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kauft und zeigt auf dem Deckel den Ritter St. Georg. Vor» wärt« ging e-, während die Glocken von neuem mit der Freude Feierklängen den Kronprinzen begrüßten und die Menschen jubelten. Das neue UniversitätSgebäude hatte sich die blühenden Vorräte des Botanischen Gartens geliehen; wohin das Auge sah, nicht» al» Blumen, nicht» al- freudige Gesichter — und alles schien beglückt, Ihn zu begleiten. Vor der Kaserne stand cu die Gymnasiasten und sangen einen FesteSgruß, den nahen Exerzierplatz säumten die Krieger» vereine, welche diesem Kranze der Ehren auch ihr Rei­beifügen wollten. Während der Kronprinz nunmehr da» 2. Bataillon Hessischen Füsilier - Regiment- Nr. 80 — Oberst Freiherr v. Keyserling!, bez. Major v. TreSkow — musterte, zogen unter rauschender Must! und unter wehender Fahnen Pracht Männlein und Fräulein, die in freiwilliger Parade gestanden, nach dem Bahnhofe, um die letzte Ueber» raschung zu bereiten. Alle» ordnete sich in Reihe und Glied, die jungen Damen bestreuten den Teppich vom Wartesaal bi» zum Perron mit Blumen. Die glückliche Stimmung schlug dann für einen Augenblick — Dank einer Verwechselung — in große Heiterkeit um. Der Arrangeur de» Ganzen glaubte nämlich, der Kronprinz sei eingetroffen; er forderte alle Anwesenden zum Hoch auf und rief: Se. Kaiser!, und König!. Hoheit — al» einer der Herren Offiziere au» dem Gefolge abweisend hervor­trat und unter dem heitersten Gelächter aller Anwesenden den Redner durch Augenschein überzeugte, daß der richtige Moment noch nicht gekommen sei. Unter den langsamen und feierlichen Klängen von „Heil Dir im Siegerkranz" fuhr bald darauf der Kronprinz vor; er schien sichtlich gerührt und dankte nach allen Seiten hin wiederholt auf da» Verbindlichste. Und al» er in seinen Salonwagen gestiegen war und am Fenster erschien, da spielte die Musik die „Wacht am Rhein", und gehobenen Sinne» sangen alle Anwesenden den ersten Ver» des prächtigen Kampf­liedes. Dann ein Pfiff der Lokomotive und noch ein letzte» Hurra und auch diese schöne Stunde war vorüber.

In Kirchhain verließ der Kronprinz den Kurierzug, um einer Einladung de» diesseitigen Gesandten am Darm- städter Hofe, Herrn Stumm, nach deffen Besitzung Schloß Holzhausen zu folgen, und traf um 77a Uhr mittelst Sonderzuges in Kaffel ein, wo sich zur Begrüßung der Oberprästdent Graf zu Eulenburg, der kommandierende General de» 9. Armeekorps Frhr. v. Schlotheim, der Ober-Bürgermeister und andere vornehme Herren auf dem Bahnhofe eingefunden hatten.

Deutsche- Reich.

Berlin, 25. Aug. Der in nächster Woche zusammen« tretende Reichstag wird sich bekanntlich in erster Linie mit dem deutsch-spanischen Handelsverträge beschäftigen. Zu diesem Behufe hat auch bereit» der Reichskanzler durch seinen Stell­

alten Feuersteingewehr so mächtig heraus, daß der Schütze lang auf den Rücken fiel. Zweifelsohne hatte der Tapfere eine unsinnige Menge Pulver in den Lauf gethan.

Kurz entschlosien, hob der Kommandeur seine einzige Infanterie am Arm mit einem beileidsvollen „Oh" l" wieder in die Höhe. Die Truppe hielt sich aber stöhnend die Wange und machte trotz aller Einreden kehrt.

„Ein Mann verwundet! — Au» der Gefechtslinie zurück!" sprach der Anführer laut, als er sah, daß alle» Zureden zum weiteren Angriff auf die Schmuggler nichts half.

