Marburg, Dienstag, 11. September 1883.
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tta ig nimmt entgegen: lUefn S^ürpebition d. Blatte», ■h- i ^led-Annoncen-Bureaur Dietrich u. Co. in "-,tz und Hannover; Th. Schl, Lnch in Frankfurta-M.;
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Sn,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureanx von ®. L. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung l daselbst; Jnvalidendanl iu 9 Berlin; D. Thiene» in
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(Fortsetzung folgt.)
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Novelle von Jalob Regnery.
mäßige Gewalt sofort unterdrückt werden.
Die zentralistische Richtung, welche den österreichischungarischen Einheitsstaat mit deutscher und magyarischer PrSponreranz und liberaler Bourgeoisherrschaft erhalten Men wollte, hatte kein Verständnis für die großartigen Veränderungen der Nationalitätengruppierungen in den letzten Jahrzehnten und für die stch vorbereitenden Völkerbewegungen. Die Idee, das europäische Slaventum zu sammeln und zu verbinden, wurde von den großen Staatsmännern der Gegenwart schon lange als eine Kulturaufgabe erkannt. Die slavifchen Völkerstämme mit nationaler Autonomie unter Habsburgischem Szepter werden mit den übrigen westeuropäischen Nationen durch solidarische Interessen und durch gemeinsame Zivilisation verbunden sein, während ihnen ebenso wie den germanischen, romanischen und magyarischen Völkern dieselbe Gefahr des Aufgesaugtwerdens durch daS mongolisch russische Slaventum droht.
Allerdings sind große Schwierigkeiten zu überwinden, bevor nach der Neubildung der Institutionen überall das gleiche Maß der Gerechtigkeit den VolkSstämmen geboten werden kann. In Böhmen geht man zu weit in der Beschränkung der Deutschen, und in Galizien wird die Berücksichtigung der Ruthenen sich den Polen als unabweisbares Gebot ausdrängen. Allein nirgendwo anders treten die Prinzipien der Regierungspolitik so widersprechend sich gegenüber, als in Kroatien, und das ist es, was die Lösung hier so schwierig macht. Obgleich der ungarischen Krone einverleibt, hat eS nebst Slavonien und der ehemaligen Militärgrcnze eine Art von kommunaler Autonomie bewahrt. ES gehört also nach der Zweiteilung durch Beust zu TranSleithanien, während das Streben der Bevölkerung
schon seit 1848 darauf ausgeht, mit den Stammesbrüdern in Cisleithanten ein vereinigtes Königreich unter der Habsburgischen Krone zu bilden. Die Südslaven in Dalmatien, Steiermark, Kärnten, Krain und Istrien haben stch dieser Agitation seit lange angeschlossen und die Verhandlungen auf dem letzten dalmatinischen Landtage in Zara, die besten Schluß nötig machten, waren ein Symptom dieser Bewegung, der sich Versammlungen in Dalmatien, Istrien rc. anschlosten.
Dennoch würde man zu weit gehen, die jetzt auSgebrochenen Unruhen als Folgen eines durchdachten Planes der süd- slavischen Propaganda darzustellen. Sie sind vielmehr der brutalen Taktlosigkeit des ungarischen Ministerpräsidenten TiSza zuzuschreiben. Das schroffe Vorgehen in dem An- brtngen der ungarischen Amtsschilder mit Umgehung der kroatischen kompetenten Instanzen mußte böses Blut machen, und daß die ungarische Negierung auch sachlich im Unrecht war, wurde in den Ministcrkonferenzen in Wien dadurch anerkannt, baß man beschloß, nach erfolgter Genugthuung für die den Königlich ungarischen Wappenschildern angethane Schmach von dem Verfahren abzustehen. TiSza hat also nun das Bewußtsein einzuheimsen, daß er durch ganz unmotivierte Provokation einen Brand erregt hat, in einem Augenblicke, wo daS Interesse der Gesamtmonarchie die Vermeidung jeder Aufreizung zur ganz besonderen Pflicht machte.
