Marburg, Sonntag, 9. September 1883.
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hmseS, des Abgeordnetenhauses, die Spitzen der Behörden »ad die Vertreter von Kunst und Wissenschaft. Daneben siad Tribünen für Damen und Herren. Anschließend an
höchsten Herrschaften einen Umgang um das Denkmal vor» nehmen und dann nach der Feststadt RüdeSheim fahren, welche festlichen fröhlichen Empfang bereitet. Auf dem Denkmalplatze ordnen sich die Vereine, die Kriegervereine voran, zu feierlichem Umzuge um das Denkmal auf demselben Wege, welchen der Kaiser genommen hat. In geordnetem Zuge gehen dann alle Vereine nach RüdeSheim, woselbst sie festlich begrüßt werden.
Damit jedes Gedränge vermieden wird, sind auch am Bahnhofe Truppen aufgestellt. Sobald nicht durch Menschen« gedränge auf den Schienen die Einfahrt und Abfahrt der Züge erschwert wird, kann die Zurückbeförderung selbst großer Menschenmengen rasch und sicher erfolgen. E» wird überall auf diese Sicherheit hingearbeitet: Die Hauptsache ist aber, daß oaS Publikum selbst nicht drängt und namentlich wegen der Heimfahrt ängstlich wird. Bei der Grundsteinlegung sind viele Tausende zu richtiger Zeit imb gut nach Hause zurückgekehrt.
(Der geschäftsführende Ausschuß des Komitee» zur Errichtung des National-DenkmalS auf dem Niederwald besteht aus folgenden Herren: Graf zu Eulenburg, StaatSmtnister und Ober-Präsident zu Kassel, Vorsitzender. Sartorius, Landesdirektor zu Wiesbaden, stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer. S. Kphn-Speier in Frankfurt a. M., Schatzmeister. Dr. jur. Ebner, Advokat in Frankfurt a. M. Fonck, Landrat in Rüdes- heim. v. HeemSkerck, Präsident a. D. in Wiesbaden. Dr. Hans Köster in Cottbus. Ed. v. Lade in Geifen« heim. Lauteren, Geheimer Kommerzienrat in Mainz. Freiherr Franz v. Stauffenberg. Wißmann, Land- gerichtSrat in Wiesbaden, v. Wurmb, RegirrungS- Prästdent in Wiesbaden).
chen mit starkem Zaune geschützt, gegen diebische und naschhafte Rehe; denn schon lugen neugierig die ersten Keime und Blättchen aus dem lockern Erdreiche hervor.
Die künstlichen Schranken scheinen aber einen jungen Jäger gar wenig zu kümmern; soeben aus dem Walde kommend lenkt er seine Schritte bis dicht an den Zaun, und statt den bequemen Eingang durch die der Straße zugelegene HauSthüre zu nehmen, setzte er mit keckem Sprunge über den Zaun, nachdem er vorsichtig sein Gewehr abgelegt hatte. Wie er nun den Sprung gewagt hatte, ließ er ein kurze«, Heisers Auflachen hören; dann wie erschrocken über sich selbst, machte er eine schnelle, duckende Bewegung mit dem Oberkörper und schlich, behutsam und katzenartig seine Füße vorsetzend, um möglichst jedes Geräusch zu vermeiden, über den Gartenpfad dahin bis unter eines der vier Fuß hoch über dem Boden gelegenen Fenster. Hätte der Bursche nicht als einen Empfchlungsschein den grünen Jägerrock und das schmucke, mit einer Häherfeder geschmückte Hütchen getragen, dann hätte jeder Beobachter ihn zum mindesten alö einen Einbrecher halten können, der vor der That erst sein Terrain besichtigt. Und vertrauenerweckend sah da« sommerfleckige Gesicht mit den halb entzündeten Augen, die in abwechselnd blitzender Bewegung standen, gerade nicht aus; auch das rote, borstenartig dicke Haar kontrastierte höchst sonderbar zu der grünen Uniform.
