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Marburg, Mittwoch, 5. September 1883.

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-.„inen nimmt entgegen: S^örpebition b. SHotteS, . »ieb Ännoncen-Bureauk L’ Dietrich u. Co. in ►.Unb Hannover; Th. ßttd» m Frankfurt aM.; Eisenstein u. Vogler in Ofurt a- M-, Berlm. BLjg, Köln tc.; Rudolf LÄ. in Berlin, Frank- ,ttn futt a. M- re.

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Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS Samttagsblatt- durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/* Stert, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 60 Pfg. lexcl- Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeüe 10 Pf«.

Für in der Sxpedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 26 Pfg. berechnet.

Oberhesfische Zeitung

Illustrierte- Gountag-blatt

Der Reichstag.

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> seine Freundesbrust zog, an der Karl Rautenberg sein 0211 ten ausgehaucht haben soll. Er küßte ihre Hand, sie

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iß sie ohne Argwohn; er küßte ihre reine Stirn — in

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unterdrücken, seine Schilderung hatte daher nicht den

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Unverhofft und rasch wie er gekommen, ist seine Spur xnschwunden. Schon am Sonnabend Nachmittag 3 Uhr

। wahrlich nicht bedurft; aber die fortschrittlichen „HänelS Men doch das gelegte Et mit möglichstem Geräusch be­lfern. In aller Form wurde auch der Miffetbäterin ierung Indemnität erteilt und die Fortschrittler, Sozial­ekraten und ein Teil der Sezesstonisten leisteten sich die

este Rache, der Regierung die Indemnität zu verweigern, ton - Richter machte stch noch das Extravergnügen, die elitik des deutschen Reichskanzler-, geistreich, wie Herr ichter ist, als „SchnapSpolilik" zu stigmatisieren. Natürlich irb diese Musterleistung von der fortschrittlichen Preffe lindert; hat man ja doch wieder etwas, womit man sich r den Staatsmann lustig machen kann, um den unS die nje Welt beneidet. Aber der deutsche FortschrittSmtchel jetzt die Zipfelmütze lustig aufs Ohr, bewundert den paßvogel Eugen Richter und verhöhnt mit bitterem Spott m Reichskanzler, weil er den Spaniern zugesteht, daß russische RohspirituS nicht die gleiche Vergünstigung Handelsvertrag haben soll, wie der deutsche. So etwas natürlich nur in Deutschland, wo die Köpfe durch die esse der goldenen Internationale verwirrt sind, möglich, gehört, wie wir schon neulich bemerkten, der fortschritt­politische Standpunkt, welcher eS als ersten politischen undsatz ansteht, alles, wa- die Regierung thut, mit Miß­en zu betrachten, dazu, um in der Inkraftsetzung des llvertragS ein Verbrechen gegen die Verfaffung zu sehen, ß die Genehmigung des Reichstags nötig war, und daß, u der Reichstag versammelt gewesen wäre, die Regie- lig den Vertrag auch erst dem Reichstage hätte vorlegen ilffen, daS hat noch kein Mensch bezweifelt oder in Ab­gestellt, aber für ebenso begreiflich und verständlich hat n es auch gehalten, daß die Regierung nicht extra deshalb Reichstag zusammenberirf. ES ist das auch gar nichts es. Der Minister wies auf den Handelsvertrag mit esterreich hin. Ein Leser unseres Blattes teilt uns mit,

-[gegen. Neubestellungen in hiesiger Stadt können bei der Unterzeichneten oder bei unseren Trägerinnen gemacht werden. Expedition der Oberhess. Ztg.

Als er Emma verließ, stampfte er auf der Straße Hmutig die Granitplatten. „Ohne die umgierige Base «te ich Emma erobert,- stich er hervor, bann fügte er

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Der Ulan.

Gedenkblatt an Sedan von Wilhelm Grothe.

(Schluß.)

