xvin. Jahrgang.
Marburg, Sonntag, 16. September 1883.
OlirrljksWe Jätung
*>0
Militärisches.
8
ltteu
Unsere Liberalen schlagen in neuester Zeit ähnliche Wege
lt. [
7
afel-
gute
gute seine
-in Ätl einsßta
IBS, 123
zu § 6er 18i rnd M
nnermüdlicher Diener.
Will man aber über die Ideen sich unterrichten, welche jetzt einen Teil der Liberalen in bezug auf. die Armee beherrschen, so lese man im „Marb. Tagebl." vom 15. Slug, bett Artikel, welcher mit „die Frage des Duells" überschrieben, sich an der Spitze des Blattes befindet. Er ist war dem „Badischen Landesboten" entlehnt, wir glauben aber annehmen zu müssen, daß die Ideen, denen er Ausdruck giebt, von der Redaktion des „Marb. Tagebl. geteilt werden. „ ,,, _
Er fordert zweierlei. Einmal die Abschaffung der exclusiven Militär-Justiz, zum zweiten die Unterdrückung des Duells. , , , _
Was die Abschaffung der sogenannten exclusiven Militär-Justiz anbelanzt, so wird uns jeder, nicht in exclusiver Parteianstcht befangener Recht geben, daß ohne sie
Gebot der katholischen Kirche haben sich einige fanatische Gläubige gefügt. Und wahrlich will man nicht zumPrü- gel-Kommeill schreiten; so scheint uns das Duell, daS einzige Mittel, um Streitigkeiten auf eine ehrenvolle Weise beizttlegen, die sonst den Grund und die Ursache langdauernden Zwistes und Haders sein würden, unter deren Einfluß das Band der Kameradschaft, welches die Offiziere eines Korps aneinander bindet, zerfallen müßte.
Gefahren drohen uns von allen Seiten, aber der Liberalismus, großgezogen in deutscher Kleinstaaterei, anstatt daS Heer zu stärken, hetzt und schürt gegen da» Offizierkorps, als ob nicht dieses mit seinem Blute dm Weg zum Siege gezeigt, sondern die zugleich alberne und arrogante Redensart wahr wäre, daß der preußische Schulmeister den Tag von Königgrätz eutschieden.
Wahrlich, wahrlich, es ist nicht an der Zeit, daß eine Partei an daS Ruder käme, die uns wehrlos und entwaffnet den Händen unserer Feinde überliefern würde.
beiden Ecktürme in die Höhe. DaS Schloß liegt auf einer sanft aufsteigenden Anhöhe, die sich indessen oben in beträchtlichem Durchmesser zum Plateau abflacht. Hinter dem Schlosse dehnt sich ein Park aus, der, wenn auch nicht besonders groß, sich durch prachtvolle Anlagen, durch die sich schattige Wege an lauschigen Baumgrotten und wunderlich geschnörkelten chinesischen Tempelchen vorbei- schlängeln, auszeichnet. Um vas stillvoll gebaute Schloß ziehen sich als doppelte Ringe ein breiter Graben und die Burgmauer. Verstohlen und wunderlich lugen aus veri- tabeln Schießscharten einige Feldschlangen mittelalterlichen Gusses in den modern zugestutzten Marktflecken da unten mit seiner neuen, gewaltigen Kirche, und ächzend stöhnt die Zugbrücke, wenn ein Fuß sich auf ihren eisernen Rücken setzt, wie wenn sie über ihr Alter klagen wollte.
Doch die Herren von Werneck, deren Vorfahren sich schon in den Kreuzzügen und den Türkenkriegen durch gewaltigen Arm und hohen Sinn auszeichneten, lebten von jeher gerne in alten Erinnerungen und haßten alle Neuerungen, mochten sie gut oder schlecht sein. Ebenso so unnahbar waren sie von jeher für Sterbliche bürgerlichen Schlages, und nicht einmal der gewaltige Bürgermeister von Hermesgarten, der doch sicherlich zu den Honoratioren erster Güte zählte und in der ganzen Umgegend den majestätischen Titel „Herrgott vom Hochwalde" führte, konnte sich rühmen, jemals auch nur flüchtigen Umgang mit dem verstorbenen Freiherrn gehabt zu haben.
