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Marburg, Donnerstag, 25. Oktober 1883

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Angelika.

Novelle von E.Lenzendorf.

Frau von Wulfenstein wollte anders handeln, als ihre hartherzigen und stolzen Anverwandten, sie fühlte der Witwe ihres Bruders gegenüber weder hoffärtigen StandeS- stolz, noch giftiges Mißtrauen, sondern empfand rein menschlich als edle Frau und Anverwandte die Lage der Verlassenen, doch war sie über Ihren Plan und den erhofften Erfolg nicht ganz sicher.

Sie wandte sich daher an ihren ältesten Sohn, der den besten Eindruck auf jeden Menschenkenner machte und der nach Beendigung seiner landwirtschaftlichen und berg­männischen Studien mit der Mutter die Leitung der land­wirtschaftlichen Güter und Bergwerke, die ihnen der Vater hinterlassen, übernommen hatte.

Der ernste, gewissenhafte und feit des Vaters Tode in der Schule der Erfahrung schon einigermaßen erprobte Sohn sollte der Mutter rathen, ob sie gleich jetzt einen Besuch bei des Onkels Witwe machen sollte.

Der genial angelegte Albrecht von Wulfenstein gab auf die Frage der Mutter keine gewöhnliche Antwort, sondern er sagte mit einem wohlthumden Freimute: .Liebe Mutter, wenn ich auf die Stimme meinxS Herzens höre, so müssen wir so bald als möglich der Witive unseres guten OheimS einen Besuch machen, denn nichts veranlaßt uns noch länger zu warten und überdies haben wir in dieser Beziehung wohl viel,' sehr viel versäumt. Wenn die Tante Baronesse von Roden mit ihrer Tochter für unS zu sprechen ist, so wollen wir ihr gleich jetzt einen Besuch abstatten."

Du hast ganz Recht," erwiderte Frau von Wulfenstein er chtert aufathmend,Du bestärkst mich in meinem eigenen

Mecklenburg - Schwerin, in Schwarzburg - Sondershausen, den beiden Lippe und Waldeck ist in der bezeichneten Rich­tung bisher noch gar nichts geschehen I Aus Bayern liegen bedauerlicher Weife keine Berichte vor, zu günstig dürste es in dem größten der zwei süddeutschen Königreiche um die Jnnungssache indessen nicht bestellt sein. Haben die bayerischen Handwerker-Delegierten doch bei Gelegenheit einer im März d. I. zu München abgehaltenen Versamm­lung in aller Form erklärt, daß wenn der Handwerkerstand (Bayerns) die Bildung von Innungen auf Grund der be­stehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht von der Hand weist, dies in der Hoffnung geschieht, durch die hierdurch erzielte engere Verbindung die oppositionelle Thä- tigkeit zu kräftigen und an der Hand der vorgesetzten Be­hörden den Beweis zu liefern, daß auf solche Weise die gewünschten Erfolge niemals erzielt werden können. Von einer Bewegung, die lediglich die Absicht verfolgt, Opposition zu machen und die Leistungs- Unfähigkeit ihrer eigenen Schöpfungen zu erweisen, kann, der Natur der Sache nach, nichts erwartet werden. Wider ihren Wunsch und Willen werden die Herren schwerlich Erfolge erzielen 1 Nach einer Mitteilung der Münchener Gewerbekammer soll in dreien von den acht bayerischen Re­gierungsbezirken die Bewegungneuerdings in Fluß kommen", während aus den übrigen fünf Bezirken nichts zu erfahren gewesen ist, wahrscheinlich weil sich nichts ergeben hat. Die Gründe dafür scheinen uns ziemlich nahe zu liegen. In betreff von Württemberg und Baden ist nämlich be­kannt, daß die Mehrheit der dortigen Handwerker dem JnnungSwesen grundsätzlich abgeneigt ist und die Förderung ihrer Interessen allein vonfreien" Gewerbevereinen er­wartet. ES liegt die Annahme nahe, daß diese Stimmungen und Anschauungen auch in die benachbarten baierischen Ge­bietsteile und namentlich in die Rheinpfalz hinübergewirkt haben, welche seit lange unter der Herrschaft des fran- zöfischen Rechts steht und in die altem Korporationswesen abgeneigten Anschauungen desselben eingewöhnt ist.

