XVffl. Jahrgang.
Jliarfilirg, Freitag, 14. September 1883.
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rechnet auch nicht darauf, zu überzeugen, sie will nur verwirren, verleumden, überschreien, in der Rechnung, daß immer etwas hängen bleibt. (Prov.-Korrrsp.)
scheu, mit welchem in Deutschland an eingewurzelten Doktrinen festgehalten zu werden pflegt, wenn man die Opposition allein auf diesen Eigensinn zurücksühren wollte, obwohl er seinen Anteil an derselben hat. Den eigentlichen @runb wird man wohl suchen muffen in der politischen Opposition als solcher, in dem Bestreben, den Staat vom Parlament, das Parlament von der demokratischen Masse und diese von den Agitationstechnikern abhängig zu machen. Denn dies ist klar, daß es ein ausgezeichnetes AgitationS- mittel darbictet, wenn man alle Mängel des wirtschaftlichen Zustandes, die nur langsam zu beseitigen und vielleicht überall in höherem Maße vorhanden sind, als bei uns, auf die Fehler schieben kann, welche die Regierung mit ihrer Handelspolitik begeht. Andererseits würde cs das Ansehen der Regierung ungemein stärken, wenn ihre Handelspolitik zu unbestrittener Anerkennung und dadurch zu noch rascherem
Waldhannchen.
Novelle von Jalob Regnery.
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13.
nimmt entgegen: i d. Blattes,
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Deutsches Reich.
Berlin, 12. Sept. Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Die seitens der Verwaltung anläßlich deS Unglücks auf dem Steglitzer Bahnhefe eingeleitete Untersuchung ist ab- geschloffen; die gerichtlichen Ermittelungen dagegen schweben noch; das Ergebnis beider wird demnächst vollständig veröffentlicht werden. Bis dahin dürfte sonach mit dem Urteile darüber zurückzuhalten sein, ob, in welcher Weise und in welchem Grade ein Verschulden bei dem traurigen Ereignisse mitgewirkt. — Minister Maybach hat in der vorgestrigen Audienz bei dem Kaiser über die Steglitzer Affaire Vortrag gehalten und die Ermächtigung erhalten, den Bahnhofsumbau sofort auf dem Wege der Etatö- überschreitung vorzunehmen. — Der Ober-Präsident der Provinz Sachsen veröffentlicht in den Amtsblättern folgendes Schreiben der Kaiserin: „Die warme Teilnahme, die Ich stets der Provinz Sachsen bewiesen habe, veranlaßt Mich, Sie mit dem Ausdruck Meines Bedauerns zu beauftragen, daß Mich Gesundheitsrücksichten verhindern, Seine Majestät den Kaiser bei dem bevorstehenden Besuch der Provinz zu den diesjährigen Manövern zu begleiten. Ich hoffe Mich ein anderes Mal dafür entschädigen und auch ferner Beweise Meiner alten Gesinnung den Bewohnern Sachsens geben zu können. Homburg v. d. H., 7. September 1883. Augusta." — In bezug auf die Reise des Königs von Spanien nach Deutschland erzählt der Pariser Korrespondent der „Times" folgendes: „Wenn König Alfonso XII. nach Madrid zurückkehrt, wird er seine Hand in jene Oesterreichs, Deutschlands und Italiens gelegt haben und durch einen dreifachen Schild gegen die Angriffe einer republikanischen Revolution geschützt sein." Derselbe Korrespondent erzählt, den Hauptanstoß zu der Reise des König« nach Deutschland habe die überaus liebenswürdige und zuvorkommende Behandlung gegeben, die dem Herzog von Montpensier widerfuhr. Derselbe wollte sich auf der Durchreise nach Moskau, wohin er zur Krönung deS Zars ging, in Berlin nur wenige Stunden aufhalten, ward aber durch den Besuch des deutschen Kronprinzen überrascht und durch deffen herzliche Freundlichkeit zum Bleiben bewogen. DaS habe einen besonderen Eindruck auf König Alfonso gemacht, der sich schon damals der Idee seines Ministers des Auswärtigen, er solle eine Reise nach Deutschland machen, sehr geneigt zeigte. Als dann der Kaiser Wilhelm dem König ein Glückwunsch - Telegramm wegen der raschen Unterdrückung der letzten Militär-Aufstände sendete, ward die Reise beschlossen. In Deutschland legt man ihr ziemliches Gewicht bei, umsomehr, als die Wünsche Spaniens, als Großmacht anerkannt zu werden, nunmehr einige Aussicht auf Erfolg haben sollen. — DaS
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Erfolg gelangen sollte.