Mit dem jungen Baron Rudolf von Werneck schien es anders zu werden, der schien auf einmal mit allen Familientraditionen brechen zu wollen.
Kaum von der Forstakademie zurückgekehrt, beehrte er jeden Morgen zwischen 10 und 11 Uhr da« Restaurant „zum fetten Ochsen" mit seinem Besuch, um in aller Hast
Waldhauncheu.
Novelle von Jalob Regnery.
öl’?
b DrelleUP. *17-
erei welche m usküch ffage, i habenM 8, wem nschrift: shricht jedem [150$ ilton [3 ,sse 661 und fr«
von igste > die
htte- hend
Illing luntz
Spät am Abend war es, als der Wirt zum „Neuhaus und seine gutmütige, etwas durch Fettsucht asthmatische Ehehälfte die Förster zur Thür geleiteten, ihnen mit der Laterne in die dichte Finsternis leuchteten und eine wohl- Meinte „gute Nacht" wünschten.
Du Christian," sagte mit recht ernster und besorgter Miene die Ltesel zu ihrem bezipfelten Ehegemahl, indem sie sich mitten in die leere Wirtsstube stellte und die runden Hände in die Hüfte stemmte, „mir däucht, als wenn der tote, von Gott und den Menschen gehaßte Julius nichts Christliches mit dem guten Baden vorhat."
„Ach Liesel." und der lange Christian ruckte an seiner weißen Zipfelmütze und gähnte nach der Decke zu, „ich weine, wir lassen die Leute Menschen bleiben und denken °ns schlafengehen. b(e bl(Ic Liesel, „ich kann mich doch erboßen, wenn ich sehe, daß so ein geriebener Fuchs -inen ehrlichen, durch viel Wein betäubten Menschen überlistet und ihm seine Schwester für 1500 Thaler abhandelt. Schäme Dich, Christian, wenn Dich so etwas nicht ärgert, Und dann gibst Du mir nächstens den Leuten nicht mehr, als sie vertragen."
„Ach, Dummheiten," wagte der bereits im Weggehen begriffene Wirt zu antworten, „die Hannchen läßt sich nicht verhandeln, sie müßte denn dabei fein, und nun g"'- Macht!"
n.
Hinter dem Marktflecken Hermesgarten, etwa eine Viertelstunde entfernt, erhebt Schloß Werneck stolz
MM. Es ist eine eigentümliche, nur in Deutschland mög- Erscheinung, daß zu einer Zeit, in der Feinde uns von ?,« Seiten bedrohen und wir die Erhaltung des Friedens ^ erster Linie nur der Furcht verdanken, welche unsere 'Ina! ige, gutorganisterte Hceresmacht unseren Gegnern ein- Mt daß, sagen wir, zu einer solchen Zeit, wo Demokraten ^'Liberale in engster Verbindung gegen die Säule ” terer Macht, gegen das Skelett anstürmen, um welches M der ganze Heereskörper gruppiert — gegen das Osfizier- und gegen das Unteroffizierkorps der Armee. Der demokratischen Partei verdenken wir dies keinen Augenblick, betitt daß dieser sogenannten Volkspartei, die ihren Namen wie allbekannt davon führt, daß kein Volk hinter ihr steht, dieser Partei ein Heer, welches alle Zeit bereit ist, die idm gegebenen Besehle auszuführen, ein Dorn im Auge, L versteht sich von selbst. Brachte doch die „Frankfurter Wung" noch in letzterer Zeit eine Reihe Artikel, in denen ter Verfasser den verstorbenen Wilhelm Rüstow und fein
Mich noch leistet, träumen sic sich wieder in die Zeit «rück, in der man auf Turn- und Sängerfesten, sowie m den Scheibenständen des deutschen Schützenbundeö das neue Reich zu erklettern, zu ersingen, zu erschießen, vor um 1.0 allem aber in Strömen von Bier und Wein zu ertrinken hoffte. Daß Ströme des besten BluteS vergossen werden würden, ehe das vorgesteckte Ziel erreicht, daS sah klar und beutlich nur der Führer der Konservativen in der preu- ßislhen National-Versammlung und wohl bewußt deS Zweckes war Bismarck seinem Könige, unserm Kaiser, ein treuer
eine disziplinierte Armee nie geschaffen werden konnte und so trat sie denn auch überall da in daS Leben, wo man gezwungen ward, ein stehendes Heer zu errichten. Seist in England, dem Lande altparlamentarischer Freiheit, dem Lande, welches sich am längsten gegen die Errichtung eines stehenden Heeres sträubte, ward die Meuterei-Bill im Parlament eingebracht und zum Gesetz erhoben, um den Vorgesetzten vor Mißhandlung seiner Untergebenen zu schützen. Bis dahin war bei den Leibgarden und den wenigen regulären Regimentern, welche die besten StuartS unterhielten, Dienstentlassung die härteste Strafe.
