Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Dienstag, 25. September 1883.

XVm. Ja-rgmg.

OIirchWr jfitmiß

per gegeben,^.

Äslid, so»- 22

«,»rrg«n nimmt entgegen: .Expedition d.Blattes, d.Annoncen-Bureaur

Dietrich u. Co. in 'M und Hannover; Th. «rich in Frankfurt a.M.; »,tilenstein u. Vogler in Ukfurt a. M., Berlin,

Me tn Berlm, Franl- fort a. M. rr.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M; JLaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendauk in Berlin; W. LhieneS in Elberfeld: «. Schlotte in Bremen.

^«AKrtagen. Preis für da» Quartal mit der wSchentlichen Beilage „Jllnstrtrte« vomtlag-blatt" durch die Expedition (Jtoch'fche

Buchdruckerer) bezogen 2 /. Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 vka Für <n der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Pfg. berechnet ’

Abonnements - Einladung.

Kodeuh,

head,

Ttttattn,

. eti'ntut« |e. G-i 40 bmt

von Hermann Hirschfeld.

HC* Nur bei rechtzeitiger Bestellung können vollständige hemplare geliefert werden.

Expedition der Oberhcss. Ztg.

Zu dem am 1. Oktober stattfindenden Quartalswechsel 26. 6t| ^chen wir, die Bestellungen auf die

OberheMche Zeitung

M deren Gratisbeilage

Illustriertes GouutagSblatt

jiun Abdruck, und im Jllustr. Sonntagsblatt beginnt die vei HewlOorifche Erzählung:

Ein Namenloser

*ed Pedj. N @lgj, Hönes Z, ili den Postanstalten baldigst erneuern zu wollen, um 'geben Merbrechungen im Eintreffen der Zeitung zu vermeiden. ------ ' Mit Beginn des neuen Quartals kommt im Feuilleton rchweiM, »S Blattes die höchst spannende Novelle:

Angelika

von C. Lenzendorf

muttfl it

1 eine i

Der Besuch Gladstones in Kopenhagen.

zu verm

Zu ttfi Nach offiziösen Blättern zu schließen, scheint man in [ Berlin den Besuch Gladstones in Kopenhagen nicht so harm- t Garte anzusehen, als die englische offiziöse Preffe ihn dar- nren ob? rfWcn liebt. Die Phrase der „Pall Mall Gazette", daß 1 8 - in England ein Minister auf eigene Hand ohne die Zu- Kimmung dcö Volks keine Politik treiben könne, ist natürlich J_____! Wichtes Gerede.

mit Pn Der Wiener Korrespondent der „Köln. Ztg." will aus t Einjtz «läßlicher Quelle erfahren haben, daß der Besuch Glad- Kones in Kopenhagen auf Einladung deS russischen Kaisers S @arll «folgte, der die Ansichten Gladstones betreffs Bulgariens

taten lernen wollte und außerdem die persönliche Bekannt­

steht zi

»peSgasi-

z ertuat »ehreren Leitartikeln mit der „Times". Sie knüpft zu- er Exst an das von derselben verbreitete durchaus falsche l öaücht an, die englische Negierung habe durch ihren Bot- ------- schofler wegen der Artikel der „Nordd. AUg. Ztg." in Berlin 'cht- J Vorstellung erhoben und weist dann darauf hin, daß die ,AmeS" jede Gelegenheit, wie z. B. jetzt wieder die Er-

chost des englischen Staatsmannes zu machen wünschte. , eii! Aadstone wäre der Einladung gefolgt und hätte zugleich *Pe 818 dir Gelegenheit benutzt, um die chinesisch-französische Frage

nständiao E dem Kaiser durLzusprechen.

r 1. Öd Die „Nordd. Allg. Ztg." beschäftigte sich bereits in

re

Biergl

U

Waldhauucheu.

