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Marburg, Mittwoch, 29. August 1883.
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An,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. VUtte», sowie d.Annoncen-Burraur von«. «.Daube u.So- tu Frankfurt a. M.; Jiaerich« Buchhandlung daselbst; Hermansch« «uchhandlm- daselbst; Invalidendanl ix Berlin: W. Lhienes in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
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«MAeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal "ü ber wöchentl,chen Berlage „Jllustrirt^ eo>Mttlgttlatt durch die ^?^itiou (K ch fch Auchd»uckerei) bezogen 8 V. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) -^JnsertlonSgebühr für du gespaltene Zelle 10 Vf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf,, berechnet.
Ko« der Inspektionsreise des Kronprinzen.
Auch für den Monat September nehmen alle Post- „Balten Bestellungen auf die "'Oberhesfische Zeitung „en deren Gratisbeilage
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( ,.en. Neubestellungen in hiesiger Stadt können bei der u„»-rreichneten oder bei unseren Trägerinnen gemacht werden.
* Expedition der Oberhess. Ztg.
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Kassel, 26. Aug. Am gestrigen Sonnabend morgens t Uhr besichtigte Se. kaiserl. und königl. Hoheit der Ären« °riF, auf dem Exerzierplätze hinter der Karlsaue die hier- M garnisonierenden Truppen. Im ersten Treffen stand, Ltfint vom Obersten v. Sucro, das 3. hessische Jnfanterie- Teaiment Nr. 83, dessen Chef der Fürst von Waldeck ist; M -weite Treffen bildete rechts das 14. Husarenregiment unter Oberstleutnant v. Leipziger, die in Kastel stehenden Abteilungen des Feld - ArtillerieregimeneS Nr. 11 unter Oberst Weitz und das hessische Trainbataillon Nr. 11 unter tem Kommando des Majors v. Westrell. Die Parade »liebe befehligt vom Generalmajor v. Bünting, Komman- dmr der 22. Kavalleriebrigade. Ein unabfehbares Publi. tat und zahlreiche Equipagen mit einem reichen Damenflor hatten sich auch hier eingefunden, um dem militärischen Schauspiele beizuwohnen und den Kronprinzen mit einem lauten Hurra zu begrüßen. Höchstderselbe ritt zunächst die Front der Osfiziere nnd der Fähnriche der Kriegsschule unb dann die Fronten der beiden Treffen ab; darauf for- mierte sich das Ganze zum Parademarsch, die Infanterie in Zugfront, die Kavallerie in halber Eskadronfront. Von den einzelnen Waffen exerzierten alsdann zunächst die Husaren im Feuer; hier fistelten den Kenner vor allem die Bewegungen der Truppen, welche ohne Kommando und Signale lediglich nach Winken ausgeführt wurden. Der Kronprinz nahm Veranlassung, hierüber seine ganz besondere Znsriedenheit auszusprechen.
Nach der Rückkehr in daS Palais empfing der Kron- hrinz eine Abordnung der Gemeindevertretung der Stadt Kassel; eS waren zehn Herren, an deren Spitze der Ober- Bürgermeister Weise stand. „Nur keine Anrede", sagte srmndlich lächelnd der hohe Herr beim Empfang; „ich leime Ihre Anhänglichkeit und auch Sie wiffen, daß meine Gesinnungen gegen die Stadt Kassel die alten geblieben Hub!" Nach der Vorstellung der einzelnen Herren erzählte ta Kronprinz in leutseligster Weise, wie oft und gern er an seinen vierzigsten Geburtstag denke, den er „mit Frau unb Kindern" auf WilhelmShöhe verlebt habe; gern hätte tt inzwischen einmal den Aufenthalt erneuert, aber es habe sich noch nicht machen lasten. Daun kam der hohe Herr auf seine beiden Söhne zu sprechen, die einst daS hiesige
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Altmärkische Dorfgeschichte von Hermann RobolSky.