„Unser löwenmutiger erster Angriff," — fügte er dann würdevoll hiuzu, „wurde keineswegs abgeschlagen. Die ungemein starken Festungswerke haben den Feind geschützt. Greifen wir jetzt das Hau» im Sturm von allen Seiten an, so muß Schweidnitz fallen."

Er winkte den Uebergangswächtern, näher heranzu­kommen. Diesen war die Sache auf ihrem schmalen Waschbrett überhaupt bedenklich geworden. Der am weitestm Exponierte wollte der erste beim Verlaffen des flutum- rauschten Posten- sein. Er versuchte sich im Schwünge um die beiden Kampfgenoffen herumzudirigieren, verlor aber dabei das Gleichgewicht und stürzte rücklings in das feuchte Element, feine Vordermänner ebmfalls mit in den Fluß reißend.

Jetzt kam der berittene Aufseher aus dem Walde ge­sprengt. Er hatte den furchtbaren Knall gehört und glaubte, daß am Ende wirklich ein Zusammenprall der kühnen Dorf­bewohner mit Paschern stattgehabt. Im Nu war er von der ganzen Situation unterrichtet. Bedächtig ritt er dem Bleichhause zu und blickte vorsichtig in da» Innere desselben.

(Fortsetzung folgt.)

xvm. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 28. August 1883.

200

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II

Bon -er Inspektionsreise -eS «roupriuzen.

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Kassel, 24. Aug.*) Der Kronprinz kehrte gestern iiilbmittag von Homburg nach Darmstadt zurück und Der« ,Me den Abend im Offizicrkastno. Heute morgen hieß

Altmärkische Dorfgeschichte von Hermann RobolSky.

Das mußte richtig sein, denn der Auserkorene marschierte mutig auf sein Ziel loS und lugte neugierig in da» kleine Amach.

Zuerst gewahrte der feuergewohnte Mann nicht». Da mit einem Male aber nahm sein Gesicht einen sehr ge­wichtigen Ausdruck an. Er winkte heftig seinen KriegS- itRofien, von denen sich einer nach dem andern nun auf toi Zehen an das Gebäude schich.

„Da haben wir'S!" explizierte der Oberst, indem er Unfalls durch die Oeffnung blickte. „Auf dem Tische steht •hte übrig gebliebene Kiste Zigarren und auch die Spuren to: Raub-Rechnung sind noch auf der Platte deutlich zu fotn. Herrgott und da!" rief der Diensteifrige erschreckend toS und wieS mit dem Finger nach der verhängnisvollen Sie. Vier Stiefel schauten unter der grauen Leinwand faaus und dicht daneben lag die leere Weinflasche auf ton Boden.

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50 Pf. 50 Pb, rntafitr l. Pelp . 7 M.

die Expedition d. Blatte», sowie d.Lnnoncen-Bureimx von @. 8. Daube u. Sa. in Frankfurt a. M.; Jägerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThieneS in

Elberfeld: S. Schlotte in

*) Wenn der nachstehende Artikel unserem Leserkreise auch »irlsach Bekannte- bringt, teilen wir ihn, gleich wie die feit- feigen Berichte der „Nordd Allg. Ztg/ über die Inspektion«, trife des Kronprinzen einmal der Vollständigkeit wegen mit, tarn aber auch, um zu zeigen, welche Beurteilung unseren Fest­lichleiten von einem außerhalb Marburg stehenden Berichterstatter H teil geworden ist. (Anin. d. Red. der „Oberh. Ztg/)

Mit dem Ellbogen rückwärts schiebend, hatte der tapfere ^mmandcur seine Leute im Nu von der Fensteröffnung Ulfctnt. Jetzt galt cs, strategisch die Festung richtig an» Preisen. Daß die Thür verschloffen war und der Schlüffe!

im Schloß steckte, hatte schon einer der Lanzenträger ^gekundschaftet. Also mußten die Verbrecher zur Ueber- 816t gezwungen werden. Erst wollte man sie aber zur ^itulation auffordern.

I Der General traf seine Vorsichtsmaßregeln. Die drei /qq72 ßheugabelminner postierte er auf die lange Waschbank im damit die Uebelthäter bei einem etwaigen Ausfall

^e»eint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstriktes SormtagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche ^Buchdrucker") bezogen 81/» Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiche« 3 Mark 60 Pf«, (erd. Bestellgebühr.) — JnserttonSgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Pf«, berechnet.

