Einzelbild herunterladen
 

I

tände j), > Muk und Bun rc.

Seit uuz andlung, obe-Nui durch b ßotSbami »gaffe 3,

wd 2000 i 'S/ Utlj etobe U1 Mvch°

6 Mi ebenso b und b - »le b Wnlls . (214

'!eSeitm "ttte u »eiten

emeSin eisdikr;, i:

^Ah

geblick f. Wied« >. [351

er, 15« rngfähig et, ftnbj

sberg.

terei)

Morgen ch, 9l«i eschüff! ewerl. ch, en.

d.M

Wi

[352 rbach utter w

iUL

It

bürg, 14.

Veld. W

10i 10!

101

10!

101

67

74

IQh 101; 101; 101 102 101 i 66| 73!

96 1024

98} 58 76!i 71!

293! 97!

222 H7i 101 lOOj 69i

10S

98

68

77

295

98 325 118, 101 100

9fr. 2»6

Marburg, Sonnabend, 20. Oktober 1883.

XVffl. Jahrgang.

ObtchkWe ZÄW.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen BeilageJllnstrirteS LouatagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen gA Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark SO Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - JnsertlonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheÜende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Burcaux von G L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M-; Jägersch« Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendauii» Berlin; W. Thienes in Elberfeld: 4 Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux

Th- Dietrich u. Co. in gaff 4 und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M-; Kaasenstein u. Bögler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Mffe in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

t Die Ausgaben für das Heer.

Den Hauptstützpunkt der fortschrittlichen Opposition für ihre Angriffe gegen die Regierung hat von jeher die Be­hauptung gebildet, daß sie zur Befriedigung der militärischen Bedürfnisse zu viel Geld verwende und daß die Kosten für deS Militär nicht nur verhältnismäßig wachsen, sondern auch die Befriedigung aller anderen kulturellen Bedürfnisse weit in den Hintergrund drängen. Zum Ueberdruß wird noch behauptet, daß Preußen bezw. Deutschland mehr als die Nachbarstaaten unter der Militärlastseufze". Die Verminderung der MilitärauSgaben war vor zwanzig Jahren die Parole der Opposition, und ebenso bildet auch heute wieder die Forderung nachErsparnissen in der Militär- Verwaltung" daö A und O aller fortschrittlichen Politik.

Wir wollen auf das im Jnlereffe der Machtstellung und Unabhängigkeit Deutschlands Gefährliche dieser Forde­rung, welches sich auS der geographischen Lage unsere» Landes und aus dem Stande der Wehrkraft der Nachbar­länder von selbst ergiebt, nicht näher eingehen, da es über­flüssig sein dürste, auf der Hand liegende Dinge erst zu beweisen. Auch brauchen wir nicht den veralteten, schon hinlänglich widerlegten Ansichten von der Unpeoduktivität der Ausgaben für da« Heer entgegenzutreten. Wohl aber ist es nötig, den Behauptungen der Fortschrittspartei über das Anwachsen und über die UnverhältniSmäßigkeit der Militärausgaben zu den Ausgaben für andere Zwecke und im Vergleich zu anderen Ländern, Behauptungen, mit denen sie ihre Forderung wegen Ersparnisse in der Militär-Ver­waltung begründet, etwas näher zu treten. Denn viele Leute, auch solche, welche um keinen Preis an den bestehen­den Militärverhältnissen gerüttelt sehen möchten, nehmen jene Behauptungen für bare Münze: ein oberflächlicher Blick auf die steigenden Etatsziffern der Militärverwaltung sowie die Thatsache von der Vortrefflichkeit und Heber« legenheit unseres Heeres verleiten leicht dazu, an die Echt­heit derselben zu glauben.

Und doch sind jene Behauptungen grundfalsch. DaS Irrtümliche und Unwahre derselben ziffer- mäßig und unwiderlegbar nachgewiesen zu haben, ist daS Verdienst des bekannten Finanzstatistikers Philipp Gerstfeldt. Derselbe hat eS unternommen, die sämtlichen Ausgaben der Zivil- und MUitärverwaltung Preußens seit 1821 neben einander zu stellen und die­selben in bezug auf ihr prozentuales Wachstum unter sich sowohl mit denen Frankreichs und Großbritanniens zu ver­gleichen. (Die Ausgaben, welche ReichSsache sind, sind nach der Bevölkerungsziffer auf Preußen reduziert und mit den eiatsmäßigen Ausgaben des preußischen Staates kom-

4 Augelica.

Novelle von E.Lenzendorf.

