Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Dienstag, 14. August 1883

r. ISS.

xvm. Jahrgmg.

OIicWschk jfitmig

Hermansche

daselbst;

Berlin: tut_t.k

l -MA die Spitze der Sammlung für die Verunglückten in Ischia

i. d.

Otter.

Construi g, fak*

chen ai gesucht.

»Handlung »endanli»

igthiere- u n der H r Marktrd

I

zum Bel|

ev 81 gesucht

Bl.

Schröck und Himmelsberg zu übertragen, allein er stieß dabei auf heftigen Wtederstand seitens der mainzischen Be­hörden, welche in den Verbesserungspunkten nicht nur eine in das Gewissen der Unterthanen eingreifende, sondern auch eine dem bisherigen auf den Religionsfrieden gegründeten Zustand widersprechende Aenderung sahen, so verboten sie ihren Unterthanen (weil Landgraf Moritz zur Zurücknahme der Verbefserungspunkte sich nicht verstehen wollte) nicht nur bei hoher Strafe den Besuch der Kirche, sondern ließen auch die Kirchen verschließen, verriegeln und versperren. Landgraf Moritz ließ sich durch diese Maßregeln nicht ab­schrecken und versuchte durch Gegenmaßregeln die Einführung der VerbeflerungSpunkte zu erzwingen. AIS er aber sah, daß er mit seinen Gewaltmaßregeln nichts auSrichtete, trat er mit dem Kurfürsten Johann Schweickhardt von Mainz in Unterhandlung. Infolge desien wurde der auf dem Schlöffe zu Marburg gefangen gehaltene Pfarrer Staudt, weil er am Pfingstfeste des Jahres 1606 in der Kirche zu Bauerbach das heilige Abendmahl nicht mit Brotbrechen, sondem mit Hostien administriert hatte, wieder auf freien Fuß gesetzt, und ihm und den beiden anderen Pfarrem, welche Schröck und Himmelsberg bedienten, wurde wieder erlaubt, ihr Amt zu versehen,bis die Herren sich ver­glichen hätten*. Staudt kehrte hierauf nach Bauerbach zurück und wartete seines Amtes und der Dinge, die da kommen sollten.

Nachdem die Unterhandlungen zwischen dem Landgrafen Moritz und dem Kurfürsten von Mainz über 2 Jahre ge­dauert hatten, kam endlich ein Vergleich unter dem 30. Oktober 1608 zu stände, und zwar so, daß das hessische Patronat über Bauerbach, Schröck und HtmmelSberg gegen da« mainzifche Patronat über Epstein, Nordenstadt und Oberliederbach umgetauscht wurde. Infolge dieses Vergleichs

gestellt haben." DerReichSanz." meldet: Von Reichs- wegen wurde beschlossen, zur Erforschung der Entstehung, der Natur und des Verlaufs der Cholera und zur Auf­findung von Maßregelt: zur Verhütung derselben eine wissenschaftliche Expedition nach Egypten zu senden. Die Expedition wird von einem Mitgltede deS ReichSgesundheitS- amts, dem Geheimen RegterungSrate Koch, geleitet werden und geht nächste Woche nach Alexandrien ab. Die .Nationalzeitung" hört, die Kanalvorlage werde von der Regierung abermals und in erweiterter Form vorgelegt werden. Ueber die näheren Modalitäten feien noch keine bestimmten Entscheidungen getroffen. Der vom Abgeord­netenhaus angenommene Antrag, die GerichtSkosten-Erhebung der Steuerverwaltung wieder abzunehmen und der Justtz-

«ttb Finanzministeriums zusammengetreten sein, um die Angelegenheit zu beraten; doch verlautet noch nichts über das Resultat. DiePost" veröffentlicht eine Zuschrift des Dr. Otto Arend, welche besagt, Profeffor Konrad zu Halle habe ihm mitgetetlt, daß die Nachricht, der Selbst- »lord des Professors von Puttlitz fei durch eine Denun­ziation des Dr. Dühring bei der Haller Universität ver­anlaßt worden, absolut unwahr fei. In demDeutschen Tageblatt" schreibt ein Korrespondent: Der Grund, daß in

vdiiu, SB. Thiene» t»