Wer den Rusien beobachtet hätte, als Hellmuth stch ernte, dem würde der schadenfrohe Zug in seinem litz nicht entgangen sein, obgleich er im nächsten Augen- e wieder Schmerz und Kummer heuchelte. TeilnahmS- wandte er stch Emma zu. Der ersahrene Menschen-

ner wußte sehr wohl, daß die Erregtheit des Gemütes, 6e Freude wie Seelenschmerz, am geeignetsten sind, ein ldchen zu verführen. Er trat zu der händeringenden gfrau und schllderte ihr, wie er mit Karl Rautenberg tunbet geworden. Er sei begierig gewesen, ihn kennen lernen, den sie ihm vorgezogen habe. Er sei deshalb

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Deutsche- Reich.

Berlin, 3. Sept. Der Kaiser empfing heute ftüh den Besuch des Prinzen Georg von Sachsen, welcher stch alsdann zu den Kavallerieübungen bei Biesenthal begab. Nachmittags fand ein Diner bei dem Kaiser zu Ehren deS Prinzen Georg statt, woran mehrere Generäle teil­nahmen. — Der Kaiser entsandte sofort nach dem Ein­gänge der Nachricht von dem Steglitzer Eisenbahnunglücke den Gouverneur und Kommandanten der Stadt, sowie den Vertreter deS Polizeipräsidenten an Ort und Stelle, um ihm zu berichten. Die Getöteten, zusammen 41 Personen, sind zur Recognitiou hierher gebracht worden. 30 der­selben wurden bereits recoguoSziert. Bis auf den Unter­offizier Scharfenberg vom 10. Fußartillerie-Regiment und den Unteroffizier Seidel vom sächsischen Artillerie-Regiment, sind sämtliche Opfer den hiesigen Bürgerkreisen angehörig. Eine Frau, welcher beide Beine abgefahren waren, ver­starb auf dem Transporte zum Krankenhause, nachdem sie vorher von einem Kinde entbunden worden war. Die

tröstend hinzu: .Morgen ist auch ein Tag und ich denke ihn nicht zu verlieren."

Am folgenden Tag fand er Emma gefaßter; sie äußerte, daß sie sich in ihr Los gefunden habe. „Ich bin die Braut des Toten von Sedan," sagte sie, „wie er treu zu Deutsch­land hielt, so ich zu ihm."

Die Eröffnung ließ Torgelew stutzen, er preßte die Lippen fest aufeinber, seine Stirn faltete sich. Sollte er umsonst den Ulanen getötet haben? Er beruhigte sich erst bei dem Gedanken, daß er Emmas Widerstand brechen werde. Er stellte also scheinbar seine Bewerbung ein und schien sich nur um Hellmuth zu kümmern. Bald hatte er sich diesen so geneigt gmacht, daß er zu ihm sagte: „Sie würden mir ein lieber Schwiegersohn sein."

Ein solches Wort wußte er auSzubeuteu, er begann jetzt einen so sorgsam angelegten Sturm auf das Herz der leidenschaftlich Geliebten, daß Emma endlich nachzugeben schien. „Wenn Paris fällt und die SiegeSsonne den Deut­schen lächelt," sprach sie, „bann wird es sich zeigen, ob ich mich der ewigen Trauer um meinen Verlobten weihe."

Neun Wochen nach der Schlacht von Sevan waren verstrichen, der Geburtstag Emmas war gekommen. Er sollte als ein patriotisches Fest gefeiert werden. Die Gäste waren versammelt, unter ihnen Torgelew im schwarzen Frack und weißer Kravatte. Am Morgen hatte Emma plötzlich geäußert, daß sie die Trauertracht oblegen wolle. Der Russe hatte das als ein gutes Zeichen angesehen. Aber nicht nur das dunkelnächtige Kleid war gefallen, Emma scherzte auch, als ob eine große Freude ihr wider- fahren sei, ein Glück, das sie kaum zu faffeu vermochte, daS sie berauschte.