Wer die Zustände jener Länder kennt, wird sich nicht wundern, wenn ein AuSbruch sofort andere hervorruft. Die Gefahr erscheint um so größer, wenn man die Nähe der kaum pacifizierten Herzegowina und Bosniens ins Auge faßt, und wenn man an den Zündstoff denkt, der vom Osten aus unaufhörlich in der Nachbarschaft angehäuft wird. ES ist daher von der Notwendigkeit geboten, mit äußerster Energie die Ruhe und Ordnung in Kroatien in kürzester Zeit herzustellen. Die in Wien unter dem Vorsitz des Kaisers und unter Teilnahme der gemeinsamen wie ungarischen Minister abgehaltene Konferenz hatte das Resultat, daß der Kaiser den Landeskommandierenden in Agram, General der Kavallerie Freiherrn v. Ramberg zum Königlichen Kommissar ernannte und ihm mit den weitgehendsten Vollmachten die gesamte Zivil- und Militär- gewalt übertrug. Der BanuS von Kroatien, Graf Pejac- fevich hat bekanntlich, die Unmöglichkeit einer friedlichen Lösung erkennend, demissioniert. Ohne blutige Opfer wird die Aufgabe kaum gelöst werden, denn bis jetzt ist die Bewegung im Steigen begriffen. In Agram, Krapina, (Zagoricn), in Karlstadt Gorica und an anderen Orten ist eö zu ernsten Zusammenstößen mit dem Militär gekommen. Die Bauern rotten stch zu Tausenden zusammen, um gegen Magyarisierung, Steuerdruck und Beamtenwillkür
aufzustehen. Von einzelnen Seiten kommt auch die Nachricht, daß panslavistische Emissäre in Massen aufgetaucht sind, welche die untersten VvlkSmassen aufhetzen, wenn die Bauern etwa noch von Gewaltthätigkeiten abraten.
Ungarn wandelt mit seinem jüdisch-liberalen Regiment überhaupt auf sehr gefährlichen Pfaden. Die bedauerlichen Judenverfolgungen sind schon die Früchte, die von den Dornen gelesen werden, welche der alles zersetzende Liberalismus nur allzu eifrig gesäet hat. Bevor eine gedeihliche Entwicklung in Ungarn eintreten kann, muß mit denjenigen wirtschaftlichen Prinzipien gebrochen werden, welche durch ihre Begünstigungen des Kapitals die gesamte produktive Kraft des Landes dem fremden Schmarotzertum dienstbar gemacht haben. Auch Kroatien hat unter dem Druck dieses Systems schwer zu leiden. Diese fortwährenden Störungen des normalen Ganges werfen ihre Schatten auch auf die äußere Politik Oesterreich-Ungarns und mittelbar auf diejenige Deutschlands. Ihre Bedeutung liegt nicht sowohl in lokalen Schädigungen, als besonders in der Gefahr der kontagiösen Verpflanzung nach dem Orient. Und das ist um so betrübender, als stch gerade auf die Balkanhalbinsel die Aussichten auf eine friedliche Befestigung der Zustände immer mehr erhellen. Nach Serbiens und Rumäniens Anschluß an die österreichisch-deutsche Friedenspolitik beginnt sich auch Bulgarien von der Herrschaft panslavistischer Agitatoren zu emanzipieren.
