xvm. Jahrgang.
Marburg, Sonntag, 12. August 1883
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ßerlittr 10. Aug. Wie der Kaiser alljährlich, wenn von seinen Badereisen nach EmS und Gastein nach schloß Babelsberg zurückkehrt, den Zug auf der Station Aß-Beeren zu verkästen pflegt, so war die- auch heute ' 'eijec der Fall. Da- von herrlichen parkähnlichen Anlagen ’ mitten Im
die Ursachen, aus denen genannte Ortschaften wieder .Hvlisch geworden sind, sollen uns in nachstehender Dar« «Eung beschäftigen.
, Bauerbach, seit 1803 kurhessisch und seit 1866 preußisch,
Dorf von freundlichem Ansehen und umschattet von ^reichen Obstbäumen, auS dessen Mitte die Kirche, ein ^gothtscheS Bauwerk, sich erhebt, liegt eine Stunde von r^tburg entfernt, jenseits des Lahnberges an einem ab- ^ssizen engen Thale, daS sich in das weite Ohmthal öffnet.
Zur Zeil der Einführung der Reformation in Hesten
Johann Greiser, aus Marburg gebürtig und auch selbst begütert, Pfarrer in Bauerbach. Er hatte keine ^idersitätsstudicn absolviert, sonst würde sich sein Name ^>z gewiß in dem von Dr. Stölzel herauSgegenen Der« Änis sämtlicher Studierenden aus Hesten bis zum Jahre MO finden, gehörte aber höchst wahrscheinlich gleich seinem ^»tdbruder dem Pfarrer und Not&rius publicua Johannes von Hatzfeld dem auS Priestern und Laien bestehen- Marburger Kaland an, ter viermal jährlich im KalandS- daselbst hinter der Pfarrkirche gelegen sich versammelte da auch über kirchliche Dinge diskutierte.
Nachdem Pfarrer Greiser im Jahre 1565 daS Zeitliche
Als Landgraf Philipp der Großmütige im Jahre 1527 & Reformation in Hesten cinführte, wandten sich auch die »°s mainzischem Gebiet- gelegenen Ortschaften Schröck, Auerbach, Ginseldorf und Himmelsberg, hessische Patronate, ®ii ihren Pfarrern derselben zu, sind aber seit dem Jahre 1608 wieder katholisch.
Ein Vorfall ganz eigentümlicher Art, der sich am 27.
rirchenhistorischeS aus dem 1. Jahrhundert der Reformatio» in Hesse«.
Geleise. Bald entstand ein sehr lebendiges Treiben, da daS Erfolge des Kaisers eiligst die einzelnen Wagen verlosten solle, bevor ssch die Koupeethür des kaiserlichen Salon- mgcns öffnete. Se. Majestät wurde, sobald er den Augen kt ihn Erwartenden sichtbar war, mit lauten und freu- digm Zurufen begrüßt. Hoch aufgerichtct stand der Monarch in dollster Gesundheitsfrische, daS lächelnde Antlitz von der Sonne des südlichen Klimas etwas gebräunt, an der koupeethür, alsdann mit rüstigen Schritten den Waggon «lassend, in dem sich auch die Adjutanten vom Dienst, Vrneral ä, la suite Graf Lehndorff und Major Prinz hiinrich XVIII. Neuß, befanden. Se. Majestät trug den Mlärüberrock mit den Generalsabzeichen, um den Hals
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Dienstes bei Sr. Majestät; beiden Herren reichte der Kaiser die Hand, wie auch dem Landrat Prinzen Handjery. Nachdem der Monarch nun zunächst mit dem Chef des MilitärkabinettS, General v. Albedyll, wie eS schien, noch einige dienstliche Angelegenheiten besprochen hatte, wandte er sich den übrigen Herren deS Gefolges, die sämtlich in Zivil reisten, huldvollst zu, fast an jeden Einznen ein paar gnädige Worte der Verabschiedung richtend. Auf dem Wege nach den Wartezimmern bemerkte Se. Majestät auch den alten AmtSrat Bouvier, ging sogleich auf ihn zu, schüttelte dessen Rechte, die er lange umfaßt hielt, und mag wohl Worte aus seiner Vergangenheit gesprochen haben, denn dem so gnädig Angesprochenen traten die Thränen in die Augen, und voll inniger Rührung blickte er seinem Kaiser nach, dem eine Dame noch ein Boukett überreichte. Se. Majestät äußerte sich voller Dank für die große Aufmerksamkeit, die ihm noch auf der letzten Station vor Babelsberg zu teil geworden, und schritt dann durch das Bahnhofsgebäude nach dem Hinteren Ausgange, wo er von der Schuljugend aus der Umgegend, die mit ihren Fahnen Aufstellung genommen, durch Gesang begrüßt wurde. Die Abfahrt erfolgte, mit Spitzreiter vorauf, in offener vierspänniger Chaise. An der Seite deS Kaisers saß Fürst Radziwill. Auf Schloß Babelsberg wurde Se. Majestät durch den Hofmarschall Grafen Perponcher begrüßt. — Aus Anlaß eines