Mit neuen Fragen wollten jetzt die Verwandten den Notar bestürmen, aber dieser erwiderte höflich:Es thut mir leid, meine Herrschaften, Ihnen in dieser Beziehung vorläufig keine weitere Auskunft geben zu können und ich bitte Sie nur, den Teil des Testamentes anzuhören, der auf Sie Bezug hat." Daruuf verlas der Notar aus dem Dokumente Folgendes:

Ich, Baron Sigismund von Roden, bestimme, daß meine Gemahlin, Baroneffe Aida von Roden, geborene KoronevS aus Kalkutta in Indien, und meine einzige Tochter, Baronesse Angelika von Roden, einzige Universal­erben meines Vermögens sind, und daß meine drei Ge­schwister nur dann einen Anteil an der Erbschaft haben, wenn sie den gegen mich früher so oft gezeigten Stolz ab- legeu und einer von meinen zehn Neffen meine Tochter, Baroneffe Angelika von Roden, zur ebenbürtigen Gemahlin wählt und auf diese Weise meiner Tochter zu dem ihr ge­bührenden Range und Stellung verhilft, die ihr die hämische Welt, weil eine Jndierin meiner Tochter Mutter ist, vielleicht versagen würde. In diesem Falle bestimme ich, daß meiner Frau und Tochter nur die Hälste meines Vermögens persönlich zufillt, die andere Hälfte aber an meine drei Geschwister, resp. an deren Nachkommen verteilt wird. Sind mehrere meiner Neffen bereit, meine Tochter zur Frau zu nehmen, so muß natürlich meiner Tochter völlig freie Wahl gelassen werden), wie ich denn auch von meiner Schwester, Marie von Wulfenstein, meinem noch lebenden Bruder Maximilian und meiner Schwägerin, der Gräfin von Roden, gewiß erwarten kann, daß, falls ihre Söhne sich um die Hand meiner Tochter bewerben wollen, sie die ganze Angelegenheit mit Würde und Takt leiten werden."

biniert worden.) Die Resultate der gewissenhaften Unter­suchung sind folgende:

Die Kosten der gesamten Zivilverwaltung haben betragen im Jahre 1821 rund 59 Millionen Mark, die der Militärverwaltung 68 Millionen; 1851: 111 bezw. 79; 1861: 128 bezw. 127; 1873 : 303 bezw. 230 und 188384: 362 bezw. 274 Millionen Mark.

Die Ausgaben sind also in beiden Verwaltungen, und zwar selbstredend, an sich gestiegen, was namentlich bei der Militärverwaltung auch schon wegen der für die Marine hinzugekommenen Ausgaben natürlich ist. Dagegen haben die Ausgaben für die Zivilverwaltung diejenigen der Mili­tärverwaltung mehr und mehr überflügelt. Von den Ge­samtausgaben entfallen auf die Zivilverwaltung im Jahre 1821: 46,3 pCt., auf die Militärverwaltung 53,7 pCt.; 1851: 54,1 bezw. 38,7 pCt.; 1861: 47,0 bezw. 46,8 pCt.; 1873: 53,8 bezw. 40,9 pCt. und 18831884: 53,6 bezw. 40,5 pCt. Die Ausgaben für die Militärverwaltung zeigen also nach einer Steigerung im Jahre 1861 rück- sichtlich der Gesamtausgabe eine fallende Bewegung, während die Ausgaben für Zivilzwecke eine fortwährende Steigerung zeigen. Also nicht der Aufwand für militärische Machtstellung hat in den letzten Jahrzehnten alle finanzielle Kraft des Staates verschlungen, sondern im Gegenteil: die Ausgaben für Zivilzwecke sind bedeutend rascher gewachsen, als die Kosten der Landes­verteidigung.