Es bleibt nur zu hoffen, daß auch in Kroatien der innere Frieden recht bald wieder hergestellt werde, zunächst durch Beenden der Ausschreitungen und dann durch Gewährung berechtigter Forderungen, damit die Konspiratoren gegen den europäischen Frieden nicht ein neues Feld gewinnen, wo sie ihre verbrecherischen Handhaben einsetzen
Du Feuer und Flamme wirst? Und," fuhr er höhnisch fort, da er einzusehen begann, daß für heute, vielleicht für lange, vielleicht auch für immer, das Spiel für ihn verloren sei, „ich bin in meiner Jugend ein großer Kenner des Katechismus gewesen, in dem bekanntlich die großen und die kleinen Sünden in hübscher Einträchtlichkeit nebeneinander verzeichnet stehen, ich kann mich indeffen mit dem besten Willen nicht entsinnen, vaß Umarmen und Küssen auch nur zu den kleinsten läßlichen Sünden gehören. Wozu also Deine verschwenderische Entrüstung? Oder hast Du etwa im Sinne, eine Nonne zu werden, die sich jetzt schon in dem Gedanken wiegt, ihr Körper sei unantastbar und heilig? Wahrlich, ein Kompliment muß ich Dir doch machen, ein hübsches Nönnchen müßtest Du sein, und wünschte ich nur —*
Hannchen, die ihm schon mit strafender Verachtung den Rücken zugcwandt und sich an einer Arbeit zu thun gemacht hatte, drehte stch hastig um und unterbrach ihn heftig, indem sie mit vorgehaltenem Arm nach der Thüre zeigte: „Noch einmal, Julius, fordere ich Dich auf, mich zu verlaffen; ich verspüre nicht die geringste Lust, auf Deine albernen Redensarten mich einzulassen, aber wenn Du noch einen Funken Anstands- und Ehrgefühls besitzen willst, so bist Du gebeten, mich jetzt und fernerhin mit Deinen soeben gezeigten Zudringlichkeiten zu verschonen. Nur die Rücksicht auf meinen guten Bruder hält mich ab, Dir noch härteres zu sagen."
Der Förster wechselte auf einen Augenblick die Farbe, dann glitt ein boshaftes Lächeln über seine ohnehin häßlichen Züge.
„Bitte, ich will Deine Rolle übernehmen, c6 liegt Dir doch also auf dem Herzen und auf der Zunge: „Du Sohn eines Mannes, der stch zum Zeitvertreib aufgehängt hall Du roter, häßlicher Bursche, laufe in die Welt hinein, nein, noch weit über daS Ende hinaus, Du hast keinen
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Deutsches Reich.
Berlin, 8. Sept. Aus Gastein wird in hiesigen Blättern berichtet, daß das Befinden deS Reichskanzlers nichts zu wünschen übrig lasse. Er sei völlig schmerzfrei und mache auch im Aussehen den Eindruck eines Mannes, der sich wohl befindet. — Die Eisenbahnverwaltung hat, wie nun bestätigt wird, die Abstcht in Sachen deS Steglitzer Eisenbahnglücks die Anwendbarkeit des Reichshaftpflichtgesetzes vom 7. Juni 1871 anzuerkennen und die Gewährung der in diesem Gesetze vorgeschriebenen Unterhaltungskosten für Hinterbliebene nicht erst von der richterlichen Entscheidung abhängig zu machen. — Die zur Erforschung der Cholera unter Leitung deS Geheimen Regierungsrats Dr. Koch nach Egypten entsandte deutsche wiffenschaftliche Kommission ist am 24. August wohl«
Anspruch auf die Liebe der Menschheit, Du bist geächtet! Liebe gebührt nur glatten und glänzenden, gekämmten und gestriegelten Lasten, schön müssen sie sein, bildschön, ja wohl, so etwa wie der Freiherr."
„WaS willst Du mit unserm gemeinschaftlichen Herrn, dem jungen Freiherrn, gesagt haben?" horchte Hannchen förmlich auf; „ich kenne ihn kaum; im übrigen wird er wohl schwerlich so unangenehm sich geberden können wie Du."
„Still, still," fiel ihr Julius in die Rede, „man kennt euch Frauenzimmer hinreichend, ihr seid alle ohne Ausnahme über einen Kamm geschoren; je hübscher der Bursche, desto mehr flammt ihr auf von Liebe, je reicher derselbe, desto mehr steigt er in eurer Achtung. Gewiß, Du glückliche Waldprinzessin, warte nur, eines guten Tages wird der Baron, dem ohnehin kein Vater und keine Mutter mehr hinderlich im Wege steht, eS stch zur ganz besonderen Gunst und Ehre anrechnen, wenn Du huldvoll geruhst, Deine Hand in die seinige zu legen. Hübsch und verführerisch bist Du ja, und in den nötigen Komfort, nun dafür wird der Herr Baron schon Sorge tragen, Dich hinein —"
„Halt ein," rief das gefolterte Mädchen mit unbezwingbarer Entrüstung, „ich hasse Dich, ich hasse den Baron! Wehe über Euch Männer! Ist daS daS starke und ritterliche Geschlecht, das Mädchen auf Schritt und Tritt in der unverschämtesten Weise verfolgt und in dem Glauben, sie seien wehrlose Geschöpfe, sie im eigenen Hause überfällt? Hast Du vergessen, daß ich gelernt habe mit Sicherheit zu treffen?" Und damit riß sie, ehe Julius es hindern konnte, von der Wand eine Reiterpistole, die friedlich zwischen Dem blanken Küchengeschirre hing, und hielt ste dem Eindringling schußbereit entgegen. „Siehst Du, so weiß sich eine Försterstocher gegen freche Räuber zu schützen; und nun," — ste stand dicht vor ihm — „schnell hinaus,
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Orf4eint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quattal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirte» SoimttrgUblatt" durch die Hpedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen »V. Wert, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) -JnserttonSgebühr für dte gespaltene Zelle 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfll- berechnet.