Spezialfalles hat sich vor einiger Zeit der Kultusminister von Goßler in dem Bescheide an eine städtische Behörde dahin geäußert, daß der Regierung nicht bloß die Beaufsichtigung, sondern auch die Verwaltung des gesamten Elementarschulwesens mit umfassendem selbständigem Verfügungsrecht gebühre. Die Bezirksregierung habe deshalb nicht bloß darüber zu wachen, daß das von ihr genehmigte und festgestellte GehaltSregulotiv in bezug auf die einzelnen beteiligten Lehrer nach den maßgebenden Grundsätzen zur Ausführung gebracht werde, sondern sie sei auch ebenso berechtigt, wie verpflichtet, eS nicht dem Belieben der städtischen Behörden allein zu überlasten, einzelnen Lehrern auS besonderen Gründen neben demjenigen Gehalte, auf welches sie nach Maßgabe deS Gehaltsregulativs Anspruch bezw. Anwartschaft haben, außerordentliche persönliche Gehaltszulagen oder sonstige außerordentliche Bezüge zu gewähren und dergestalt daS Gehalt über den regulativmäßigen Satz zu erhöhen oder auf sonstige Weise von dem Gehaltsregulativ abzuweichen. Der Minister hat der in Frage stehenden Bezirksregierung den Wortlaut dieses Bescheides zur Kenntnisnahme mitgeteilt, aber er hat ihr zugleich empfohlen, „von den als vorgesetzter Schulbehörde ihr zustehenden Befugnisten in bezug auf die Behandlung der Besoldungsverhältniste der Lehrer und der Gewährung von außerordentlichen persönlichen Gehaltszulagen gegenüber dem Magistrat nur einen maßvollen Gebrauch zu machen
gesegnet hatte, ward Heinrich Sprenger fein Nachfolger. Er war gleichfalls aus Marburg gebürtig und hatte auch dafelbst studiert. Dieser Mann »ar von dem KommistariuS und Stiftsscholaster der St. Johanniskirche zu Amöneburg, Petrus Zimmermann, „etlicher Beschuldigungen wegen" bei dem Superintendenten des Oberfürstentums Hesten, M. Kaspar Tholde in Frankenberg, zu dessen Kirchen- sprengcl auch die auf mainzischem Boden in der Nähe Oberhessens gelegenen evangelischen Gemeinden gehörten, angezeigt worden. Auf diese Anzeige hin wurde Pfarrer Sprenger vom Superintendenten ab officio suspendiert und bald darauf von der in Marburg zwischen dem 25. April und 3. Mai 1575 versammelten hessischen Generalsynode abgesetzt. Damals war in dem benachbarten Schröck seit 1574 Johann Strack, ein Sohn des Pfarrers Hermann Strack in Münchhausen bei Wetter, Pfarrer. Diesen verordnete auf Empfehlung deS StiftSscholasterS und auf Wunsch der Gemeinde der Superintendent Tholde zur Versehung der Pfarrei Bauerbach während der Suspension Sprenger« und richtete deshalb ein hierauf bezügliches Schreiben an dessen Vater, den Pfarrer Strack in Münchhausen, der es seinem Sohne übermittelte. Dieses Schreiben zeigte Strack Donnerstags den 24. März 1575 in Bauerbach vor und tags darauf den 25. März, am Feste der Vekündigung Mariä, hielt er daselbst die ihm aufgetragene Predigt. Nach derselben baten ihn die Kirchenältesten, er möge doch den folgenden Sonntag Palmarum wieder kommen, well da ihre Weiber zu kommunizieren pflegten. Sonnabend den 26. März ging Strack wiederum nach Bauerbach und hielt daselbst die Vorbereitung, wobei sich 11 alte Weiber zur Kommunion anzcigten. Sonntags den 27. März, morgens 6 Uhr, ließ er zur Kirche läuten, sang mit der Gemeinde ein Stück aus der Passion, verlas
und den etwaigen Wünschen des Magistrats möglichst zu entsprechen." — Die „Post" veröffentlicht eine Erklärung des Bruders des Professors St. zu Putlitz, welche besagt, der Verstorbene gebe in seinen hinterlassenen Briefen, deren Wortlaut einzusehen sei, als Grund seines gewalssamen Endes ein amerikanisches Duell an, welches er zu Au-gang des vorigen Winters infolge eines Konfliktes über die Judenfrage mit einem jüdischen Referendar eingegangen fei. Alles andere fei unwahr. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." teilt mit, daß, nachdem die EntschädigungSfumme für da« gestrandete und von Eingeborenen der PeskadoreSinsel beraubte deutsche Schiff „August" aus Apeurade bereits im Oktober ausgezahlt worden ist, die chinesische Regierung jetzt auch 38 bei der Plünderung beteiligte bestraft und die Zahl der Strandwächter auf der PeskadoreSinsel vermehrt hat.