„Wenn das Blitzmädel nur meinen unvorsichtigen Sprung nicht gehört hat! Dann ist'S um mich geschehen und unzweifelhaft liegt dann schon der Riegel vor der Thüre. WaS sich das dumme Mädel nur in dem Kopf gesetzt haben mag l Bin ich denn der leibhaftige Gottseibeiuns, daß eS mich wie die Pest meidet und flieht? Muß jetzt der vermaledeite Kanarienvogel da drinnen auch noch Lärm an-
«rogramm für die Einweihung des Nattoual- DevkmalS.
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Seitenrampe auf der Rüdesheimer Seite stehen oben Deputationen der Männergesangvereine mit ihren Fahnen und nach unten zu Deputationen der Turnvereine und dabei der Vorsitzende der deutschen Turnerschaft mit mehreren Vorstandsmitgliedern und der großen Fahne der deutschen Turnerschaft. Unmittelbar vor dem Denkmal stehen vier Militärkapellen, welche den allgemeinen Volksgesang leiten, und die Bildhauer, Architekten, Erzgießcr, Maurer, Steinmetzen und Zimmerleute, welche an der Aufrichtung des Denkmals beteiligt waren. Ueberall wirken Festordner für richtige Aufstellung und strenge Ordnung, damit kein Gedränge nach der Fahrstraße zu entsteht.
Sobald der Kaiser in den neuen Fahrweg am Tempel einbiegt, verkündet eine Fanfare des im Tempel aufgestellten Trompeter-Korps der Bonner Husaren: „Der Kaiser kommt", und sobald der Kaiser durch das Spalier der Kriegervereine und Truppen einfährt, ertönt vom Denkmal aus eine Fanfare: „Willkommen Kaiser". Nachdem der Kaiser mit den deutschen Fürsten in daS Zelt etngetreten ist, beginnt die eigentliche Feier auf dem Niederwalde, welche einen ernsten patriotischen Charakter trägt, weil nach den Worten des Kaisers bei der Grundsteinlegung daö Denkmal auch den Gefallenen gilt. Nach der Vorstellung des Komitees bewillkommnen Damen die Kaiser!. Herrschaften mit dichterischer Ansprache. Hierauf meldet der stellvertretende Vorsitzende, Landesdirektor Sartorius, die Vollendung des Denkmals und erbittet die Erlaubnis zum Beginne der Enthüllungsfeier.
Sobald diefelbe erteilt ist, wird nur ein Schuß vom Niederwald abgegeben (von morgens 11 Uhr an wird, nach allgemeiner Verabredung, auf keinem Schiffe und nicht in RüdeSheim und Bingen geschossen). ES beginnen nun alle Glocken in den umliegenden Orten zu läuten und unter deren Klängen stimmen die MustkkorpS den Choral an: „Nun danket Alle Gott", weil früher von berufenster Seite der Ausspruch erfolgt ist, der Abschluß einer solchen Zeit und eines solchen Werkes könne wohl nicht ohne diesen Gesang erfolgen. Alle stimmen ein. Es kann überhaupt nur allgemeiner Volksgesang in der großen Umgebung wirken und ist deshalb die frühere Absicht fallen gelassen worden, eine besondere Kantate durch die Männergesangvereine vortragen zu lasten. Nach Beendigung des Chorals hält der Vorsitzende deS AuSschusteö Staatsminister und Ober-Präsident Graf zu Eulenburg, die Festrede, welcher die Nationalhymne folgt. Dann tritt der Meister des großen WerkeS: Profestor Dr. Johannes Schilling vor und erbittet die Erlaubnis zur Enthüllung. Sobald die Hülle, welche das große Relief verdeckt, fällt, beginnen die bei Bingen ausgestellten Batterteen zu schießen und mächtig wird das Lied erschallen, welches im Jahre 1870 so feierlich ertönte und überallhin getragen worden ist, wo Deutsche wohnen. Nach der Enthüllung werden die Aller
kmpe stehen Deputationen von Kriegervereinen mit ihren . zehnen, so daß der Kaiser seine alten Soldaten überall ys«® der sich steht. Die Ordnung der Aufstellung schließt sich iung d« m die Armeekorps an, so daß da» erste Korps aus dem ™3 , richten Flügel steht. Innerhalb eines jeden Korps stehen terrid He Vereine nach der alphabetischen Reihenfolge der OrtS-
nimen. Da sich bis jetzt 284 Kriegervereine mit über tisch« 10000 Mann gemeldet haben, so wird jetzt noch, weil der
Fchplatz nicht groß ist, berechnet, wie viele Karten für jede
—- die Tribünen sind Plätze für die Berichterstatter und für verlifj Herren, welche vom geschäftsführenden AuSschuste EinladungS- ’?• f luten erhalten werden.