Für daS Verfahren dieser Agitation boten ihre Angriffe W bki Gelegenheit des spanischen Handelsvertrages wiederum
Ernst trat auf Julius zu und mit einem einzigen Worte brachte er den Hund zur Ruhe. Dann reichte er seinem Kollegen die Hand und sagte, während unverkennbar ein Ausdruck von gewtffer Trauer und Schwermut über sein «it einem mächtigen Schnurrbart geziertes Gesicht zog:
„Sonderbar, daß der Hund seit meinem kleinen Zwischen« soll mit dem Baron in jedem Menschen, der mir naht, dneti Feind seines Herrn wittert; vor einer guten Stunde ich dem Freiherrn in der ruhigsten Weise meine Meinung, er anttvortete — Du kennst ja sein unbändiges Gemüt — heftig auffahrend, und während deffen hatte die größte Mühe, den dazwischm sprechenden Burschen zu beruhigen, dann führte mich der Weg an einem Köhler vorbei, der auf meine Anordnungen eine etwas blaute Sprache führte und wiederum zeigte sich Karo scherst ungehalten und nun abermals —*
„Nun ja, nun ja," unterbrach den ruhig Erzählenden Sullufi, der aufmersam bei der Erwähnung des Freiherrn ^gehorcht hatte, „das ist mitunter so Hundeart; die «erlS tappen auch manchmal de« Morgens zuerst mit dem foten Vorderfuß auf und meinen bann," fuhr er hohl «chelnd über seinen Witz fort, „sie hätten dasselbe Recht, 119 ""wirsch den Tag über sein zu können, wie wir Menschen- 10» öwer auch, wenn uns daS Malheur pasiiert, früh morgens loch' ftrrst mit dem linken Fuß vor das Bett schlaftrunken zu J2L Mpern. Aber erzähle, was Du mit dem Baron gehabt M. Ehrlich unter uns gesagt, ich wünsche dem blau- Wtigen Gesellen, daß er bei seinen wildert, tollen Ritten
Achtet man auf brn Umstand, daß die Angriffe auf die Mdelspolitik der Kaiserlichen Regierung trotz unbestreitbarer Erfolge derselben mit unermüdlicher Hartnäckigkeit b^ jeder Gelegenheit erneuert werden, so bietet sich eine tzMrung nicht sogleich dar. Die mit dem reinen Freihandel verknüpften Interessen sind im deutschen WirtsLaftS- M bei weitem nicht von dem Umfang und der Wichtig- kiit, als die Vertreter dieses Systems behaupten. Aus chier ungünstigen Bestimmung des letzten Handelsvertrags ijr die Spritfabrikation aus russischem Rohmaterial mußte
Sbi) gatt einen nationalen, dann wenigstens einen lokalen Verlust von Bedeutung machen, um die Handelspolitik anklagen in können, während weder der hamburgische Staat als Sitz wer Fabrikation noch die Jntereffenten dieses Betriebes :an m. stlbst etwas anderes befürchteten, als eine Fortsetzung des- 1 ™ jtlben unter minder günstigen Bedingungen. Dieselbe Lehre guß aus manchem anderen Beispiele gezogen werden. Ge- schüdigte Wirtschaftsintereffen sind es also nicht, welche der Opposition gegen die Handelspolitik die Nachhaltigkeit geben.
Man. würde auch zu viel auf Rechnung des Eigensinns
land zu erneuern zögert, hätte gar nicht daran gedacht, der deutschen Industrie ohne besondere Vorteile seine Thore nach Ablauf des früheren Handelsvertrages aufs Neue zu öffnen.
