Marburg, Freitag, 24. August 1883.
XVffl. Jahrgang.
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Von -er Juspeltiousreise -es Kronprinzen.
Darmstadt, 21. Aug. Der Kronprinz bewohnt im
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1883. .
itzt in Privathänden befindliche Haus, in welchem vor Mdert Jahren die Königin Luise, die Mutter unseres kaiserlichen Herrn, von ihrer Großmutter, der Prinzessin !aise Albertine von Hessen, erzogen wurde, nebenan das Ms, in welchem am 18. Juni 1815, dem Schlachttage on Belle-Alltance, der General v. d. Tann das Licht der Leit erblickte.
Den gestrigen Nachmittag verlebte der Kronprinz in Zugenheim. Es ist ein gesegnetes Stück deutscher Erde, da» die gütige Natur mit besonders freigebiger Hand auö- kstattet hat. Wer je in diesen herrlichen Waldungen ge- ttdlt und einen Blick auf die breite, stromdurchglänzte Au morsen, der begreift die stille Vorliebe deS verstorbenen taiserS Alexarider II. von Rußland für diesen lauschigen )rt, in dem er so oft Erholung suchte und sich wohl be- <mb. Hier verlebte auch die verstorbene Kaiserin ihre Zugendjahre und hat oft genug den schattigen Laubengang, der sich vom Thal nach dem Schlosse Heiligenbcrg zieht, Iren Lieblingsgang genannt. Das Schloß ist Besitztum de» Prinzen Alexander, um den sich hier alljährlich stets ein Kreis fürstlicher Verwandten versammelt und in dieser Wichen Gegend es sich wohl sein läßt. ES war ein Mächtiger Nachmittag, „über allen Gipfeln war Ruhe" mb ein herrlicher Blumenflor würzte die Luft mit seinem Wohlgeruche. Zwischen dem Großherzog und dem Kronprinzen bestehen seit alterö her so innige verwandtschaftliche mb freundschaftliche Beziehungen, daß eS leicht erklärlich »ar, wenn die beiden hohen Herren den ersten Nachmittag zurückgezogen im Kreise der Familie verlebten.
Heute morgen wurde die Truppenbesichtigung in Mainz !tttgesetzt. In der Parade standen daö 3. Hessische Jn- santerieregiment Nr. 117 unter Oberst v. Westernhagen,
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Schlosst die Gemächer der verstorbenen Großherzogin Ma- Me; in seiner Nähe sind die Herren seines Gefolges, der Meral Mischke, die Majors v. Rabe und v. Wildenbruch Mn der 4. Armee-Inspektion, sowie die beiden Adjutanten, Rittmeister Frhr. v. Nyvenheim und Hauptmann v. Kessel uniergcbracht. Kleine, aber äußerst freundliche Garten- Magen begrenzen auf der einen Seite diese Residenz; auf btr anderen breitet sich der Markt aus; hier steht noch das
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Auch für den Monat September nehmen alle Post- .„»alten Bestellungen auf die
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9 GreuzfuchS.
Altmärkische Dorfgeschichte von Hermann RobolSky.
„Das Ding ist nicht dumm!" antwortete Berndt und W dem Nachbar tüchtig Bescheid. „Das Zeug schmeckt
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L „ia.n nimmt entgegen: f^Mebition d. BlatteS. I^ebAnnoncen-Sureaur 1° Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.
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Mertens lächelte in sich hinein und überzeute sich gleich
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes» sowie d.Annoncen-Bureaux von @. 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung dasemst; Hermausche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes tn Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.