Wz GroßherzogS traf der Kronprinz pünktlich in Frank- I jgrt a. M. ein und hatte hier die Freude, die Königin Olga NIlm Griechenland zu treffen. Die hohe Frau wollte nach %% 4 Homburg, um dort mit ihrem Gemahle zusammenzutreffen, ’ Jtr in Wiesbaden seine Kur beendet. Der Kronprinz bot str Königin den Arm und geleitete sie von ihrem Gefährt sch ihrem Salonwagen und verblieb in demselben bis zur 'N statt Station Friedberg. Das nächste Ziel der heutigen Reise Wt Gießen, wohin Prinz Heinrich von Heffen als Kom- miideur der 25. Division bereits tags vorher geeilt war. Hier garnisoniert daS Infanterieregiment Nr. 116, befehligt Ä Obersten Baron v. CollaS. Die Besichtigung dauerte ttoa IV2 Stunden; alsdann verabschiedete sich der Groß- hiizog und kehrte nach Darmstadt zurück, während der Kronprinz nach Marburg fuhr.

Schreiber dieser Zeilen war schon oft in der angenehmen ÜM, von dem herzlichen Empfange berichten zu dürfen, Richer dem Kronprinzen in den verschiedensten Orten in Kutschen Landen bereitet worden ist: aber nur mit einem zwissen Bangen geht er an die Ausgabe, die Stunde zu Wern, die der Kronprinz heute in Marburg verlebte. Sie malerisch umspannt doch schon diese prächtige Stadt mit ihrem hochgelegenen Schlosse und den ragenden Türmen tat vorspringenden Berg; mit Entzücken weilt das Auge «uf diesem landschaftlichen Bilde; welcher jauchzende Hoch-

Auch für den Monat September nehmen alle Post- .»alten Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

«ß q, B^ailftrierte» Loimtagrblatt

M tatgen. Neubestellungen in hiesiger Stadt können bei der verzeichneten oder bei unseren Trägerinnen gemacht werden. Expedition der Oberhess. Ztg.

ruf! Der Kronprinz stieg aus und wurde hier vom Land­rat Schreiber und einigen anderen Herren auf das ehr­erbietigste begrüßt. Im Hintergründe standen die vornehmsten Damen der Stadt; vor ihnen zwei kleine Mädchen, welche dem hohen Herrn blühende Rosen überreichten. Wenige Schritte weiter im Wartesalon hatten sich die Profefforen der Universität versammelt, um dem Kronprinzen zu hul­digen*), in ihrem Namen ergriff Dr. EnnecceruS daS Wort, um dankend des Aufblühens der Hochschule zu ge­denken, seitdem sie zum Staate der Hohenzollern gehört. Noch sei das neue Reorganisationsstatut nicht völlig durch­geführt, doch seine Segnungen treten bereits zutage. In den Jubel der Bevölkerung mische auch die Universität gern ihren Segenswunsch für den Erben der Krone und rufe ihm ein herzliche» Willkommen zu. Der Kronprinz dankte und wandte sich dem Ausgange zu. Als die Menge ihn erblickte, erscholl ein neues Hurra und alle Glocken fingen an zu läuten. Der Weg ging quer durch die Stadt, er war in eine reiche Ftststraße umgewandelt. Längs der ganzen Strecke waren Tannenbäume aufgcpflanzt, vor denen die Feuerwehr, die Gesang- und Turnvereine, die Schützen und Schulen Spalier bildeten. Die Hausbesitzer hatten sich nicht mit dem Heraushängen von Fahnen begnügt; geschmackvolle Draperien in deutschen Farben schmückten die Balkone, bekränzten die Gesimse, schwangen sich von Fenster zu Fenster. Und als sich der Wagen in Bewegung setzte, da Pflanzte sich daS donnernde Hurra wie eine ununter­brochene Woge fort; eine hochsestliche Stimmung lagerte über der freudig erregten Stadt, just als ob Marburg sich schon seit Jahrhunderten unter den Fittigen des schwarzen Adlers wohl und glücklich gefühlt hätte. Jetzt eine neue Ueberraschung. Quer über die Straße baute sich ein Triumphbogen aus Tannenreisern auf; die mittlere Durch­fahrt zierte eine Inschrift, zu beiden Seiten wölbten sich je zwei Nischen, über denen die Worte: Justitia, Fax, Bellum, Sapientia prangten. In den Nischen aber standen, ein köstlicher Anblick, vier Jungfrauen mit blau - weiß - roten Schärpen als reizende Verkörperung der genannten vier Worte. Der Kronprinz hielt an; namens der Stadt be­grüßte ihn hier an der Spitze der Gemeindebehörden der Stell­vertreter dcL Oberbürgermeisters, Partikulier MajeruS, mit schwungvollen Worten und bat ihn, nach alter deutscher Sitte einen Ehrentrunk annehmen zu wollen. Aus den Händen des Fräulein v. Heusinger, die von einer An­zahl festlich gekleideter junger Damen gefolgt war, nahm der hohe Herr den Becher, gefüllt mit dem Golde der rheinischen Rebe, entgegen und entsprach der Bitte. Der Becher ist ein Meisterstück der mittelalterlichen Golvschmiede-

