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Marburg, Freitag, 31. August 1883.
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Vertrauen berechtigt, daß das unter den verbündeten Regierungen bestehende Einverständnis über die Behandlung des Vertrages auch bei allen Parteien im Reichstage vorhanden sein werde. Der unerwartete Umstand, daß nicht nur vereinzelte Stimmen, sondern die Organe weiter Kreise übereinstimmend gegen die Abweichung von dem Buchstaben der Verfassungsbestimmungen Klage erhoben und dem in anderen Verfassungsstaaten thatsächlich in Uebmig stehenden Prinzip eines JndemnitätsverfahrenS jede Anwendbarkeit auf die Reichsverfassung bestritten haben, hat Sr. Majestät dem Kaiser indessen den Anlaß gegeben, die der sofortigen Einberufung entgegenstehenden Bedenken zurücktreten zu lasten. Der Vertrag wird Ihnen unverzüglich mit dem Anträge zugehen, demselben, sowie der erwähnten vorläufigen Ermäßigung einzelner Zusätze, die verfastungsmäßige Zustimmung zu erteilen. Mit Allerhöchster Ermächtigung erkläre ich im Namen der verbündeten Regierungen den Reichstag für eröffnet.
Der Präsident des Reichstage« v. Levetzow brachte sodann auf Se. Majestät den Deutschen Kaiser ein Hoch aus, in welches der Reichstag begeistert dreimal einstimmte. Sodann eröffnete Präsident v. Levetzow auf Grund der Geschäftsordnung die erste Sitzung, berief zu Schriftführern die Abgg. Hermes, Graf Kleist-Schmenzin, Holtzmann und Dr. Porsch und teilte sodann mit, daß an Vorlagen bereits der Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Spanien, sowie die internationale Fischerei- konvention, mit einem auf dieselbe bezüglichen Gesetzentwürfe etngegangen seien. Sodann erfolgte der Namensaufruf. Derselbe ergab die Anwesenheit von 260 Mitgliedern, das Haus ist also beschlußfähig. Seit dem Schluste der vorigen Session sind neu- resp. wiedergewählt die Abgg. Bebel, Mahla, Schenck und Dr. Hänel. — Zur Geschäftsordnung nimmt der Abg. Dr. Windthorst das Wort und beantragt mit Rücksicht auf die voraussichtlich kurze Dauer der Session und den allgemeinen Wunsch, bald wieder nach Hause zu kommen, Präsidium und Büreau des Hauses durch Akklamation wiederzuwählen. (Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Abg. Richter- Hagen erklärt sich mit diesem Vorschläge einverstanden; es wird auf keiner Seite Wider- spruch erhoben und die AkklamationSwahl des alten BüreauS vollzogen; nur an Stelle deS Abg. Löwe tritt als Schriftführer der Abg. Eysold. — Der Präsident nimmt im Namen des BüreauS die Wiederwahl an und konstatiert, daß somit der Reichstag konstituiert sei und er Se. Majestät den Kaiser davon in Kenntnis setzen werde. Seit der letzten Session sind die Abgg. Stoll und Prof. Arnold verstorben; daö HauS erhebt sich von den Sitzen, um das Andenken der Verstorbenen zu ehren. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. Erste und eventuell zweite Lesung des spanischen Handelsvertrags. Schluß gegen 3 Uhr.
Gebüsch. ES war niemand darin. Auf dem Boden lag allerdings das herübergepaschte Paket; aber deutlich ver- shallten die Laufschritte eines fliehenden Menschen.
Altmärtische Dorfgeschichte von Hermann RobolSky.
(Schluß statt Fortsetzung.)
Auf einen Moment war aus den zerristenen Wolken Sternenlicht auf die Szene gefallen und hatte die Figur «kennbar erscheinen lasten. Berndt sah deutlich die ver- Afene Fuchsmütze. Er stand seinem berüchtigten Feinde
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Ohne Verzug schickte sich der eifrige Beamte zur Verfolgung des Frevlers an. Berndt war gut zu Füßen; näher und näher kam et seinem Gegner. Jetzt bog dieser au« dem Walde und eilte über eine Wiese dem „schwarzen Master" zu, da« hier die Grenze zwischen beiden König- reichen bildete.
