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xvm. Jahrgang.

Marburg, Sonntag, 23. September 1883.

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Waldhauucheu.

Novelle von Jakob Regnery.

Gesetzes hat den Erlaß von Bestimmungen über Schonzeiten, Fangarten, Beschaffenheit der erlaubten Fischereigeräte, Größe oder GewilLt der Fische, die nicht gefangen werden dürfen u. s. w., königlicher Verordnung Vorbehalten. Derartige Verordnungen sind am 11, 15. und 20. Mat und am 2. November 1877 ergangen, und zwar für solche Gegenden, in welchen die Flüffe fast durchweg auf preußischem Gebiete sich befinden, während für diejenigen Landesteile, in welchen die Flüffe rc. teils preußisches, teils nichtpreußisches Gebiet berühren, besondere Vorschriften auf Grund vorheriger Ver­einbarungen mit den Nachbarstaaten getroffen worden sind. Im Ministerium für Landwirtschaft ist durch Anhörung sämtlicher sachverständigen Instanzen bereits ein reiches Material für eine Revision des Fischereigesetzes gesammelt, und es dürfte nunmehr mit der Ausstellung eines Gesetz­entwurfes vorgegangen werben. Wie man von ^ver­schiedenen Seiten meldet, wird von Reichswegen gegenwärtig ein Normalstatut zur Einrichtung der von dem Gesetze, be­treffend die Krankenversicherung der Arbeiter, vorgeschriebenen Gemeinde- bezw. Ortskrankenkaffen entworfen.

zu bilden, um Deutschland und Oesterreich entgrgenzutreten, während diese Reiche offenbar die Aufrechterhaltung deS Friedens bezwecken, ist lächerlich. England sympathistert nicht mit dem Wunsche Frankreichs, Elsaß-Lothringen zu­rückzuerobern, weil Elsaß-Lothringen Deutschland kraft etneS Vertrages gehört, der Frankreichs Unterschrift trägt und am Ende eines Krieges geschloffen ward, den Frankreich heraufbeschworcn hat, um Deutschland zu zerstückeln. Eng­land nimmt für die Friedensstifter Partei, daS ist das Alpha und Omega von Englands kontinentaler Politik.*

Haag, 21. Sept. Das Budget für 1884 enthält ein Defizit von 29 Va Millionen nieder!. Gulden, das Defizit von 1881 bis 1884 beträgt insgesamt 68 Millionen. Der Finanzminister hat die Aufnahme einer Anleihe von 50 Millionen anfangs 1884 angekündigt, außerdem mehrere Gesetzentwürfe zur Vermehrung der Einnahmen um 7* 1 * */» Millionen, welcher Betrag daS Defizit der ordentlichen Ausgaben des Budgets darstellt.

Kopenhagen, 21. Sept. Nach einem aus Thursoe datierten Telegramme der unter Profeffor Nördensktöld stehenden Expedition nach Grönland hat die Fahrt auf dem Eise am 4. August von AntleitSwtck aus begonnen. Die Schlitten gelangten 130 Kilometer weit bis zu 5000 Fuß Höhe, dann gingen die Lappen auf Schneeschuhen 230 Kilometer weiter bis 6000 Fuß Höhe; überall starrte ihnen die Eiswüste entgegen, hier giebt es also kein eis­freies Inland. Die Expedition drang weiter, als irgend welche frühere, vor. Die gleichzeitig nach der Nordwest­küste unternommene Expedition ergab ein gutes wisten- fchaftlicheS Resultat. Die Untersuchungen deS ProfefforS Nordenskjöld ergaben, daß der kalte Strom an der Ost­küste nur unbedeutend ist, daher dürfte die Küste in den meisten Jahren um die Herbstzeit für Dampfschiffe zu­gänglich sein. Die Expedition nimmt ihren Rückweg über Reykiavik.

