Einzelbild herunterladen
 

XVM. JahrgMg.

JRatßtirg, Freitag, 28. September 1883.

Dr. 227

GerMchr Mm-

engrin.

101. 101

>Ä"-

Baden.

(Fortsetzung folgt.)

1. Octo! »er zu d Bl. (32

10H rlOli

1015 100;

102

1015

66% 74% 96

1021 985 57i 76% 72

296 !

.101

' 102

.101

102

■’S 'S

96

102

98

58

76

72

297

98

224 119|

Waldhatmcheu.

Novelle von Jakob Regnery.

„Im Gegenteil/ beeilte sich Julius zu erwidern, „um es offen zu sagen, ich habe vor geraumer Zeit es versucht, daS sonderbare Mädchen nach richtiger JLgerSart im Sturme zu erobern, fiel aber bei meiner Bewerbung glänzend durch."

„So, so," warf die Baronin nachdenklich und stutzig ein, "„und dennoch glauben Sie Hoffnung zu haben? wissen Sie denn auch, daß manchmal eine abschlägige Antwort bei Mädchen gleichbedeutend mit Widerwille ist und daß wiederholte Umwerbung dieses Gefühl zum Ekel, ja zum unauslöschlichen Haß in den allermeisten Fällen steigert.

„Doch, doch, gnädige Frau, dessen bin ich mir klar und "bewußt, aber was sich der Julius einmal in den Kopf gesetzt hat, das ist nicht so leicht wieder hinauSzubringen, und zu Ihrer vollen Beruhigung, gnädige Frau, kann ich Ihnen die Versicherung abgeben, daß ich die beiden Ge­schwister vollständig in Händen habe. Ein einzige» Wort von mir genügt, sie beide lammfromm zu machen; auch habe ich mit dem Bruder bereits Rücksprache genommen und ist mir seine Unterstützung gewiß."

So, so, schön also," beschwichtigte die Freifrau, „ich will nicht weiter nach den Mitteln, die Ihnen zur Ver. fügung zu stehen scheinen, forschen, für mich ist die Haupt- fache, daß die Angelegenheit sicher und möglichst schnell geregelt wird. Und nun entschulvigen Sie mich" — sie stand auf und machte einige Schritte zur Thüre zu — „ich habe unbedingt nach dieser bedeutsamen Unterredung das Bedürsniß, mich in der frischen Luft etwas zu erholen;

mtiergtr, 1 - vauh, ! von 14 verwend in der tz ______[321

Julius schlenderte nachdenklich, im ganzen und großen mit sich zufrieden, nach Hermesgarten, und dort angr» kommen, trat er in das erste Häuschen, an dem ein au«- hängender Triangel anzcigte, daß auch in diesen engbe- grenzten Räumen durststillende Getränke verabreicht werden, ein. In Wahrheit beschränkte stch der Ausschank auf leichte«, schlechtes Bier und Branntwein der allerschlechtesten Sorte. Den Hauptanziehungspunkt übte die siebzehnjährige Tochter aus, die nichts weniger als stttenrein, mit ungewöhnlicher Frechheit sich in die Gesellschaft junger Burschen in dm seichtesten und zweideutigsten Worten erging, von der Mutter, einer frühzeitigen Wittwe lebhaft unterstützt. Der Kneipe war seit Jahren von witzigen Burschen der allgemein verständliche Namm „Schleifstein" beigelegt worden. Dort ließ sich auf einer Holzbank der Günstling der Freifrau von und zur Triebenau nieder. Nach Hause zu gehen zu seiner Wirtsfrau, die am andern Ende von HermeSgartrn wohnte, kam ihm nicht in den Sinn; für heute hatte er noch einen Gang vor, und hinter dem schlechtm Getränke und in der Gesellschaft verworfener Menschm, da war« ihm wohl. Amei, das lüverliche Mädchen, hatte stch als­bald zu dem häufig bei ihr einkehrenden Gaste gesetzt; schmutzige Redensarten flogen herüber und hinüber, und mit rohem, wüsten Lachen entfernte sich Julius, als schon längst die Sonne heimgegangen war und dichte Finsternis Hermesgarten und den Hochwald einhüllte. Dann, halb berauscht von Getränk, begab er sich auf den Weg zum FörsterhäuSchen, der Behausung seines Kollegen Ernst

Zum 28. September 1883.