er erinnere stch aus seiner Jugendzeit, daß damals die badische Regierung ihren Beitritt zum Zollverein in Kraft setzte und die Genehmigung deS Vertrages erst nachträglich vom Landtag verlangte. AIS stch Stimmen gegen dieses Verfahren erhoben, sagte der bekannte liberale Abgeordnete v. Rottek, obgleich er sonst zur Oppositionspartei gehörte, er müsse für die Regierung eintreten; denn daß die Re­gierung wegen eines Satzes in der Verfaffung dem Lande unheilbare Wunden schlagen solle, könne nur ein Thor ver­langen. In unserem Falle handelt eö stch nicht gerade um eine unheilbare Wunde, aber doch immerhin um eine große Wohlthat, und wer nicht absichtlich böse Absichten bet der Regierung annehmen will, der konnte nichts Böses darin finden — und deshalb, — wahrhaftig aber nicht auS Ge­ringschätzung der Verfaffung, wie die liberale VerdächtigungS- preffe unterschiebt — hätten wir gewünscht, die Regierung wäre, nachdem sie nun einmal den Vertrag vorbehaltlich der Genehmigung deS Reichstages in Kraft gesetzt hatte, auch dabei geblieben und hätte den Vertrag erst später bei Beginn der regelmäßigen Session dem Reichstage vorgelegt, namentlich hielten wir die Motivierung der Einberung mit dem Geschrei in der liberalen Presse für bedauerlich; denn daS wird sich diese Presse nicht zweimal sagen lasten, wo­durch ste ihre Erfolge erringen kann.— Die Beratung der Denkschrift der sächsischen Regierung über die Ausführung deS Sozialistengesetzes beschränkte sich auf die Abgabe einer Erklärung seitens der Sozialdemokraten, in welcher dieselben in bekannter Manier ihrer Genugthuung über das stetige Wachstum der Sozialdemokratie trotz Sozialistengesetz Aus­druck gaben. Mit dieser bemerkenswerten Erklärung schloß der Reichstag und es wurde bann noch bie Kaiserl. Botschaft verlesen, welche ihn für geschlosteu erklärte. (R.-B.)

Frankreich gereist.

Torgelew war ein guter Erzähler und Emma lauschte en Worten, die ihren Verlobten priesen, mit der Andacht trauernden Seele. Die vom Unglück Betroffene itete es nicht, daß er ihre Hand ergriff, daß er sie selbst

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Loremi ttbft deren Gratisbeilage i- SßienJ ’ »t. U feg, 15, 9Bat(

Torgelew verwünschte den Besuch, so freundlich bewegt sich den Arrschein gab.

. ..... Er mußte noch einmal erzählen, wo« er Emma schon 224 ' itgcteilt hatte. Der Russe vermochte seinen Mißmut nicht

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NordH. Auch für den Monat September nehmen alle Post- , galten Bestellungen auf die

tenitoi verschwunden, öajon am ©onnaoeno ’jcaajmtnag o ugr n Hiih iß der Reichstag wieder geschloffen worden, nachdem er sein itiat - Pensum durch eine Kraftanstrengung — eine Tages- und »hw dnt Nachtsitzung am Freitag, von morgens 10 Uhr bis lefeHni ich Mitternacht — erledigt hatte. So vieler Worte hätte ! , ji mnhrficb nickt bedurft: aber die fortickrittlicken -Ss>5nel8M

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Untersuchung über die Ursache des Unglücke« ist im vollen Gange. — Das Polizeipräsidium erläßt folgende Bekannt­machung : „Ein entsetzliches Unglück hat gestern in Steglitz den Tod von 39 Menschen durch Ueberfahren mittelst eines Eisen­bahnzuges herbeigesührt. Die noch nicht rekognoszierten Leichen sind hierher nach dem Anatomiegebäude gebracht und dort zum Zwecke der Rekognition ausgestellt worden." — Die „Nordd. Allg. Zig." weist darauf hin, daß liberale Blätter anläßlich der Ernennung de« Pfarrers Sniegon zum Weih­bischof des österreichischen Teil« der Breslauer Diözese behaupten, das Staatsintereste verlange die Trennung des österreichischen Gebietsteil« von der Bre-lauer unb de« preußischen Anteil« von der Prager und Olmützer Diözese. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, über die Vorteile dieser Veränderung laste stch diskutieren. Die jüngste Verletzung der Bulle de salute animarum seitens der Kurie lege den Gedanken nahe, die Abtrennung des österreichischen Teiles von dem preußischen Bistum Breslau in« Auge zu fasten. Bezüglich des Umstandes, daß das Vermögen be« Fürstbischofs von Breslau in Oesterreich liege und bei einer eventuellen Teilung dorthin gehen würde, bliebe unS die Frage zu erörtern, ob für den kirchlichen Frieden ein armer Bischof nützlicher fei oder ein reicher. — Der König- gliche Hof legte heute für den Grafen v. Chambord eine Trauer für 8 Tage an. — Der Bundesrat wird Dienstag oder Mittwoch eine Plenarsitzung halten, um stch mit den Beschlüsten des Reichstags zu beschäftigen. Dann werden die Plenarsitzungen auf längere Zeit anSfalleu.

