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Marburg, Sonntag, 26. August 1883.
XVffl. Jahrgang.
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Bo« der Jnspektiousreise des Kronprinzen.
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Voller Verzweiflung sprang der jüngere der unfrei- Gefangenen nun auf den Tisch und bearbeitete
Deutsche- Reich,
»erlitt, 24. Ang. Die „Nordd. Allg. Ztg." der« offentlicht ein Ztrkularschreiben des auswärtigen Amtes an die Bundesstaaten vom 15. August, welches anzeigt, daß der Kaiser anläßlich des schweren Unglück« auf Ischia der warmen Sympathie Deutschlands einen nationalen und einheitlichen Ausdruck zu geben wünsche. Mit des Kaisers Genehmigung fei unter dem Vorsitze de« Kronprinzen ein Komitee zur Veranstaltung von Sammlungen zusammen getreten; das hierauf bezügliche Schreiben des Kronprinzen sei im „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht worden. Die Bundesregierungen werden sodann in der Ueberzeugung, daß sie in dem Schreiben des Kronprinzen ausgedrückten Gesinnungen teilen, ersucht, Sammlungen innerhalb ihres Staatsgebietes nicht nur zuzulassen, sondern durch die Mitwirkung der Landesbehörden die Bildung von Lokalkomiteeö zu fördern. — Rach einer Wiener Mitteilung des vatikanischen „Moniteur de Rome" hätte die vielbesprochene Zusammenkunft der preußischen Bischöfe zur Beratung über das neueste Kirchengesetz unter dem Besitz des „Erzbischofs von Köln" Paulus Melcher stattgefunden. Die „Nat.-Ztg." meint, dieser Umstand erkläre wohl auch das Dunkel, in welches die Zusammenkunft gehüllt worden
Auch sür den Monat September nehmen alle Post- ,Balten Bestellungen auf die
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entgegen. Neubestellungen in hiesiger Stadt können bei der Unterzeichneten oder bei unseren Trägerinnen gemacht werden. Expedition der Oberhess. Ztg.
diese Tausende an der stolzen Haltung de« Kronprinzen, an seiner männlich schönen Erscheinung und an den Leistungen der Truppen. Selten wohl hat ein preußischer Major und seine Soldaten ein so wohlbegründetes und vielsprachiges Lob geerntet, als es heute dem Major v. Schuch und dem 3. Bataillon deö 80. Regiment« he« schieden ward. Eine wahrhaft glühende Sonne stand am Himmel und etwas erschöpft mag wohl jeder von dem Exerzierplätze heimgekommen sein. Der Kronprinz stattete nach der Rückkehr noch dem Großherzoge von Mecklenburg« Strelitz und dem Herzoge von Cambridge, welche beide zur Kur sich hier aufhalten, einen Besuch ab und fuhr alsdann in Begleitung der beiden fürstlichen Herren nach dem Kurhause, wo ein Gabelfrühstück serviert war. Der blaue Saal umfing bald die hohe Gesellschaft; auf der Tafel prangten zwei herrliche Rosensträuße und in der Mitte auf krystallener Schaale die jungen Trauben de« Rheingaueö. Auf der Terasie hatte sich wiederum alle« versammelt, too« reich, schön und wohl auch neugierig ist; bie meisten Badegäste werden längst wieder in ihre Heimat sein, wenn der Kronprinz wieder zu den Manövern nach Homburg zurückkehrt, und da galt e« denn, noch heute ihn möglichst ost und möglichst nahe zu sehen. Die biederen Homburger Bürger rüsten sich bereits jetzt zu den bevorstehenden Kaisertagen, bie ben würdigen Schluß einer glänzenden Saison bilden werden und alle« freut sich, alsdann neben dem Kronprinzen auch ben Kaiser begrüßen zu können.
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Mertens bückte sich prüfend nach dem Schloß her- «lcr und rüttelte daran hin und her. Der Schlüsiel ’fie nicht mehr drin. „Ich will nicht hoffm," ächzte er
2 ironipeter ein echtes Kind des märkifchen Landes; al« stcht- “ inte Erinnerung an diese Stunde zeigt das Fremdenbuch _ H Kasino« den Namenszug des Kronprinzen.
