Marburg, Donnerstag, 30. August 1883.
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Expedition d. Blattes, lnmie d.Ännoncen-Bureaux , Tb. Diettich u. Co. in U7 ' •*«,[ und Hannover; Th. ' V(t| Kri» in Frankfurt a M.; ” ^-senstein u. Vogler m ßftart a- M-, Berlin, gripjig. Köln re-; Rudolf e?*j 8 »Min Stranf.
die Expedition b. Blatte», sowie d.Lnnoncen-vnreanr von ®. 8. Daube u. 6e. in
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Durchschritt der junge Grenzausseher am Tage laut dnd offen sein Revier, so entwickelte er de» Nacht« eine Derartige Gewandtheit und Vorsicht. Stundenlang lag £ oft im dicksten Brombeer- und Dornengebüsch an der ®tenge und lauerte auf den einen, der ihm sein Leben zur gemacht. In einer stockfinsteren Nacht hatte der
Srscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage »Jllnstrirte« LomrtagtblaU- durch die Expedition (Ä o ch'fch« Buchdruckerei) bezogen 21/* wort, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl Bestellgebühr) — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
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und die Sehenswürdigkeiten der Stadt, vor allem den altehrwürdigen Dom mit dem Grabe des heiligen BonifaciuS aufgesucht. Er hatte auch hier ein gutes Andenken hinterlassen, daS hörte man gestern abend unter den Tausenden, die seine Wohnung umlagert hielten und sich einen guten Platz sichern wollten für den Zapfenstreich und für den Fackelzug, den die Bürgerschaft darbringen wollte. Am Eingänge deS Hotels war der Kronprinz von der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, namens letzterer vom Bischof Dr. Kopp auf das ehrerbietigste begrüßt worden; daS Diner war kaum zu Ende, als auch die RegimentS- mustk sich nahte. In Darmstadt und Kasiel litten deren Produktionen unter der mächtigen Ausdehnung der Plätze; hier bildeten daS Hotel deS Kronprinzen, das frühere kurfürstliche Schloß und das LandratSamt die Kulissen. Voll und ganz schlugen die Töne anS Ohr und entzückten in ihrer Klangwirkung dasselbe. Als daS Militär abmarschiert war, zogen die Bürger und Schüler mit ihren Fackeln an; die Begeisterung war groß und aufrichtig, als der stellvertretende Bürgermeister Schmidt daS Hoch auf Se. kaiferl. Hoheit ausbrachte, als der Kronprinz am Fenster erschien und die Menge in den jauchzenden Hochruf einstimmte. Die Fackelträger wollten gar kein Ende nehmen, immer von neuem zeigte sich der Kronprinz und dankte für die glänzende Huldigung. Die Fackeln wurden alSdann zusammengeworfen, und beim Glase Bier beschloß der Fuldaer Bürger diesen festlichen Abend.
