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Marburg, Dienstag, 4. September 1883.

XVffl. JahlMg.

durch einen mit der Republik Spanien abgeschlossenen besseren Vertrag abgelöst werden dürfte. (Heiterkeit.) Man solle darüber nicht lachen, in Spanien habe man auch ge­lacht, lache aber heute nicht mehr, und es werde noch besser kommen.

Abg. v. Kar dorff dankt dem Reichskanzler unter dem lebhaften Beifalle eines großen Teils deS Hauses, daß er sowohl die Wirtschaftspolitik von 1879 inauguriert, als auch wieder in diesem Vertrage die wirtschaftlichen Interessen gefördert habe.

Abg. v. Minnigerode konstatiert, die Ablehnung der Sozialdemokraten beweise, daß sie die Arbeiterinteresien in Wahrheit nicht vertreten, da diese gerade durch den Vertrag in dankenswerter Weise gewahrt seien. Unverständlich sei ihm auch, wie gerade Dr. Bamberger an diesem Handels­verträge Kritik üben könne. Gerade auf dem Boden der Handelsverträge habe doch die Politik Delbrück Schiffbruch gelitten wegen ihres Mangels an festen Tarifen.

Abg. Rittinghaufen erklärt entgegen der Aeußerung des Abg. v. Vollmar, daß er für den Vertrag stimmen werde.

Abg. Richter (Hagen) erklärt die Auffaffung von Vollmar für vollkommen verfehlt, denn gerade im Jntereffe der Arbeiter müffe nachträglich der Handelsvertrag geneh­migt werden. Ob die spanische Republik mehr von uns kaufen würde, als jetzt das königliche Spanten, sei doch mindestens noch zweifelhaft. Früher hätte Herr v. Kardorff als Verherrlicher des Reichskanzlers nicht nötig gehabt, auf das Urteil der Neuwahl sich zu berufen, wie es seine wirt­schaftspolitischen Freunde jetzt thäten, darin, worin der Reichskanzler wirklich groß gewesen, habe er stets An­erkennung gefunden. Die ganze Wirtschaftspolitik sei nur eineSchnapspolitik*. (Große Heiterkeit und lebhafter ironischer Beifall von rechts.) Erst kämen die SchnapS- brennerei-Jntereffen, und darnach richte es sich, ob eS Frei­handel oder Schutzzoll gäbe. Auch die Eisenbahntarif-Politik werde durch die SpiütuSbrennerei - Jntereffen beeinflußt, auch darin kämpfe man gegen die Hamburger Rekttfikateure.

Abg. Sonnemann erklärt namens der Volkspartei, für den Vertrag, aber gegen jede Indemnität stimmen zu wollen.

Staatssekretär v. B ö t t i ch e r bittet, prinzipaliter an dem Anträge der nachträglichen Genehmigung, wie er von der Regierung gestellt sei, festzuhalten, glaubt aber, daß even­tuell der BundeSrat auch in der Form eines besonderen Gesetzes der Jndemnitätsabteilung zustimmen werde.

Nach einer die Wirtschaftspolitik im allgemeinen ver­urteilenden längeren Auslassung deS Abg.Richter-Hagen konstatiert Abg. v. Kardorff, daß die Fortschrittspartei und die Sozialdemokratie auch heute wieder darin einig seien, jede Indemnität zu verweigern. Auch sei nützlich, vor dem Lande das SchlagwortSchnapspolitik* in dem Sinne, wie Abg. Richter es gebraucht, festzunageln, damit

Zufuhr dem eigenen Heere zu ermöglichen, als dieselbe dem Feinde abzuschneiden, die Verbindung herzustellen oder zu unterbrechen und den geschlagenen Gegner zu verfolgen, den vorrückenden zu umschwärmen und zu beunruhigen. Diese große Aufgabe der Reiterei, und zwar der leichteren ins­besondere, hatte Karl begriffen und sich also rühmlichst ausgezeichnet. Der Lohn ließ nicht warten; auS dem Unteroffizier war Än Leutnant geworden, von besten Ver­schlagenheit und anerkannten Tapferkeit manche Anekdote im Umlauf war. Ja, ein Preuße polnischer Zunge be­hauptete, sein Leutnant habe die schwarze Kunst erlernt, er sei hieb- und kugelfest.