Steglitz, 3 Sept. (Authentische weitere Nachricht.) Gestern abend gegen 10 Uhr fuhr ein vomPotSdam kommender Personenzug auf der Station ein, um die dort schon lange wartenden Personen nach Berlin zu befördern. Der Zug war noch nicht zum Stillstände gekommen, al« die Menge teilweife über die Barrieren sprang, teilweise die Barrieren selbst öffnete und den Zug von bet falschen Seite zu be­steigen versuchte. Die angestrengten Bemühungen und Warnungsrufe des BeamtenperfonalS waren vergeblich. In diesem Augenblicke brauste der von Berlin kommende Courierzug heran und durchschnitt den Menschenknäuel. 17 Männer, 18 Frauen und 4 Kinder wurden sofort ge­tötet; 5 Personen wurden verwundet. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle. Der Transport der Leichen nach Berlin erfolgt im Laufe de« Tage«. — Weitere Detail« über die Eisenbahn-Katastrophe sind noch nicht bekannt. Augenblicklich ist eine GerichtSkommisston mit deren Er­hebungen beschäftigt. Die Leichen befinden stch noch im Steglitzer Bahnhofe, wo ste von den Angehörigen rekog­nosziert werden. Wahrscheinlich dürften von den Ver­wundeten noch mehrere den erlittenen Verletzungen erliegen. Die Katastrophe ist zweifellos durch eigenmächtige« Oeffnen der Barriöre seitens de« Publikum« herbeigeführt worden. — Unter den ersten Eindrücken der Trauer, be« tiefsten Tiit«

„Was ist dem Kinde widerfahren?" fragte Hellmuth die Zofe, welche aber bie Schulter zuckte unb keinen Auf­schluß geben konnte.

Emmas Ausgelassenheit fand kein Echo in bem Herzen des alten Rautenberg, als er an dem Festtage erschien. „Hast Du Karl gänzlich vergeffen?" äußerte endlich sein tadelnder Mund.

Torgelew hatte daS Wort vernommm, da er sich wäh­rend deS Abends in der Nähe Emmas aufhiÄt. „Darf stch jemand wundern," lautete feine Antwort, „daß ein junge« Mädchen stch nicht fort unb fort der trauer hin- giebt ?"

Vater Rautenberg war dadurch nur noch mehr beleidigt; er wollte stch entfernen, da faßte Emma feine Hand unb bat ibn mit leiser bebender Stimme zu bleiben. Sie dürfe noch nicht reden, er werde aber bald alle« erklärt finden. Nur Geduld solle er haben.

Da« bestimmte ihn zu bleiben.

Endlich war eS Zeit zur Tafel zu gehen.

„Wer wird an Ihrer Seite sitzen?" fragte torgelew.

„Mein Bräutigam," lautete ihre Antwort.

Er küßte ihre Hand und ergriff diese sodann, um Emma zur Tafel zu führen. Da wurde er zurückgestoßeu; mit blitzenden Augen stand Karl Rautenberg vor ihm. Eunna hatte ihren Arm um den deutschen Krieger geschlagen.

„Narrt mich ein Gespenst?!" schrie der Russe unb taumelte zurück.

„Kein Gespenst, wenn Deine Äugel auch meine Brust durchbohrte, Schurke! tönte e« von den Lippen de« noch blühenden Offtjier«, auf dessen Brust stch da« eiserne Kreuz befand.