gleich ein Kärtchen ausspielen und sie wird wohl oder übel auf den Köder anbeißen müssen; wenigstens ein heilige» Glück, daß das Volk mit angestammter Dummheit geschlagen ist, die von Generation zu Generation erfreulichere Fort» schritte macht."
Die Freifrau störte Julius plötzlich in seinem Gedatckm» gange, als sie stille stand, einen unerwartet ruhigen Au»« druck annahm und ihre Lorgnette fest auf die Nase quetschte:
„Meinen Sie nicht, daß eS ein Mittel giebt, die Sirene auf irgend eine Weise unschädlich zu machen? Strengen Sie ihren Kopf an; ich weiß, daß ich mich auf Sie ver« lassen kann und sie dürfen versichert sein, daß ich Ihre Dienste nicht unbelohnt sein lasten werde."
„Hab' ich mir's nicht gleich gedacht, daß die fromme, würdige Dame mindestens ebenso schlecht ist als ich? Was gilt'S, sie macht einen verblümten Vorschlag zur Vergiftung" triumphiete es im Innern des Schurken. Aber er wußte sich meisterhaft zu beherrschen, als er mit einer richtigen SchasSmiene die lauernde Baronin dumm verwundert an« glotzte
„Gnädige Frau, ich kann wirklich Ihrer Red« Sinn nicht verstehen, wollen Sie die Güte haben, Vorschläge zu machen und ich bin sicherlich bereit, dieselben ohne umzu« schauen, ausrusühren."
„Du mein Gott," und die Baronin blickte ihn halb unwillig, halb ungeduldig an, „begreifen Sie mich denn gar nicht? Sie haben doch sonst eine schnelle Austastung«, gäbe. Sehen Sie mein Lieber, eS können Fälle eintreten, in denen es Pflicht und harte Notwendigkeit ist, die Ehre einer Familie?, wenn nicht ander« möglich, auf ungewöhn« liche Weise zu wahren. Sollte sich da« Verhältniß de» Freiherrn zu dieser Kreatur wirklich in der von Ihnen
xvm. Jahrgang.
Marburg, Mittwoch, 26. September 1883.
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ebenfalls nicht gebessert haben würde. Die Geschichte der jüngsten Zeit hat uns gezeigt, wie leicht große Nationen durch turbulente Minoritäten zum Kriege getrieben werden können, nicht bloS in Frankreich. Wir halten die Majoritäten aller Nationen, auch der französischen, in der Regel für friedliebend und bei ruhigem Blute wenig geneigt, ihr Land den Opfern und Gefahren eines Krieges auszusrtzeu, und wir haben deshalb der Sache des Friedens eine« Dienst zu leisten geglaubt, soweit eS in unseren Kräfte« stand, wenn wir der friedliebenden Mehrheit der Franzos« die Personen, die Organisation und die Mittel vor Augen führen, durch welche sie von neuem einen Krieg mit Deutschland hinein intriguiert werden sollen. Wir richten damit einen Appell an Die friedliebende öffentliche Meinung Frankreichs, damit sie die kriegerische Minorität ihrer Mitbürger kenne und kontroliere. Wenn freilich nur wenig französische Blätter wagen, unS in diesem Bestreben beizu« stehen, so erinnert dies nur daran, daß Tatne und andere Werke unS neuerdings nachwicsen, eine wie geringe Anzahl von Jakobinern seiner Zeit hinreichte, um Frankreich von dem Wege der notwendigen Reform auf den der Revolution und des Bürgerkrieges zu drängen und es so um die Kontinuität seiner geschichtlichen Entwicklung zu bringen, an deren blutiger Unterbrechung eS noch heute leidet. Zu den Bürgerpflichten gehört unsere« Erachten« nicht nur der Mut auf dem Schlachtfelde, sondern auch der Mut der eigenen Ueberzeugung im Kampfe mit populären Irrtümern.