Was nun weiter die gleichen Verhältnisse Frankreichs und Großbritanniens anbetrifft, so ist daS Jahr 1882 als Vergleich herangezogen worden, und hier ergiebt sich, daß, während Preußen von den gesamten staatlichen Netto­ausgaben 53,9 pCt. für Zivilzwecke und nur 40,5 pCt. ür Militärzwecke verwendet. Frankreich nur 49,2 pCt. ür Zivil, aber 45,9 pCt. für Militär, und Großbritannien ogar nur 37,5 pCt. für Zivil und 56,6 pCt. aller seiner Staatsausgaben für Militär verbraucht. Preußen (und in gleichem Verhältnis Deutschland) giebt also verhältnis­mäßig weit mehr für Zivilzwecke auö. Aber auch an sich wird Preußen in bezug auf Militärausgaben von Frank­reich und Großbritannien weit übertroffen. Pro Kopf der Bevölkerung giebt Preußen für Militärzwecke nur 9,91 Mark aus, Frankreich dagegen 21,65 Mark und Großbritannien 15,51 Mark.

Die fortschrittlichen Behauptungen von der unerschwing­lichen Militärlast, welche die Befriedigung aller übrigen Kulturzwecke in den Hintergrund stelle und Preußen (bezw. Deutschland) viel mehr Opfer auferlege, als den übrigen Kulturstaaten, Behauptungen, die nur gar zu leicht ge­glaubt wurden, sind wie sich jetzt herausstellt nichts

Als der Notar die Verlesung des Testamentes des ver­storbenen Barons von Roden beendigt hatte, herrschte eine seltsame Stille in dem Saale trotz der lebhaft bewegten Mienen der zahlreichen Anwesenden. Keiner von ihnen schien sich berufen zu fühlen, nur einen Vorschlag zu machen, denn sie waren Alle wie betäubt, teils durch die Größe des von dem verstorbenen Onkel hinterlasienen Vermögens, teils durch die überraschende Meldung, daß der Onkel, den man für unverheiratet gehalten, lange Jahre vermählt gewesen sei und eine Tochter besitze, teils durch die seltsame Bedingung, die der Onkel in seinem Testamente bezüglich der Verteilung seines Vermögens niedergelegt hatte.

Endlich ergriff aber der Bruder deS Verstorbenen, der Rittmeister Baron Maximilian von Roden, daS Wort und sagte:Herr Notar! Obwohl uns aus begreiflichen Gründen der Inhalt deS Testaments meines verstorbenen Bruders sehr überrascht hat, so haben wir doch keine Ursache, an der verbürgten Richtigkeit deS Testaments und der Thatsache, daß mein seliger Bruder eine Frau und Tochter hinterlaffen hat, zu zweifeln. Da aber die Angelegenheit doch sehr seltsam und wunderbar erscheint, so muß ich für meinen Teil .eine Prüfung deS Testaments und deS Wahrheits­beweises, ob mein seliger Bruder wirklich vermählt war, das heißt wirklich in einer vor unfern Landesgesetzen aner­kannten Ehe gelebt hat, beantragen, denn eS handelt sich hier um keine Kleinigkeiten, zumal nach allen menschlichen Voraussetzungen nur wir, die Brüder und Schwester deS verstorbenen Baron SigiSmung von Roden, die rechtmäßigen Erben seines Vermögens sein konnten. Mir oder meiner Schwester hat unser seliger Bruder niemals gesagt, daß er vermählt sei, wir haben auch niemals eine Frau bei ihm gesehen, obwohl wir ihn dann und wann besucht haben. Wenn ich daher eine gerichtliche Recognoscierung des Testaments und der Ehe beantrage, so thue ich nur daS, was in einem solchen Falle jeder andere auch thun würde,

als Märchen, zu dem Zweck erfunden, den fortschrittlichen Idealen von Abrüstung, Ersparniffen in der Militärver­waltung und Errichtung eines möglist billigen parlamen­tarischenVolksheeres" Eingang zu verschaffen. WaS es mit diesenIdealen" auf sich hat, können wir auf sich beruhen lassen; diefreien" Engländer und Franzosen denken in diesem Punkte jedenfalls praktischer als der deutsche FortschrittSmann. Daß aber die Begründung und Befürwortung dieser fortschrittlichenIdeale" auf Irrtum und Unwahrheit beruht, ist jetzt eine erwiesene Thatsache. Die Fortschrittler werden daher gut thun, uns nicht mehr mit solchen und ähnlichen Märchen zu kommen!