Festen Boden und ein eigentliches Hinterland besitzen die Freunde des JnnungSwrsenS demnach bis jetzt nur in unserem Norden und Osten. Um als Vertreter des ge- samten deutschen Handwerkerstandes und seiner Wünsche auftreten zu können, müssen sie sich angelegen sein lassen, den widerstrebenden Süden und Südwesten mit in die Be­wegung hineinzuziehen und für die JnnungSbcstrebungen weiteren Boden zu erobern.

Welche Mittel versprechen die meiste Aussicht auf Er­reichung dieses Ziels?

beit, fon ohrstuz lig bejOt.

Rand ?e 96.

t Adolph Sabatzky.

Am 21. d. M. starb zu Kassel der Amtsgerichtsrat Adolph Sabatzky im 74. Lebensjahre. Er war der Sohn des hier in Marburg im Jahre 1858 verstorbenen GenSd'armerie-RittmeisterS Sabatzky. Letzterer stammte aus dem preußischen Polen, war in den Kriegsjahren 1806 und 1807 ein tapferer Haudegen, war prcußijcherfeits dem damaligen Kurprinzen Wilhelm von Hessen zu Diensten gestellt und soll gelegentlich demselben daS Leben gerettet haben. Sein Sohn Adolph studierte in den Jahren 18291833 in Marburg die Rechte, gehörte dem Korps der Teutonen, und später dem der Schaumburger an. Sein heiterer Sinn, mit dem sich ernstes Pflichtgefühl und treue Freundschaft gegen seine Genossen verband, gewann thm die Herzen seiner Kommilitonen. Ein Gegner aller Gemeinheit und Verbummelung, hielt er auf Ehrenhaftigkeit, auf Recht und Wahrheit. Aus diesen Gründen zählte er seiner Zeit zu den angesehensten Studierenden.

Nach überstandenem Vorbereitungsdienst war Sabatzky zunächst AmtSaktuar in Grebenstein. Seine Ueberzeugung verbot ihm, in dem traurigen Jahre 1850 der liberalen Opposition zuzusteuern. Als einer der Treuen im Lande ward er zum Justizbeamten in Frankenberg uud später i« Kassel bestellt.

Mit ihm tritt wieder ein alter hessischer Beamter vom Schauplatz ab, der die Bedürfnisse des Volkes kannte, Verfolgte beschützte, Abgefeimtheit und Bosheit bekämpfte, Prozesse so schnell als möglich abkürztr, und wie nur «iner das .als Recht Erkannte kurz und schneidig geltend wachte uud auf seiner Fahne siegeSmuthig trug. Requiescat ln pacel Ein alter Kamerad

(Dithmar).

8SS* Für die Monate November u. Dezember nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Land­postboten) auf die

Oberhesfische Zeitung

Uttd deren Gratisbeilage

JlkrstrierteS SormtagHblatt

Bestellungen entgegen.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Okt. Der Kaiser ist heute früh um 8V* Uhr im besten Wohlsein hier eingetroffen. Mehrere Zeitungen bringen über Graf Herbert Bismarck,

cher fm Urff, 32.

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Ausfichten -es deutschen JunungSweseas.

I.

Von der Dresdener Handels- und Gewerbekammer sind neuerdings einige auf amtliche Ermittelungen gegründete Daten über den gegenwärtigen Stand der Jnnungsbewegung veröffentlicht worden. Danach liegt die Sache so, daß bis zur Mitte des laufenden Jahres innerhalb des deutschen Reichsgebiets (ausschließlich Bayerns) 449 Innungen (dar­unter 109 alte, auf Grund des Gesetzes vom 18. Juli 1881 umgestaltete Innungen) ihre Statuten behufs obrigkeitlicher Genehmigung eingereicht hatten und daß 216 derselben bestätigt worden waren; außerdem wurden 1271 «Statuten* Entwürfe in Vorbereitung begriffen bezeichnet.