Innung eines neuen französischen Botschafters in Wien, iju benutzt, um aus dem Gesichtswinkel ihrer Tendenz

vendung [ethode

nritfit ^°üs zu konstatieren, „daß man in Frankreich die deutsch- österreichische Allianz so ausehe, als empfinde man dieselbe s« Oesterreich als eine bittere Zwangslage, man habe sich * .s lut infolge der diktatorischen Notwendigkeit einer solchen Vormundschaft, wie sie jetzt von Deutschland über Oester- g-Systl "ich ausgeübt werde, unterworfen". Die „N. Allg. Ztg."

tunten

von

2M.| porti tis.

di man mir nachsagt. Kannst Du mir aufrichtig verzeihen, >rnn ich Dir auf Manneswort verspreche, Dir nie wieder !*e eben entgegenzutreten und Dich immer und überall hoch 1 achten."

Novelle von Jakob Regnery.

Diesmal förmlich erschrocken, war Hannchen, von einem

echifld gekannten Gefühl das ihr innerstes erzittern machte, ge- itieben, im Begriffe, zu flüchten.

„Nein, nein Hannchen", wehrte der Freiherr, „ich kann "ich nicht anders faffen, als Dir aus innerstem Herzen ArkoW |tt sagen, daß ich meine Rohheit und mein mir angeborenes ingen2® «Grausen sehr, sehr bereue; ich bin nicht so gefühlsroh,

zsbsmM Treuherzig hielt ihr Rudolf, der unbändige Freiherr, JF noch keinen Menschen um Verzeihung gebeten hatte, die ~ Wnd hin und Hannchen — eS zog sie mit unwiderstehlicher W Dkvalt — legte ihre Hand in die dargebotene. Es durch- i ZU Welte sie bei der Berührung und ein süßer, ungekannter nafcet WühlingShauch durchzog ihre jungfräuliche Seele.

«Ja, ich vergebe Ihnen", hauchte sie mit gesenktem rme. und wie ein scheues Reh eilte sie nun davon. NädchrH Gleichsam in sich verloren, schaute der Baron dem Eoneilenden Mädchen nach. Er wollte sie wieder anrufen, löte. E? Nacheilen, um noch viel, vieles mehr zu sagen, waS ^Herz wunderbar bewegte, doch die Zunge versagte ihm Dienst, und wie gelähmt standen seine Füße still. Er und E^ute ihr träumend nach, bis sie in der Thüre des kleinen Esierhäuschens da oben rechts verschwunden war. Sie ohengrE^ute noch einmal flüchtig um und laut aufjubelte fein

fragt die „Times", ob sie die frühere traditionelle englische Politik, welche glaubte, auf dem Kontinente stets Unruhen und Verwickelungen anregen zu müssen, damit England ge­deihe und reich werde, wieder aufnehmen wolle, und fährt dann fort:

Die „Times" müßte sich aber bei etwas ruhiger Ucber- legung selbst sagen, daß diese Tradition sich überlebt hat und daß deren künstliche Wiederbelebung für Deutschland nur die Folge haben könnte, die hier immer noch stark ver­tretenen Sympathien für England zu schmälern. Deutsch­land dahin zu bringen, seine eigene Haltung jenen übel­wollenden Intentionen konform zu gestalten und Anlehnung dagegen da zu suchen, wo eS sie eben fände. Von den Männern, welche die Politik großer Reiche zu leiten haben, muß man erwarten, daß sic Verständnis für politische Symp­tome besitzen und sich rechtzeitig darüber klar werden, was sie von anderen Mächten in gewissen Fällen zu erwarten haben. Dazu genügt den Verständigen ein leiser Wink und wer für den kein Verständnis hätte, würde nicht be­rufen sein, die Politik des deutschen Reiches zu leiten. Würde die „Times" wohl geneigt sein, die Verantwortung dafür zu übernehmen, ihre Haltung als ein solches poli­tisches Symptom aufgefaßt zu sehen? Ihr Versuch, Oester­reich gegen Deutschland aufzuregen und mißtrauisch zu machen, ist einfach lächerlich; es gehört eine vollwichtige Dosis von Unkenntnis kontinentaler Verhältnisse dazu, um auch nur einen Versnch zu machen, daö deutsch-österreichische Bündnis zu untergraben, und man könnte einem solchen Versuch nur mit mitleidigem Achselzucken begegnen, wenn nicht eben die Systematik in dem Vorgehen der „Times" nachdrücklicher darauf hinzuweisen zwänge.