Elberfeld: 6. Schlotte tu

der provisorischen Vereinbarung mit Spanien die Klausel betreffend die Ausschließung deS in Hamburg rektifizierten russischen Sprits nicht ausgenommen sei, dürfe darin liegen, daß Spanien beabsichtige, diese Klausel allgemein auch auf andere Länder auszudehnen, um einer Umgehung durch Fabrikanlagen in Dänemark und Schweden vorzubeugen. Der russische Marineminister, Vize-Admiral Schestakow, der gegenwärtig in Karlsbad weilt, hat bet dem Chef der Admiralität, Staatsminister v. Caprivi, die Erlaubnis zur Besichtigung der deutschen Werften und Küstenwerke ein­geholt und erhalten und wird zu Ende nächster Woche Kiel und WilhelmShafen besuchen. Der Hamburger Senat hat, wie zuverlässig bekannt wird, sowohl dem Handels­vertrag mit Spanien, wie auch der provisorischen Verein­barung zugesttmmt. Die Vorarbeiten der verschiedenen Ministerien behufs Bildung eines Landeisenbahnrats sind nunmehr abgeschlossen und die Veröffentlichung der Namen des Vorsitzenden und der von den Ressortministern berufenen und von den Bezirksräten gewählten Mitglieder des LandeS- eifenbahnratS steht demnächst bevor. Die erste konstituierende Sitzung soll aber auf Wunsch vieler Mitglieder mit Rück­sicht auf die Reise und Badesaison erst Mitte September stattfinden.

Breme«, 10. Aug. Ueber die Niederlassung in Afrika, welche die Erlaubnis erhalten hat, die deutsche Flagge auf- zuhiflen, bemerkt dieWeserzeitung": Das Bremer Haus sei die Firma F. A. C. Lüderitz, welche Herrn Vogelsang und einige andere Europäer mit dem SchiffeTilly" aus­gesandt hat. Die Bai Angra Pequena liegt in Groß- Namaqualand, auf 26° 37' 52" südlicher Breite und auf 15° 7' 7" östlicher Länge von Greenwich. Sie erstreckt fich von Norden nach Süden und ist ca. 12 Miles lang; daS durch Verkauf an die Firma Lüderitz übergegangene Land hat eine Ausdehnung von etwa 150 englischen oder 10 deutschen Quadratmeilen. In der Bai liegen drei größere Inseln, die Robbeninsel, auf der bedeutender Robben­schlag betrieben wird, die Penruininsel, welche Guano liefert, und die Insel Shagk Island. Diese Inseln bilden mächtige Wellenbrecher gegen den Ozean. Hinter ihnen ist ruhiges Waffer und am Nord- wie am Südende der Bai befinden sich treffliche Ankergründe und wohlgeschützte Häfen. Das nächstliegende Land ist eben; im Sommer zur Regenzeit mit üppigem GraSwuchS bedeckt, beherbergt eS viele Strauße und Antilopen; im Winter dörrt die Vegetation ab. DaS Hügel- und Bergland beginnt erst weiter nach Osten zu. Dort ist reich an Waffer und an Kupferlagern. Dort liegt der kleine Ort Bethanien mit 900 Einwohnern, eine MisstonSstation, wo derKönig" wohnt, der das Land verkauft hat.

Darmstadt, 11. Aug. Der Großherzog wird mit seiner Familie am 19. d. M. aus England hier wieder eintreffen.

ArcheuhtstorischeS aus dem 1. Jahrhundert der Reformation in Heffe«.

(Schluß)

Wenn behauptet worden ist, jener Vorfall in der Kirche zu Bauerbach habe die Bewohner dieses Dorfes veranlaßt, zur katholischen Kirche wieder zurückzukehren, so ist dieses nicht andem. Bauerbach, Schröck, Ginseldorf und Himmels- berg sind nämlich ganz ohne ihr Zuthun in den Schoß der katholischen Kirche zurückgeführt worden, wie auS nach­stehender Darstellung ersichtlich ist, und zwar zuerst Ginseldorf und dann nach 13 Jahren die drei anderen Ortschaften.

>che«l Bl. |

Deutscher Reich.