Weil nun jene erste These wegen ihrer offenbaren Unrichtigkeit nicht zu lange wiederholt werden durfte, wurde eine neue erfunden. Man sagte: welch ein Widerspruch ist es, erst Zölle zum Schutz der einheimischen Industrie für notwendig zu erklären und sie dann doch wieder aufzuheben, um vertragsmäßige Vorteile für einzelne Zweige der Industrie zu erlangen? Nun ist, wie jeder wissen kann, der nur seine eigene Erinnerung befragt, die deutsche Zollpolitik bei Umwandlung ihres Tarifs sogleich von dem Gesichtspunkt ausgegangen, neben dem Schutz der bedürftigen Industriezweige auch Waffen zu bekommen, um bei einer allgemeinen Rückkehr zum Schutzsystem der einheimischen Industrie so viel Gelegenheiten zum Export zu sichern, als erreichbar sind. Verwerflich wäre ein System, welches der Industrie weder den einheimischen noch einen einzigen auswärtigen Markt sicherte. Dagegen kann doch die Behauptung keinen Augenblick bestehen, man muffe den Schutz des einheimischen Marktes immer bis zur Abschließung desselben treiben und dürfe keinen einzigen Zoll herabsetzen, auch nicht um den Preis gesicherten Eingangs unserer Waren auf auswärtigen Märkten.
Der Pfeil, der die Handelspolitik der Regierung um jeden Preis treffen soll, muß also noch einmal geschärft werden; eS wird eine neue These erfunden. Nun heißt eS: welch ein Widerspruch und welche Planlosigkeit; man verteuert durch Zölle Nahrungsmittel, wie Roggen, Fleisch, und kürzt die Einnahmen zu gunften einer schon geschützten Industrie durch Herabsetzung der Zölle auf Luxusartikel, wie Korinthen; man drückt also den Armen zu gnnsten der Industrie und erleichtert den Reichen!
Das klingt in der That sehr schlimm, wenn eS nur nicht ebenso thöricht als perfide wäre.
Die mäßigen landwirtschaftlichen Einfuhrzölle find nicht um deS Finanzertrages willen auferlegt, sondern bazwecken die Sicherung einer stetigen einheimischen Produktion, ohne welche die einbeimische Nahrungsversorgung einem heftigen Schwallen 'zwischen Teuerungspreisen und Schleuderpreisen ausgesetzt, bet überwiegende Teil unseres Volkes in seiner wirtschaftlichen Existenz ernstlich geschädigt und damit auch die Industrie in empfindlichste Mitleidenschaft gezogen werden würde. Wenn nun jetzt eine Ermäßigung des Zolles auf Korinthen, also auf ein Produkt, daS keinem einheimischen Erzeugnis Konkurrenz macht, zugestanden worden ist, so gehört eine besondere Brille dazu, darin eine Begünstigung der Reichen zu sehen. Ein seines Tafelbedürfnis find die Korinthen wohl nicht.