In anderen Artikeln hatte die „Times" aus der Feder ihres französischen Berichterstatters einen melodramatisch gestalteten Artikel gebracht, in welchem Alice — England dem Robert—Frankreich rät, dem teuflischen Rat Bertram — Deutschland zur Verfolgung der Kolonialpolitik nicht zu folgen, sondern „von der Kolonialpolitik abzustehen, zu Hause zu bleiben, die Kräfte zu sammeln und zu vermehren, um sich im Falle eines Angriffs zu verteidigen, oder aus einem Berschen, das andere begehen mögen, Nutzen zu ziehen". Hierzu bemerkt die „N. A. Ztg.":

„Man sollte doch wohl meinen, daß es einem so vor­trefflich unterrichteten und von seinen französischen Schütz­lingen gewiß aufs genaueste orientierten Blatte nicht schwer fallen könnte, in dem langen Zeitraum von einem vollen Dutzend Jahren wenigstens ein Faktum nachzuweisen, welches seiner Behauptung, deutsche Staatsmänner könnten an Frankreichs Wohlergehen nicht aufrichtiges Interesse nehmen, zur Grundlage dienen könnte. Die „Times" wird vergeblich danach suchen, wohl aber mehr Beweise als ihr lieb sein möchte, dafür erhalten können, daß Frankreich- Wünsche und Interessen von Deutschland stets und überall die freundlichste wohlwollendste Förderung erfahren haben. Selbst die entschiedene und konsequente Hindeutung der

„Komm Zephir" und er klopfte dem Tiere sanft den Rücken, „wir gehen gemeinschaftlich eine Strecke zu Fuß."

Hinter den Hecken und Bäumen an der Walsstraße raschelte es. Der Freiherr spähte, er sah nichts und schritt sinnend neben dem Pferde weiter.

Die Züge Julius', der die ganze Scene beobachtet hatte, verzerrten sich zu einem grinsenden, teuflischem Lächeln.

„Sapperlot, wie das sich so schnell gemacht hatl Haha, ihr Leutchen, Geduld, ich spiele ein bischen mit. Der Schlag soll Dir reell zurückgezahlt werden, geschenkt will der rote Julius nichts haben, Baronchen."

Ungeduldig in ihrem Zimmer auf- und abgehend und mehr denn einmal in den Schloßhof schauend, schien die verwittwete Freifrau von und zu Triebenau auf jemanden zu warten. Schon schlug die Pendule in silbernem Tone zwei Uhr, und hatte die Baronin bereits in der Absicht, vor dem Diner eine kleine Spazierfahrt zu machen, ihr Promenadenkleid angelegt.

Doch gestern hatte sie während der Fahrt dem Förster Julius begegnet und auf sein bezeichnendes Augenzwickern ließ sie den Kutscher halten. Der Förster hatte ihr inS Ohr gelispelt: „Morgen, gnädige Frau, habe ich Ihnen hochwichtige Mitteilungen zu machen."

Kopfschüttelnd halte der Kutscher leise gemurmelt, indem er die Pferde durch ein leichtes Zungenschnalzen wieder in Trab gebracht: „Ich möchte doch gerne wissen, warum die Gnädige den roten Spitzbuben die letzte Zeit so sehr be­vorzugt und in Anspruch nimmt; etwa« Gute« führt der ja nie im Schilde, und heute sieht er so recht aus, als wolle er einen armen Sünder mit Wollust hängen. Na,

deutschen Preffe, daß Frankreich seine Hoffnungen nicht nach einer Seite leiten möge, wo e« Deutschland zur Ver­teidigung seines Rechtes zwingen würde, ist gewiß viel mehr eine Kundgebung freundlichen Interesse« und auf­richtiger Friedensliebe, als die hetzende Strategie, mittel« welcher die „Times" die französische Nation von dem Tabu des Weltmarktes fernhalten zu können glaubt.

Ist eö die ehrliche, innere Ueberzeugung, der „Times", daß Egypten, Afrika, Amerika, Asten, Australien und alle sonst etwa zu entdeckenden Weltteile ausschließlich für eng­lische Zwecke geschaffen sind, und niemand sonst ein Recht habe, Interessen in jenen Ländern geltend zu machen, dann zeige sie auch den Mut, die« eben so offen und unzwei­deutig auszusprechen, wie Deutschland e« jeder Zeit be­tont, daß es seine Grenzen gegen jegliches Gelüste zu wahren wiffen werde. Sie wird auf diese Weise wenig­sten« dem Vorwurf der Doppelzüngigkeit sich entziehen, zu welchem ihr gegenwärtiges System der Verhetzung vollauf berechtigt."

