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Marburg, Mittwoch, 3. Oktober 1883.
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bie Beschreibung des Nationaldenkmals auf dem Nieder-
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eines hochbegabten und zu hohen Aufgaben berufenen Volkes unS nicht vielmehr als eine tiefbeklagenswerte Thatsache und eine tragische Entwickelung erschiene.
Ueber die betreffenden Vorgänge wird offiziell gemeldet: Der König von Spanien ist am Sonnabend Nachmittag 3 Uhr 40 Minuten in Paris eingetroffen und am Bahnhof von dem Präsidenten Grevy und den Ministern empfangen worden. Der König begab sich sodann nach der spanischen Botschaft, wo er abstieg. Bei der Fahrt des Königs aus dem Bahnhof machten sich einige Personen durch Schreien und Zischen bemerkbar, mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Am Sonntag Nachmittag gegen 5 Uhr begab sich der Präsident Grevy nach der spanischen Botschaft, um dem Könige Alphons einen Besuch abzustatten. Zwischen den beiden Staats - Oberhäuptern fand, wie die „Agence Havas" meldet, ein sehr freundschaftlicher Meinungsaustausch statt. Bei derselben Gelegenheit machte, wie die „Agence HavaS" weiter mitteilt, der Präsident Grevy dem König Alphons namens Frankreichs seine Entschuldigungen wegen der unfreundlichen Kundgebungen des vorhergehenden Tages, deren Urheber der König nicht mit Frankreich selbst verwechseln dürfe. Gleichzeitig bat Präsident Grevy den König, daß er Frankreich einen neuen Beweis seiner Sympathie geben möge, indem er die Einladung zu dem für den Abend im Elysöe veranstalteten Bankett annehme, an welchem alle Mitglieder der Regierung teilnehmen würden und bei welchem er Gelegenheit haben werde, die wahren Gefühle Frankreichs gegen ihn kennen zu lernen. Der König erwiderte, er sei von den freundlichsten Gefühlen für Frankreich beseelt nach Paris gekommen und wolle demselben einen neuen Beweis seiner Sympathie geben, indem er die an ihn gerichtete Einladung annehme. Der König hat sich darauf abends TVa Uhr zu dem Bankett im Elysse begeben.
Die meisten am Sonnabend abend und Sonntag morgen erschienenen Blätter geben nun ihrem Bedauern über die Kundgebung beim Eintreffen des Königs von Spanien Ausdruck. Auch der offizielle „Temps" bespricht die Kundgebung bei der Ankunft des Königs von Spanien und sagt, der Verdruß und die Kränkung, welche allen gutgesinnten Bürgern durch den Zwischenfall des vorhergehenden Tages bereitet seien, dürften die Bedeutung dieser traurigen Kundgebung nicht übertreiben. Die paar tausend Individuen, welche den Skandal verursachten, seien dieselben Großsprecher, welche auch in öffentlichen Versammlungen pfeifen und mit den Füßen trampeln, die ThierS und Gambetta ebenso behandelten, wie den König Alphons, und die ebenso wenig Achtung vor dem Interesse und der Würde Frankreichs haben, wie vor der Ehre anderer Nationen. Ohne Zweifel müsse Frankreich die Verantwortung für solche Ungezogenheiten tragen, eö sei aber zu hoffen, daß die auswärtigen Nationen, insbesondere Spanien, ge-
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Oberhesfische Zeitung
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Illustrierte« Sonutagsblatt
recht genug sein werden, um in den Verirrungen einiger Tollhäusler nicht die Gesinnungen der ganzen Nation zu erblicken. Die Mehrzahl der übrigen Abendblätter sprechen sich in gleichem Sinne aus.
Im „D. M.-Bl." finden wir die folgenden Einzeln- heilen über den Empfang des Königs: Der offizielle Wagen war so dicht mit Kürassieren umgeben, daß die darin sitzenden Persönlichkeiten kaum sichtbar wurden. Sehr bemerkt wurde die Abwesenheit des Kriegsministers, deffen am Freitag eingetretener Gichtanfall auö Liebe zu den radikalen Freunden bis zur Abreise des Königs andauern wird. Um 7 Uhr zogen zahlreiche Gruppen über die Boulevards, die Marseilleise nur nach der Melodie: „des Lampions" „le Boi Uhlan" singend.....Am Boule
vard Denain entstand beim Herannahen des Wagens, in welchem König Alfons saß, ein wütendes Geschrei und Pfeifen. Ein elegant gekleideter Herr rief: „Bonjour Alphonse I" In der Rue Constantine hörte man Rufe: „Es lebe der König 1“ Vor dem Hotel der spanischen Botschaft war ein großer Skandal. Eine Frau zerbrach ihren Sonnenschirm und warf ihn nach dem König. Vor dem Elysee herrschte großer Tumult. Auf der Place de la Concorde vernahm man einzelne Rufe: „Nach Berlin mit dem Ulanen!" Die Truppen wurden überall lebhaft begrüßt. „Republique frangaise", „Figaro", „GauloiS" und „Temps" machen den Schwiegersohn GrevyS, Wilson, für den Skandal verantwortlich. Ersterer schreibt, die unmoralische Komödie habe schon zu lange gedauert; der „Gaulois" überschreibt seinen Artikel: „DaS Verbrechen des Präsidenten". Die Intransigenten jubeln. Rochefort schreibt: „Bist du zufrieden, mein Oberst?" Die „Lan- terne" ruft aus: „Nieder mit den Königen, eS leben die Völker!"
