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Nlarburg, Sonntag, 2. September 1883.

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Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung dafekbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendani in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: S Schlotte in Bremen.

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Srfcheint täglich außer an den Werktaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen Bellage „JllnstrirteS Sormttrgttlatt durch di, Expedition tK o ch schc Buch druck er ei) bezogen SV. «tert, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) -^JnserttonSgebühr für du gespaltene Zelle 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden L5 Pfg. berechnet-

Auch für den Monat September nehmen alle Post- gnstaltcn Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

„ebft deren Gratisbeilage

JllrrstrittteS Tonutagsblatt

entgegen. Neubestellungen in hiesiger Stadt können bei der Unterzeichneten oder bei unseren Trägerinnen gemacht werden. Expedition der Oberhess. Ztg.

Zum Sedautag.

Wieder ist der Tag genaht, an dem wir das Gedächtnis jener Ruhmeöfchlacht alljährlich begehen, in welcher deutsche Tapferkeit den glorreichsten Sieg des Jahrhunderts an ihre Fahnen knüpfte, den Sieg, welcher in seinen Folgen be­deutender war als die Leipziger Völkerschlacht. Bei Leipzig befreiten sich die Völker Europas von der Zwtngherrschaft des stolzen Emporkömmlings, doch der Steg ward von allen errungen und allen fielen seine Vorteile zu. Bei Sedan war es allein die geeinte deutsche Macht, die unter König Wilhelms Heldenführung den Thron deS französischen CäsarS stürzte, und aus seinen Trümmern entstand das neue deutsche Kaiserreich, daS Reich, nach dem unsere Väter fich schon gesehnt, kein wesenloses, schattenhaftes Gewirr von Staaten, ein starkes, kräftiges Reich, daS seinen Platz zu finden gewußt hat in der Reihe der Großmächte. Viel teueres Wut floß damals in den Sand, doch herrlich war auch der Preis, der das große Werk endlich krönte, und den kein fremder Neid verkümmerte: daS deutsche Kaiserreich.

Dreizehn Jahre sind seit jenem Tage verflofien, seitdem Napoleon III. seinen selten für Wahrheit und Recht ge- sührten Degen in die Hände unseres Kaisers niederlegte, dreizehn Jahre, die nicht immer gleiche Freude, gleiche herz­erhebende Ereignisse gebracht. Schwere Sorgen — wir brauchen sie nicht namhaft zu machen einzeln — haben auch das deutsche Volk heimgesucht, aber sie haben den stolzen, gewaltigen Bau, der 1870/71 errichtet, in seinen Grund­festen nicht erschüttern können. Hoch und hehr ragt das deutsche Kaiserreich über alle anderen Reiche hinaus, es ist — eine neue Belohnung für die Aufopferung im großen Kriege — zur ersten Macht der Welt geworden. Mit gerechtem Stolze mag uns daS erfüllen, aber fern bleibe uns der Uebermutl Zur Genüge hat eS fich in dem letzten Dezennium herauS- gestellt, das die Zahl ter Feinde, welche des Reiches Herrlich­keit beneiden, nicht gering ist, und selbst die letzten Tage noch haben gelehrt, daß Deutschland stets auf seiner Hut sein muß. Einen treuen Freund hat eS jedoch in Oester­reich gewonnen und fest hält jetzt daö BüneniS der beiden Kaiserreiche den Frieden Europas in Händen, bereit aber auch zur Wahrung des Rechts und der Ehre, wo diese auf freche Weise angegriffen werden.