Der heutige Vormittag war wiederum der militärischen Arbeit gewidmet; an drei Orten hatte der Kronprinz die Garnisonen zu besichtigen, sich von der Tüchtigkeit der Truppen zu überzeugen. Ganz Fulda war deshalb schon um 6 Uhr auf den Beinen, um sich auf dem Exerzierplätze, ans welchem das 32. Infanterieregiment unter Oberst v. Wulffen in Parade stand, ein gutes Plätzchen zu sichern. Punkt 7 Uhr erschien der Kronprinz, ritt die Front entlang und ließ darauf die Truppe im Feuer exerzieren. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich um 91/2 Uhr in AlSfeld und um 10% Uhr in Salzschlirf; in ersterem Städtchen lag das 95. Infanterie - Regiment unter Obersten v. Malotki, in letzterem das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6, befehligt vom Obersten Zimmermann. Erst in letzter Stunde hatte sich der Kronprinz noch entschloffen, in Alsfeld den Weg zum Paradeplatze durch die Stadt selbst zu nehmen, darum hatten auch die biederen Bürger nur ihre Fahnen heraushängen können, zu ihrem Bedauern aber von einer festlichen Ausschmückung absehen müssen. Was den Kronprinzen gelockt hatte, war, die Holzarchitektur dieser uralten Häuser zu sehen, und vor allem da» Rathaus, eine Perle mittelalterlicher Baukunst, die glücklicherweise noch dem drohenden Verfalle entriffen worden ist und jetzt einer fiylgerechten Neuerung unterzogen wird. Hier gaben der KreiSrat Hofmann und der Bürgermeister Arnold die gewünschten Erklärungen. Gar
festlich war wieder der Empfang in Salzschlirf. Der dortige Bahnhofsinspektor ist weit und breit bekannt durch seine Blumenliebhaberei, und so gleicht denn auch da« Bahnhofs rebäude mehr einer blühenden, duftenden Laube, als einem vielbenutzten Hause, in dem der eine Wanderer rasch und fremd am anderen vorübereilt. Al» Zeichen seiner Kunst hatte der Inspektor einen prächtigen Moorteppich mit Georginen angefertigt; sein Söhnchen durste ein duftendes Sträußchen überreichen. Salzschlirf ist bekanntlich ein aufblühende» Bad, das in ähnlicher Weise, wie Karlsbad und Marienbad, wirkt; für die anwesenden zahlreichen Gäste war es wohl eine sehr angenehme Unterbrechung, al» sie heute morgen erfuhren, daß der Kronprinz am Bade-Etablissement halten werde. Fräulein Barth, die Tochter de» Badedirektors, kredenzte dem hohen Herrn hier einen Ehrentrnnk und überreichte ein Bouquet von Theerofen und Passionsblumen; sie erntete freundliche« Dank für die Gabe. Der Kronprinz freute sich noch, von der stets wachsenden Zahl der Gäste zu hören, und fuhr alsdann nach dem Paradeplatze. Am Bahnhofe hatte der erlauchte Herr noch die Aufwartung de» Grafen v. Görtz- Schlitz und des Erbgrafe» entgegengenommen und war vom Bürgermeister Iller namens der Stadt bewillkommet worden. Die Anwesenheit de» Kronprinzen hatte auch den junge» Bäuerinnen Veranlaffung gegeben, ihre malerische Volkstracht anzulegen; ste entschließen sich, sehr zu ihrem Nachteile, hierzu nur äußerst selten und bei ganz besonderen Gelegenheiten. Heute waren ihrer sechs anwesmd, alle in grünem, gebauschtem, fußfreiem Rocke, in schwarzer offener Jacke und buntem Brusttuch. Auf dem Kopfe trugen ste eine Haube von Goldblech, au« der fich strahlenförmig zarte Goldspiralen entwandten, an deren äußersten Enden sich Goldblättchen wiegten. Ein alle» Mütterchen kam des Weges gekeucht; sie klagte, daß ihre Tochter fich zu stolz fühle, den Schmuck der Großmutter zu tragen, sie selbst habe ihren einzigen Sohn im Kriege verloren, und heute gehe ihr letzter Wunsch in Erfüllung, den Kronprinzen gesehen zu haben.
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So verging eine Stunde und wohl noch eine. Der Posten hielt unverbrüchlich stand. Ihn ließ der unbesiegbare Glaube, schließlich doch seine» Todfeinde» Herr zu werden, nicht rasten noch ruhen.
Der Wind war heftiger geworden und wühlte in melancholischem Rauschen in dem grotesken Blätterdom' Monoton knarrten im nahen Erlenbusch sich streifende, schwanke Stämme. WaldeSeinsamkeit und nächtlich. Grauen, das sind nun einmal Dinge, die für ein krank cmpstnt^im Gemüt wie geschaffen erscheinen.