Ueber die Vorgeschichte deS Skandals teilen wir noch mit, daß die Zeitungen, welche Einzelnheiten über den bevorstehenden Empfang des Königs von Spanien mitteilten, auf den Pariser Boulevards mit dem Ruf: „Ankunft des Ulanenkönigs!" feilgeboten wurden. Am Freitag abend hielten die „internationalen sozialistischen Republikaner" im Cafe Hollandais (Palais Royal) eine Versammlung, die um 9 Uhr vom Präsidenten Argyrides, einem Advokaten am Appellhos, der geborener Spanier und naturalisierter Franzose ist, eröffnet wurde. Als Zweck der Versammlung wurde verkündigt: Protest gegen den offiziellen Empfang des Königs von Spanien auf dem Bahnhofe. Die Redner waren sehr scharf und einer derselben, ein Schneider Bordes, beantragte, daß alle RevolutionSmänner auf den Nordbahnhof ziehen und den Tyrannen und Blutsauger Alphons auSpfetfen, und nachdem sie ihn verhöhnt, sich der Orsini- bomben und Katalanenmeffer bedienen sollten, damit er nicht wieder nach Spanien zurückkehren könne, um gute Republikaner erschießen zu lasten. Ein gleich republi-
Nerlii »erden von der Post noch fortwährend angenommen und - auf Wunsch die erschienenen Nummern nachgeliefert.
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,1 „.eigen nimmt entgegen: I* tz Spedition d. Blattes, ^..ed.Annoncen.Bureaux " ä. Dietrich u. Co. in Lti und Hannover; Th. ertDeti in Frankfurt a.M.;
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Die Franzosen haben es in der That für notwendig -chatten, den Beweis zu liefern, daß sie von ihrer sprich- ,;i wörtlichen Höflichkeit auf das Niveau der rohesten Gletch- 14. Lkl Mtigkeit gegen die einfachsten Gebote der Schicklichkeit und ' F'iki! ?c8 Anstandes herabgesunken sind. Ein Gast ihres Landes, der Souverän eines benachbarten, befreundeten Staates & Sol erntete die Früchte der maß- und sinnlosen Aufhetzereien einer verkommenen und arroganten Preste und wird in ----— dem Augenblick, wo er mit dem Präsidenten der fran- . zöstschen Republik freundschaftliche Händedrücke wechselt, von einer rasenden Volksmenge verhöhnt, ausgepfiffen und mit Schmähungen überhäuft. Die Polizei zeigt sich ohnmächtig, die Schreier zum Schweigen zu bringen; der Präsident der Republik stammelt vor dem Empfange dem aufgehetzten Pöbel in feiner Preste seine Entschuldigungen und ist nach dem Empfange bemüht, seine kostbare Person, soweit möglich, aus dem Skandal zu retten. Der Krtegsminister ____ meldet sich „gtchtkrank" und bleibt zu Hause, und so hat Expedd denn der süße „Pöbel", vor dem sich die höchsten Würden- ' träger der Republik, die die Pflicht fühlen mußten, den Gast ihres Landes mit ihrer Person und mit ihrer Popularität, wenn sie deren besitzen, zu decken, feige ducken, der Pöbel, dem niemand in Paris fest entgegenzutreten wagt, allein das Wort mit seinen Allüren der Vorstadtkneipe
, Mb mit seinen Roheiten gegenüber einem Gentleman, der "uurm mstäiwigen Leuten einen Besuch zu machen glaubte, und einem gekrönten Haupt. Wir könnten mit diesem Beweise, daß in Frankreich die ritterlichen Tugenden, welche einst aaruii |£[ne Kraft ausmachten und seinen Stolz bildeten, in Ver- fall geraten und fast verschwunden sind, mit dem Beweise, daß Frankreich, daö sich rühmte, an der Spitze der Zivilt- ... t .sativn zu marschieren, mehr und mehr dem hilflosen Elend tartsp« Ptzbelherrschaft verfällt, zufrieden sein, wenn wir wirk- zcnbrai bie bewilligen und schadenfrohen Gegner Frankreichs benH» toäten, als die man unö jenseits der Vogesen darzustellen "T beliebt, und wenn die Entartung und sittliche Versumpfung
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Zur Begrüßung der jetzt hier versammelte« Lehrer.
Seid uns willkommen, Ihr Kollegen, In Philipps alter Musenstadt.
Bringt — und empfangt hier reichen Segen Und Euch zum Gruß auch dieses Blatt!