Im Jahre 1871 erschien in der Verlagshandlung von Wilhelm Baensch in Leipzig unter dem Titel: „Der veutsch- sranzöstsche Krieg" eine Sammlung all der Kriegs- und Siegeönachrichten, welche der Sekretär der Jetztzeit: der elektrische Draht, bewegt von den tapfern Händen unseres großen Heldenkaisers und seiner großen Heerführer, mit leuchtender Blitzkcilschrist in die Blätter unserer großen Geschichtsjahre 1870 und 1871 eintrug. Der 28. September 1870 bringt dort folgende Botschaft: „Mundolshcim, den 28. September. An Ihre Majestät die Königin Augusta: Soeben nachts 2 Uhr Kapitulation von Straßburg durch Oberstleutnant LeSzynski abgeschlossen. 451 Offiziere, 17000 Mann lud. Nationalgarden strecken die Waffen. Um 8 Uhr wurden Straßburgs Thore besitzt, v. Werder." Dreizehn volle Jahre, Jahre voll Freud und Leid, find in­zwischen über unser liebes Vaterland dahingerauscht; der scharfe Rechen der Zeit hat manche Blume im Garten

•öl

152)

Kritiker und Geschichtschreiber haben dabei mttgewirkt, so daß man sagen darf, die Wiedergeburt Deutsch­lands sei so recht daö Werk des Gedankens und der Wissenschaft. Auf jedem Felde menschlichen WiffenS, in jeder Form dichterischen Schaffens hat das geistige Deutsch­land das neue politische Deutschland vorbereitet. Wissenschaft und Litteratur, Philosophie und Geschichte haben dem deutschen Volke das tiefe Gefühl der eigenen Nationalität gegeben, haben es gelehrt, sich als für eine große, geschichtliche Mission bestimmt anzusehen, haben ihm die Erfüllung dieser Mission als eine Pflicht auf­auferlegt. Ja, das ist so recht das Hauptmerkmal der deutschen Bewegung, daß sie zuerst ein Werk des Geiste« gewesen und erst dann, als dieses zur Reife gediehen war, ein Werk der materiellen Kraft wurde. Wie der Blitz dem Donner, ging die Idee der That voran, und bevor die Deutschen das materiell mächtigste Volk Europa« wurden, waren sie das ideell gebildetste: Die politische Führerschaft ist Wirkung und Folge der geistigen. Wer immer des Glaubens lebt, daß der Geist etwas bedeute in dieser Welt, setzt wenig Vertrauen auf die Dauerhaftigkeit von Werken, welche nur die Frucht politischer und mili­tärischer Machenschaften find, ohne genügende geistige und sittliche Vorbereitung. Aber wo ein Volk bereits eine wahrhaft nationale, von Allen geschaffene, Allen gemeinsame Philosophie, Wissenschaft, Historik, Poesie und Musik hat, wo seit länger als einem Jahrhundert eine fortwährend gewachsene Entwickelung schon die Einheit im Bereiche deS Denkens und WiffenS gegründet hat, — da mögen Sa­dowa und Sedan kommen: sie finden einen urbaren Boden, der gesunde Früchte hervorbringen wird. — DaS neue, deutsche Reich ist also nicht, wie gedankenlos gesagt worden, „ein Kind der Gewalt", eS ist die langsam gezeitigte Frucht des Gedankens, es ist die politische Ausprägung der gei­stigen Bildung, es ist der Triumph einer langen Kultur­arbeit, erlangt — wie die Siege auf der Walstatt der Thatsachen immer erlangt werden — durch die Verwen­dung der Kraft im Dienste der Idee."