*) Die hier dem Herrn Berichterstatter untergelaufene Ver­wechslung bringen wir unverändert zum Abdruck, anwesend von der Universität war bekanntlich nur Herr Prof. Ennecceru» als Prorektor, außerdem aber noch eine Deputation der Loge.

nicht über die Grenze kommen konnten. Die LanzicrS mußten, die Waffen gefällt, etwa hundert Schritt vom Ein­gang des HcküseS Posto fasten. Sie bekamen die ernste Weisung, jeden Fluchtversuch in der Richtung auf den Wald zu durch tödliche Stiche zu verhindern. Rechts und link» des Gebäudes, in angemeffener Entfernung, nahmen ein paar andere drohende Gestalte« Platz, und den Haupt­angriff auf die Thür sollte der Schmied mit seinem Bajonettgewehr unternehmen. Als Reserve war ihm der Sensenträger zugeteilt.

„Im Namen des Gesetze-! Ihr seid verhaftet!" rief mit Donnerstimme der Generalstabsführer aus kurzer Ent­fernung anf das Gebäude zu. Wenn Ihr Euch gutwillig ergebt, dürft Ihr vielleicht auf die besondere Gnade des väterlichen Landesherrn rechnen. Geschieht die Uebergabe der Festung nicht sofort, so werde ich sie in die Luft sprengen lassen!"

Keine Antwort erfolgte. Alles lauschte, ob sich nicht im Schloß der Hütte ein Schlüssel rühre. Vergebens.

„Auf denn zum Kampf und Sieg!" befehligte der militärische Führer abermals. „Infanterie vor!" Dabei schwang er den Säbel, daß ihm die lederne Scheide wie ein A<A um die Beine schlängelte. Gefällten Bajonetts folgte der mutige Truppenkörper. Etwa zehn Schritte vor dem Haufe erscholl das schreckliche Kommando „Feuer!" Der Gewehrmann hielt einen Moment an und hob die Waffe gegen die rechte Schulter „eine Kugel ist aber nicht trinl" wandte er sich kopfdrehend an seinen Vorgesetzten; „nur Pulver."— „Subordination! — Drei Tage Latten! — Fünf Jahre Spandau l — Feuer!" schrie dieser noch einmal. Da donnerte der Schuß kanonengleich au» dem

i -..„nimmt entgegen: k bttion » Blatte«, F hännoncen-Sureaur ^Dietrich u. So. in g,< «nd Hannover; Th.

1 Frankfurt aM.;

’S u. Vogler in M , Berlin. L-öln Rudolf ^ in Berlin, Frank- a.M. K-

----«Abschied nehmen von der freundlichen Residenz, die ihm h - .itI Tage hindurch eine gastliche Heimstätte gewesen war; < 7*7! .j^rum hatte sich auf der Rheinstraße und vor dem Bahn- 9 Lerrw ofc ein zahlreiches Publikum eingefunden, das dem hohen mren einen herzlichen Scheidegruß zurief. In Begleitung

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