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|Ut Die liberale Preffe war schnell bereit, die Unruhen in „• Kroatien nach ihrer Weise zu fruktifizieren. Man stellte - - kje Vorgänge als die notwendige Folge der DezentralisationS- oolitik deS Grafen Taaffe dar, die stch früher oder später j„ Böhmen und Galizien wiederholen würden. Man ver- -ijit bei dieser parteiischen Auffassung, daß in jenen Landstrichen am adriatischen Meere einzelne gewaltsame Ausbrüche der Unzufriedenheit seit jeher an der TageSördnung Earcn und diese deshalb nicht mit dem Maße gemeffen mcrden können, daS man an ähnliche Vorkommniffe in einem Lände legen würde, ivelcheS stch eines unbestrittenen RechtS- mstandeS und einer abgeschlossenen politischen Gestaltung erfreut. Die Dinge sind eben dort überall im Werden, im Entwickeln begriffen; ethnische Eigenschaften und ererbte Traditionen treten hinzu, und die Verlockung in den gesetzlichen Gang gewaltsam einzugreifen, führt bald zur That. Voraussichtlich wird auch dieser Versuch durch die gesetz-
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Auch über Julius, des freiherrlich von Werneckschen Försters aufgedunsenes Gesicht lagerte stch ein Zug des Staunens und seine sinnlichen Augen glänzten einen Augenblick in weichem Schimmer. Doch nur einen Moment: bann öffnete er, ohne in geziemendem Anstande zuerst an- zukiopfen, mit raschem Rucke die Küchenthüre und mit lautem „Aha, mein Schätzchen," überrumpelte er das ahnungslose Mädchen, um cs mit sehnigen Armen an seine Brust zu reißen und einen heißen Knß auf die vor Scham und Schreck jäh aufglühenden Rosenwangen HannchenS zu pressen.
Das erste gelang ihm, daS andere nicht; ohne nach gewöhnlicher Mädchenart aufzukreischen, hatte Waldhannchen, nachdem stch der erste Schreck gelegt, mit wildem Rucke sch aus des Räubers Armen gewunden und ihn mit derbem ®top zwei Schritte von stch geworfen, fo daß er taumelnd ichier zu Boden gefallen wäre.
Verdutzt und blaß vor Aerger stand Julius, der Förster, kegungsloS da, wie gebannt unter dem Eindrücke des '«en Mädchens, das wie eine strafende Göttin ihn maß von der tu« W bis zum Scheitel.
Jetzt erst kam eß au« der gepreßten, hoch aufwallenden Brust, während immer nur Purpurröte auf dem wunderhübschen Gesichte lag: „Pfui, Julius, und Schande! Mach', daß Du so schnell wie möglich aus dem Hause oder doch «benigsten« au« meinen Augen kommst. Das ist Bubenart, »ie Du Dich da benimmst; habe ich Dir jemals, obschon üh Dich seit Jahren kenne, Gelegenheit gegeben, zu glauben, ich sei ein Mädchen, daS wie jede herbeigelaufene Dirne stch so ohne weiteres an die Brust drücken laste?"
„Ei dtt lieber Gott," ermannte sich jetzt der Förster «bieder, „tft denn baß ein solch gräßliches Verbrechen, daß