k. 286.
Marburg, Dienstag, 9. Oktober 1883.
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Die MiuisterkrifiS in Frankreich.
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Novelle von Jakob Regnery.
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Zufall nennt ihr's, Spötter? Steinl Es ist eine auffallende Erscheinung, daß es den Verbrecher mit unwiderstehlicher Gewalt treibt, durch Worte, durch unsichere Geberdeu sich selbst zu verrathen trotz der größten Mühe, eine gleichgültige Ruhe zur Schau zu tragen, daß er auf der Flucht seinen rastlosen Fuß auf den Pfad setzt, auf dem ihm die Rächer schon entgegeneilen. Es ist die rächende Hand der Vergeltung, die den Bösewicht an den Haaren faßt und ihn der Strafe entgegenzerrt.
Nach der Mitteilung des steiherrlichen Kutscher» war es dem Stadtarzte sofort klar, daß der tote Julius der Mörder sei, und noch ehe sich die Sonne voll zum Untergange geneigt hatte, war eine förmliche Treibjagd üonjber vornehmen Jagdgesellschaft unter Führung des Ministers auf ben Förster eröffnet, und gar bald hatte man seine,Spur entdeckt.
Wohl wissend, welche Gefahr ihm bei seiner Festnahme drohte, hatte Julius auf ben ersten ihm zu Gesicht gekommenen Jäger baS Gewehr angelegt; doch in demselben Augenblick entfiel ihm die Mordwaffe, und mit einem fürchterlichen Aufschrei stürzte er zu Boden, sich vor Schmerzen windend; die Kugel seines Gegners hate ihm den rechten Ellbogen zerschmettert.
Vollständig gebrochen, vielleicht auch in der Meinung, durch umfassendes Geständnis das Strafmaß zu mildern, gestand er vor den aus den Schuß herbeigeeilten Herren die Thal.
Am andern Morgen, von dem Stadtarzte mit einem Verbände versehen, wurde er nach T . . . . ins Gefängnis abgeführt, um seiner Aburteilung entgegen zu harren.
(Fortsetzung folgt.)
schließlich über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben von Privaten Bestimmung getroffen. — Der Präsident des Abgeordnetenhauses Herr von Köller, hielt sich gestern und vorgestern, auf der Durchreise begriffen, tn Berlin auf und besichtigte die feit Schluß der Session im Abgeordnetenhause getroffenen neuen Einrichtungen. Wie man der „Voss. Ztg." mitteilt, hatte Herr von Köller Gelegenheit, mit den Mitgliedern des Staatsministeriums wegen des Termins zur Einberufung des Landtags zu konferieren. — Im Finanzministerium soll die Thätigkeit augenblicklich eine ganz außerordentliche sein. Herr v. Scholz scheint in der That die Absicht zu haben, den Landtag mit einem wohlvorbereiteten Finanz- und Steuerreformplan, über dessen Einzelheiten indes ein tiefes Schweigen beobachtet wird, überraschen zu wollen. Ob der Vorlegung eines solchen Reformplanes auch sofort die That, Nämlich die Inangriffnahme der Finanz- und Steuerreform folgen wird, ist freilich eine andere Frage; besonders hochgespannte Erwartungen wird man schwerlich an die Reformprojekte des Herrn v. Scholz knüpfen dürfen, aber immerhin würde sich derselbe ein großes Verdienst erwerben, wenn es ihm gelänge, diese sehr schwierige Frage endlich in Fluß zn bringen. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Herr Finanzminister sein Reformprojekt dem Landtage zunächst in Form einer Denkschrift zu unterbreiten, um, an dasselbe anknüpfend, sich über die einzuschlagenden Wege mit der LandeSvertretung zu verständigen. ES ist das um so wahrscheinlicher, als bekanntlich das Abgeordnetenhaus es bisher stets abgelehnt hat, seinerseits positive Vorschläge über eine anzubahnende Steuerreform in Preußen zu machen, wenigstens so lange, als ihm nicht der Reform- plan der Regierung vorliegt. Die weiteren gesetzgeberischen Arbeiten auf dem Steuergebiete werden also voraussichtlich von dem Resultate der Verhandlungen abhängig sein, welche die Reform-Vorschläge des Herrn Finanzministers im Abgeordnetenhause Hervorrufen dürften. — Nach dem im Büreau des Justizministeriums redigierten Justizbeamten-Kalender für 1884 zählt das Justizministerium unter dem Minister Dr. Heinrich Friedberg (geboren am 27. Januar 1813) 1 Unterstaatssekretär, 1 Direktor, 15 Vortragende Räte, die JustizprüfungS-Kommission 1 Präsidenten (Herzbruch) und 13 Mitglieder. Die Oberlandesgerichte haben 13 Präsidenten, 13 Oberstaatsanwälte, 36 SenatSprästoenten, 234 Räte; die Landgerichte 91 Präsidenten, 179 Direktoren, 91 Erste Staatsanwälte. Die Zahl der Land- und Amtsrichter beträgt 3385 (und zwar im Kammergerichtsbezirk 459, in den OberlandeSgerichtS- bezirken: Breslau 509, Celle 285, Frankfurt a. M. 158, Hamm 309, Kassel 130, Kiel 136, Köln 263, Königsberg 248, Marienwerder 180, Naumburg 297, Posen 242, Stettin 169), der Staatsanwälte bei den Oberlandes- und Landgerichten 162, bet GcrichtSaffefforen 747 (bie Ancimni- tät des ältesten datiert vom 18. Dezember 1878, des jüngsten
„rtigcn nimmt entgegen: "Spedition d. Blattes, d.Annoncen-Bureaur
* jj. Dietrich u. So. in M und Hannover; Th. !snchin Frankfurt a.M-;
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Oberhesfische Zeitung
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’ J 8 8 /4 Für hi der Expedition zu erhellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pf«, berechnet- ,
Mehr und mehr trübt sich der politische Horizont Frank« nichs; Verlegenheiten hänfen sich auf Verlegenheiten und die Regierung, nur bemüht, die eigene Stellung zu behaupten, zeigt sich gegenüber den herantretenden Bedräng- Men völlig ohnmächtig. Wohl zu keinem Zeitpunkt hat sich der Tod Gambettas, daS Fehlen seines persönlichen Einflusses evidenter erwiesen, als gerade jetzt, wo Frank- nich abermals vor einer Ministerkrisis steht, die nicht nur kielleicht einen Personenwechsel, sondern sogar ein Systemwechsel herbeiführen kann. Die verhängnisvolle Erbschaft ,llt GambettaS, die Neigung der französischen Staatsmänner [30 zur Jntrigne, ist die Ursache dieser neuen ernsten Minister- lrisis. Der politische Streich, den der Ratgeber des Präsidenten Grevy, sein Schwiegersohn Daniel Wilson, gegen Fmy zu führen gedachte, hat sich gegen diesen selbst gekehrt und bie Feinbseligkeit zwischen dem Präsidenten der Kammer und dem der Republik — längst ein offene- Geheimnis — zu einem vollkommenen Bruch erweitert. So akut diese Ministerkrisi« ist, so will die Regierung sie doch erst bei der Kammererösfimng am 22. Oktober erledigen.