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Oki. Anläßlich des Geburtstages des Kronprinzen haben alle öffentlichen und viele Privathäuser festlich geflaggt. In den Schulen hielten die Lehrer ent­sprechende Ansprachen. Die Kriegervereine veranstalteten größere Festlichkeiten. Auch in den Kasernen findet eine Geburtstagsfeier statt. Die meisten Zeitungen gedenken deS Tages in glückwünschcnden Leitartikeln; so schreibt der Reichsb.": Ein deutscher Kaiser könnte in der Thal keinen schöneren, passenderen Geburtstag haben, als den 18. Oktober! Wohl selten hat ein Kronprinz eine so große, ereignisvolle Zeit erlebt und selbst so kräftig an derselben teilgenommen, als unser Kronprinz. Sein Name ist mit all den großen Thaten, auS denen als reife Frucht das deutsche Reich hervorging, aufs innigste und ruhmreichste verflochten. Eine beffere Vorbereitungsschule für den großen Herrscherberuf hat wohl nie ein Kronprinz durchgemacht. Es ist eine überschwengliche Fülle von Gnade, die Gott der Herr über unser Königshaus auSgeschüttet hat. Der Kaiser im höchsten Alter in Jugendfrische auf dem ruhm­reichsten Thron, umgeben von der herzlichsten Liebe des Volkes; der Kronprinz in frischer Gesundheit, im reifen ManneSalter, im blühenden Familienkreise; der Enkel in männlicher Jugend, dem Kaiserlichen Großvater den blühenden Urenkel darreichend: vier Kaiser, als Großvater, Sohu, Enkel und Urenkel einander die Hände reichend gewiß, daS ist ein nie dageweseneS Ereignis in der Geschichte. Und der eine alles beherrschende Gedanke dieses Königs­hauses ist der, das Volk stark, groß und glücklich zu machen und den gesunden Geist christlicher Frömmigkeit in ihm zu erhalten. Es ist durch die Hand des Fürsten dieses Hauses Deutschland viel Glück und Segen zu teil geworden; denn was wäre Deutschland ohne die Hohenzollern? Wir haben an unserem großen Kaiser viel zu loben und zu lieben ; aber die schönste Perle seiner Krone ist doch seine gottesfürchtige Demut. Möge sie stets allen Nachfolgern

denn niemand kann uns wohl zumuten, ein Verhältnis ohne weiteres als rechtmäßig anzuerkennen, wenn wir von dessen Existenz erst jetzt, wo wir die schwerwiegenden Folgen dieses Verhältnisses tragen sollen, Kenntnis erhalten. Ich denke, meine übrigen Anverwandten," bemerkte noch der Rittmeister im Kreise umherblickend,schließen sich meinen Anschauungen an und beantragen vor Anerkennung des Testaments ebenfalls die gerichtliche Recognoscierung deffelben, sowie die Prüfung deS Vorhandenseins einer rechtmäßigen Ver­mählung meines seligen Bruders."

Darauf erhob sich die verwitwete Gräfin von Roden, nachdem sie mit ihren an ihrer Seite fitzenden Söhnen einige halblaute Worte gewechselt hatte, und sagte mit einem Anfluge von stolzer Ruhe:Ich und meine Kinder schließen uns dem Gutachten des Herrn BaronS an und beantragen ebenfalls die Prüfung des Testaments und der Rechtmäßigkeit der Ehe des verstorbenen BaronS Sigismund von Roden."

Zögernd saß indeffen die Baroneffe Marie, die Witwe des Herrn von Wulfenstein, und einzige Schwester des ver­storbenen BaronS, da, es schien, als halte sie die Stimme ihres Herzens von der Teilnahme des kühlen BeschluffeS ihrer Anverwandten ab und es hatte auch den Anschein, als wollte sie etwas auf die geschäftsmäßige Anordnung ihres Bruders erwidern, was nicht mit dessen Beschlüsse übereinstimmte, doch da warf dieser einen scharfen Blick auf sie und sagte in einem beinahe befehlshaberischen Tone: Du kannst doch hier wahrhafttg nicht anders handeln wollen als wir, liebe Marie! Sollen wir unsere Rechte nicht wahren dürfen! Wie kommen wir dazu, den kaum glaublichen Inhalt deS Dokument» ohne weiteres anzuer- kcnnen? Auch müssen wir gemeinschaftlich handeln, unter allen Umständen gemeinschaftlich handeln, mögen wir ge­winnen oder verlieren." (gottfetnmg folgt.)