglich, wenn die Schwägerin ihre Sache ebenfalls einem tüchtigen Rechts­anwälte anvertraute, der ja dann ganz speziell sich der Ab« Weisung der Anträge des Barons Maximilian und der Gräfin von Roden annehmen und überhaupt die ganzen Verhältnifie gehörig rekognoszieren konnte. Wahrscheinlich besaß der verstorbene Baron auch schon einen tüchtigen RechtSbeistans, dem man sich in der Angelegenheit noch ganz besonders anvertraum konnte. Frau von Wulfenstein fragte daher die Jndierin, wer mit der Ordnung deS Nach- lasieS ihres verstorbenen Gatten betraut sei und wie weit schon die einzelnen Angelegenheiten vorgeschritten wären.

Äugelte«.

Novelle von E. Lenzendorf.

ihrer Politik ihr Dasein verdanken. Diese Gegner haben schon mehr bewirkt, als sich die Fortschrittspartei träumen läßt: während für sie sonst die Za bl das allein ausschlag­gebende Prinzip ist, werden die 27000 antifortschrittlichen Stimmen für Null erachtet, und während die Fortschritts­partei alle Tage die Gleichheit aller Bürger in Staat und Stadt predigt, wird der persönliche Wert derjenigen Gegner, die bestimmten BerufSklasien und Lebensstellungen angehören, auf alle mögliche Weise zu verdächtigen und herabzusetzen gesucht.

Die Wahlsiege von Fortschritt und Sezession bei den letzten Nachwahlen zum Reichstag innerhalb dieses Jahres sind, wie man weiß, in überaus marktschreierischer Weise auSgebeutet worden. Das scheint für einen hohen Grad von Bescheidenheit, den man sonst nicht an der Opposition zu bemerken gewohnt ist, zu sprechen; denn thatsächlich ist ihr Verlustkonto größer als ihr Gewinnkonto. Denn drei fortfchrittlich-sezessionistischen Wahlsiegen in Rügen-Franz­burg, Torgau-Liebenwerda und Otterndorf-NeuhauS stehen vier fortschrittlich-sezesstonistische Niederlagen gegenüber in Osterode-Neidenburg, Landau, Hamburg und GreifSwald- Grimmen.

Neben diesen Mißerfolgen fallen aber noch schwerer die moralischen Niederlagen ins Gewicht, welche die Partei sich in den letzten Tagen durch Bekanntwerden gewifier That- sachen zugezogen, don denen man augenscheinlich nicht gern in fortschrittlichen Blättern spricht, die aber von anderer Seite desto niedriger gehängt werden müssen. Bei der Be­sprechung der Vorgänge der Wahl in GreifSwald-Grimmen ist die interessante Entdeckung gemacht worden, daß die Fortschrittspartei ihren Plan zur Ausführung gebracht hat, denjenigen ihrer Mitglieder, welche sich in den Reichstag wählen lassen, aus einem ParteifondsEntschädigungen" zu gewähren. Nach Mitteilung eines liberalen Provinzial- blatteS hat nicht nur der frühere Vertreter jenes Wahl­kreises 1800 Mark bezogen, sondern sämtliche Mit­glieder der Fortschrittspartei erhalten auS dem Parteifonds eine solche Entschädigung, die sie nicht ablehnen dürfen. Das Ansehen einer politischen Partei kann durch ein derartiges Verfahren, welches die einzelnen Mitglieder bewußt oder unbewußt von der Parteileitung in die vollständigste Abhängigkeit bringt, nicht gewinnen, und es wird sich bei den nächsten Wahlen zeigen, ob das Volk gewillt ist, auch fernerhin noch der­artigenAbgeordneten zweiter Klaffe", wie sie von einem angesehenen liberalen Blatt genannt werden, sein Vertrauen zu schenken.

Dazu kommt endlich noch die weitere für die Fort­schrittspartei sehr unbequeme Thatsache, daß vor wenigen Tagen eines ihrer Mitglieder wegen Majestätsbeleidigung zu sechs Monaten Gefängnis und Verlust seines Abgeordneten­

burg, 14.

DieErfolge" der Fortschrittspartei.

Die Zukunft gehört uns" so tönt eS laut in der fortschrittlichen Presse seit dem großen Siege ihrer Partei bst den Berliner Gemeindewahlen.Die Zukunft gehört uns" so heißt es nach jedem mit großer Anstrengung erfochtenen Wahlsiege der Fortschrittspartei. Nun, man kennt ja den Zweck eines solchen Lärms; er soll über die zahlreichen Symptome gegenteiliger Natur Hinwegtäuschen und die Fortschrittspartei als eine solche Partei darstellen, zu welcherder Andrang am größten" ist; sie verspricht sich von der Ausposaunung ihrerErfolge" dieselbe Wir­kung wie etwa Ladenbesitzer von einer möglichst prahle­rischen Reklame, welche die Aufmerksamkeit deS Publikums auf daS blühende Geschäft lenkt und eine Masie Neugieriger und Unkundiger heranzuziehen pflegt.