Berndt stand auf. Wie Müdigkeit «ar e» über DM. gekommen. ES fang und summte so einschläfernd um ihn her. „Nein/ murmelte er, sich im leichten Frost schüttelnd, „dazu kam ich nicht her, um mir von dem grünen Wald ein Schlummerlied vorlullen zu lasten. Lieber will ich gehen. — Also heut nacht wieder einmal vergeblich I" Und der Einsame schickte sich an zum Heimweg, nachdem er den heruntergefallenen Hut wieder tief in da» Gesicht gedrückt. — Da knackte es unerwartet im Dickicht, wie wenn jemand auf auf dürres Reisigholz trete. Jetzt abermals. ES nahten, deutlich vernehmbar, vorsichtige Schritte.
Der Beamte hielt den Atem an, um sich nicht zu verraten. All feine Nerven drängten den Sehorganen zu, um die graue Finsternis zu durchdringen.
Ein Mann, auf dem Rücken ein länglich Paket tragend, schlüpfte aus dem Dickicht. Sichernd und umfpähend blieb die Gestalt eine Weile stehen. Doch eS herrschte überall nächtlich Schwelgen. Der Nachtwandler bog wieder seitwärts in die Büsche ein, um sich zu entfernen.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsche« Rsich.
Berlin, 28. Ang. Der Kaiser konferierte heute längere Zeit mit dem Kriegsminister und empfing nachmittags den badischen Gesandten v. Türckheim in Abschiedsaudienz, sodann den Nachfolger, Herrn v. Marschall, welcher fein Beglaubigungsschreiben überreichte. — Der Kronprinz ist mit bett Herren seines Gefolge» heute früh gegen 12 Vs Uhr von Fulda kommend auf der Station Großbeeren eingetroffen und hat sich von dort zu Wagen direkt nach dem Neuen Palais begeben, wo Höchstderfelbe um l3/< Uhr anlangte. Heute nachmittag gedenken die Kronprinzlichen Herrschaften zu mehrstündigem Ausenthatte von Potsdam nach Berlin zu kommen. Soweit bi« jetzt bekannt, gedenkt der Kronprinz schon morgen abend nach
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bände abzunehmen, nach einer gründlichen Strafpredigt und scharfem Verhör ungeahndet laufen. Sein Streben richtete sich ja auf einen anderen Bösewicht.
Wieder hatte Berndt fein Quartier verlassen und sich nach der Buchhorst begeben, um die Schmugglerlinie von Wustrow her unter Kontrolle zu haben, d. h. richtiger, um vielleicht hier einen Todfeind, den Grenzfuchs, abzufaffen.
Leichter Regen fiel vom Himmel. Warmer Südwest jagte zahllose Wolken über die Wipfel der mächtigen Buchen und schüttelte die Waffertropfen aus dem grünen Blätterdach auf den still Dahinschreitenden. WaS rührte den das ungünstige Wetter! Gerade so hatte er eS sich gewünscht, denn klarer, heiterer Himmel paßte schlecht zu seinem Unternehmen. Ein breiter Graben verhinderte dem Vermummten da» weitere Vordringen. Gelaffen hob er seine Büchse über ben Kopf und durchwatete das Hemmnis, obwohl ihm die Flut bis an die Brust reichte.
Mehrmals schon waren spektatelnd Schwärme wilder Enten auS dem hohen Waldgras aufgeschreckt. Ein paar Fischreiher verließen geräuschvollen FlügelschlageS ihren hohen Ruhesitz und aus der Ferne erscholl der traurige Ruf eines Rohrweihers.
Inmitten dichten Fliedergebüsches machte der Zollbeamte Halt. Süßer Duft entströmte ben nelkenförmigen Lilablüten. Den Nachtwanbrer rührte daS nicht. Ein anfgescheuchteS Reh ließ unfern aus dem Dickicht feinen Warnungspfiff erschallen. Was kümmerte doS ben Grenzaufseher? Auf einen mit Moos überzogenen Baumstumpf ließ der Unermüdliche spähend sich nieaer und als er nichts Auffallende« hörte und sah, stützte er schwermütig bett Kopf uttb verfiel in dumpfe« Hinbrüten.