Ein festes, einiges Band schlang der große Tag von Sedan im Jahre 1870 um alle deutschen Stämme. Gleiche Tapferkeit, gleicher SiegeSruhm knüpfte mit unwidersteh­licher Kraft alle Herzen fester und fester, und ein Jubelrus begrüßte den ersten Kaiser deS neuen, verjüngten deutschen Reiches aus dem Hohenzollerngeschlecht. Alle sind wir einig in der Liebe und Verehrung zu Kaiser und Reich, nur der ist kein deutscher Mann mehr, der auch diese in das alltägliche Leben herabziehen will. Wacker hat sich das Reich bewährt und wer weiß, was auS uns jetzt geworden, wenn nicht der blutige Kitt von 1870/71 alle Staaten Deutschlands verbunden. Wir hätten alle diese Uneinigkeit teuer bezahlt. Und an der Spitze des Reichs steht unser greiser Kaiser, das Bild eines echten deutschen Mannes voll treuer Pflichterfüllung in steter Fürsorge für sein Volk. DaS ist eS, was auch heute noch in den Partei­streitigkeiten und besonders am Sedantage die hemmenden Schranken Niederreißen muß, denn vor Allem sind wir an diesem Tage Deutsche, Bürger des einigen deutschen Reiches und treue Diener unseres Kaisers, nicht Mitglieder einer Partei. Wir dürfen uns sonst nicht darüber täuschen, nicht so schnell wird eS gelingen, die innere Einigkeit voll und unbegrenzt herzustellen, verschieden sind die Ansichten der Menschen und stets werden sie es bleiben. Aber die Schroffheit deS politischen Kampfes kann sich mildern und fie wird und muß fich mildern, wenn die Mitglieder der einen Partei in denen der andern nicht nur politische Gegner, sondern auch Mitbürger, Bürger einer, der deutschen Nation sehen.

Und so feiern wir denn wieder den Sedantag in weihe­vollem Hochgefühl und gerechtem Stolze auf daö, waö der 2. September geschaffen, in fester Zuversicht auf ein ferneres, glückliches Gedeihen unseres deutschen Vaterlandes. Woran uns aber der Sedantag mahnt, das zeigt uns bald sichtbar die hohe Gestalt der Germania auf dem Niederwald am Rhein, die am 28. September in Gegenwart des deutschen Kaisers und der Fürsten des Reiches enthüllt werden soll, stets und ständig dem Vaterlande ein Schutz und Schirm zu sein, und wenn cö einmal gelten sollte, Deutschlands Ehre zu vertheivigcn, hinauszuziehen gegen den Feind „Mit Gott für Kaiser und Reich".

An einem ferneren Sedan wird es dann niemals fehlen, denn deutsche Tapferkeit, deutsches Recht, deutsche Treue find unbesiegbar! ________

Reichstag.

Berlin, den 31. August.

Die 3. Sitzung des Reichstags wurde heute um lll/2 Uhr durch den Präsidenten v. Levetzow eröffnet. Vom Reichskanzler ist ein Schreiben eingelaufen, welches mitteilt, daß vom Grotzherzog von Baden dessen Gesandter am Berliner Hofe Freiherr von Marschall zum Bevoll­

mächtigten zum Bundeörate ernannt und daß der bisherige Bevollmächtigte Freiherr v. Türckheim aus dem Bundesrate geschieden sei. Ein ferneres Schreiben deS Reichskanzlers teilt mit, daß in der Untersuchungssache gegen die RetchS- tagSabgeordnetcn Geiser und Frohme, betreffend den Miß­brauch der Eisenbahnfreifahrtkarten der ReichStagSmitglieder, von feiten des Landgerichts zu Frankfurt a. M. ein frei« sprechendes Erkenntnis ergangen sei.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Inter­pellation Rickert: An den Herrn Reichskanzler erlauben sich die Unterzeichneten die Anfragen zu richten: 1. hat der Herr Reichskanzler Kenntnis von der durch die preußischen Behörden herbeigeführten Hinausschiebung der Nachwahl und insbesondere von der Aufhebung des bereits angesetzten Wahltermins? 2. bejahenden Falles, ist der Herr Reichs­kanzler einverstanden mit der Auslegung des Herrn preu« ßifchen Ministers des Innern und, wenn nicht, welche Maßregeln wird er ergreifen, um einer Wiederholung einer solchen Auslegung deS Wahlreglements vorzubeugen?