Ich hab'« gesehen,' erzählte er,wie Leutnant Rauten- bcrg auf die Chasseur« eingesprengt ist, die unS im Sack zu haben meinten, und auf sie einhieb, als wäre sein Schwert ein lebendiger Blitzstrahl.Hoho,* hörte ich plötzlich einen der Herrn Feinde auSrufen,willst Du mir entgehen?* DaS sagte er aber im reinsten Russisch, und dabei legte er seinen Karabiner an. Ich schloß die Augen, denn ich meinte meinen Leutnant im nächsten Moment er­schossen zu sehen. Der Schuß fiel. Ich öffnete die Augen; aber mein Leutnant saß noch zu Pferde und sprengte gegen den französischen Rusten an. Den packt Entsetzen und mit ihm seine Eskadron. Wir hinterdrein! Aber der Leutnant holte den Feind nicht ein, denn der hatte kein abgetriebenes Pferd wie wir. Dreimal schoß der russische Franzose hinter sich, und nicht eine Kugel traf. Ist daS möglich, ohne daß man einen Talisman bei sich trägt oder fest ist?*

Die Ansichten, welche der Posener aussprach, sollten sich am Sedantage nicht bewahrheiten. Bei einem Zu­sammentreffen mit Chausseur dAfrique hatte ein Offizier

daS Land sehe, waS eS von der Fortschrittspartei zu er­warten habe, denn gerade im Gegenteil sei die Sprittndustrie bisher ungleich mehr belastet gewesen als jede andere.

Abg. Dr. Meyer (Jena) empfiehlt nochmals den An­trag, die Indemnität in Gesetzform auSzusprrchrn. Abg. Freiherr v. M a ltzahn erklärt, nachdem der Vertreter der verbündeten Regierungen den Antrag auf Indemnität«- Erteilung durch Gesetz für acceptabel erklärt hätte, würden seine Freunde für jenen Antrag stimmen. Zum Worte ge­langen nochmals die Abgg. Dr.Windthorst und Rich­ter (Hagen). Dann wird die Generaldiskusston geschloffen und in die Spezialdebatte eingetreten. Ohne Diskussion werden die Artikel 18 bewilligt nebst den bezüglichen Stellen des Schlußprotokolls.

Zu Artikel 9 hat Abg. Dr. Meyer (Halle) beantragt: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, in der nächsten ®tf« ston eine Vorlage, betreffend die Ermäßigung dr« Zolle« auf Kakao in Bohnen, zu machen, und empfiehll diesen Antrag, dem der Staatssekretär de« ReichSschatzamt« v. Durchard, entgegentritt, da, fall« dir Chokoladen- Jndustrie wirklich Schaden leiden sollte, man feiten« der verbündeten Regierungen nicht anstehen werde, Abhülfr zu suchen, Dann wird auch Artikel 9, da« dazu gehörige Schlußprotokoll (Spritklausel), sowie der Rest de« Vertrage« ohne weitere Diskussion angenommen. Von den einge­brachten Resolutionen wird nur die soeben mitgeteilte dr« Abg. Meyer (Halle) angenommen, die auf die Korinthen« und Rostnenzölle bezüglichen Petittonen werden dem Rrtch«- kanzler zur Erwägung überwiesen.

Damit ist der spanische Handelsvertrag drfinittv ge­nehmigt.

Die Fischereikonvention und da« dazu gehörige Gesetz werden ohne Diskussion ebenfalls destnittv genehmigt.

DaS gestern in zweiter Lesung auf Antrag de« Abg. v. Kardorff angenommene Gesetz lautete:Durch Kaiser!. Verordnung nach erfolgter Zustimmung de« BundeSrat« kann angeordnet werden, daß die Zollermäßigungen, welche in dem Tarif A zu dem Handels- und SchiffahrtSvertrage zwischen dem Deutschen Reiche und Italien vom 4. Mai 1883 Reichs-Gesetzblatt, Seite 109 und in dem Tarif A. zu dem Handels- und SchiffahrtSvertrage zwischen dem Deutschen Reiche und Spanien vom 12. Juli 1883 enthalten sind, auch solchen Staaten gegenüber Anwendung finden, welche einen vertragsmäßigen Anspruch auf diese Ermäßigungen nicht haben.'