Nur noch wenige Minuten, und die beiden feindlichen Männer mußten einander treffen. Da stürzte sich der hart bedrängte Schmuggler kopfüber in das unheimlich tiefe Gewässer. Hoch schlugen die Wellen empor, als sie den Körper des Verfolgten aufnahmen. Unter Anstrengung aller Kräfte suchte der Erwischte daS jenseitige Ufer zu gewinnen.
Wie Berndt ebenfalls den Bordt erreichte, sah er nur ein Paar Arme noch einmal verzweifelnd auS dem Master greifen. Dann war die ringende Gestalt in den Wellen verschwunden.
Das alles schloß daS Werk kaum einer Viertelstunde in sich. Des Schwimmens in hohem Grade kundig, entledigte sich der bestürzte Grenzaufseher flugö seiner Oberkleider und sprang ohne Umstände in die Flut. Verschiedene Male schon war er bis auf den Grund getaucht, ohne des Ertrunkenen habhaft zu werden. Jetzt ließ er sich am jenseitigen Weidengestrüpp in die Tiefe, und dort fand er wirklich den Gesuchten. —
Bald darauf kniete der Beamte neben dem leblos auf dem Grase liegenden Körper und öffnete behutsam Wams und Weste des Rätselhaften. Dann löste er bedächtig die merkwürdige Kappe vom triefenden Haupt des Paschers, um vielleicht aus den GestchtSzügen das „Wie, wo und wer" zu lösen und Wiederbelebungsversuche mit dem den Fluten Enttistenen anzustellen. —
Auch für den Monat September nehmen alle Post- Oberhesfische Zeitung to™ Illustrierte» Tourtagililatt
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„Halt!" klang es wie Donnergerastel in dreifachem kcho durch den öden Forst.
Der Pascher stutzte und zuckte jäh zusammen. Im nächsten Augenblick aber schon sprang » wie ein Reh in ba» Dickicht. Da knackte des Grenzers Buchse. Schnell drehte sich der Bedrohte herum, hob in Gedankenschnelle M Gewehr an die Schulter und schoß auf seinen Verfolger.
Das Echo war noch nicht verhallt, als auch schon des Beamten Gewehr die prompte Antwort gab.
Und nun war'S ringsum wieder so friedlich ruhig, al« l »Lre die schweigende Einsamkeit durch nicht« unterbrochen
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Berndt atmete tief auf. Die Kugel deS Schmugglers hatte seinen Hut durchlöchert. Es war ihm vorgekommen, 1 Die wenn ein glühend Stück Eisen über sein Haupt gelogen werde. Nur einen Zoll tiefer und er lag jetzt als ? toter Mann auf dem moosdurchwebten Rasen.
1 Schnell hatte der Erregte die Büchse beiseite geworfen,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. Co- in Frankfurt a. M; JSaerfche Buchhandlung oaselost; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendaut in
Berlin: W. Thiene» in Elberfeld: ». Schlotte in
Bremen-
C u ® ° v * 8 Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf«. berechnet-
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"ni Jj Segneten ober bei"unseren Trägerinnen gemacht werden, to intkrzeiw h,r nfterbefi. 2ta.
* .inen nimmt entgegen: «Äition d.BlatteS, ,r ! Ä^nnoncen-Bur-aux öfifl x? Dietrich u. Co. w
,4 und Hannover; Th. in Frankfurt a-M.;
AL 6Wvirt n. M-, rverlm, Ä^Köln ic-; Rudolf F in Berlin, Frank- furt 0- M re.