Daß eS nicht gerade die solidesten Geschäfte sind, die fortwährend auf ihre großen Erfolge Hinweisen, ist eine alte Erfahrung. Freilich entzieht sich die wahre Lage veS Geschäfts meist der Kenntnis des PichlikmnS, und kommt eS, daß eS immer und immer wieder Leute giebt, die hineinfallen" und so vielleicht auch dazu beitragen, daß bas sinkende Schiff über Wasser gehalten wird. Im poli­tischen Leben aber entzieht sich so leicht nichts der Oeffent- lichkeit, und jeder könnte im stände sein, die politische Reklame auf ihren wahren Wert zurückzuführen und stch selbst vor Irrtümern zu bewahren. DaS hindert aber die Fortschrittspartei nicht, fortwährend ihr reich affortierteS Lager anzupreisen, selbstverständlich unter Vertuschung und Verschweigung aller ihr nachteiligen Umstände. Aber die Oeffentlichkeit des politischen Lebens gestattet auch, ihr eine Gegenrechnung auszustellen und aus Thatsachen ein Licht fallen zu lassen, die sie bemüht ist, in den Schatten zu stellen und zu ignorieren.

In Berlin sind der Fortschrittspartei, deren Herrschaft bisher unbestritten war und von konservativer Seite saft gar nicht bedroht wurde, 27000 Gegner erstanden. Die Fortschrittspartei hat zwar mit ihren 40000 Stimmen etwa 108 Mandate erworben, und dieser Erfolg ist nicht M unterschätzen; aber ein noch größerer Erfolg ihrer Politik sind die 27 000 Gegner, welche unstreitig nur dieser

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und Hannover; Th. «ietrich in Franttutt aM.; haatenfiein u. Vogler in Lgntfnrt a. M., Berlin, Ap-ig, Köln Rudolf Stoff, in Berlin, Frank» furt a. Ä. ic-

Und Tochter ihres Bruders zu gewinnen juchten, von der Ausführung dieses Vorhabens abgehalten.

Die für das Schicksal der Jndierin und deren Tochter eine außerordentliche Teilnahme empfindende Schwester des verstorbenen Barons Sigismund von Roden erinnerte stch iofi nn die Absicht ihres Bruders Maximilian, welche dieser HB unverhohlen kundgegeben hatte, das Testament seines Bruders Udzufechten und wenn möglich, die Jndierin und deren Achter nicht als die legitimen Angehörigen gelten zu lassen. Maximilian von Roden war, wie er beim Verlassen des Schlosses noch ausdrücklich hervorgehoben hatte, gleich zum ^nvmmierlesten Advokaten der Residenz, dem Rechtsanwalt 76 Doktor Schützer geeilt, um durch diesen ein Veto gegen Wt Richtigkeit deS Testaments seines verstorbenen Bruders Anlegen zu laffen. Dabei mußte eS stch hauptsächlich °arum handeln, zu beweisen, ob die Jndierin wirklich die Rechtmäßige Gattin deS alten Barons gewesen war.

.^2 Frau von Wulfenstein, welche den Charakter ihres 100 Bruders Maximilian sehr gut kannte, wußte genau, daß Mer alles in Bewegung setzen würde, um zu beweisen, das Testament SigiSmundS nicht rechtskräftig fei und

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux Bon® L.Daube u.So. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvatidendant in Berlin; SB. ThierieS ti Elberfeld: S Schlotte in Bremen.

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Mandates hat verurteilt werden müffen. So wenig eS auch jemandem in den Sinn kommen wird, für die Thal eines Einzelnen die Partei als solche verantwortlich zu machen, so ist eS doch charakteristisch, daß ein derarliaer Fall außer bei der Sozialdemokratie nur bei der Fortschrittspartei vor» gekommen ist.

Deutsche- Reich.