— Fürst Bismarck wird im Laufe dieser Woche (Mittwoch) in Berlin erwartet; er will einige Tage hier bleiben und an den Beratungen deS Staatsministerium« teilnehmen, zu welcher auch die übrigen Minister nach Berlin zurückkchren. — Wie das „D. Mont.-Blatt" mitteilt, sollen demnächst mehrere höchste Kommandostellrn neu besetzt werden. DaS 6. Armeekorps ist bereit« frei und 2 andere werden bereits frei werden. Da« Blatt schreibt: „Wie es heißt, würde Prinz Albrecht, der Kommandeur des 10. Armeekorps nicht ungern fein jetzige« Kommando mit dem des 6. Korps (Schlesien) vertauschen, in besten Bezirk die schönsten seiner Besitzungen liegen. Für diesen Fall wurde bisher als sein wahrscheinlicher Nachfolger in Hannover (sonst aber in Breslau), der jetzige Mtlitirbevollmächtigte in Petersburg, Generalleutnant nnd General-Adjutant v. Werder genannt; nruerding« jedoch verlautet, General v. Werder fei zum Nachfolger de« Grafen Brandenburg, de« Kommandeurs des Gardekorps, ausersehen, der gleich nach den Manöver», seiner großen Kränklichkeit wegen, um seine Versetzung in den Ruhestand bitten wolle, welch' letztere» Gerücht wir hier unter vollster Reserve wiedergeben." — Der „Kreuz-Ztg." zufolge sind die Vorbereitungen für das JnSlebentretm eines deutschen Offizier-VereinS beendet: WaS die Orzaui-
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Novelle von Jakob Regnery.
Das Gesicht de« Gefragten nahm einen gut gespielten Ausdruck der Besorgnis und Teilnahme an, als er nach einem absichtlichen VerlegenheitS-Räuspern zögernd anhub:
Gnädige Frau, am liebsten wäre eS mir, wenn ich Ihnen alles verschweigen dürfte und fast möchte e« mich reuen, Sie gestern auf Mitteilungen aufmerksam gemacht zu haben, doch Sie wisten, daß ich Ihnen mit Leib und Seele ergeben bin."
„Ja gewiß," flüsterte ungeduldig die Freifrau, doch Machen Sie nicht so viele Umschweife, also was ist«?
Sie drehte den Kopf zur Seite anscheinend in bte Betrachtung eines alten wertvollen Kupferstich« vertieft, uns Julius beobachtete sie nun scharf, um genau den Eindruck seiner Mitteilungen zu sehen und danach seine Forderungen für die Mithülfe zu stellen. Die Rache sollte mit in den Kauf gehen. Er führte den Schlag direkt, indem er mit langsamer Betonung fortfuhr: „Bei meinem vorgestrigen Dienstgange sah ich, wohl verborg.n hinter dichtem Gestrüppe, wie der Baron ohne lange« Bedenken die Schwester meines Kollegen Baden an die Brust drückte und den Mund des Mädchens mit leidenschaftlichen Küsten
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rn^ den Postanstalten baldigst erneuern zu wollen, um Aterbrechungen im Eintreffen der Zeitung zu vermeiden.
Mit Beginn des neuen Quartals kommt im Feuilleton
»s Blattes die höchst spannende Novelle:
Angelika
von 6. Lenzendorf
M Abdruck, und im Jllustr. Sonntagsblatt beginnt die
Dorische Erzählung:
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von Hermann Hirschfeld.
gjC* Nur bei rechtzeitiger Bestellung können vollständige
Liatnnimmt entgegen: Uvedition d. Blattes, Annoncen-Bureaux
U 'Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.
Ld) in Frankfurt a.M.; Mein u. Vogler in it a. Bk., Berlin, Köln ic.; Rudolf ffitn Berlin, Frank- " ftttt a. M. re.