Mit diesen schönen, klarheitleuchtenden Sätzen suchte vor 13 Jahren einer der edelsten Söhne Italien-, Giuseppe Civinini, uns die inneren Gründe unserer nationalen Wiedergeburt zu kommentieren. Lasten wir dir trefflichen Worte des edlen Mannes nie der Vergestenheit anheim­fallen und ziehen wir wünschenswerte Lehren au« ihnen. Arbeiten wir auch in Zukunft in unablässigem Flriße weiter, nicht nur an der Sicherung unserer politischen, auch an der Sicherung und Ausbreitung unserer geistigen Güter! Schärfen wir vor allem das Schwert de« Ge­danke n S! An seiner Schneide schärft sich am besten auch das Kriegsschwert. Als erstes und vornehmste« aber gelte uns das Mahnwort des sterbenden Attinghausen:

„Drum haltet fest zusammen — fest und ewig — Kein Ort der Freiheit sei dem Andern fremd — Seid einig — einig — einig!"

sich, vor dem 1. Oktober ihre Bestellungen bei der Post machen zu wollen, da wir der am 1. Okt. auszugebenden Nummer unseres Blattes eine Ansicht

des Denkmals auf dem Niederwald

beifügen werden.

Ueber die Festlichkeiten ans dem Niederwald werden die letzten Nummern dieses Quartals Originalberichte von unserem Spezialberichterstatter Herrn Josef Lchrattenhol) enthalten, die wir wie die bereits erschienenen Nummern, welche den historischen Rückblick über das Niederwald-Denkmal enthalten, soweit unser mehrgedruckter Vorrat reicht, «e« zugehende« Abonnenten gratis nachliefern werden.

Wir ersuchen durch Postkarte gewünschten Falls uns direkt zu benachrichtigen und erfolgt alsdann postsreie Zusendung.

Expedition der Oberhess. Ztg.

Hl rburg, 44.

I.

Selb. »

e 97} 2221 1181

unserer Erinnerung erbarmungslos ausgejätet — das ju­belnde Hochgefühl aber, daS die siegreiche Zurückgewinnung der alten, schmählich geraubten, „wunderschönen Stadt" emporsprießen ließ, ist unverletzt geblieben. ES wurzelt fort in dem Herzen eines jeden, dem es vergönnt war, den dröhnenden Kriegsmarsch unserer Nation mitzuwandern; eS lebet auf in alter Kraft, in erhöhter Frische an dem lange ersehnten Heute, wo auf der waldigen, weinranken- umsäumten Höhe deS Niederwalds Deutschlands Kaiser, Fürsten und Volk ein JahreSzedächtnis jenes TageS be­gehen, wie es der entschwundenen großen Epoche und ihren beispiellosen Erfolgen nicht schöner entsprechen kann.

Die Monumente der Vorzeit sind Herolde des Zeit­geistes. DaS Monument, das unter brausenden Jubel- gesängcn und lautem Freudengeschrei, unter brüllendem Kanonendonner und hellem Glockengeläure heute seine fest­liche Enthüllung erfährt, wird diesen Ehrentitel ebenfalls verdienen. Nicht in frecher Selbstüberhebung, nein, in demütigem DankeSgefühle, nicht par Ordre de mufti, auf Befehl eines mächtigen Einzelnen, nein, aus eigenster Initiative der Gesamtheit des Volkes wurde unser National- dcnkmal geboren; nicht als erzgewordene Rodomontade, als bildnerischer Herausforderungsschrei steht es da; so lange es steht, wird eS stehen bleiben als künstlerisch würdiges, nationales ErinnerungS-, Freuden- und Grabmal. Ein ErinnerungSmal an die hohe Stunde, worin der schlafende deutsche Herkules, zu stolzem Kraftbewußtsein er­wacht, die verderbenzüngelnde Schlange Gallia an seiner Wiege erwürgte; ein Freudenmal für jene Zeit, wo aus den zersplitterten, vom Dämon der Zwietracht entzweiten deutschen Ländern ein deutsches Land, aus den deutschen Ländern ein Deutschland, das alle, starke, römerschreckende Germanien, erstand, und über den zahl­reichen Königs-, Herzogs- und Fürstenkronen — ein lebendig gewordenes Märchen aus alter Zeit — das versunkene Nationalkleinod: die deutsche Kaiserkrone, wieder empor­ragte ; ein G r ab m a l für alle die treuen, tapferen Söhne unserer Gauen, die in dem männermordenden Freiheits­kampfe die feindliche Frankenerde mit rotem Herzblut zeich­neten. Tausend und aber tausend Augen, deutsche Greise und deutsche Jünglinge, deutsche Mütter und deutsche Jung­frauen, werden im Laufe der Jahre die Figuren des schönen Monuments stch in die Seele zu prägen streben. Möchten dann die Blicke doch auch zurückschweifen zu der Zeit, welche das Denkmal aufbaute, und in stillem Forschen eindringen in die Ursachen, denen diese Zeit ihre Erfolge eigentlich verdankt.