Von welchen unheilvollen Folgen für Handel und Industrie dieser ewige Wechsel der Ministerien, welcher blei- bmde Schöpfungen verhindert, ist, das beweist nichts schlagender, als bie Verschlechterung ber Handelsbilanz in dem ehedem wirtschaftlich so blühenden Frankreich, die bereits alarmierende Dimensionen angenommen hat. Dem stattstischen und U Ausweise über bie französische Waren - Ein- unb Ausfuhr L!...... Ehrend ber ersten acht Monate bes lanfenben JahreS
entnehmen wir nach bem „Prager Lloyd" die folgenden intereffanten Angaben. Danach hat sich bie Warenausfuhr auf 2223,21 Millionen FrcS. gegen 2305,42 FrcS. in ber gleichen Periode deS Vorjahres belaufen, während sich die Wareneinfuhr im gleichen Verhältnis von 3143,55 auf 3255,6 steigerte. Das Defizit der Handelsbilanz hat also bereits die riefige Summe von 1032,4 Mill. FrcS. erreicht und eS fragt sich, ob damit die Grenze nahe gerückt ist, bei welcher bie wirkliche Passivität eintritt, b. h. bet
Ich werde," wandte er sich dann an die resigniert neben dem Bette sitzende Baronin, „noch heute einem Kollegen meine StadtpraxiS brieflich übertragen und in anbetracht des gefährlichen Zustandes unseres Kranken in der Nähe bleiben, bis bie Krisis überstanden ist; länger denn vier Tage wirb bieselbe wohl schwerlich auf sich warten lasten. Ich werde mit Ihrer gütigen Erlaubnis, gnädige Frau, Ihre Equipage wieder etwas in Anspruch nehmen müssen und will dann nach einiger Erholung und leiblicher Stärkung tn dem Orte da unten gegen 9 unb 10 Uhr des AbenbS hierher zurückkehren, um selbst bie Besorgung am LetbenSbette zu übernehmen."
„Gewiß, Herr Doktor, Sie verpflichten mich ungemein, erwiderte bie Baronin mit verbindlichem Kopfnicken.
Mit einer tiefen Verbeugung gegen die Jagdgesellschaft verließ der Arzt, von dem Minister bis vor bie Thüre begleitet, baS Zimmer.
Auf die Straße gekommen, trat ber alle Otto, ber in beständigem Selbstgespräch vor ben unruhigen Rappen auf unb ab gegangen war, an ben Doktor heran: „Ist noch Hoffnung für ben gnädigen Herrn vorhanden?"
„Doch, mein Lieber," erwiderte anscheinend gleichgültigen Tones der Arzt im Begriffe eituufleigen.
„Herr Doktor," und ber aufgeregte Kutscher faßte ben Arzt am Rockärmel, „ich habe eine sonderbare Entdeckung gemacht und konnte mein Herz bis jetzt noch nicht erleichtem, aber nun muß e» heran»."
Und heraus kamS in gedämpfter, aber fließender Sprache,
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Bremen.
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Die letzten Nummern de» vorigen Quartal», welche die Beschreibung be« NationalbenkmalS auf bem Nieder- italb enthalten, liefern wir neu zugehenden Abonnenten, taelt unser Vorrat reicht, gratis und portofrei auf gefL direkte Bestellung mittelst Postkarte.
Expedition der Oberhess. Ztg.
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Ausfall nicht mehr durch die Zinsen des im Auslande investierten französischen Kapitals gedeckt wird. Bei ben einzelnen Positionen ergiebt sich, daß bie Verminderung ber Ausfuhr französischer Industrie - Erzeugnisse an dem Gesamtrückgang von 94,573 Mill, mit 80 Mk. partizipiert, während Nahrung- und Genußmittel um 5,632 Mk. und Rohmaterialien um 8,89 Mill, zurückgingen. In der Periode 1871—1876 war ber mittlere JahreSdmchs nitt deS französischen Industrie - Exports nach 1967,85 Mill.; er sank in ber Periode von 1876—1881 ans 1731,433 Mill, und dürfte sich bi» Ende 1883 für die beiden letzten Jahre auf kaum 1500 Mk. stellen.
AuS diesen Verhältnissen heraus, die wesentlich als eine Frucht der inneren politischen Zerfahrenheit Frankreichs anzusehen sind, erklärt sich mit Leichtigkeit sowohl die waghalsige Kolonialpolitik, welche Frankreich neuerbingS inauguriert hat, wie bie Unzufriedenheit, welche in ben Kreisen bet französischen Industriellen zu immer lauterem Ausdrucke gelangt, erklärt sich ferner die stetig anwachsende Not unter den arbeitenden Klaffen.