»erlitt, 30. Ott. DieNorvd. Allg. Ztg." schreibt: In unterrichteten Kreisen wird versichert, daß dem Land­tage in deffen bevorstehender Session die Kreis- und Pro­vinzialordnung für Hannover vorgelegt und damit der erste Schritt zur Uebertragung der Verwaltungsreform auf die neuen Provinzen gethan werben soll. DasDeutsche Tageblatt" erfährt, der Landes - Eisenbahnrat trete Mitte November zusammen. Bezüglich des Artikels derMoS« kowski Wjedomosti" über das Verhältnis Rußlands zu dem mitteleuropäischen FriedenSbunde, speziell zu Deutschland bemerkt dieNordd. Allg. Ztg.", wenn dieMoSkowSki Wjedemosti" und andere Zeitungsartikel von Bündniffen sprechen, so können damit sehr leicht Mißverständniffe ver­bunden werden. Ein Bündnis ist eine Affoziation zu bestimmten aktiven Zwecken, und wenn Europa sich in zwei Bündnislager teilte, so wäre daS im Jntereffe deS Friedens zu bedauern. Bündniffe aggressiven oder auch nur aktiven Charakters werden aber unseres Wissens bis­her nirgends gesucht ober geschloffen. Wenn man von einer Teilung Europas in zwei Lager spricht, so kann dies nur in dem Sinne verstanden werben, daß die Mehrzahl der europäischen Staaten und vielleicht der Gesamtheit der europäischen Völker den Frieden wünscht, eS daneben aber auch Staaten giebt, die geneigt wären, Krieg zu führen, so bald sich Gelegenheit und Situation dazu günstig ge­stalteten, und daß die Freunde drS Friedens stch deshalb mehr und mehr zu einer gegenseitigen Assekuranz des von ihnen gewünschten Friedens zusammenschließen mit der Ab­sicht, gegen jeden zusammenzuhalten, der den Frieden bricht. Man würde sie somit im gegebenen Falle bereit finden, für die Erhaltung des Friedens solidarisch einzutreten, so­wie sich gegenseitig Beistand gegen Friedensstörungen zu- znstchern. ES ist dies eine Tendenz, die im Ganzen den Beifall der Mehrheit der Völker haben wird, denn die Völker sind nur ausnahmsweise kriegslustig und in der Regel nur, wenn sie ungerechter Weise herauSgefordert worden sind. Vom Standpunkt der öffentlichen Moral aus hat die Pflege des Friedens und das Streben, ihn zu erhalten, jeder Zeit für verdienstlich gegolten; und der Satz, daß auch für den Sieger jeder Krieg immer eine große Kalamität sei, findet im heutigen Stande der Zivili­sation vielleicht mehr Anerkennung als früher. Nach einer Mitteilung derB. P N." hat gestern mittag eine

Die Gattin des alten Barons wußte darauf nur die Antwort zu geben, daß ihr und ihrer Tochter heute früh und später den übrigen Verwandten das Testament SigiSmundS üerlesen worben sei und zwar durch den Rechtsanwalt BoretiuS, der mit dec Testamentsvollstreckung betraut sei.

Kannten Sie diesen Herren schon früher, war eS der Advokat SigiSmundS?" fragte Frau von Wulfenstein.

Die Jndierin wußte hierüber ebenfalls keine weitere Auskunft zu erteilen, worauf Frau von Wulfenstein in herzgewinnender Weise sagte:Liebe Schwägerin und Nichtei Sie werden in Folge der Gesetze in Deutschland und wahrscheinlich auch wegen einiger fatalen Fragestellungen in der Angelegenheit der Testamentsvollstreckung viele Wege nach dem Gericht haben. E« laffen sich die daraus ent­springenden Unannehmlichkeiten jedenfalls dadurch mildern, daß Sie einen tüchtigen Rechtsanwalt für die Wahrung Ihrer Jntereffen annehmen, ich rate Ihnen dringend dazu und ich werde Ihnen selbst noch heute einen solchen bestellen, resp. kann dies mein Sohn Albrecht thun, der in diesen Sachen mehr Bescheid weiß als ich."

Die Jndierin nahm natürlich diesen Vorschlag dankend und mit großer Freude an und Frau von Wulfenstein be­merkte nur noch:Wenn wir in Erfahrung bringen, daß der mit der Testamentsvollstreckung betraute Anwalt BoretiuS ein alter Vertrauter SigiSmundS gewesen ist, so werden wir diesem den Schutz Ihrer Jntereffen anvertrauen. Haben Sie also nicht die geringste Sorge in der Angelegen­heit und verzagen Sie keinesfalls, wenn Ihnen einige Wider­wärtigkeiten zustoßen sollten. Finden wir es für dringend nötig, so werbe ich ober mein Sohn Albrecht auch schon morgen zu Ihnen kommen, um Ihnen weitere Ratschläge

Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirtes VomrlagSUatt" durch die Expedition (X o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 8A Start, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 60 Psg. (excl. Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 86 Psg. berechnet.