Noch aber war daS Programm dieses abwechselungS- - «Idjeii Tages nicht erschöpft; um 9 Uhr fand vor dem 2 Wenzschlosfe der große Zapfenstreich statt, an dem sich _ Är MlitärmusikkorpS Darmstadts beteiligten. Der Parade- - Ü«h bot ein buntbewegtrS Bild, wie es die sonst so stille - Wsche Residenz nicht oft sieht; am Denkmal standen die 2 Musiker, um sie herum ein leuchtender Kranz von Fackel« " digern. Ganz Darmstadt hatte sich eingefunden, doch ohne _ Ke nötige Andacht, denn es herrschte ein Lärm, der den - Adagios der verschiedenen Piessen gewaltigen Abbruch that. - Uetzt ertönte die allbekannte Weise deS Zapfenstreiches " mb bald erloschen die Lichter in den Zimmern deS Kron- _ Unzen.
spelle deS Regiments ließ ihre heiteren Weifen ertönen. _ Die Offiziere hatten hier Gelegenheit, aus erster Hand eine - i Probe deS oft gerühmten GedächtnisieS ihres erlauchten - Gastes zu erhalten: der Kronprinz erkannte im Stabs-
11 Greuzfttchs.
Altmärtische Dorfgeschichte von Hermann RobolSty.
10L.,t«n nimmt entgegen. iT&twn d. Blattes, 1^>edÄnn°n-en.Bur-aur jJfb Dietrich u. Co. in
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Uffe in Berlin, Frank» w fort a. -vr. re.
Ne; „o, es wird ja gehen I" Aber mit dem verzweifelten ^tuf: „Wir sind eingesperrtl — gefangen!* sank plötzlich 16 arme Alte in die Knie.
„Alle Mann zusammen! kommandierte jetzt eine tiefe Männerstimme. Von rechts und links kamen nun die bewaffneten Bauersleute heran und scharten sich um ihr Oberhaupt. Auf dem Fußpfad im Walde hatte schon der lahme Hirt die Spuren einer auSgeklopsten Pfeife und dicht dabei einen halbverbranntm Fidibus gefunden, auf dem man noch deutlich den Namen „Mertens" lesen konnte. DaS hatte die Erretter aus der Not auf die richtige Spur gebracht. Als nun aber gar der Schulze den Schafbuben unterwegs gefragt, ob er nichts Verdächtiges gesehen, und dieser von dem Spektakel im Bleichhause erzählt, unterlag es keinem Zweifel mehr, daß in dem einsamen Gebäude irgend etwas Ungehörige« vorgehen mfiffe. —
Mit offenem Munde standen unterdeffen die beiden Grenzaufseher in ihrem Gefängnis und blickten voll Bang« durch die Fensteröffnung auf die beratende Schar. „Wenn die uns hier finden, ist's mit unserem Ruf auf ewig dahin I" klagte Berndt. „Nein, lieber will ich noch bi« zum Abend hier verharren und es dem Zufall — trotz Hunger und Durst — überlaffen, wie wir frei werden!" Mit diesen Worten ergriff er de« Kollegen Arm und zog den Willenlosen mit hinter den bergenden Vorhang zurück.
„Trioleure vor und in daS Haus geblickt!" kommandierte der Generalissimus. Als sie aber alle groß umfahm, schob er den breitschultrigen Schmied mit den Militär- und geschichtskundigen Worte vor: „Trioleure sind daS Gegenteil von Konterleure. Sie müffen daö Gefecht aufklären, wogegen die letzteren beim Rückzug zur Verwirrung dienen. Erfunden sind die Trioleure von Andreas Hofer, der auch einer war. Er bediente sich der Truppe zuerst in der Schlacht bei den Pyramiden, wo er eine feindliche Etikette stürmen ließ." (Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Statte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. Co. in Frankfurt a.M;J«oettche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank tn Berlin: W. Thiene« in Elberfelds C. Schlotte in Bremen.