Petersburg, 21. Sept. Hiesige Blätter wollen wiffen, in dem, dem Kriegsrate vorgelegten Budgetentwurf für die Hauptintendantur pro 1884 wären zur Unterhaltung deS Militärs 151 Millionen (7 Millionen mehr als in 1883) auSgeworfen.

Belgrad, 21. Sept. Die Meldung der Blätter von der Demission deS KrigSministerS ist unrichtig, überhaupt ist vor der Rückkehr des Königs keinerlei Aenderung im Kabinett zu erwarten.

Hesse«-Nassau.

Marburg, 20. Sept. In der gestrigen Sitzung des Gemeinde-Ausschusses wurde dem vom Stadtrate vorgelegten Plane über die Fortsetzung der Straßen- und Bauflucht­linien bei der proktierten Schulstraße die Zustimmung versagt, dagegen bei einer Aenderung deS Planes, in einer

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Flasche? saurer.

atmend, wie wenn sie einen kurzen, aber bösen sTraum hinter sich habe, wollte sie ihren Weg sortsetzen.

Ein sonderbares Mädchen!

Mit dem Freiherrn vollzog sich eine noch sonderbarere Wendung: Aerger, Scham, so von einem armen, einfachen Mädchen überwunden, beschämt, zu sein und gleichzeitig Bewunderung vor diesem Heroismus und dieser würde­vollen Gemessenheit, das waren die Keküble. die in wlldem Durcheinander seine Geda-

Wahrlich,* murmelt

gepaart mit Vornehmheit, moeyie man noch lange m unfern sogenannten obern Kreisen suchen.* Am liebsten hätte er das standhafte Mädchen an seine Brust gepreßt und auf die trotzig aufgeworfenen Lippen tausend Küsse der Ver­wunderung gedrückt.

Doch nein,* unterbrach er schnell seine in sonderbarer Zusammenstellung anstürmenden Gedanken,für einen Edel­mann, nein, für jeden geziemt eS sich, sv schnell wie mög­lich seine begangenen Dummheiten in der loyalsten Weise gut zu machen.*

Und ganz und gar umgewandelt, holte er das kaum 10 Schritte mäßig vor ihm hergehende Mädchen ein.

Mein Kind,* Hub er in weichem Tone an

Ich bin kein Kind,* unterbrach ihn Hannchen heftig und wischte, den Kopf auf die Seite haltend, eine ver­stohlene Thräne aus ihren Seidenwimpern.

Nun denn, mein Fräulein*

Ich bin auch kein Fräulein*

Dann Hannchen,* und seine blauen Augen, die Hannchen mit einem scheuen Aufblick erhaschte, nahmen einen ehrlichen, rührend bittenden Ausdruck an.

(Fortsetzung folgt.)

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Bei diesem Vorhaben loderte cs aber auch bei dem Freihcrrn auf; ein Nichtausführen einer seiner Wünsche und sollte derselbe an ein wildfremdes Mädchen gestellt sein, mußte ihn empören; und diese da war doch nur die Schwester eines seiner Förster.

Er vertrat ihr den Weg, biß die Zähne fest aufein­ander und packte Hannchen rauh am Handgelenk, so derb, daß sie vor Schmerz hätte laut aufschreien mögen.

Mit gepreßter Stimme frug er:Willst Du nun willig meinem Befehle Nachkommen oder nicht? Kennst Du den Freiherrn v. Werneck nicht mehr?*

Das Mädchen machte gar keinen Versuch, ihre wie fest- geschraubte Hand zu befreien, sie sah ihm voll, aber wild­trotzig in die zornsprühenden Augen und erwiderte mit vor Erregung bebender Stimme:Hannchen Baden, wenn auch die Schwester des von Ihrer Gnade abhängigen Försters, ist keine Dienstmagd, am allerwenigsten die eines Barons. Wenn Sie Ehrgefühl besitzen wollen, dann lassen Sie ein wehrloses Mädchen los.