An und für sich betrachtet möchten diese Ziffern sich ziemlich ansehnlich ausnehmen; erfährt man aber, daß die neuen Innungen fast ausschließlich in gewissen Staaten des nördlichen und deS mittleren Deutschland gebildet worden sind, und daß von einer Beteiligung deS Südens und SüdwestenS nur wenig zu spüren gewesen, so gewinnt man den Eindruck einer Bewegung, die entweder erst im Werden begriffen ist oder nur in einem Teile deS Vaterlandes eine Zukunft hat. Mancherlei Umstände sprechen für die letztere Annahme. Durch wirklich ins Gewicht fallende Zahlen find bis jetzt nur drei Staaten vertreten gewesen: von den eingcreichten 449 Statuten kommen auf Preußen 225, auf das Königreich Sachsen 149 und auf die freie Stadt Ham­burg 16. In diesen Staaten bestehen 175 Innungen, deren Statuten bereit» genehmigt worden sind, (107, 55, 13) und sind zusammen 1213 neue Entwürfe in Vor­bereitung. Demnach bleiben für das gesamte übrige Reichs­gebiet nur 59 eingereichte, 41 genehmigte und 58 in der Vorbereitung begriffene Statuten übrig. An dieser beschei­denen Zahl haben wiederum nord- und mitteldeutsche Staaten (Oldenburg, die drei sächsischen Herzogtümer und Braun­schweig) den Hauptanteil. Württemberg und Baden kommen für die Jnnungssache so wenig in Betracht, daß die Summe der Innungen beider Länder nach erfolgter Bestätigung sämtllcher bisher eingereichter und in der Vorbereitung be­griffenen Statuten, ungefähr diejenige der einen Stadt Hamburg erreichen wird! Anderswo sieht es freilich noch bedenklicher aus. In de» Großherzogtümern Hessen und

Anreisen trimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureatlx Den 8. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; Jäaersche Buchhandlung daselbst; Hentrausche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; Ev. Thiene- in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

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Anzeigen nimmt entgegen t die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux

Th- Dietrich u. Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. Bi-, Berlin, Leipzig, Köln Rudolf Moste in Berlin, Frank- flirt a. M. ic.