das 1. Bataillon des Hessischen Infanterieregiments Nr. 118 unter Oberst Freiherrn v. Rosen, das 1. Nassauische Infanterieregiment Nr. 87 unter Oberst v. Sothen und daS 88. Infanterieregiment, befehligt vom Oberst Hornhardt. Gar prächtig nahm sich daS 1. Hessische Husarenregiment Nr. 13 aus, dessen Chef bekanntlich König Humbert von Italien ist. Mit der Kavallerie bildete das Brandenburgische Fuß-Artillerieregiment Nr. 3 unter Oberstleutnant Berend und daS Pionierbataillon Nr. 11 unter Major v. Bruhn das zweite Treffen. Der Kommandeur der 41. Jn- fanteriebrigade, Generalmajor v. Rauch, befehligte die Parade ; unter der anwesenden Generalität bemerkte man auch den Gouverneur der Festung Mainz, General der Infanterie v.Woyna, und den Kommandanten Generalmajor v.Haugwitz, den Nachfolger des jüngst verstorbenen Generalleutnant v. Loos.
Ein herrlicher Morgen lachte über den rheinischen Landen, als der Kronprinz, der Großherzog und der Prinz Heinrich bald nach 7 Uhr Darmstadt verließen; nach halbstündiger Fahrt war Mainz erreicht. Gar wunderlich tauchte die uralte Stadt aus dem leichten Morgennebel auf; in stiller Majestät wälzten sich die Fluten deS Rheines, in denen sich die Türme deS Domes spiegelten. Welch ein Stück deutscher Geschichte hat sich doch hier abgespielt seit den Zeiten Cäsars und DrusuS' bis zu den unvergeßlichen ersten Augusttagen des Jahres 1870, da hier das deutsche Hauptquartier zusammentrat, und von hier aus König Wilhelm seine zündende Ansprache an die Armee erließ. Am Bahnhofe wurde eine kurze Rast gehalten, während welcher der Großherzog die Begrüßung der Zivilbehörden entgegennahm; dann bestiegen die erlauchten Herrschaften von neuem den Salonwagen, den alsbald eine Lokomotive nach dem nahen Gonsenheim führte, nach dem gewaltigen Exerzierplätze der Mainzer Garnison. Hier stiegen die fürstlichen Herren zu Pferde und sprengten der Paradeaufstellung zu; in die rauschende Musik mischten sich die Hurrarufe der Menge, die von weit und breit herbeigeeilt war, um Zeuge dieses militärischen Schauspiels zu sein, das bis nach 12 Uhr dauerte. Nachdem die Fronten der Regimenter abgeritten waren, exerzierte jede einzelne Waffe im Feuer; die Haltung und die Leistungen der Truppen waren vorzüglich, fie zeigten sich in der That als eine wahre „Wacht am Rhein", die fest und treu zum Vaterland« steht. Auf der Rückfahrt hatte der Kronprinz Gelegenheit, einen Blick auf die Stadterweiterung zu werfen; wie in einem mächtigen Ameisenhaufen arbeiten hier viele Tausende von Händen, um die alten Wälle abzutragen, die Gräben zu füllen, neue Straßen anzulegen. Seitdem der alten Stadt die eiserne Schnürbrust etwas erweitert, atmet sie wie verjüngt auf; ein neuer prächtiger Bahnhof geht seiner Vollendung entgegen und der Handel der reichen Mainzer Kaufherren nimmt einen erneuten Aufschwung. Die alten, engen Festungswerke genügten den Ansprüchen der den prächtigen Linden und pflegten der wohlverdienten Sonntagsruhe.
„Was mag der berittene Grenzoffiziant aus der Stadt vorhin, heute am Sonntag, für Nachrichten an unsere beiden Steuerbeamten überbracht haben?" begann der Ortsschulze neugierig inmitten einer Gruppe Bauern daS Gespräch.
„Ich weiß auch nicht," antwortete einer der Umstehenden; „aber mir ist es aufgefallen, daß sich heute weder MertenS noch Berndt irgendwo haben blicken lasten. ES ist das ganz gegen ihre Gewohnheit."
„Ich sah sie gestern in voller Bewaffnung daS Dorf verkästen. Jedenfalls hatten sie Wind von einem nächtlichen Pascherzug erhalten!" klärte ein anderer das Rätsel auf.