So also,* und seine Augen bohrten sich wie ver­nichtend in die des Mädchens und noch fester umklammerte er das gegriffene Handgelenk,noch einmal, willst Du ge­horchen oder nicht, Du Walbhexe?*

»Ich Ihnen gehorchen, einem aller Ritterlichkeit baren, rohen Menschen, nein, niemals!" und mit einem über­menschlichen Rucke hatte sie ihre Hand befreit und schaute ihn an wie eine göttliche Siegerin.

Wie vom Schlage gerührt, stand der Freiherr da; daS Mädchen hielt es nicht einmal der Mühe wert, im Laufe vor ihm zu fliehen. Aber mit hochaufwallender Brust stand sie einen Augmblick wie betäubt da. Dann betrachtete sie schnell ihre Hand, die sie sehr schmerzte und schwer aus-

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rburg, 44.

Ausland.

Wie», 21. Sept. DiePolitische Korresp." meldet aus Belgrad authentisch folgendes Wahlresultat: Bon 128 Wahlen sind 113 ordnungsmäßig vollzogen; von den Ge­wählten gehören 61 zur radikalen, 34 zur Fortschritts-, 11 zur liberalen Partei; von 7 Gewählten ist die Partei­richtung unbekannt, mutmaßlich gehören sie zur radikalen Partei. 15 Wahlen sind noch unvollzogen. Da die Re­gierung 45 Deputierte verfassungsmäßig ernennt, verfügt dieselbe sicher über 79 Stimmen. Die knappste Majorität bilden 87 Stimmen, sonach müßte die Regierung, um die Majorität zu haben, noch mindestens 8 Stimmen gewinnen. Aus Sofia meldet diePol. Korresp.": Der russische General Leffoboi ist zum Kriegsminister ernannt.

Agram, 21. Sept. Gestern mittag rottete sich in Far- kasevaczt eine Anzahl Bauern aus Gratocz und Belovar zusammen; der Vizegespan von Kreuz schickte Beamte mit zwei Gendarmen und zwei Landwehrleuten nach Farkasevaczt, dieselben mußten sich aber vor den Bauern zurückziehen. Gegen Mitternacht langte eine Verstärkung von 13 Land- wehrlcuten an, welche von der Waffe Gebrauch machten; 10 Bauern wurden getötet, 2 Landwehrleute sind schwer verwundet worden.

Loudon, 21. Sept. Die JachtPembroke Castle* mit Gladstone an Bord ist gestern abend in die Themse eingelaufen und heute früh hier gelandet. DerStandard" erwähnt die verschiedenen Gerüchte, zu denen der Besuch Gladstones in Kopenhagen Anlaß gegeben habe, und schreibt: Der Gedanke, daß es einem englischen Staatsmanne ge­stattet würde, Bündnisse zu schließen und Kombinationen

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Eine unverkennbare Schwermut malte sich in ihrem wundervollen Gesichte ob und noch glänzten die Augen in feuchtem Schimmer, wie wenn sie soeben Thränen ver- gvffen hätte.

Welch klassisches Gebilde, welch herrliches Geschöpf," kam cs unwillkürlich über die Lippen Rudolfs.Wahr- lich, ein solches Kind kann nur wachsen und zu solcher üppigen Fülle und Schönheit sich entwickeln in Gott s freier Natur. Meiner Treu, Mädchen, wärst Du meines Stan­de-, dann, ja dann".

Nachdenklich hatte er den Fuß wieder aus dem Steig­bügel genommen und war schon im Begriffe, da« Mädchen, das wie gebannt dort stand, über sein trauriges Aussehen zu befragen.

Doch nein,* zuckte es da durch sein Gehirn, tch möchte eigentlich den in der ganzen Gegend bekannten Trotzkopf und Wildfang auf die Probe stellen.

Heda, mein Kind," rief der junge Baron Hannchen an, ohne erst einen Gruß zu bieten, mit kurz abgebrochener Stimme und befehlshaberischem Tone, der keinen Wider­stand duldete,halte auf einige Augenblicke mir den Rappen, ich möchte in den Wald hinein, um den in der Nähe sich aufhaltenden Förster Julius zu sprechen."