*öbt Tlif M deren Gratisbeilage Zu »ni
Hermans, daselbst; „ Berlin; 6. Thiene« in Merfeld: 6. Schlotte in
Deutsches Reich.
ro. Berlin, 24. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: ‘7 Die fortschrittlichen Blätter, welche wir gewohnt sind, stets ___J auf Seiten jedes Feindes der deutschen Politik zu finden, tuDerhiiff imutzen unsere Veröffentlichung der Antoineschen Korrespon- ' — "mzm zu Ausfällen, welche die Stellung, die sie zum eigenen
Werlande einnehmen, hinreichend charakterisieren. Sie stillen sich natürlich auf Seite des Herrn Antoine und bedrohen uns mit gerichtlichen Verfolgungen und Strafen. Wir würden uns freuen, wenn gerichtliche Verhandlungen hiie Gelegenheit darböten, die Antoineschen Umtriebe und die Stellung der deutschen und französischen Parteien zu drn- stlben noch schärfer an dem Lichte der Oeffentlichkeit zu beleuchten, als dies durch die Presse möglich ist. Unser Zweck, jioel in ihrer Mehrheit friedliebenden Nachbarvölkern die Personen und Mittel vor Augen zu stellen, durch welche fie zum Kriege gegeneinander gehetzt werden sollen, kann durch jede breitere Verhandlung der Umtriebe, in welchen Antoine eine untergeordnete Rolle spielt, nur gefördert werden. ES wundert unS nicht, daß die fortschrittliche Presse nach dem Grade ihrer politischen Bildung nur für I wirkst die kreisrichterliche, aber nicht für die politische Seite dieser
Frage ein Auge hat, auch dann nicht, wenn gerade die iehen dm politische Seite dadurch auch einem blöden Auge klar gemacht wird, daß die Urheber dieser Umtriebe, deren Organ iShandlm der Metzer Tierarzt ist, ausschließlich aus Franzosen und französischen Gesellschaften bestehen, welche ihrerseits bemüht sind, die öffentliche Meinung ihres Landes zum Kriege gegen Deutschland zu Hetzen. Wir wissen nicht, wie weit die Vorarbeiten zum gerichtlichen Verfahren gegen Antoine
bedeckte."
DaS wirkte. Wie von einer giftigen Natter gebissen, fuhr die Freifrau von ihrem Sitze empor, und drohend E pflanzte sie sich vor den Förster, indem sie ihn mit gedämpfter, aber vor furchtbarer Aufregung bebender Stimme, scharf firirend anfuhr: „DaS lügen Sie, Julius, oder, bei Gott, eS giebt kein Ehrgefühl mehr auf ter Welt. Ein noch so tief gesunkener Werneck vergißt sich nicht auf solche Weise."
♦ d. ttj. Zu dem am 1. Oktober stattfindenden Quartalswechsel risstv»! .lachen wir, die Bestellungen auf die
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d zur W Mmplare geliefert werden.
( noch f ,1 Expedition der Oberhess. Ztg.
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gediehen sind, und welchen Erfolg sie haben werden: daS aber wiffen wir, daß mit der Verurteilung dieses unbedeutenden Agenten ausländischer Jntereffen wenig erreicht sein würde. Die Motoren der Bewegung, welche unseren Frieden in Frage zu stellen bemützt ist, stehen außerhalb der deutschen Jurisdiktion und würden für französisches Geld sehr bald andere Agenten in den Reichslanden auftreiben, um die öff-rttliche und heimliche Agitation im ReichSlande zu betreiben. DaS nächstliegende Mittel zur Remedur gegen diese vom Auslande genährten Umtriebe würde in Schritten bestehen, welche die deutsche Regierung bet der französischen zu thun hätte, um deren Beistand zur Abstellung der auf Untergrabung der friedlichen Beziehungen beider Völker gerichteten Umtriebe zu verlangen. Wir würden nnS daher nicht wundern, wenn die Staatsanwaltschaft in einem Falle, der die Beziehungen des Reichs zu einer auswärtigen Macht in einer an sich ihrer Natur nach kritischen Situation so unmittelbar berührt, die Leitung unserer auswärtigen Politik in die Lage gesetzt hätte, zu beurteilen, ob Vorstellungen ober weitergehende Schritte bei der Regierung des beteiligten Nachbarstaates angezeigt seien. Nach unserer Ansicht würden derartige