Dieselbe ist von Mitgliedern der Sezesstonisten, Fort­schritts- und Reichspartri unterzeichnet. Nachdem der Staats­sekretär im Reichsamte des Innern, v. Bötticher, er­klärt, er sei bereit, die Interpellation sogleich zu beantworten, sucht der Interpellant Rickert dieselbe zu begründen. Er erzählt die bekannten Vorgänge im Wahlkreise Torgau- Ltebenwerda und reproduziert die auS der liberalen Preffe bereits ebenfalls bekannten Anschuldigungen in dieser Sache gegen den preußischen Minister des Innern — der als Kommissar des Bundesrates am Tische desselben anwesend ist —, den Präsidenten der Regierung zu Merseburg, die Konservativen und die regierungsfreundliche Preffe.

Staatssekretär v. Bötticher will sich durch die Stirn« mutig, in welcher Abg. Rickert seine Anklagen vorgebracht, nicht verleiten laffen, in ähnlichen Ton zu fallen, glaubt doch aber darauf aufmerksam machen zu sollen, daß durch solche Invektiven die sachliche Behandlung der Geschäfte deS Hauses leiden muffe. Die Beschwerde richte sich allerdings gegen eine Maßregel der preußischen Regierung, doch lehne die Reichsregierung, soweit sie die loyale Erfüllung der Reichögesetze zu überwachen habe, nicht ab, ihre Stellung­nahme klar zu legen. Der Präsident des HauseS habe am 15. Februar die Ungültigkeitserklärung der fraglichen Wahl der Reichsregierung angezeigt; am 24. Februar sei der königlich preußischen Regierung davon Mitteilung gemacht und zur Anordnung der Wahl aufgefordert, diese Auf­forderung sei am 24. April erneuert, darauf sei vom Minister deS Innern am 4. Juni mitgeteilt, daß auf den 5. Juli der Wahltermin anberaumt sei. Am 5. Juli sei dann aber Mitteilung etngetroffen von der Aufhebung deS Wahltermins, und jetzt kürzlich sei die erneute Ansetzung auf den 5. Sep­tember berichtet. In den Kreisen der RetchSregternng sei, nachdem die Aufhebung des Wahltermins dort bekannt ge-

Gt. Michaels Schlacht.

Nach dem bekannten Gemälde von Kaulbach.

Das war am Tage von Sedan, Da fuhr wie Wetterftrahl St. Michel von deS Herren Thron Zum schlachtendunklen Thal.

Bach flammten auf der Demantschild, es Himmels Rachestahl

DeS Heil'gen göttlich Augenpaar - Hell ward'S im düstern Thal.

Den Schild, den stellte schirmend auf Er vor Alldeutschlands Heer;

AIS säh' er der Medusa Haupt, Warf hin der Feind die Wehr.

Hoch lohte auf deS Heil'gen Fuß

Als er ihn niedettrat;

In Flammenschrift schrieb da der Herr: „So räch' ich böse Thatl

Schaut, Völker, gläubig nach Sedan!

So halt' ich Strafgericht l

So streit' ich für dich, deutsches Soll!

Vergiß den Tag drum nicht." w CalaminUfc

(Nachdruck verboten.s

Der Ula«.

Gedenlblatt an Sedan von Wilhelm Grothe.

„Zum letzten Male: die Liebelei mit dem Burschen muß aufhören; ich leide sie ein- für allemal nicht. Du wirst ihm ausweichen, ihm den Standpunkt klar machen. Und damit Punktum! Verstanden? Du weißt jetzt meinen Willen, oder wir sind zu Ende."

„Aber Papa, ich bin doch mit Karl verlobt," wagte fie einzuwerfen.

Er stampfte mit dem Fuße den Boden. „Hat ein Endel sein Ring ist ihm zurückgegeben. Ich dem Sohne dieses Rautenberg, dieses heimtückisch rückhaltenden Schurken, meine Tochter opfern?! Nein und dreimal nein! Eher dem leibhaftigen Satanas und seiner Großmutter!"