Die konservative englische Preffe meint zwar, die Be­fugnisse, welche die deutsche Presse an die Reise Glad­stones knüpft, seien unbegründet, hielt e« aber doch selbst für nötig, daß man Gladstone, namentlich wa« die orien­talische Frage betreffe, scharf auf die Finger sehen müffe. Der konservative „Globe" weist auf die ruffenfreundliche Haltung hin, die Gladstone vor dem letzten russisch-tür­kischen Krieg einnahm und macht dazu folgende sehr ver­nünftige Bemerkungen:

„Es ist wahrscheinlich eine Uebertreibung, daß der erste Berater der Königin die Angelegenheiten Bulgarien« und Ost-RumelienS in die Hand genommen habe. Allein, wenn er eine Unterredung mit dem russischen Kaiser hatte, so können nur diese Fragen den Hauptgegenstand derselbm gebildet haben. E« ist darum nicht unmöglich, daß der Besuch in Kopenhagen auf die Stellung England« einen mächtigen Einfluß üben wird, wenn die bulgarische Frage abermals einen Gegenstand der praktischen Politik de« westlichen Europas bilden wird, was kaum lange auf sich warten lassen dürfte. Wir brauchen nicht mit der Er­klärung zu zögern, daß der Einfluß, der durch die Unter- redung mit dem Zaren auf die leicht erregbare Einbildungs­kraft Mr. Gladstones geübt wurde, sich ohne Zweifel für die Hauptintereffen des britischen Reiche« erweisen wird. Die Wiedereröffnung der orientalischen Frage scheint leider nahe gerückt zu sein, und dies wird durch die bulgarische Thüre geschehen, zu welcher leider der Schlüffe! in der Verwahrung Rußland« gelaffen wurde. Schon jetzt be- ginnt abermals ein Teil der englischen radikalen Preffe den falschen Eindruck zu verbreiten, daß die Sache de« wahren Liberalismus durch eine Unterstützung der von Rußland in Bulgarien gespielten VerfaflungSkomödie gefördert werde. ES ist derselbe Prozeß der Irreleitung und Mystifikation, in welchem Mr. Gladstone eine so hervorragende Rolle spielte, al« viele seiner leichtgläubigen Landsleute zu dem was gehts mich aber auch an," und damit summte er leise die Weifen eines Volksliedes, da« sich in dem Pfcrdegetrapprl verlor, denn die Gnädige duldete durchaus keine Jncon» vcnienzen.

Schon wollte die Freifrau auf eine Klingel drücken, um, in der Meinung, für heute fei Julius vielleicht durch außergewöhnliches verhindert, zu kommen, den Befehl zum Anspannen zu geben, als sie den Erwarteten über den Schloßhof schreiten sah.

„Gut," sagte sie, „daß mein mißrathener Neffe un« nicht durch seine Anwesenheit int Schlöffe stört. Seit dem letzten Auftritte läßt er sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend nicht mehr blicken; und offen gestanden, ist es mir äußerst erwünscht, da mir« vorläufig mehr wie peinlich wäre, mit ihm an derselben Tafel zu speisen. Sollte aber der excentrische Mensch nicht für irgend ein Geschöpf eine Faiblcffe haben? Da« fehlte noch."

„Gnädige Frau, der Förster Julius," meldete ein nied­liches Kammermädchen.

„Meise ihm, daß ich sofort zn sprechen fti."

Als der Förster eingetreten war, schloß die Freifrau, nachdem sie da« Kammermädchen auf eine halbe Stund« beurlaubt hatte, selbst das zu ihren Gemächern sührmde Entree ab, um gegen etwaige Lauscher gesichert zu sein.

„Nun, mein Lieber," und mit einer vornehmen Hand­bewegung lud sie ihren Spion zum Sitzen ein auf einem ihrem Fauteuil gegenüberstehenden Rohrstuhl, „wa« bringen Sie für Neuigkeiten? Ich bin seit gestern schon recht ge­spannt auf Ihren Bericht gewesen." (gortfefrung folgt)