Deutsche« Reich. ♦
Berlin, 29. Aug. Die „Prov. - Corresp." schreibt: Der 2. September, der „Tag aller Deutschen", steht abermals vor der Thür. An dem warmen patriotischen Anteil, mit welchem die Erinnerung deS größten, unserem Volke jemals beschieden gewesenen kriegerischen Erfolge« gefeiert wird, hat die Länge de« inzwischen verflostenen Zeiträume« nichts zu ändern vermocht. Im Gegenteil hat jede« seitdem hinzugekommene FrievenSjahr da« Maß der Dankbarkeit erhöht, mit welchem wir auf den 2. September 1870 zurückblicken. Ist doch erst mit Hülfe de« an diese« Tage erfochtenen Siege« unsere nationale Einheit zu einer vollständigen gemacht und mit der Wiederherstellung de« Deutschen Reiches zugleich ein dauernder ehrenvoller Frieden«- zustand ermöglicht worden. Und dem Frieden, nicht der Erlangung kriegerischer RuhmeSkränze hatte e« gegolten, al« daS deutsche Volk im Sommer 1870 zum Schwerte griff, um sich da« Recht zu selbständiger Ordnung seiner häuslichen Angelegenheiten ein- für allemal zu sichern. DaS gnädige Geschick, daS damals über der Sache unfere« Volkeö gewaltet, ist derselben auch in der Folge erhallen geblieben. Wiederholt ist im Verlaufe der letzten 13 Jahre an die Thüren des Kriege» gepocht worden, wir aber haben uns des Friedens und seiner Segnungen ungestört erfreuen und die Arbeit weiterführen dürfen, die unS in großer Stunde überkommen war. Das Mißtrauen, von welchem die Schöpfungen des Jahres 1870 während der ersten Jahre ihres Bestandes umgeben waren, ist mehr und mehr gewichen, und an feine Stelle die Ueberzeugung getreten, daß die Sammlung der Kräfte der deutschen Nation keine Bedrohung, sondern eine neue, kräftige FriedenSbürgschast für die übrigen Staaten des Weltteils und für die bestehende Ordnung bildet. Mit den Regierungen aller europäischen Mächte ist die Regierung des Deutschen Reiches in freundschaftlichem Einvernehmen geblieben, und Verdächtigungen ihrer Redlichkeit werden nur noch da vernommen, wo man die bestehenden politischen Zustände al» solche anfeindet. Wo da« Gestern so klar und offen liegt wie bei uns, die wir in der Arbeit am heimischen Herde volle Genüge finden und keine der benachbarten Nationen um ihren Besitz zu beneiden brauchen, da ist eS nicht ver« meffen, wenn ein M o r g e n gehofft wird, „da« nicht minder günstig sei". Von den Wunden, welche die Kriege unb Umwälzungen der letzten Jahrzehnte ihren TeUnehmern geschlagen hatten, sind viele rascher vernarbt, al« gehofft werden durfte. Jede« inzwischen verfloffene Jahr hat zu solcher Heilung und Ausgleichung an seinem Teile beigetragen, jedes die Hoffnung befestigt, daß die Zeit ihr versöhnendes Werk fort und fort treiben werde. — Daran festzuhalten, wird unS auch künftig gegönnt sein, denn vor den Gefahren einer Erschlaffung durch die Ruhe glauben wir uns gesichert. Auf allen Gebieten ist die Be-
„ Merkwürdig I" murmelte der zum barmherzigen Samariter Gewordene, als er ben dicht zugeknöpften Rock seines Gefangenen geöffnet; „wenn ich nicht wüßte, daß der berüchtigte Schmuggler vor mir läge, sollte ich fast meinen, ich hätte ein Weibsbild au« dem Waffer gezogen."
„Und doch ist's fol" setzte er hastig hinzu, nachdem er die allbekannte Mütze entfernt.
Schwarzes üppige« Haar entquoll der weiten Kappe und fiel, durch das Waffer flechtenartig zusammengehalten, in langen Streifen über das totenbleiche Antlitz.