„Ganz bestimmt!" bestätigte der Schulze. „Berndt ist ein verbissener Feind deS rätselhaften GrenzfuchseS. Er ruht nicht eher, bis er den tollen Gesellen tot oder lebendig dem Gericht überliefert hat."
„Schwerlich wird ihm das gelingen," schüttelte ein alter Hosinhaber das graue Haupt. „Der Grenzfuchs kann sich nun einmal unsichtbar machen, und hilft doch am Ende alles Aufpasten und sogar das Schießen nichts. Mir hats der Barnebecker Müller selbst gesagt, daß er den kühnen Pascher eines Abends in seinem Ellenbruch dicht vor sich gehabt, und plötzlich sei der Rästelhafte wie weggeblasen gewesen."
Der etwas lahme Schafhirt des Dorfe« wollte eben noch einen treffenderen Beweis davon geben, daß es bei dem gefürchteten Schmuggler nicht mit rechten Dingen zugehen könne, als der berittene Offiziant plötzlich auf die Gruppe zugesprengt kam.
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1 mch einmal von der Güte deS Stoffes. Es währte auch , dicht lange, so hatten die beiden mit der Herzensstärkung 1 dufgeräumt.
„Nun aber ganz ruhig!" kommandierte leise der jüngere Grenzausseher weiter und setzte sich so gut als thunlich ^uem zurecht, während der ältere Kollege bereits die Ecke '^genommen hatte. Vor sich hindämmernd ließ Bcrdt alle i>ie Bilder der Vergangenheit an sich vorüberziehen. Er R sich im Geist wieder als Soldat auf den Boulevards den Paris; dann wanderte er plötzlich in Grenzauffeher- mifotm im Dörfchen Cheine umher. Auf kleinem Pfad zi däherte er sich jetzt der Heideschenke; — da sprang ihm iS offenen Armen Amelie entgegen. „Mon aimable ami !“*) ”te sjx ihm herzlich zugerufen. Er wollte das reizende l! H an se ne Brust ziehen — plötzlich tauchte aber ‘“a gehaßte Figur des Grenzfuchses hinter dem Tannen- ^büsch auf, die drohend die Hand gegen ihn erhob, und _ mn war daö Mädchen wieder aus seiner Nähe verschwunden. - E Di« schweren Atemzüge der eifrigen Aufpaster verrieten - nur zu bald, daß beide verschwenderisch von dm Lethe- 0bl1^ itvpsen res Hypnos besprengt sein mußten.
_ S , Es mochte wohl gegen Mittag sein. Im Dorfe Cheine _ IjWfccn die Leute vor den Höfen auf großen Steinen unter
Neuzeit nicht mehr und meilenweit dehnen stch jetzt um den inneren Kern die schützenden Forts. Das Dejeuner nahm der Kronprinz in dem großherzoglichm Palais ein, das zur Zeit des römischm Reiches deutscher Nation Eigentum des deutschen Ritterordens war. Das Vestibül war prächtig mit Blattpflanzen geschmückt; die Stuckwände und die Deckengemälde gaben ihm ein vornehmes Aussehen. In dem großen Speisesaale war die Tafel aufgebaut; ernst und würdig schauten zwei Hochmeister KlemenS August von Bayern und Franz Ludwig von der Pfalz aus ihren Rahmen auf die Tafelgesellschaft, als die Repräsentanten einer neuen Welt. Von unbeschreiblichem Reize ist die Aussicht, die man von diesem Saale und dem nahen Balkon auf dm Rhein hat; in den Tagen der Fremdherrschaft haben Napoleon und Josephine hier mit besonderer Vorliebe geweilt, und das PalaiS birgt noch manches wertvolle Moblliar von ihnen. Der gewaltige Schlachtenkaiser hatte bereits die Pläne zu einem stolzen, ausgedehnten Schloßbau entwerfen lasten, als die Freiheitskriege seiner Herrlichkeit für immer ein Ende bereiteten. (N. A. Z.)
Deutsches Reich.