Aber, sagt der Artikel, dessen Besprechung wir un« unterziehen, der Soldat wird mit dreierlei verschiedenen Arreststrafen belegt, der Unteroffizier nur mit zweien, der Offizier gar nur mit Stuben-Arrest, das ist keine Gleichheit vor dem Gesetz. In seinem Vordersatz ist aber diese ganze Behauptung unrichtig. Für den Unteroffizier besteht noch die Strafe der Degradation und für den Otfizier, außerdem daß er durch Richterspruch zur Verbüßung seines Arrestes in einem besonderen Lokal verurteilt werden kann, noch die der Entfernung aus dem Dienst, welche an die Stelle der früher üblichen, schimpflichen Kassation getreten ist.
Unser Offizierstand ergänzt sich aus den gebildetsten, besten Klassen der Bevölkerung. Der Soldat kann zu den einzelnen mit Vertrauen und Achtung emporsehen, er thut dies auch mit wenigen Ausnahmen. Aber keinen Tag würde dies Verhältnis vorhalten, wenn der Offizier dieselben Arreststrafen, in denselben Arestzellen, wie der Gemeine erdulden müßte, und könnte jeder, dem dies LoS beschieden, nur sofort seinen Abschied nehmen.
UebrigenS sind ja auch die Folgen der Strafe für alle Klaffen des Militärstandes durchaus verschieden. Der Gemeine dient nach der Strafe seine drei Jahre ab,, dann zieht er des Königs Rock aus und den Rock des Bürgers an, für seine Zukunft haben die erlittenen Strafen keine Bedeutung. Mit dem Unteroffizier dagegen, der einige Strafen erlitten, wird sich jeder Vorgefetzte hüten, aufs Neue zu kapitulieren und den Offizier begleitet die erlittene Strafe durch feine ganze übrige Dienstzeit und ist häufig noch in späteren Jahren der Grund seiner Verabschiedung.
Werfen wir nun noch einen kurzen Blick auf den zweiten Punkt des betreffenden Artikels, in dem der Verfasser ebenso genial wie zartfühlend zwei sich prügelnde Bauernjungen in Parallele bringt mit zwei Offizieren, die sich aus irgend einem Grunde mit der todbringenden Waffe in der Hand einander gegenüberstehen; so muffen wir bekennen, daß nirgends mehr als in der Frage des Duells sich die Wahrheit des Satzes erweist, die Sitte ist stärker als das Gesetz. Alle Strafen, die gegen dasselbe verhängt, selbst die härteste, die Todesstrafe, haben
I nicht vermocht, den Zweikampf zu unterdrücken; nur dem
salt anft ff solche bie i'tiiu u Ich sHereS Organisation und Wehrverfassung" aus dem winmr Mbe auferstehen ließ, dem Grabe, in dem Rüstow selbst, ittbtifljh Min irgend möglich, sein Werk versenkt hätte.____
t müsset l.,;... Z*'..---.. ' n * 2"n It
d, Sch dn. Anstatt die Dienste anzuerkennen, welche die Armee nkgesG jn Krieg und Frieden dem Vaterlande geleistet hat und
[3082
yuamuaereu oejogen */♦ in der Expedition ,u ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Psg. berechnet. _
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Sepl. Nachrichten aus Gastein zufolge befindet sich Fürst Bismarck in dem Zustande einer befriedigenden Reconvaleszenz. — Die „Nationalztg." teilt unter Reserve als Grund für die plötzliche Reise deS Herm v. Schlözer nach Rom mit, die Regierung wolle anläßlich des NiederwaldfesteS den Bischof von Limburg begnadigen, verlange dafür aber die freie Verfügung über den Posener Bischofssitz. — Die „B. Pol. Nachr." schreiben: Die zur Heranbildung tüchtiger Lehrkräfte für den Volksschulunterricht bestimmten evangelischen