Um Gottes Willen, Kollege!" flehte Berndt hervor- tretend, als er die grüne Uniform erblickte; „wir sind furcht' bar angeführt und stecken seit gestern abend in diesem Ge° sängnisi Entfernen Sie um alles in der Welt da diese Schar von Mordsüchtigen. Die Narren sind in dem Glauben eS hausten Schmuggler hier in der Klause. Gesehen haben Sie uns noch nicht."
Der Reiter lächelte und wandte sein Pferd den Alliierten pi, ihnen ein Stückchen eutgegenreitend. ,
Kinder," Hub er dann geheimnisvoll an, „es spielen sich hier Dinge ab, die ein Geheimnis des Staates bleiben muffen. Schmuggler befinden sich nicht in jenem Häuschen. Ein hoher Steuerbeamter aus Magdeburg wollte nur im Auftrage der Regierung Euren oft angezweifelten Eifer zur Mitergreifung von Gesetzübertretern auf die Probe stellen unb hat das Ganze fein angesponnen. Der Herr freut sich ungemein über Euch. Nächsten Sonntag soll ich für »De eine halbe Tonne Bier auf Kosten meines Vorgesetzten auflegen lasten. Geht also nun still nach Hause.
Nun brach unter den Kämpfern die ausgedehnteste Freude aus. Der Schmied klopfte auf den Gewehrkolben, b»ß das rostige Bajonett in der Oese klirrend hin- und herschlotterte. Er war derjenige gewesen, der dem Feinde mutig die Stirn geboten. Ihm gebührte nächst dem Kommandeur unbestritten die Palme de« TageS. Auch die drei ausgewaschenen Forkenträger machten gute Miene zum bösen Spiel. Erwuchs ihnen ja nun auch die Aussicht auf rin innerlich wirkendes Naß, und darin wollten sie den auch
Gymnasium besucht, und meinte, als er heute die Schüler in den roten Mützen aus der Anstalt habe kommen sehen, da sei ihm immer gewesen, als ob sein Sohn Wilhelm ihm entgegentreten müste; derselbe sei nun aber bereits Vater zweier Söhne und er selbst ein glücklicher Großvater geworden. Für jeden der Herren hatte dann der Kronprinz noch ein freundliches Wort, und die Vertreter Kassels schieden mit der freudigen Sicherheit, daß die gegenseitigen Beziehungen die alten guten geblieben sind.
Der Monumentalbau der neuen Bildergalerie war,daS nächste Ziel des Kronprinzen. Entworfen und ausgeführt unter Leitung des Baurats Profestor v. Dehn»Rothfelser ist diese Galerie nach den besten Erfahrungen der Neuzeit hergestellt und darf, sowohl was die reiche innere und äußere Ausstattung, als auch was die zur Geltendmachung der Kunstwerke betreffenden Maßnahmen — wie Einteilung der Räume, Beleuchtungövorrichtungen u. s. w. — betrifft, ein Meisterwerk genannt werden, würdig der Schätze, die unter ihrem Dache endlich eine gebührende Stätte erhalten haben. ES sind nahezu 1500 Gemälde, die hier ihre Aufstellung gefunden haben, darunter allein 29 Rembrandts und verschiedene bedeutende Bilder von Rubens und Dürer, von van Dyck und Tizian. Mit dem Blicke des Kenners maß der Kronprinz diese herrlichen Kunstschätze, die unter dem Regimente der Kurfürsten bekanntlich dem Publikum auf daS strengste verschloffen waren.