Dazu beantragten dieAbgg.Dr. Braun, Dr. Meyesr (Jena) und Wölfel als § 1 dem Gesetzentwurf einzu­fügen :Dem Reichskanzler wird für die durch die in der Anlage abgedruckte Bekanntmachung vom 9. August 1883 erfolgten Anordnungen von Zollermäßigungen Indemnität erteilt.'

Abg. Barth beantragt, auch ohne Verordnung diese

derselben Karl Rautenberg in einen Hinterhatt zu locken gewußt. Der Deutsche verteidigte sich mit Heldenmut und streckte zwei Feinde zu Boden. Da traf ihn die Kugel des feindlichen Offiziers. Er schwankte und sank zur Erde nieder. Der Chaffeuroffiizer beugte sich über ihn, zog ihm die Brieftasche aus der Brusttasche und den Verlobung«- ring Emmas vom Finger.

Das wird mir dienen,* murmelte er auf russisch. Dann schwang er sich auf das Pferd und sprengte von dannen.

Tine Woche später stellte sich Torgelow in Hell­muths Hause wieder ein. Er war der Ueberbringer einer Nachricht, welche in die Kaufmannsfamilie tiefen Schmerz hineintrug. Er erzählte, daß er das preußische Heer begleitet und in der letzten Zeit mit Karl Rautenberg eine herzliche Freundschaft geschloffen habe, so daß er ihn in die Schlacht von Sedan begleitet habe.

Er war ein herrlicher Mann,* fuhr er fort;aber sein jugendliche« Feuer, sein Heldenmut brachten ihm einen zu frühen Tod; in meinen Armen hauchte er fein Leben au«, mir noch den Auftrag hinterlaffend, seine Brieftasche und diesen Ring seiner Braut zu überbringen.* Bei den Worten stellte er sich, als ob er die Augen trockne. Dann legte er die beiden Gegenstände in die Hände Emmas, welche in Thränen zerfloß.

Auch Hellmuth war tief ergriffen; die große Zett hatte manche Gereiztheit schwinden lasten und auch zwischen ihm und Rautenberg war der Zwist begraben worden. Er eilte selbst zu Karls Vater, um ihm die Brieftasche des ge­fallenen Sohnes zu überbringen, das Andenken an den jungen Helden. (Schluß folgt.)

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Reichstag.

Berlin, den 1. September.

Die 5. Sitzung deS Reichstages wurde heute vom Msidenten v. Levetzow gegen 11 Vr Uhr eröffnet. Der- Me machte Mitteilung über die für die Ueberschwemmten gegangenen Beträge, erbat die Genehmigung, auch diesen Wern den Dank deS Hauses aussprechen zu dürfen, inb konstatiert, wie groß die Hilfe gewesen, welche durch

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Gedenkblatt an Sedan von Wilhelm Brothe.

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Auch für den Monat September nehmen alle Post- »alten Bestellungen auf die Oberhesfische Zeitung deren Gratisbeilage

Illustrierte- SouutagSblatt

Karl Rautenberg war ein würdiger Sohn seines Vater- . tüf Kades und hatte bald seinen jugendlichen Mut in dem ge- daltigen Riesenkampfe bewährt. Hoch zu Roß, die Lanze st» der Hand, gehörte er zu jener Waffe, die der Franz- dann besonders fürchtete, und zwar weniger, well der Man

Newiff«...... . . ......

ate, eli diese und andere freiwillige Gaben den Beschädigten geworden lgen, i (ei. Ferner teilt der Präsident mit, daß zu dem auf der aindust«

anietgen nimmt entgegen: die Expedition d. Mattes, sowie d.Annoncen-Burea«r von @. 2. Daube u. 6e. in

(Fortsetzung statt Schluß.)

r"nIch habe nichts einzuwenden, Herr Torgelew,* er-

1 h J Äderte Hellmuth;in derlei Sachen jedoch ist die Ein- * * ^vischung des Vaters nur in den äußersten Fällen wünschen«- »etl Versuchen Sie selbst Ihr Heil bei meiner Tochter.* Torgelew verneigte sich al« Zeichen der Beistimmung tob brachte seinen Antrag bei Emma vor, indem et hin- Msügte, daß ihr Vater ihn zu der Werbung ermuntert Kbe. Einen Augenblick stand die Jungfrau betroffen, tonn erwiderte sie ausweichend, daß sie ein Gelübde ab-

Zpritirage nicht zu einer Patriotismusprobe machen.