Solche Angriffe zu widerlegen, ist freilich nicht schwer bei denen, die einer ruhigen Betrachtung der Dinge Gehör geben wollen. Aber die geschilderte Art von Opposition über Stock und Stein mal den mittleren Halswirbel gründlich sich verrenkt; wir beide, seine wohlbestellten und allerunterthänigsten Leibförster, kämen allerdings bann unter das Regiment einer griesgrämigen Tante; doch die Alte mit ber golbenen Lorgnette unb den vorsündflutlichen Schmachtlocken hätte wenigstens bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, so da im Angucken ber Ahnmbilder besteht, keine Zeit unb Lust, unö in ben Waldungen auf Schritt unb Tritt zu verfolgen Eine verbammte Geschichte, bieses immerwährende Dazwischenfahren unb Anherrschen. Ich möchte manchmal" — unb ber Sprecher machte eine bezeichnende Handbewegung — den Brausekopf —"
„Nicht doch, nicht doch," fuhr ihm Ernst, ber bis dahin nachdenklich den Blick auf den Boden gesenkt hatte, nun aber sein Gegenüber scharf ins Ange faßte, dazwischen, „mag et alt ober Jung fein, ruhig oder aufbrausend, wir haben stets unsere Pflicht zu thun und seinen Anordnungen, wenn sie auch manchmal mit allen forstmännischen An- stckten unvereinbar sind, Folge zu leisten; dafür ist er unser Herr und bann wirb er boch wohl auch ein festes, uns noch neues und unbekanntes Wiffen von ber Forst- atabemie rnitgebracht haben. Aber baS versichere ich Dir" — und bes ernsten sinnenben Jägers hohe, edle Gestalt schien im Augenblick noch höher zu wachsen und drohend irrten seine stahlblauen Augen in die Höhe, während seine Rechte sich unwillkürlich ballte in auftobernbem Zorne — „wer eS wagt, in meiner Nähe meine Schwester, bas einzige Kleinod, das mit meine zu früh verstorbenen Eltern auf bie Seele banden, bloßzustellen, nur mit ungeziemendem Scherze zu treffen, ber, ja bet ist in meinen Augen gerichtet."
'rin recht belehrendes Beispiel.
Zuerst wurde die These ausgestellt: wenn Deutschland W keine Schutzzölle hätte, wenn eS das sogenannte System Delbrück bis zur letzten Konsequenz verfolgt hätte, bann würden ihm die Handelsthore aller Nationen, darunter auch Spaniens, offen geblieben und nirgends durch Zölle ber« schloffen worden sein. Nun liegt eS aber vor den Augen Jtbes Kundigen und Unkundigen, ber es nur sehen will, ble Periode verkehrerleichternder Handelsverträge, welche «it dem französiich - englischen Handelsvertrag von 1860 ihren Anfang nahm, von den großen Nationen außer England verlassen worden ist, bevor Deutschland seine Zollpolitik änderte. Spanien, welches einen Vertrag mit Eng- ziehenl —... ...............
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co i» Frankfurt a. M.; Jägerschr Buchhandlung dasewst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 6- Schlotte in
Bremen.
„Aber um GotteSwillen, Kamerad unb Frennb, ich verstehe Dich nicht; faffe Dich kurz, Du weißt, baß ich ben lebhaftesten Anteil an Deinem Leid und Deiner Freude nehme," log Julius in dem einschmeichelndsten Tone.
„Gut," fuhr Ernst ruhiger fort, „da Du trotz Deiner — na, ich will eS nicht weiter berühren, da Du denn noch ber einzige sein magst, dem ich mich anberlrauen will: Kummervoll und das Herz voll von Enttäuschungen, voll von Mißtrauen unb Ekel gegen Freundschaft, beinahe gegen alle Menschen feit ber leibigen Affaire mit dem Sattler da drunten, ging ich heute In mein Revier. Ich gestehe, daß ich in gereizter Stimmung mich befand, als der Freiherr in der übermütigsten Laune auf einmal wie aus dem Boden gezaubert vor mir stand. Ich erstattete ihm Rapport über bie letzten Holzschläge, bie er nur so oberflächlich anhörte. Schon wollte ich mich empfehlen, als er mit einem eigentümlichen Lächeln unb, wie mir schien, einem spöttischem Zug um die Mundwinkel sagte: „Mein lieber Baden, ich kam gestern so zufällig an Ihrer Wohnung vorbei, und von einem milden und doch melodischen Gesänge angezogen, trieb eS mich, ber Besitzerin ber Stimme Äug' in Äug' gegenüber zu stehen. Ich trat also ohne weitere Umstänbe ein und muß gestehen, eine solche imponierende unb reine Schönheit ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht entgegen getreten."
„Aber ich möchte gern wiffen," warf Julius lauernd ein, „was Du babei findest, wenn ein junger Herr sich in Schmeicheleien ergeht über Deine Schwester, ich finde Hannchen auch mehr wie hübsch."
(Fortsetzung folgt.)
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