„Herr Gott, was ist daS? WaS sehe ich? — Weh mir Unglücklichen!" entrang es sich des Manne« Brust in furchtbarer Aufregung. „Unmöglich!" Er beugte sich tief zu dem Körper hernieder, als zweifle er an der Zuverlässigkeit seiner Augen. „Laß Himmel, mich diesmal geirrt haben! — Und doch, sie ist'S! Ja, sie ist'«' kreischte er in unsäglichem Schmerze auf und barg sein Anllitz in den Händen der schönen Gestalt.
Und alle Zweifel schwanden. Vor ihm lag steif und kalt, ohne irdend ein Lebenszeichen, Amelie, seine erste und einzige Liebe. — Sie war — welch seltsam Rätsel 1 — der verrufene GrenzfuchS gewesen, der monatelang die Beamten in Aufregung und Schrecken versetzt.
Jetzt hatte sie die Nemesis erreicht, und ihr eigener Anbeter wurde der Urheber ihres frühen Tode«.
Nicht schnöde Sucht nach Gewinnn trieb die Fremde zu dem verbotenen Paschen. Der unbändigste Hang nach Abenteuern und ein unbesiegbarer Drang, die „dummen PrusstenS", wie sie im Hohn ihrer Mutter gegenüber die Grenzbeamten nannte, an der Nase herumzufahren, hatten die Uebermüttge auf die abschüssige Bahn geleitet. Zn Berndt fühlte die Französin, obwohl er ihre Sprache redete,
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Berlin, ben 29. August.
Der Reichstag ist heute durch den Staatsminister Bötticher mit folgender Rede eröffnet worden: Geehrte Lrtn| Se. Majestät der Kaiser haben den Reichstag zu , - Lfen geruht, um Ihnen den mit der königlich spanischen taPe H ®Mittung vereinbarten Handels- und Schiffahrtsvertrag zur en‘ I MfassmigSmäßigen Beschlußfassung vorzulegen. Eine Emt- JTT.; Ja beider Regierungen Über diesen Vertrag ist erst nach ie Revi »m Schluffe der letzten ReichStagSsesston zu stände ge- fcer fo lommen. Daß der Abschluß sich so lange verzögerte, be- M aus Hindernissen, deren Beseitigung erst infolge längerer «id schwieriger diplomatischer Verhandlungen gelang. AuS Mm Vertrage ergeben sich für die deutsche Einfuhr nach Spanien wichtige Zollermäßigungen, und feiten« der be- Maten deutschen Industrie wurde der dringliche Wunsch ltgegeben, daß diese Zollerleichterungen alsbald in Kraft Inten möchten. In voller Würdigung der hierbei in Bedacht kommenden wirtschaftlichen Jntereffen haben die ver- toeten Regierungen es sich angelegen fein lasten, den zweck- _ Wgsten Weg zu finden, um diesem Wunsche zu entsprechen. W [ §je hab^ sich dabei zu der Austastung geeinigt, daß auf Grund diplomatischer Verständigung zwischen den beiden B-ltragsmächten eine vorläufige Inkraftsetzung _ber vereinten Zollermäßigungen unter Vorbehalt bet für die definitive Gültigkeit deS Vertrages erforderlichen Zustimmung MS Bundesrats und des Reichstag« zu geschehen habe, und daß für die darin liegende Abweichung von den Bestim- nungen der Verfassung der Indemnität bei den gesetz senden Körpern demnächst nachzusuchen sein wird. Die nachträgliche Zustimmung de« Reichstage« sovalv al« thun- Ich herbeizuführen, wurde dabei von vornherein um so «ehr in« Auge gefaßt, al« kein Zweifel darüber bestand, daß für die beteiligten Kreise die volle Gewißheit über die Gliche Geltung deS Vertrages im Interesse der Sicherheit ihrer geschäftlichen Dispositionen von hohem Werte fd. Gleichwohl stand der sofortigen Berufung der ReichS- toetung die durch die Jahreszeit bedingte Rücksicht auf He persönliche Belästigung der im lausenden Jahre ohnehin ungewöhnlich in Anspruch genommenen Mitglieder derselben gegenüber, und hielt Se. Majestät der Kaiser Sich zu dem