Abg. v. Vollmar erklärt namen« der Sozialdemokraten, sieselben würden, um sich nicht zu Mitschuldigen eine« Spiels zu machen, welches von der Regierung mit dem Reichstage getrieben sei, sich gegen den Vertrag und gegen die Indemnität erklären, schon deshalb, damit die Regierung __eine Lektion erhalte. UebrigenS hoffe er, der Vertrag werde ttCllß zu £°n9e *n Geltung bleiben, da er doch wohl bald

Ll(1(n nimmt entgegen: P%r»ebitwn d. Blatte«, k«ied.Änno»cen.Bureaul I Dietrich u. Co. in

« und Hannover; Th.

Unch?" Frankfurt a.M.; Eisenstein u. Vogler in Hurt a. M-, Berlin, Ä Köln 2C-; Rudolf W w Berlin, Frank. S*" fort a. M- rc.

.nuten I«Das ist eine Ablehnung, Sie verwerfen meine Be- 'i Ärbung,' rief Torgelew, und au« seinen Augen flammte to unheimlich auf, während die Falten auf seiner Sttrn ton Schmerz und verwundetem Stolze zu sprechen schienen. Dann entfernte er sich rasch. Er hatte bald in Erfahrung iebracht, weshalb Emma ihn verworfen hatte.

Du sollst mir den Schimpf bezahlen,* murrte er Stifter in sich hinein:Mit deinem Tode wird sie frei, «hne welche ich mir mein künftiges Seien gar nicht denken

srkteint täglich außer an den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da« Quattal mit der wSchentlichen BeilageJllnstrirleS GormMgSblatt" durch die fcpebitton (Ä o ch'sche Buchdruckerri) bezogen 2Vt Start, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 2 Mart 50 Pf«, (excl- Bestellgebühr.) - JnserttonSg-bühr für dte gespaltene Seile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. ____________________

Tagesordnung befindlichen Anträge v. Kardorff ein Zu- (atzantrag eingelaufen sei, welcher formell die Indemnität für den Reichskanzler, bezüglich der Verordnung vom z. August, auöfpricht.

Das HauS tritt sodann in die dritte Beratung deS »rutsch-spanischen Handelsvertrages ein. In der General« t ameril Mussten erhält zunächst daS Wort der Abg. Grad. Er »ünscht die Regierung möge fortfahren, daS Mißtrauen in ihre Handelspolitik aus der Welt zu schaffen, indem sie der deutschen Industrie günstige Konventionaltarife vereinbare. Abg. Dr. Bamberger, welcher in der gestrigen Abend- n und ji sitzung in eine Meinungsverschiedenheit mit dem Abg. Richter ir Ank« geraten war, protestiert nochmals gegen die Auslegung, Nähms Me der Abg. Richter seiner Zustimmung zu dem Anträge ».Kardorff gegeben, und erklärt, nach wie vor einen Zu­satz zu jenem Anträge vorzuziehen, der die nachträgliche und $ Genehmigung der im Anträge Kardorff vorgesehenen kaiser- - [«Den Verordnungen einfügt; sei jedoch eine solche Ver- Störung nicht durchzusetzen, so werde er auch so wieder M» fit den Antrag stimmen. In längerer Auseinandersetzung HM erklärt sich Redner dann sowohl gegen Protektion deS V| rassischen als solche deS inländischen Sprits, beiderseitig HB leite man sich vor Uebertreibungen hüten, namentlich die

rtfntt 18Cflen. Neubestellungen in hiesiger Stadt können beider nnterreichneten oder bei unseren Trägerinnen gemacht werden. Expedition der Oberhess. Ztg.