Ob es einem neuen Ministerium gelingen wird, In diesen prekären Verhältnissen Wandel zu schaffen, ist wohl sehr zweifelhaft; denn Frankreich, welches in einem Zeitraum von 12 Jahren 138 Minister verbraucht hat, ist jetzt bezüglich eines neuen Ministeriums in recht arger Verlegenheit. ____________________
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Oki. Unter bem Vorsitze deS Staatsministers v. Bötticher wurde am 5. b. Mts. eine Plenarsitzung des Bundesrats abgehalten. Der königlich preußische Unterstaats- sekretär im Ministerium des Innern und Bevollmächtigte zum BunbeSrat Herrfmth ist für das Fürstentum Waldeck zum stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt. Das Mandat deS Unterstaatssekretärs v. Puttkawer in Straßburg als Kommiffar ber Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen besteht fort. Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorberatung überwiesen: der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Kommanditgesellschaften auf Aktien und die Aktiengesellschaften; die Entwürfe eines revidierten statistischen Waarenverzeichnisses und eines revidierten Verzeichnisses der Maffengüter; die Entwürfe eines internationalen Uebereinkommens über den Eisenbahn-Fracktverkehr, sowie eines Reglements betreffend die Errichtung eines Zen- tralamtS. Die Versammlung faßte Beschluß über die Besetzung erledigter Stellen bei den Dlsziplinarkammern in Köln, Hannover, Arnsberg und Stettin und genehmigte mehrere Anträge auf Bewilligung von Ruhegehältern an Beamte der Reichspostverwaltung. Nachdem der Vorsitzende der Versammlung von einem an die zuständigen Ausschüsse gerichteten Schreiben deS Herrn Reichskanzlers, betreffend die Aufstellung von Musterstatuten für die verschiedenen Arten von Krankenkaffen, Kenntnis gegeben hatte, wurde
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waS er gesehen und was sich ihm mit unbezwinglicher Gewalt als Gewißheit aufgedrängt hatte.
„So, so," horchte der Arzt mit gespannten Zügen, während eS über sein strengernstes Gesicht aufklärend leuchtete.
„Noch ist es nicht dunkel, nach seiner Wohnung wird sich der Bursche nicht gewagt haben, wenn er wirtlich ber Verbrecher sein soll. Warten Sie nur einen Augenblick," unb bamlt verschwand der Arzt wieder schnell in bem Hause und bat ben Minister, auf eine Minute in ben Hausgang zu treten.
Die Unterredung schien ben Arzt befriedigt zu haben, sinnend vor sich hinlächelnd stieg er in ben Wagen, nachdem er dem Kutscher aufgetragen, möglichst schnell zuzufahren, ihn aber kurz vor dem Kreuzungspunkte der Wald- und Poststraße aussteigen zu laffen und dann ruhig, wie wenn nichts vorgefallen fei, nach bem Schlöffe mit ber leeren Equipage zu fahren.
„Das ist mein Mann, murmelte der alte Otto unb trieb die Pferde an.
Die Gerechtigkeit, die ewige Vergeltung hatte ihren Arm nach dem Verbrecher, nach dem roten Julius ausgestreckt unb ihn mit eisernem Griffe festgehalten; sein Maß war voll.
Trotz ber angewandten Vorsicht, sich Urlaub für ben Tag der Jagd zu nehmen, damit auf ihn auch nicht der kleinste Schatten eines Verdachts fallen könne, und obfchon er wohlüberlegend sogar seiner Wirtin erklärt hatte, daß er erst nach zwei oder drei Tagen von einer längeren Reise zurückkehren könne, hatte die Vorsehung bem alten Kutscher Otto den Mörder in die Anne getrieben.