Nach dem Diner, das um 3 Uhr beim kommandierenden General deS 11. Armeekorps, Freiherrn v. Schlotheim, eingenommen wurde, begab sich der Kronprinz mit dem Oberprästdenten, Grafen zu Eulenburg, und feinen beiden Adjutanten nach Schloß WilhelmShöhe. Dort harrten feiner die Gäste des Hotel Schombart und alle die, welche ein gütiges Geschick gerade um diese Zeit nach diesem schönen Stück deutscher Erde geführt hatte. ES war ein prächtiges Bild, als sich diese Neugierigen vor dem Schlosse gruppiert hatten und ihre Augen sehnsuchtsvoll nach der weiten, sonnenbeglänzten Thalsenkung richteten, nach der grünen Baumreihe, welche die Straße nach Kaffel säumt. Endlich tönt eS von verschiedenen Seiten: „Er kommt, er kommt!" und alles strömte durch die breite gewölbte Durchfahrt nach dem Fahrwege hinter dem Schlosse; Böllerschüffe gaben daS Zeichen und die Riesenfontaine sandte plötzlich ihre rauschenden Wassermaffen turmhoch zum Himmel empor, in deren höchsten Perlenreihen sich noch die Strahlen der sinkenden Sonne brachen. DaS Publikum umkränzte dicht den Wagen und begrüßte den hohen Insassen mit freudigen Zurufen. Plötzlich läßt der Kronprinz halten, denn unter dem Publikum hat er den Polizeipräsidenten v. Madai bemerkt, der sich hier zur Nachkur aushält und einige Zimmer im Schlöffe selbst bewohnt. Der Kronprinz stieg aus, schüttelte dem hochverdienten Beamten herzlich die Hand und verweilte mit ihm in längerem Gespräche, in daS auch der jüngere Herr v. Madai, der hier seinen Vater pflegt, hinein-
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gründlich ihre Schuldigkeit thun. Jubelnd zog die Truppe ab und alle erzählten im Dorfe mit gewaltiger Miene, welch bedeuteude Mutprobe sie heute vor einem hohen „Magdeburger" bestanden.
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Obwohl seitens der Beamten gewiffenhafteS Schweigen über die Affaire im Bleichhause beobachtet wurde, waren merkwürdigerweise doch allerlei Gerüchte davon in das Publikum gedrungen. Der eine wollte die sensationelle Historie von einem Fuhrmann auf der Landstraße erfahren haben, ein anderer wieder brachte die Mär aus der Heideschenke mit, wo sie von Gästen zum besten gegeben:
Während MertenS sich in seinem Gleichmut bald über daS Unvermeidliche weggesetzt, litt Berndt unsäglich durch die angethane Schmach. „Wäre ich nur beim Regiment geblieben!" seufzte er oft dem alten Kollegen gegenüber, „dann war meine Kondnitenliste nach wie vor eine unantastbare. Jetzt muß ich bei jeder nur irgend zweideutigen Redensart zusammenfahren, ob daS auch nicht auf mich Bezug habe.
Amelies Nähe mied der ehrgeizige Mann jetzt so viel als thunlich. Er schämte sich, auf so plumpe Weise in die ihm gestellte Falle gegangen zu fein. Dem Mädchen grollte er aber doch nicht. WaS konnte daS heitere Wesen dafür, daß man absichtlich in seiner Gegenwart von dem Schmuggler- Unternehmen erzählte, weil es wohl voranszusehen war, daß die Freundin deS Steuerbeamten genau von dem Gehörten Bericht erstatten würde?"
C’etait un fachem bontre-temps !“•) hatte die dunkel-
*) Das war ein unglückliches Zusammentreffen.
gezogen wurde. Bald zogen die Pferde wieder an, al» ein neues Halt ertönte; im Wege stand der Senator Dr. Eurtiu» aus Lübeck mit Gemahlin, beide dem hohen Herrn bekannt al« Bruder und Schwägerin feines früheren Erziehers, be« Professors Dr. CurtiuS in Berlin. Die Beiden fühlt« sich sichtlich hoch geehrt und empfing«, während der Wag« des Kronprinzen den Blicken entschwand, den Glückwunsch der sie umringenden Bekannten.
Um 7 Uhr gab man im Theater v. Moser» „Krieg im Frieden"; trotz der drückenden Hitze war da» Hau» überfüllt, denn man wußte, daß der Kronprinz kam, und hier hatte man ja Gelegenheit, ihn eine Stunde in Ruhe zu betrachten. Die Bühne schien an diesem Abend für die ehrbaren Kaffeler nach der Fürstenloge verlegt zu sein, denn unablässig richteten sie ihre Blicke hin.