P Längs der ganzen Fahrstraße und oberhalb einer Seiten»
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von 8. Daube u. Eo. in
jaen nimmt entgegen:
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte* Sormtaglblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen Z‘/4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; SB. Thiene» in Elberfeld: tt. Schlotte in Bremen.
Deutsches Reich.
»erlitt, 7. Sept. Der „Reichs - Anzeiger" schreibt: Die Kaiserin drückte in einem Telegramme an den Minister Maybach ihre besondere, tiefe Teilnahme an dem Steglitzer Unglücke aus und sandte an den Vaterländischen Frauen- Verein in Berlin 1000 Mark für die hilfsbedürftigen Hinterbliebenen. Als solche werden eine Witwe, zwei Mütter und acht Waisen bezeichnet. — Aus der Sitzung des Bundesrats vom 29. August erfahren wir über die Beschlußfassung bezüglich des Handelsvertrages mit Spanien noch folgendes: Nachdem die Versammlung sich auf den Vorschlag des Vorsitzenden einstimmig damit einverstanden hatte, daß über die bezügliche Vorlage sofort in di« Plenarberatung eingetreten werde, sprach sich auf Anfrage de» bremischen Bevollmächtigten, die Tragweite der Bestimmung des Art. 10, Abs. 2, des Vertrages betreffend, der Staatssekretär v. Burchard dahin aus, daß durch dir gedachte Bestimmung die Erhebung von „anderen Abgaben, Der- brauchs- oder inneren Steuern für Rechnung des Staate» schlagen l Aha, die Lust des Vogels hat auch sie nun verführt. Wie sie trillert, als ging es um die Wette mit dem Vogel. Eine herrliche Stimme wahrlich hat da« Kind. Wenn sie nur nicht so spröde und so unerklärlich menschenscheu wäre. Doch heute wird« gewagt, Herz wird al» Trumpf auSgespielt; eine günstigere Gelegenheit wie jetzt bietet sich mir nicht mehr so leicht dar. WaS soll mir daS nützen, daß ich da drinnen höchst sittsam wie ein soeben gebeichteter Junge bei Ernst, ihrem Bruder, sitze und nicht einmal Gelegenheit finde, mich ihr gegenüber ungesehen und unbewacht auszusprechen?"
Unter diesem Selbstgespräch schlich der Jäger unter Wahrung der gedeckten Stellung an der Wand entlang bis zur hinteren HauSthüre. Behutsam legte er feine fleischige Rechte auf die blanke Klinke, die fast geräuschlos dem Drucke nachgab und, soweit eS die mit starken Nägeln beschlagenen Schuhe gestatteten, tappte er möglichst leise den schmalen HauSgang entlang, mit den Händen an der Wand suchend, wie ein Blinder, zur Küche, von wo au» der lebensfrohe, melodische Gesang deS Mädchens hertvnte. „Wo nur das herrliche Kind die schönen, wundervollen Weisen herholt," murmelte er mit förmlich angehaltenem
Die Worte fehlen und doch sind e» Töne, die Quellen von übermütiger, aber musikalischer Wahrheit und die Sängerin wie den Zuhörer fortreißen. ES sind di« edelsten Schwingungen der Seele, die nur begnadeten Ebenbildern des erhabenen Schöpfers gegeben sind und die mit bezaubernder Gewalt selbst rohe Gemüter zur Andacht und zur Bewunderung nötigen.
(Fortsetzung folgt.)