«erlitt, 22. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Im deutschen Reiche wird verhältnismäßig selten und dann meist nur flüchtig und oberflächlich von dem rastlosen Kriege Kenntnis genommen, welchen in Frankreich die Presse aller Parteien in den mannigfaltigsten Formen und von dm verschiedenartigsten Ausgangspunkten aus, wetteifernd in Heftigkeit und Rücksichtslosigkeit, gegen den deutschen Nachbar führt. Die nüchterne Weltanschauung des Deutschen unv der bisher geringe Grad seiner nationalen Empfindlichkeit vermag die Leidenschaften nicht recht zu verstehen, die in einem wahren Orkane von Schmähungen und Hetzereien ihren Ausdruck suchen und von denen, soweit wir die französische Presse einzusehen in der Lage sind, eigentlich kein Organ sich auch nur auf eine gewisse Zeit freizuerhalten vermag. Von Zeit zu Zeit möchte es aber als Gebot der eigenen Friedensliebe erscheinen, den Eindmck zusammenzufassen, welchen diese Angriffe in stetig zunehmender Lebhaftigkeit hervorzubringen geeignet sind und der bet allen ruhigen Beobachtern, selbst bei solchen, die etwa noch in Frankreich zu finden sind, nur darin gipfeln kann, daß Frankreich durch die maßlose Heftigkeit seiner Revanchepredtqer und durch daS Echo, welches dieselben beim eigenen Volke und darüber hinaus bis in die Kreise gesinnungsverwandter Agitatoren in Elsaß und Lothringen finden, als der einzige Staat stch darstellt, welcher den Frieden Europas dauernd bedroht. Zugleich mit dieser Erkenntnis wird die Ueberzeugung sich aufiivtigen, daß ein solcher Zustand nicht andauern kann, ohne daS Ziel aller ernsten Politiker, den Frieden, schwer zu gefährden. Denn je höher die Flut der Leidenschaft anschwtllt, welche eine gewisse Agitation für verschiedenartige Zwecke anzufachen
„Kinder," Hub er in fast erregtem Tone an, „dem MertenS und Berndt muß ein Unglück zugestoßen fein, wenn cS sich nicht gar um etwas Schlimmeres handelt. Vergangene Woche erst wurde bei Wittingen ein Grenzbeamter von Paschern erschosten. Wir müsten Wald und Heide absucheu und Ihr werdet mir zweifelsohne Hilfe leisten. Doch halte ich eS für geraten, daß jeder stch irgendwie bewaffne, d. h. eben aus Vorsicht, falls wir auf Gegner stoßen solltm. Ihr könnt alle auf den Dank der obersten Steuerbehörden rechnen, denn den Dienst leistet Ihr jetzt dem Staate."
Die Rede hatte gepackt. Der Schulze erhob sich zuerst. Ihm schien es einzuleuchten, daß er als Vater des Orte« mit gutem Beispiel vorangehen mußte. „Auf dieser Stille sammeln wir uns wieder!" rief er den sich Entfernenden zu, da alles jetzt nach Wehr und Waffen trachtete.
Nach Verlauf von kaum einer Viertelstunde standen vor dem Schulzenhof etwa zwölf schwer bewaffnete Männer. Der oberste Dorfbeamte hatte einen mächtigen Säbel um- geschnallt. Drei der Bauern trugen Pieken von der noch in lebhaften Andenken stehenden Landsturmzeit. Der Schmied aber erschien mit einem BajoneUgewehr, das er ganz vorschriftsmäßig über die Schultern gelegt hatte. Wieder zwei andere traten mit Heuforken an. Die entsetzlichste Waffe besaß jedoch der vorhin erwähnte lahme Hirt. Der er- finderische Kopf band zu Hanse eine halbverrostete Sense an eine mächtige Stange. Er könne damit, meinte er, schon aus möglichst weiter Ferne die Büsche durchschöbern, ob kein unerlaubt Gestndel in ihnen stecke.
(Fortsetzung folgt.)