Mitteilungen in den Pflichten der Staatsanwaltschaft gelegen haben und in ähnlichen Fällen jederzeit liegen: Keine Staatsregierung würde eine VerfäumniS dieser Pflicht von selten der ihr untergeordneten und zur Wahrnehmung der staatlichen Rechte berufenen Staatsanwaltschaft dulden können. Wenn infolge solcher Mitteilungen die Leitung unserer auswärtigen Politik sich zu Reklamationen in Paris veranlaßt gesehen hätte, so würde sie nicht umhin gekonnt haben, der französischen Regierung die Beweisstücke für die Beteiligung ihrer Untertanen an feindlichen Umtrieben gegen das Deutsche Reich vorzulegen, und der französischen Regierung hätte niemand verwehren können, zur Rechtfertigung der Maßregeln, die sie etwa zur Wahrung deS nachbarlichen Friedens für angezeigt gehalten hätte, den Inhalt dieser Briefe zu veröffentlichen und dadurch daS Vorhandensein einer ausgedehnten VereinSthätigkeit zu dem Zwecke, Deutschland mit Frankreich in Krieg zu verwickeln, öffentlich nachzuweisen. Unserer Ansicht nach hätte es nahe gelegen, derartige mit Beweisstücken belegte Reklamationen an die Regierung des Nachbarlandes zu richten, und in der Gewißheit, daß auch sie, ebenso wie wie die deutsche Regierung, den Frieden beiden Völkern zu erhalten wünscht, gemeinsame Schritte gegen eine breit organisierte Agitation zu thun, welche die Störung des bestehenden Friedens zum Zwecke hat. Wir glauben zu wissen, daß das deutsche Kabinett die Frage, ob dieser Weg zu betreten, erwogen und verneinend beantwortet hat, weil man sich sagen mußte, daß nach den Verhältniffen und Stimmungen deS Nachbarlandes der befreundeten französischen Regierung damit eine schwierige Zumutung gemacht werden würde, deren Ablehnung andererseits die Situation
Julius hielt den Blick der grauen, stechenden Augen ruhig aus, und beteuernd legte er seine Rechte auf das Herz: „Gnädige grau, Ihr Diener kanns Ihnen beschwören vor Gott dem Allwiffenden, daß jedes Körnchen seiner Mitteilung die reine Wahrheit ist. Sollten übrigens die gnädige Frau meinen Worten keinen Glauben mehr beb messen, so bin ich herzlich gern bereit, mich zu entfernen, wiewohl ich glaubte, Ihnen in der Angelegenheit sogar wirkliche Dienste noch leisten zu können."
„Nicht doch," wehrte sie, „so wars gerade nicht von mir gemeint, im ersten Augenblicke kann man solche Ungeheuerlichkeiten gar nicht fassen. Giebt eS denn gar keinen Ausweg?" jammerte die Dame wirklich aufrichtige» Herzens. „Gott, die Familie hat Hunderte von Jahren reines, ungemischte« Blut bewahrt, und nun soll durch den letzten Sprößling da« Wappen derer v. Werneck durch den Koth gezogen werden!" „ ,
Sie ging während dieses leidenschaftlichen ErguffeS in höchster Aufregung hastig einige Male auf und ab, und der Förster dachte indem er es aber nicht unterließ, eine devote Haltung und wie von Mitgefühl halb zerknirschte Physiognomie beizubehalten: „Verdammt noch einmal, daS sind doch allerliebste Ansichten und Ausdrücke, die das adlige knarrende Gerippe dort entwickelt. Bei der gilt ein beliebiger Mops zehnmal mehr als eine bürgerliche Kreatur, die sich unterfängt, mit ihr dieselbe Luft zu atmen. Wahrlich, hätte die Sippschaft unS nicht jeden Augenblick nötig, dann hingen mir schon längst alle hübsch bescheiden im Rauchsang zum AuSräuchern, „Durch den Koth gezogen werden," du gütiger Belzebub l Ein dreifacher Esel, wer dieser aufgeblasenen Gesellschaft nicht die Haut über die Hohlköpfe zieht bet jeder gegebenen Gelegenheit. Na, wollen
«^scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen ^Uage „Jllns^ti^ Tormteigkchlatt durch die «tBebUioB (Ä o ch 14« Buchdrucker ei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pf«, (erd. ^stellgebühr.) - JnserttonSgebühr für die gespaltene Beile 1« Pf».
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85