Botschaftsrat in London, mit wachsender Sicherheit Nach­richten, denen zufolge er London verlassen würde. In amtlichen Kreisen hat niemals etwas darüber verlautet, und wir sind in der Lage, zu erklären, daß jene Nachrichten der Begründung entbehren. Graf Bismarck steht im Be­griff, über Friedrichsruh auf feinen Posten zurückzukehren, und seine Abberufung von demselben liegt weder in seinen Wünschen noch in den amtlichen Intentionen. Das große Komitee für die allgemeine deutsche Lutherstiftung beruft zum 31. Oktober eine öffentliche Versammlung nach Leipzig zur Begründung der Stiftung, zur Feststellung der Statuten, zur Wahl des Vorstandes, zur Bildung von Zweigvereinen und zur Organisation der zu veranstaltenden Sammlungen. DerNat.-Ztg." wird über den soge­nannten Offizier-Verein folgendes mitgeteilt:Den Urhebern des Planes eines Osfizier-VereinShauseS soll seinerzeit von einem inzwischen verstorbenen regierenden deutschen Fürsten ein sehr beträchtliches Grundkapital für das Unternehmen in Aussicht gestellt worden sein; ob der Nachfolger sich bereit gezeigt hat, diesen Gedanken seines Vorgängers sich anzueignen, ist uns nicht bekannt. Die Stimmung in Offizierskreisen ist dem Plane keineswegs sehr günstig. In dieser Beziehung darf man sich durch die erhebliche Zahl von Einzeichnungen, mit denen ein Teil der Mitglieder- Listen bedeckt worden, nicht täuschen lassen. Der Beitritt ist vielfach lediglich eine Folge der Kameradschaft, zuweilen auch des Subordinationsverhältnisscs; wo der Regiments- Kommandeur beigetreten ist, da erscheint eS den Offizieren des Regiments häufig mißlich, die Beteiligung abzulehnen. Im allgemeinen ist auch den Offizieren die Freiheit, ihre Bedarfsgegenstände nach Belieben zu beziehen, das Er­wünschteste." Das von der preußischen Regierung in Angriff genommene Schuldotationsgesetz, welches dem Land­tage zugehen soll, ist im Kultusministerium fertig gestellt und wird demnächst an das Staatsministerium gelangen. Bekanntlich soll durch das Gesetz die normalmäßige Zahl der Schulen für die ganze Monarchie gleichmäßig geordnet und den Lehrern ein auskömmliches Gehalt bewilligt wer- dm, während gleichzeitig die Uebernahme der sächlichen Kosten auf die Gemeinden und der persönlichen auf den Staat erfolgt; dazu sind jährlich 60 Mill. Mark erfor­derlich. ES find vielfach Beschwerden darüber vorge- kommcn, daß seitens der Volksschullehrer an Kinder ihrer eigenen Klassen Privatunterricht erteilt wird. Diese Be­schwerden sind Gegenstand eine« Erlasses des Kultusministers geworden. Derselbe hat die in betracht kommenden Be­hörden zu der Bestimmung veranlaßt, daß nur mit Ge- nchmigung der Schulaufsichtsbehörden einzelnen Schülern oser Schülerinnen auf Wunsch der Eltern, Vormünder rc von Lehrern und Lehrerinnen der beteiligten Schulanstalten Nachhilfestunden erteilt werden dürfen, und zwar nur ganz ausnahmsweise, wenn besondere triftige Gründe vorhanden

Entschlüsse, in dem ich aus Furcht vor dem Ungewissen wieder wankend geworden war; es ist so das Beste, was wir thun können, eS muß das Beste sein, denn es wälzt mir einen Stein vom Herzen. Laßt mich handeln und be- gleitet mich beide!"

Frau von Wulfenstein schellte und bald trat ein ergrauter Diener mit einer unterthänigen Verbeugung in den Saal.

Können Sie uns sagen, lieber Mann," sprach Frau von Wulfenstein in herablassendem Tone zu ihm,ob uns die Frau Baronesse von Roden, die Witwe meines seligen Bruders, vielleicht empfangen kann?"

Darüber kann ich keine sichere Auskunft geben, gnädige Frau," erwiderte der Diener,weil die Frau Baronesse, seitdem sie in diesem Schlöffe wohnt, niemals Besuche empfangen hat,"

Frau von Wulfenstein erschrack und erblaßte einen Moment und flüsterte dann halblaut für sich:O diese arme verlassene Frau, wie eine Gefangene mußte sie leben!" Dann zu dem Diener gewendet, fuhr Frau von Wulfen­stein fort:Sie sind aber vielleicht im Stande, eine Bitte an die Frau Baronesse zu überbringen. Dieselbe befindet sich gegenwärtig doch wohl im Schlosse?"

Ja wohl, gnädige Frau," antwortete der Diener. Die Frau Baronesse bewohnt gewöhnlich ein Hau», welche» im Hinteren Teile deS Parkes liegt und welches wir den Indischen Garten" nennen, weil der selige Herr Baron dieses Haus mit seiner Umgebung wie einen indischen Garten für seine Frau und Tochter hat einrichten lassen. Ich werde mich sogleich dahin begeben und Ihre Befehle der Frau Baronesse überbringen."

Öder an den Werttaam nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrtrteS «omtlaasblatt" durch die Srvedition (X o Buchd.uckerei) bezogen SV. ««k,.durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 60 Mg. (excl Bestellgebühr")-Mrti°nSgeW^r "e gesMtene ZeUelSPfa ** gflt in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen «erden 26 Pfg. berechnet- ° Vf8

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