Berlin, 11. Aug. Der Kaiser nahm heute vor- «ittag auf Schloß Babelsberg die regelmäßigen Vorträge entgegen. Zum Diner beim Kaiser waren Prinz Wilhelm un6 der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes» Graf Hatz- seldt, geladen. Die Kaiserin ist gestern früh von Coblenz abgereist und trifft heute abend um 9 Uhr in Potsdam ein.Der Kronprinz empfing nachmittags im Neuen Palais den französischen Botschafter Lonnoy. DerReichSanz." veröffentlicht folgenden Erlaß des Kronprinzen an den Fürsten BiSmarck:DaS Unglück, wodurch die Insel ZSchia hetmgesucht worden ist und welches ganz Italien in liefe Trauer versetzt, hat in Deutschland den schmerzlichsten Eindruck gemacht. Es ist meiner Gemahlin und mir daher ein Bedürfnis, diesem Gefühle Ausdruck zu verleihen und hegen wir den innigen Wunsch, daß dies in einer unserer Betrübnis würdigen Weise geschehe. Deshalb möchten wir, von Tausenden umringt, im Geiste an die Trauerstätte treten, aber nicht um die Toten zu beklagen, sondern um den Ueberlebenden ihr Leid lindern zu helfen. Wir sind gewiß, daß daS deutsche Volk dem befreundeten Nachbar in seinem Unglück wird zur Seite stehen wollen, und daß eS bereits nach Wegen dahin sucht. Darum bitten wir Sie, bekannt zu machen, daß die Kronprinzessin und ich uns an

au fick t guter

:rben § »eckt

eine $ erfr. i

eWot r verw aserick »esteheS

"urta,

FeMieiflennimmt entgegen: Mpebition d.BlatteS. r.«ied.Annoncen-Bureaur

Dietrich u. Co. in und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a.M.; A«afenftein u. Vogler in Gtrt -- M., Berlin, Kg, Köln :c.; Rudolf Ur in Berlin, Frank- 1 furt

aise, tij en, i$it »erkauf [2

traten nunmehr in die Stellen der evangelischen Pfarrer zu Bauerbach, Schröck und Himmelsberg katholische, welche diese evangelischen Gemeinden zum Katholizismus wieder zurückführten. Ueber Bauerbach wird insonderheit noch folgendes berichtet. Bald nach jenem Vergleich erschien im Pfarrhause zu Bauerbach in Begleitung des Amtmann» von Amöneburg ein katholischer Priester; letzterer, um von der Pfarrei Bauerbach Besitz zu nehmen, ersterer, um den Pfarrer Staudt zu bedeuten, daß er kein Recht mehr aus die Pfarrei Bauerbach habe, weil sie dem hessischen Patronat entfallen sei. Infolge deffen räumte Staudt das Pfarr­haus und verließ Bauerbach. In Heffen Kassel konnte er keine Anstellung finden, weil er gleich vielen seiner hesst- scheu AmtSbrüder die Annahme der VerbeffemngSpunkte ver­weigert hatte. Er ging nach Hessin-Darmstadt und wurde Pfarrer in Wiefeck bei Gießen.*)

Profeffor Dr. Vilmar sagt In der Zeitschrift deS Verein» für hessische Geschichte und Landeskunde im zweiten Bande der neuen Folge im ersten Heft:Die VerbefferungSpunste deS Landgrafen Moritz hatten somit der hessischen Kirche drei evangelische Gemeinden gekostet; Epstein aber ging nicht nur für die VerbeffemngSpunkte, sondem infolge der Ver- befferungSpunkte für Heffen-Kaffel und schließlich für Heffen überhaupt verloren." W. Bücking.

*) Daß Staubt trotz bet twurigen Erlebnisse dennoch in bie Zeit seines Bauerbacher Pfarramtes als in eine glückliche Zeit zurückblickte, und, wenn es möglich gewesen wäre, noch nach 25 Jahren gern toieber dahin zurückgelehrt sein würde, besagt das Protokoll, welche» der Superintendent Dietrich in Gießen auf Veranlassung deS Superintendenten HerdeniuS in Marburg über die Vorgänge von 1605 bis 1608 von Staubt ausgenommen hat unb daS im Marburger Superintendentenarchiv aufbewahrt wird.