Der Gegend Reize sind geschwunden. Der rauhe Herbst zog bei uns ein. Still ziehen hin die Tagesstunden Und spärlich ist der Sonne Schein.
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Schaut auf den Höhen rings die Wälder, Sie tragen schon das welke Kleid.
Seht in dem Thal ringsum die Felder, Eie pred'gen die Vergänglichkeit.
Doch ob die Wolke sie umhüllet, Und kurz nur ist des Tages Licht, Was Ihr erstrebt, das wird erfüllet. Frisch an das Werk! Verzaget nicht.
Wer will dem Strom des Geistes wehren? Die Bildung wuchs zu starker Macht.
Die Jugend freut sich an den Lehren, Am Feuer, das Ihr angefacht.
Dahin ist jene Zeit des Schreckens, Wo aus der Schule Wehgeschrei Ertönte, wo die Macht des Steckens Geübt hat finst're Tyrannei.
Ihr zieht die Kinder jetzt durch Liebe, Durch milde väterliche Zucht, Und wenn eins ins Verderben triebe. Durch Eifer, der Verlornes sucht.
Stiefkinder watt Ihr sonst im Staate, Doch echte Söhne seid Ihr nun.
Man lichtet sorgenvolle Pfade Und läßt den Greis in Ehren ruhn
Doch viel bleibt übrig höherem Streben, Noch ferne steht das goldne Ziel. Ihr wollt nicht eignes Ich erheben, Nicht treiben Tand und eitles Spiel.
Wer Großes will, der muß wohl nehmen Zusammen alle Geisteskraft, Muß bösen Widerstand bezähmen, Der Kampf ist's, welcher Frieden schafft.
So seid denn ächte Kampfgenoffen;
Kämpft einig! Eintracht sei das Band, Das Euch im Wirken hält umschloffen.
Hoch Freiheit, Bildung, Vaterland! -r.
21 Waldhauuche«.
Novelle von Jakob Regnery.
Gar wunderlich und auch ernst blickten die Ritter mit den Harnischen, die Edelfrauen mit ihren riesigen Kragen- krausen von den Wänden herab in das lebhafte, nun auf einmal beim Eintritt des Ministers steife Treiben, als wollten sie höhnend sagen: „auch euch wird eS dereinst in der Mehrzahl nur beschieden sein, an der Wand durch ein schlechtes Oelgemälde verewigt zu sein."
Doch Lebende verstehen nicht leicht die Sprache der Bilder.
Im ganzen warens dreizehn Herren, und witzig meinte einer derselben, ein blutjunger Kavallerieoffizier, in schnarrendem Tone: „Meine Herren, fatal, eigentlich sollten wir die Ankunft eines weitern Jagdgenossen abwarten, dreizehn ist eine alte Unglückszahl, und für mich par exemple wäre es schade, auch noch bei einem Jagdvergnügen zu verunglücken, auf Ehre."
Mehrere der Herren lächelten mitleidig, gaben sich wenigstens den Anschein, andere hingegen machten ein recht ernstes Gesicht.
Aberglaube ist und bleibt ein ewiges Erbstückche" schwacher Seelen, Bildung merzt etwas davon aus, tilgt ihn aber selten ganz.
„Nun, meine Herren", warf Rudolf v. Werneck leicht hin, „dem Uebelstande ist gut abzuhelfen, einer meiner Förster wird sich auch aktiv an der Jagd beteiligen, und hätten wir bann die Zahl vierzehn glücklich erreicht. Ich bitte die Herren, sich nach dem Speisesaal begeben zu wollen, das Dejeuner ist bereits serviert.
Auf dem Wege zum Speisesaale stellte die Freifrau an den jungen Schloßherrn die Frage: „Aber warum ist denn einer der Förster von der Jagd ausgeschlosien?"
„Ganz einfach aus dem Grunde", erwiderte der Gefragte, „weil Julius nicht teilnehmen kann; er hat mich gestern um zwei Tage Urlaub, um dem Begräbnis eines Oheims in irgend einem entfernt gelegenen Krähwinkel anwohnen zu können; so was läßt sich nicht abschlagen; übrigens wäre eS mir nicht unlieb, wenn er gar nicht wiederkäme."
Schon wollte die Baronin um Aufklärung bitten, doch schwieg sie, von einem eigentümlichen Verdacht befallen.
Nach Ablauf einer guten Stunde brachten zwei Breaks und ein Halbverdeck die Gesellschaft bis in unmittelbare Nähe deS Försterhäuschens, wo die Herren abstiegen und unter Ernsts Führung nach einer Saubucht sich begeben sollten.
Rudolf v. Werneck war heute auSgelaffen und zu dem fast traurig dreinblickenden und respektvoll dastehenden Förster gewandt, sprach er: „Herr Baden, dürfte ich Sie um ein GlaS Ihres eigenen Champagners bitten?"
„Champagner? Herr Baron," stotterte Ernst verlegen, der Frage Sinn nicht sofort verstehend. In demselben Augenblicke tauchte Hannchens Kopf flüchtig hinter den