Daß Preußen Deutschlands Einigkeit geschaffen, ist eine Thatsache, die sich schneller und leichter aussprechen als begründen läßt. „Wenn Preußens Waffen den großen Gedanken der deutschen Einheit materiell verwirklichten, so war dieser Thatsache eine Jdeenarbeit vorauSgegangen, welche schon mit Letbnitz begonnen hatte und bis zu unserem Tage fortgeführt wurde. Dichter und Philosophen,

stellung bi irte Ritte • ab bis i ianalisiriui stiefmütte

[290

f

zu Kato bet 188$.

Abonnements - Einladung.

Zu dem am 1. Oktober stattfindenden Quartalswechsel ttsuchen wir, die Bestellungen auf die

OberheWche Zeitung

Anzeigen nimmt eMaegeu: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bure«nx Den @. 8. Daube U.C». iü Frankfurt a. M; Jtgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalid endank in Berlin: W. Thiene» in Elberfeld: «. Schlotte in Bremen.

es bleibt also wie abgemacht und daß Sie größtes Still­schweigen über unfern Plan beobachten, darf ich wohl vvraussetzen in Ihrem eigenen Interesse."

„Zu dienen, gnädige Frau," und mit einem gnädigen Kopfnicken war Julius entlasten, nachdem sie selbst ihm das das Entree geöffnet hatte.

Drunten am Thore lehnte anscheinend gleichgültig Otto, der langjährige Kutscher und blies die Rauchwolken, die seiner geschnitzten Holzpfeife entquollen, in die Luft. Neckend war eine dralle Magd an ihn herangetreten mit den Worten:

„Na, ich meine der alte Otto wartet auch noch auf ein Schätzchen von draußen her, he?"

„Jawohl, mein süßes Kind, der alte Otto hat schon lange gewartet und wartet auch heute."

Unter herzlichem Lachen ging die Magd ihrer Arbeit nach und gleich hinterher schritt Julius, ein Liedchen vor sich hinpfeifend, an ihm vorbei, ohne ihn eines Grußes zu würdigen.

„Na, warte Junge, wenn mich mein Traum in der letzten Nacht nicht belogen hat, so rupfen wir beide noch ein Hühnchen zusammen. Gutes führst Du nicht im Schilde, das beweisen mir Deine heimlichen Zusammenkünfte mit der Gnädigen da oben; aber der alte Otto wird Dtt noch aus die Finger sehen, Du sauberer Geselle Du."

Mit diesen Worten schaute der Kutscher dem Förster feindseligen Blickes nach, so lange ihn seine Augen sehen konnten. Dann wurde ihm durch die Kammerzofe bedeutet, daß die Gnädige heute nicht ausfahre, da es schon fast Zeit zum Diner sei.

„Um so bester," brummte der Kutscher in den Bart.

600 Stj :s Schrem Länge, i l bis 5 i plintfrei eben mpfsäger, ich.

Garten en oder vermiet!

Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes Somttagsblatt" durch die Expedition (K o ch'schr Buchdrucker ei) bezogen 8'/. Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) -^JnsertwnSgebühr für die gespaltene Zecke 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf«, berechnet-

(32 el sind j, lle, bte 3L ~ • öksponnh ncht einig, um Verl,

f «t nebst deren Gratisbeilage

ttt“Sr8; Illustriertes SouutagSblatt

:gen mit? hei den Postanstalten baldigst erneuern zu wollen, um Unterbrechungen im Eintreffen der Zeitung zu vermeiden. Wir ersuchen unsere Leser, wenn irgend mög-

t«ieigen nimmt entgegen: lie Expedition d. Blattes, (gnne d.Annoncen-Bureaux • Th- Dietrich u. Co. in lnfU und Hannover; Th. in: I Mrich in Frankfurt a.M-;

„r, _ I Agafenftein u. Vogler in aUen ®töi<£anffurt «. M-, Berlin, l aus KiNnWpzig, Köln rc.; Rudolf st; Wollet- m Frank- erhoseu F fMrt * ** "* d»; W )amen (n Auswahl

Zu er [31!

licht

>ecker.

ib Güldn 17