M bis llx/2 Uhr begeben sich die eingeladenen Damen und Horen, sowie die Vereine auf den Festplatz. Da auf den - Einlaßkarten genau die Eingänge bezeichnet sind, so wird e Wh ^rdurch jedes Gedränge vermieden werden. Der ganze -Watz ist durch eine Parade-Aufstellung von Truppen chegrerrzt. Den Mittelpunkt deS Festplatzes bildet daS ikaiferzelt, von welchem au» daS ganze Denkmal und alle [3i zfibenanlagen am besten gesehen werden können. In dem ikaiserzelte werden 50 Sessel aufgestellt. Vor demselben ss g! find rechts die Plätze für die Generäle, deren Porträts auf Hm großen Relief angebracht sind; links stehen die obersten RnchSbehörden, die Vorstände des Reichstages, deS Herren-
fNachdruck verboten.)
. 1 Waldhaunche«.
Novelle von Jakob Regnery.
1881 Wie mächtig und prächtig der Hochwald dasteht! Riesige ir. Nhen, kräftige Buchen, schlanke Tannen wechseln in effekt- Mer Reihenfolge; wie junge Küchlein machen sich unter —" ihnen bequem Wachholder und Walddistel, Haselnußstauden 11 »«b Brombeergestrüppe. Frische- Grün, saftige Blätter ' litten schon die Leiber der Bäume. Himmlische Düfte
, durchzittern den hehren Tempel der Natur. Durch die
'vurss käste kommt ein süßer Frühlingshauch gezogen und kosend urib umarmt er die jungfräulich erschauerdrn Kinder WalveS. Wie ein loser Bursche huscht er von einem ii N andern, doch alle umfaßt er mit gleicher Liebeständelei dnd erntet dafür lispelnden Dank. Von einem Baum zum isi inbetn von einem Ast zum andern hüpfen und fliegen die '»»fieberten Sänger, schmettern und trillern die neuesten Seifen, die sie in dem Süden va unten gelernt, zu den Ammeln empor. Die treuen Weibchen, die gefiederte, »lbenprSchtige Brust voll geheimer Ahnungen, flattern «Pend und geschäftig suchend hin und her, um mit Ver- li«bnia ein sicheres und bequeme» Plätzchen zu finden, für lange Zeit ein Heim sein soll für die Alten und ^Menden Jungen. ES ist Frühling I
Wie ein Juwel hineingesenkt in die Pracht der Natur *8t ungefähr hundert Schritt von der Straße, die den Ntoalb in seiner ganzen Breite durchzieht, ein niedliches Möckiges FörsterhäuSchen. Ephemanken in üppigster lulle schmiegen sich an ihm empor, und hohe Tannen, Ml zwanzig an der Zahl, blicken wie schützend auf das M herab. Sie stehen gleich Schildwachen zur Rechten Linken de» Hause». Hinter demselben liegt ein Gärt-
Die Vorbereitungen zu der Feier am 28. September y. rmCn eine immer größere Ausdehnung an und nach und A stellen sich auch die Programme fest. Das Festkomitee, 9 ' sich für die Stadt RüdeSheim gebildet hat, ist bereits j seinem auf mehrere Tage sich erstreckenden Festpro- amme an die Oeffmtlichkeit getreten; ebenso hat der Festschuß für Bingen dasselbe bekannt gegeben. Bezüglich Hruptfeier auf dem Niederwalde gehen unS folgende erläjsige Mitteilungen zu:
Nach den Verabredungen mit der König!. Eisenbahn-
dnjelne Deputation versandt werden sollen. Jeder an- Meldete Verein erhält solche in der nächsten Woche. Die ' Vorstände der großen Kriegerverbände, namentlich auch deS 1 dch-rischen, württembergischen, badischen und hessischen stehen ;■ »«mittelbar vor der Figur deS Krieges, zu dessen Erzguß
kriegervereine die Mittel aufgebracht haben. Rechts vor rt dem Denkmal unter der Figur des Friedens stehen Stu- ™ traten und Schüler, weil die höheren Lehranstalten die uidli« Mittel zum Griffe dieser aufgebracht haben. Oberhalb der
lee. rj < Dietrich u. C°. in unb Hannover; Th.
Ari» iy Frankfurt tJenftem u. Vogler in fit °- M-, Berlin.
K, Köln ic.; Rudolf
Diretiion zu Frankfurt gehen am Morgen des 28. September 1 ui jo viele Extrazüge nach RüdeSheim, daß auch entfernter _ Lohnende rechtzeitig dorthin gelangen können. Von V2IO Uhr
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