Oho, wie sich blitzschnell die Züge HannchenS änderten! Alle Schwermut war in einem Nu verschwunden, die schönen Augen blitzten sonderbar leuchtend auf und eine jähe Glut überzog daS Gesicht.

Ohne den Freiherrn der geringsten Antwort zu wür­digen, war sie im Begriffe, rasch und kurz entschloßen an ihm vvrbeizngehen.

«»zeigen nimmt entgegen: S gfpebition d. Blattes. (B»iJ d.Annoncen-Bureaur ' Ü). Dietrich u. Co. in fajfel und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a.M.; ^asenstein u. Bögler in Bentfurt a- M-, Berlin, Apzig, Köln rc.; Rudolf Mffe in Berlin, Frank- furt a. M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. 6e. i« Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jiw"Menbankin Bmlin; W. ThieneS in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich anßer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Cotttttagiblatt* durch die Hprdition (K o Buchdruckerei) bezogen 2A Start, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Start 60 Pf«, (exel- Bestellgebühr.) -JnsertionSgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfst- berechnet-

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Zu dem am 1. Oktober stattfindenden Quartalswechsel ^suchen wir, die Bestellungen auf die

Oberhessische Zeitung

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Illustriertes Souutagsblatt

bei den Postanstalten baldigst erneuern zu wollen, um Unterbrechungen im Eintreffen der Zeitung zu vermeiden.

Mit Beginn des neuen Quartals kommt im Feuilleton des Blattes die höchst spannende Novelle:

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von C. Lenzendorf zum Abdruck, und im Jllustr. Sonntagsblatt beginnt die historische Erzählung:

Ein Namenloser von Hermann Hirschfeld.

QflE* Nur bei rechtzeitiger Bestellung können vollständige Exemplare geliefert werden.

Expedition der Oberhess. Ztg.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Sept. Im Ministerium für Landwirt­schaft ist man, dem Vernehmen derM. Z." nach, seit einiger Zeit damit beschäftigt, eine Novelle zum Fischcrei- gesetz vom 30. Mai 1874 auszuarbeiten. In erster Linie «erde eine Ergänzung der §§ 9 und 10 des Gesetzes be­absichtigt. Amtliche Ermittelungen haben ergeben, daß eine rationelle Ausübung der Fischerei nur im Genossenschafts­wege auf Grund des § 10 deS Fischereigesetzes durch gemein­schaftliche Bewirtschaftung und Benutzung der Fischwasser, sowie auf Grund des $ 1 c., wonach die Bildung von Genossenschaften behufs geregelter Aufsichtsführung und ge­meinschaftlicher Maßregeln zum Schutze des Fischbestandes zulässig ist, herbeigeführt werden kann. Der Vorteil der 8ilvung von Genossenschaften insbesondere auf Grund des § 10 des Gesetzes müsse sofort einleuchten, wenn man be­denkt, daß eS in der Regel Zeitverschwcndung sein würde, wenn der einzelne Uferbesitzcr rc. nur, so weit seine Be­rechtigung reicht, fischen wollte, da ja die Fische sich gewöhn­lich an bestimmten Stellen im Master in größeren Massen aufzuhalten pflegen. Soll sich aber ein zur Ausübung der Fischerei Berechtigter erst von anderen Berechtigten die nötigen Erlaubnisscheine auSfcrtigcn lasten, so wird die Sache ebenfalls weitläufig. Es liegt deshalb in der Ab­sicht, eine Ergänzung der 9 und 10 des Fischereigesetzes Im Sinne ausgiebigerer und leichter Genossenschaftsbildung vorzunehmen. Weiter werde beabsichtigt, Aenderungen in den Bestimmungen über die Schonzeiten und die Minimal­maße der Fische hcrbeizuführen. Der § 22 des Fischerei-