Metz, 10. Aug. DieLothr. Ztg." schreibt:Die ersten Auslastungen französischer Blätter über da» Verbot des Antoineschen Journals lesen wir imTemps": Nach­dem daS Blatt der bisherigen Anwendung de» Diktatur- Paragraphen auf zwei deutsche Sozialisten im Herbst 1881 und auf die Unterdrückung derPreffe d'Alsace et de Lorraine" in ruhiger Weise gedacht hat, fährt eS, auf Antoine und die jüngste Anwendung des Diktaturparagraphen zurück­kommend, mit anerkennenswerter Mäßigung fort:Diese letzte Maßregel hat entschieden einen gegen die Persönlich­keit Antoines gerichteten Charakter; denn die deutsche Re­gierung ließ jüngsthin ohne die Opposition da» Erscheinen eines anderen in französischer Sprache redigierten Metzer Journals zu. Das gegenwärtige Verbot zeigt uns, daß die gouvernementalen Auffassungen, welche Herr v. Man­teuffel vor vier Jahren nach Straßburg mitgebracht hat, während seines Aufenthalts in Elsaß - Lothringen eine Modifikation erfahren haben; cs verkündet uns, daß der Statthalter heute entschieden der Ueberzeugung ist, die Dik­tatur sei ein durch die politische Lage deS Reichslandes ge­botenes Regierungswerkzeug.' In der Annahme, der Erlaß sei gegen die Persönlichkeit Antoines gerichtet, dürste sich derTemps" sehr irren; nicht dieser, sondem der Agitatton der Protestpartei, welche zweifellos in den Spalten de» neuen Journals in prononzierter Weife zum Ausdruck ge­langt wäre, galt eS, ein Hindernis in den Weg zu legen, welches der Beunruhigung der durchaus ruhigen und zu­friedenen lothringischen Bevölkerung durch chauvinistische Propaganda vorbeugt. Zwar ist in dem jüngst veröffent­lichten Programm des Antoineschen Journals wenig Chau­vinistisches zu finden; allein das Programm ist bezeich- nender durch daS, was eS verschweigt, als durch die Phrasen, welche es enthält. Man weiß doch sehr genau, was man von der politique daction, welche der politique de Sen­timent gegenüber gestellt wird, zu halten hat. Durch das Verbot des JournalsMetz" hat die Politik des Statt­halters keine Wandlung erfahren. Es ist die einfache Kon- fequenz des Verbots der StraßburgerPreffe", da eS zweifellos ist, daß Herr Antoine die Erbschaft derselben anzutreten gedachte. Wir erinnern zum Beweise deffen nur an die bisherigen Kundgebungen des Reichstagsab­geordneten für Metz, an das famose Wahlmanifest vom Dezember 1882, an die Briefe, welche er anläßlich der Sammlungen für die Ueberschwemmten nach Frankreich richtete. WaS den Seitrnhieb desTemps" auf das jüngst hier erschienene Journal anbelangt, so ist dem gegenüber zu bemerken, daß jede Zeitung Platz im Lande hat, so lange sie nicht für französische Revanchepolitik Propaganda macht, wie eS mit der Giftpflanze, die Antoine auf reich«- ländischem Boden zu pflanzen gedachte, zweifellos der Fall gewesen wäre."

Ginseldorf war ein Patronat deS deutschen Ordens, ills im Jahre 1595 durch den Abgang M. Happels die Pfarrei erledigt war, machte der Dekan auf Amöneburg dem Deutschmeister Maximilian von Oesterreich hiervon Anzeige, worauf dieser dem Landkomtur Wilhelm von , . Oynhausen in Marburg bei 1000 Gulden Strafe verbot, 0 M tiaen evangelischen Pfarrer in Ginseldorf zuzulaffen. Der Oktbr. Landkomiur hatte keine Lust sich einer so hohen Strafe zu asernei unterziehen, darum verhinderte er nicht, daß Mainz einen katholischen Priester nach Ginseldorf schickte, der die evan­gelische Gemeinde zum Katholizismus wieder zurückführte. Als Landgraf Moritz, der Gelehrte, von Heffen im 3ahre 1605 seine Verbesserungspunkte 1. das Brot­drechen beim heiligen Abendmahl, 2. die Ergänzung der JO Gebote durch das von den Bildern, 3. Entfernung der Ader aus den Kirchen, 4. die Lehre von der Person Ghristi in dem ihm durch Erbscbaft zugefallenen Teil dvn Oberheffen mit der Hauptstadt Marburg einführte, gedachte er dieselben auch auf die der Marburger Super-

grscheint täglich außer an den Werktaam nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS e«mtag«6latt" durch bie Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 8fa.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg- berechnet.

clldn en Hami . Off., «bürg. |

SlMUtt

Nähm urg- [

Heu ß

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Anuoneen>Bnreanx von S- L. Daube u. 6e. in

Verwaltung zurückzugeben, wird, wie man versichert, prak- Nähn tische» Erfolg haben. ES sollen Kommiffare deS Justiz-

' der & henbegh nardZj )ant [2 t Stylt

! gegen z erheil m

Pina,

cht, tedes, ift

ewvä ji>

a.

ist 188=

PPina.

md. ottzi

och. I ____ urgs ( Uri1 f. mit' t nick 'tgeg. I

nmM^endentur unterstellten mainzischen Dörfer Bauerbach,