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Berndt wurde jetzt mit einem Male ein ganz anderer Mensch. Er schien stets lustig und heiter, zechte oft mehr, »ie er sonst zu thun pflegte und kümmerte sich um ben Dienst anscheinend nur so viel, al« durchaus nötig war. Denn er die Grenze abstreifte, gaschah dies größteilS am Tage und zwar immer in Begleitung de« alten gemütlichen
jarbukj Kollegen. Dabei unterhielten sich beide bann so laut, daß ®an sie schon aus weiter Ferne hören konnte. Hätte sich Kfet ein Pascher fassen lasten, so wäre eS bestimmt seine eigene Schuld gewesen.
Das war am Tage! Deckte aber die Nacht mit ihrem Nuntien Schleier Flur und Wald, so schlich sich spät allabendlich eine tief in ben Mantel gehüllte, untersetzte Gestalt seitab aus dem Dorfe. Der Mann trug zur Verdeckung bcr Gesichtszüge einen niedrigen, runden mit breiter Krempe besehenen Hut, und wenn die oberen Knöpfe deS Ueberwurfs ’ffrn geblieben, blitzte unheimlich der Lauf einer Büchse unter dem Zeug hervor. In Berndts Brust herrscht jetzt döt da« eine Gefühl, nämlich das der Rache.
Fulda, 27. Ang. Die uralte Stadt Fulda, deren Begründung in die ersten Anfänge deutscher Kultur in diesen Gegenden zurückreich', ist eine überwiegend katholische Stabt; nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung ist evangelisch, ober wie er sich selbst hier mit Vorliebe nennt, protestantisch. Gegenüber dem Kronprinzen trat der Unterschied in der Konfession zurück; nicht waS ste trennte, sondern oersiegch was sie als ein köstliches Gut gemeinsam besaßen, ihre Bekehrung gegenüber dem hohen Herrn und die nationale Gesinnung, führte die Fuldaer gestern nachmittag zum Bahnhofe, auf die Plätze und Straßen. Die alte Stadt des Apostels der Deutschen wollte denn auch gegen alle die ltUM Qtte nicht zurückstehen, die in ben letzten acht Tagen zu
Ehren des Kronprinzen sich festlich geschmückt, ihm einen freundlichen Empfang bereitet hatten. Die Kunde, daß der Erbe der Krone in der Provinz weile und auf der Fahrt von Kassel nach Fulda sich befinde, hatte am Sonntage auf
den Zwischenstationen ein zahlreiches Publikum versammelt; fuhr der Zug auch meistenteils blitzschnell vorbei, so zeigte doch der Fahnenschmuck und das Hurra der Menge von teilnehmenden Herzen. Auf dem Bahnhofe in Fulda herrschte gegen 6 Uhr ein reges geben; zahlreiche Kriegervereine hatten hin mit ihren Fahnen Aufstellung genommen, um dem sieggekrönten Feldherrn von 1870 eine patriotische Huldigung zu bereiten. Namens des Kreises erschien der Landrat b. Trott, namenS der Stadt der Oberbürgermeister Rang; ton Militärs waren der Oberst des 32. Infanterieregiments t. Wulffen, der Oberstleutnant v. Peutz, Bezirks-Komman- deur des 2. Bataillons 81. LandwehrregimenlS, und endlich dn Hauptmann z. D. Schmidt anwesend, welcher die Krieger- tereine befehligte. Der Kronprinz nahm in üblicher Weise die Begrüßung entgegen und war besonders erfreut, als Fräulein Lula Rang, die Tochter des Ober Bürgermeisters, unb Fräulein Dorothea Rößling, die Tochter des Bahn- hofsrestaurateurs, ihm zwei prächtige Sträußchen überreichten. Unter dem rauschenden Hurra deS Publikums fuhr der hohe Herr nach dem Hotel „Zum Kurfürsten", dos in allen seinen Teilen für die erlauchten Gäste mit Beschlag belegt worden war. ES war nicht daS erste Mal, daß der Kronprinz in Fulda weilte; vor vier Jahren auf seiner Rückreise von Kisstngen hatte et hier Rast gemacht
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Altmärkische Dorfgeschichte von Hermann RobolSky.