Gar groß ist die Anzahl der Garnisonstädte, in denen der hohe Herr sich während dieser Tage von dem Zustande der Schlagfertigkeit der Truppen des 11. Armeekorps überzeugen will. Heute führte ihn zunächst fein Weg nach Wiesbaden, wo das 1. Bataillon des 80. Infanterieregiments und die 2. Abteilung des Feld-Artillerieregiments Nr. 27 unter dem Befehle des Obersten v. Keyserlingk in Parade standen. Wie später in Homburg, so nahm auch hier in Wiesbaden der Kronprinz Gelegenheit sich in anerkennender Weise über die Truppen auszusprechen.
Daß daS Städtchen Homburg ein internationales Bad ist, das verriet heute morgen der Fahnenschmuck, in dem vor allem die Hauptverkehrsader, die Luisenstraße, prangte. Man konnte hier in der Stadt Studien machen, welchem Reiche diese und dann wieder jene Flagge gehöre; sie alle aber sollten doch nur einem, dem Deutschen Kronprinzen, das festliche Gefühl ausdrücken, welches ob seiner Ankunft alle Herzen erfüllte. Der Bahnhof wird einem vollständigen Umbau unterzogen; nur das notdürftigste hat man stehen laffen. Doch diese Reste hatten ebenso wie der seiner Vollendung entgegengehende Kaiserpavillon durch die Fürsorge des BahnhofSinspektorS Krüger ein festliches Gewand angelegt. Bei den Ausschachtungen für die neuen Anlagen sind wohl gegen hundert italienische Arbeiter beschäftigt, die in einen wahren Sturm der Begeisterung ausbrachen, als sie heute morgen hörten, der Kronprinz würde kommen; und als der Extrazug nahte, stellten sie sich alle in einer Reihe auf und begrüßten den erlauchten Freund ihres Königs und Landes mit einem donnernden Eviva! Auf dem Perron stand der erst gestern zur Uebernahme seines Postens hier eingetroffene Landrat v. d. Heydt, ein Sohn des früheren Ministers, der Bürgermeister SchleuSncr und einige andere Herren, um den Kronprinzen zu bewillkommnen. Born Publikum, unter dem man zahlreiche blonde Söhne und Töchter Albions bemerkte, stürmisch begrüßt, bestieg der hohe Herr mit seinem Gefolge bie bereit stehenden Wagen, um nach dem Exerzierplätze zu fahren. Und welch einen prächtigen, malerischen Anblick bot derselbe dar. Eine halbe Stunde vor der Stadt, am Fuße der „Höhe", d. h. deS Taunus, gelegen, umrahmt ihn ein herrlicher Wald, dessen sonntägliche Ruhe einen eigenen Gegensatz zu dem militärischen Schauspiel bot, das sich innerhalb dieser grünbelaubten Grenzen entwickelte. Das gesamte vornehme Badipubli- kum hatte sich zu Roß und zu Wagen eingesunden; nicht ost wird den reisenden Engländern, Amerikanern, Ruffen, Polen, Italienern und weß Stammes sie sind, die Gelegenheit geboten, in nächster Nähe den vielbesprochenen preußischen Paradeschritt zu sehen, dem Tiraillieren eines Bataillons beizuwohnen. Man müßte ein sehr polyglotter Mann sein, wenn man alle die Ausdrücke und Ausbrüche des Lobes, der Bewunderung verstehen wollte, die von allen Seiten an das Ohr schlugen; nicht satt sehen konnten sich mit dem Gewehrkolben die auSgewundene Decke des kleinen Gemachs, um einen Weg nach oben freizulegen.
„Und wenn ich den Hals brechen muß," stöhnte der gequälte Mann, „ich springe ohne Besinnen vom Dache herunter!" Einzelne Stücken Kalk und Lehm pflogen ja im Zimmer stäubend umher; indes war die Mühe vergeblich. Die Zimmerdecke erweis sich fester als man geglaubt, und die Hände verzweifelnd ineinander legend, fiel Berndt auf bie alte Bank zurück.
Mertens starrte gedankenlos vor sich nieder.
„Ich begreife es nicht," begann der jüngere Beamte nach kurzer Pause wieder, „wie wir in solchen Totenschlaf verfallen konnten." Dabei nahm tt mechanisch die leere Weinflasche vom Boden und laS instinktiv das Etikett „Chateau Giscourt“. Er roch an der Bouteille. Von wem haben Sie den Wein?" fuhr er mit einem Male, wie wenn ihm ein Licht aufginge, auf den Kollegen los.