Präparanden-Anstalten weifen neuerdings einen bedauerlichen Rückgang der Zahl ihrer Zöglinge auf. Täuscht also nicht alles, so werden wir in etlichen Jahren einen abermaligen Lehrermangel haben. Schuld daran, daß sich so wenige Jünglinge augenblicklich dem Schullehrerberufe widmen, mag einerseits der bessere Geschäftsgang in industrieller Hinsicht fein. Andererseits aber dürfte das üble Gerücht, als ob ein Nebenfluß an Lehrkräften für die Volksschule vorhanden sei, darauf hin- gcwirkt haben. Thatsächlich ist letzteres nicht richtig. Der normale Zustand hat im Gegenteil nur begonnen sich zu verwirklichen. Noch fortwährend finden Seminar-Abiturienten sofort nach ihrem Austritt aus dem Seminar eine Anstellung, und so lange ist offenbar auf dem Schulgebiet statt einer Ueberfüllung ein Notstand vorhanden. Bei regulären Verhältnissen muß der Nachwuchs an Lehrkräften allmählich innerhalb des ersten Jahres nach Entlastung aus dem Seminar in die vakant werdenden Lehrerftellen einrücken. Im Interesse der Seminar-Abiturienten selbst läge allerdings sofortige Anstellung derselben. Selbstverständlich aber darf ihr persönliches Interesse daS der Volksschule nicht überwiegen. — Der kürzlich mitgeteilte Erlaß
und Eile 2 bis 3 GlaS „echtes Münchener Bier" hinunterzustürzen.
Das gab anfänglich im ganzen Flecken ein Verwundern und Kopfschütteln.
Du lieber Himmel, jedes Kind in HcrmeSgarten wußte, daß der selige Freiherr Botho von Werneck mit geziemender Resignation den größten Durst in seinem eigenen Schloste litt, wenn nicht gerade der Kammerdiener — und eS mußte durchaus der Kammerdiener, nicht etwa ein pferdestall- duftcnder Stallknecht sein — zugegen war, um auf silbernem Präsentierteller den gewünschten Labetrank darzubieten.
So sehr hielt man bei denen von Werneck auf Etiquette, und jeder Bürger war fest überzeugt, daß auch der gütige Gott da oben ein Einsehen und besonderes Erbarmen mit den dem Himmel zusteigenden Seelen der Freiherrn habe und zum mindesten bei ihrem Einzuge in die himmlischen Räume des heiligen PeteruS in die Uniform eine« Kirchenschweizers für einige Augenblicke stecke, um nur nicht die von Anstand und Etiquette strotzenden Freiherrv in gerechte Emotion zu bringen.
Und nun dieser Kontrast! Die Honoratioren von Hermesgarten, so da der Herr Oberförster, der würdige Richter, der gestrenge Herr Bürgermeister und der allezeit mit Durst geplagte Doktor waren, zu denen sich als Ge- dnldete die beiden Steuerempfänger, der Gerichtsschreiber mit dem Gerichtsvollzieher sowie ein Katasterbeamter und der erste Lehrer der Knabenschule gesellen durften, sie alle sprachen acht Tage hindurch während der Kasinoabende, die sie alltäglich in dem „Herrenzimmer" des „fetten Ochsen" zum Wohle deS Landes und zum Aerger der respektiven Ehehälften verbrachten, fast weiter nichts als über dies ungewöhnliche Ereignis. (Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankiu Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.
cht
arbur- . 44.
33.
M1 1011 "A lOOti 102? 101 i
66sj 7« 968 102!
981 sch 7ch 72!
296 p )fe 97
221 119 101 st loch'
71*,
•isen nimmt entgegen: Kdition d.Blatt-S, ^Innoncen-Bureaux
Dietrich u. Co. ui und Hannover; Th. Erich«" Frankfurt a-M-; Anft-in 's-Vogler in .ftrct a- M-, Berlin, Köln ic.; Rudolf W in Berlin, Frank- furt a. Al. ic.