Emma senkte das Köpfchen und entfernte sich seufzend.

Sie war die Verlobte ihres Jugendfreundes Karl Rautenberg gewesen, als plötzlich der Dämon „Unfriede" sich zwischen die beiden Väter gestellt hatte. Sie hatten sich um eine Lieferung bei der Regierung gleichzeitig und ohne daß einer vom andern gewußt hatte, beworben. Die Lieferung war Rautenberg zu teil geworden. Hellmuth, Emmas Vater, war darüber auf das äußerste empört. Er nannte das Vorgehen seines bisherigen Freundes hinterlistig, chne zu bedenken, daß er nicht anders gehandelt hatte. Vergebens suchen Emma und ihr Verlobter Karl zu ver­mitteln. Sie mußte ihm den Ring zurückschicken, und in der Zeitung stand am folgenden Tage:

„Die Verlobung meiner Tochter mit dem Kaufmanne Herrn Karl Rautenberg habe ich gestern aufgehoben.

I. A. F. Hellmuth, Fabrikant.

An demselben Tage hatten die Liebenden sich getroffen und Karl hatte Emma feierlich erklärt, daß er den Bruch als nicht geschehen ansche. Mit Thränen hatte sie sich an seine Brust geworfen, und es waren die Eide der Treue unter den jungen Leuten erneuert worden.

Seitdem waren einige Wochen vergangen. Man hinter- brachle Hellmuth, daß seine Tochter ihren Verlobten nicht aufgegeben hatte. „Unmöglich!" war sein Ausruf gewesen. Dann folgte die Szene, deren stürmischer AuSgang des SatanaS greise Ahnin gewesen war. Mochte Papa aber noch so bestimmt die Befehle für sein sonst so gehorsames

Töchterchen erlaffen, so stand es bei Emma doch unum­stößlich fest, dem Geliebten treu zu bleiben.

Da wirbelte eS durch Europa, daß der Friede ge­brochen und der empereur an der Seine dem preußischen Könige den Fehdehandschuh in unerhörter Frivolität hin» geschleudert habe.

„A Berlin!“ tönte es durch die französische Hauptstadt und der wüsteste Chauvinismus heulte: „Revanche pour Sadowa!“ Ruhig aber wie Ein Mann erhob sich Deutsch­land ; keiner, der zu dem bevorstehenden Kampfe aufgerufen wurde, wollte sich der heiligen Pflicht entziehen. Um Preu­ßens König sammelte sich nicht nur das Heer, welches vor vier Jahren einen SiegeSzug angetreten hatte, der den Neid des gallischen Volkes erregte, sondern die Stämme des gemeinsamen Vaterlandes von den Alpen bis zum Belt, von Kehl bis Memel. Es war nicht der furor teutonicus, aber das Gefühl für beleidigte Ehre, welches jede deutsche Brust dem Kampfe entgegenschwellen ließ.

Auch Karl Rautenberg folgte dem Ruf zu den Waffen, und Emma schied von ihm mit Thränen, aber auch mit dem Gefühle deS Stolzes, daS sie selbst vor dem Vater nicht verhehlte. Hellmuth faltete die Stirn, schwieg aber; denn ein Wort gegen den Krieger deS deutschen Reiches vermochte selbst sein verbiffener Unwille nicht zu äußern.

Um diese Zeit kam der Verwandte eines Geschäfts­freundes Hellmuths aus Rußland nach Berlin. Er sah Emma und die Lieblichkeit ihres Aeußern wie ihre ernste und freundliche Bestimmtheit trugen über den Slaven den Sieg davon. Seine Leidenschaft für das herrliche deutsche Mädchen schlug zu hellen Flammen empor. Er nahte sich dem Vater mit der Bitte um die Hand seiner Tochter.

(Schluß folgt)