Dieser zuckte zusammen. „ES ist jene Flasche, die mir von der geheimen Sendung zufiel; ich wollte sie nicht umkommen laffen! stotterte er verlegen.
„Mensch! — Unglücklicher! — WaS haben Sie verbrochen!" begehrte zähneknirschend der junge Mann auf und schüttelte ben bebenden Alten an den Schultern. „Ahnen Sie denn nicht, man hat uns ohne Zweifel Schlafpulver in ben Trank gethan, und ber Zufall ist bem Schurken von Grenzfuchs nur zu günstig gewesen, baß wir die Gistbrühe gerade zur geeigneten Zelt zu uns genommen!" —
Draußen wurden Stimmen laut. „Hier hab' ich's deutlich gehört, muß der Teufel drin rumoren oder sonst Räuber sich kämpfen," erscholl es im Diskant. „Ich sürchtete mich so sehr, daß ich mit meinen Schafen weit weg getrieben bin!"
"m Z^rtagew Preis für das Quartal mit der wSchentlichen Beilage „Jllnstrirte« ®omtt*6«6latt" durch dir Expedition (Koch'sche
Suchdruckerei) bezogen 2*A Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pf«, (excl. Bestellgebühr.) - JnsertionSgebühr für die gespaltene ReUc lO Bfe ’ 8^r m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Pfll- berechnet.
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~ aus dem Häuschen war und blieb versperrt.
S ! Keuchend ließen die beiden Männer endlich von ihrer — ** Krengung ab und schöpften mit Mühe Atem. „Da - b "wen wir nicht heraus!" ermannte sich der Alte zuerst " • 'der unv trat an die kleinen Fenster heran. Mit dem ' t Wen stieß er gegen das Glas, so daß eS klirrend nach _ * A Seiten umherstob. Aber die Eisenstäbe vor der -ObliS^ fffnung waren tief in daS Gemäuer eingelassen und zu- < ? bie Breite des Ausschlupfes nur so unbedeutend, daß " f ’ wohl kaum ein Knabe hätte durch daS Loch zwängen S 1 wn.
' i “gen da. Wie ein rasender Roland warf er sich jetzt _ * ** voller Wucht gegen die eisenbeschlagene Thür. Auch 1883. "Ittcn8 riß mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht an
— 181 Schloß; alles, alles vergeblich! Die dicken Bretter
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„Ich kann die Thür nicht aufkriegen!" polterte immer - vH voll Ingrimm der voreilende Berndt, indem er Der» ' ikims den Drücker auf- und zuklinkte und mit Macht die Z1 beiten Schultern gegen die eichenen Bohlen stemmte.
Brirl Homburg, 23. Aug. Der Kronprinz erfreute gestern nach seiner Rückkehr von Aschaffenburg die Offiziere deS 2, Hessischen Dragonerregiments in Darmstadt mit einem Bisuche. Das Kasino, am Marienplatz gelegen, hatte zu ßhren des hohen Gastes festlich geflaggt; an dem Eingänge staub der Oberst v. DreSky und stellte sämtliche Offiziere sor. In Darmstadt nennt man dies Kasino die „Bul- garienhalle", da einst Fürst Alexander in dem Regiment gestanden und einen nicht unbedeutenden Beitrag zur freundlichen Ausstattung dieser Räume gegeben hat. Der Kron- sriuz, vom Großherzoge und dem Prinzen Heinrich begleitet, mhm zunächst die Gesellschaftsräume in Augenschein und _ betrachtete hier mit besonderem Wohlgefallen ein Gemälde, BcheS die Attacke vor Bois CommunS, eine schneidige Heldenthat dieser braven Dragoner, darstellt; eS ist ein «schenk vom Prinzen Heinrich und vom Profeffor Hunten mit packender Naturwahrheit gemalt. Der herrliche Abend leckte ins Freie, in den freundlichen Garten, wo der Kronprinz im Kreise der Offiziere eine behagliche Stunde ver- 17-a lebte. Ein schlichtes Buffett lieferte Erfrischungen und die