Den Schlußakt dieses Tages bildete ein großer Fackelzug mit GesangSständchen; ersterer ausgeführt von der städtischen und freiwilligen Feuerwehr, letzterer von neun Kasseler Gesangvereinen unter Leitung deS Kammermustku» Nagel. Wie eine feurige Schlange wälzte sich der Zug über den von Menschenmassen besetzten FÜedrichSplatz; ein Halbkreis brennender Fackeln umschloß alsbald dieSange»- brüber, die vor der Rampe Posto gefaßt hatten. Bon braufendem Jubel begrüßt trat der Kronprinz auf den Balkon und hörte freundlich dem Gesänge zu; zum Vortrage gelangten zunächst „Brüder, weihet Herz und Hand rc." von Franz Abt, darauf da» „Abendlied" von F. Adam und der „Zuruf an Deutschland" von Julin» Otto. So recht im Namen der vielen Hunderte, welche da» PalaiS umlagerten, hielt der Lehrer Armbröster eine zündmde Ansprache; so oft, sagte er, ein Mitglied de» erhabenen Herrscherhauses in Kassel weile, bemächtige sich der Bewohner ungekünstelte und herzliche Freude, der man gern in sinniger Form beredten Ausdruck zu geben versuche. Au» diesem Grunde sei heute hier eine mehr al» tausendköpfige Schar von Bürgern erschienen; gelte eS doch, dem einigen geliebten Sohne unseres verehrten Kaiserpaare», dem Erben der Krone Preußens und Deutschlands ein herzliche» Willkommen zuzurufen. Seine Mitbürger bitte er jetzt, ihrer herzlichen Liebe und Freude, ihrer unverbrüchlichen Treue und Ergebenheit, ihrer Verehrung und Bewunderung einen Ausdruck zu geben In dem Stufe: Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz, er lebe hoch! Nachdem da» dreifache Hoch verklungen, wurden die beiden genannten Herren, benen sich noch der Fleischermeister Schiebler unb der Schuhmachermeister Pfaff anschloffen, nach dem Palai» befohlen und empfingen dort den Dank deS Kronprinzen. Der Gesang deS Liedes von C. Jsenmann: „Heute scheid' ich", schloß biefe Huldigung.
Am heutigen Sonntage wohnte ber Kronprinz zunächst bem Gottesdienste bei und nahm nach besten Beenbigung ble Parade über eine große Anzahl Kriegervereine ab, die sich im offenen Viereck vor dem Palais mit ihren Fahnen äugige Französin den Armen getröstet; „mais il ne faut pas se desesperer par cela! Prenez courage, man ami!*) Die Zeit heilt auch diese Wunden."
Berndt schüttelte ungläubig den Kopf. Ihm wollte e» wieder scheinen, als ob das Mädchen, sich abwendend, da» Gesicht ironisch verzogen hätte. Er konnte da» merkwürdige Betragen gar nicht begreifen. Amelie hatte ihm die dar- gebotene Willkommenshand ruhig gelüsten, al» sie den Niedergeschlagenen tröstete; sie zürnte sogar nicht einmal, als der sich Verabschiedende eines Abend» vor jener Un» glücksnacht ihr leise und im Fluge die Stirn geküßt. Wa» sollte jetzt daS gefühllose Lachen?
Der junge Beamte glaubte, wie schon öfter, daß er sich geirrt haben müste. Wie konnte auch solch lieblich Wesen Komödie mit ihm spielen? Er schalt sich im stillen selbst einen Hypochonder, ber mit der ganzen Welt grolle und ber bald zu gar nichts mehr zu gebrauch« fei
Als ihm von der vorgesetzten Behörde in sehr schonender Weise für die Folge mehr Umsicht und Bedächtigkeit an« empfohlen wurde beantragte Berndt seine Versetzung, bat aber in dem Gesuch, diese Stellen Veränderung, wmn irgenb thunlich, erst nach zwei Monaten eintret« zu last«, da er dienstlich gern sich rehabilitieren möchte.
Man gewährte dem Sonderling die Bitte, da er ja sonst als äußerst gewistenhafier Beamter bekannt »ar.
(Fortsetzung folgt )
*) Aber man muß sich dadurch nicht entmutigen laffen. Faffeu Sie Mut, mein Freund.