— Die vom 1. April bis Ende September 1871 in den Militärdienst getretenen Landwehr-Mannschaften treten in diesem Herbst zum Landsturm, die 1876 Eingrtretenen von der Reserve zur Landwehr über, nicht aber, ohne zuvor ihre Militärpässe dem zuständigen Bezirksfeldwebel behufs des erforderlichen Vermerks vorgelegt zu haben, weil ohne diese Vermerke das bestehende MilitärverhältniS nicht geändert wird. Ebenso haben die Ersatzreservisten erster Klasse, deren Dienstzeit am 1. Oktober d. I. endet, sich bei dem Bezirksfeldwebel behufs Erteilung der Bescheinigung zu melden. — Ein Kaiserlicher Erlaß vom 24. v. MtS. (gegengez.: in Vertretung des Reichskanzlers, v. Burchard) genehmigt auf des Reichskanzlers Bericht vom 18. v. M., „im Namen des Reichs", daß behufs Herbeiführung einer schleunigem Zahlungsanweisung der Vergütungen für die durch Truppenübungen entstehenden Flurschäden die besondere« Liquidationen der zu zahlenden Entschädigungen in Fortfall kommen und die Nachweisungen der Ergebnisse der Einigung bezw. Schätzung, unter Einführung eine« neuen, entsprechend erweiterten Schemas gleichzeitig al« Liquidationen benutzt werden. Gleich nach der Truppenübung hat der Ortsvorstand die Eingesessenen zur Anmeldung der Entschädigungen aufzufordern. — Nach Bunde«- ratSbeschluß soll dir 1878 zum erstenmal vorgenommene Ermittlung der landwirtschaftlichen Bodenbenutzung für da« Jahr 1883 wiederholt und gleichzeitig eine sorgfältige Schätzung des durchschnittlichen, in dem Zeitraum von 1878 bis 1882 einschließlich vom Hektar gewonnenen Ernte- ErtrageS solcher Fruchtarten bewirkt werden, für welche in Zukunft eine alljährliche Erhebung des Ernte-ErtrageS nach den Erdrutsch-Ergebnissen nicht mehr vorzunehmen ist. Beide Ermittlungen sollen in Preußm innerhalb der Zeit vom 15. Oktober bis 15. November d. I. stattfinden. — Bezüglich der Vorträge deS Generalfeldmarschalls Grafen v. Moltke bei dem Kaiser sind, wie die „Post" meldet, hierauf die sonntägliche Epistel und sang dann daS apostolische Glaubensbekenntnis. Unterdessen stellte der Opfermann die Schachtel mit dm Hostien und den Kelch mit der Patene auf den Altar. Der Pfarrer Strack fragte den Ofermann, wo denn der Wein bliebe? Dieser antwortete, ein Mann im Dorfe, namens Henche Weindraut hätte einen der Kirche zuständigen Krautacker gepachtet, von diesem gebe er als Pachtzins jährlich am Sonntag Palmarum zur Kommunion eine halbe Maß Wein, Weindraut hätte den Wein Sonnabends in Marburg geholt und würde ihn bringen. Mit dieser Antwort zufrieden, bestieg Strack die Kanzel und predigte. Inzwischen kommt Weindraut und stellt einen Krug auf den Altar. Nach geendigter Predigt trat Strack vor den Altar, und nachdem er die Kommunikanten zur Buße und Besserung ihres LebmS ermahnt hatte, ließ er durch den Opfermann den Kelch aus dem Kruge füllen, sprach die Worte deS Nachtmahls und hielt darauf die Kommunion. Nach geschehener Danksagung, und als sich jedermann anschickte, nach Hause zu gehen, sprach ein Weib, daS kommuniciert hatte, zu Strack: „Herr Pfarrer! wir haben Essig für Wein im Nachtmahl getrunken." Der Pfarrer, darüber erschrocken, verließ mit betrübtem Herzen die Kirche und begab sich sofort zu seinem Vater nach Münchhausen und den folgmden Montag nach Frankenberg zum Supcrintendmten, denen er seinen Unfall klagte. Tholde schrieb sogleich an den Amtmann Jost Rau von Holzhausen in Amöneburg und verlangte, „daß Henche Weindraut verhört und von ihm mittelst Eide- erkundigt werde, ob solches von ihm unwissend geschehen, oder ob er von sonst jemand dazu angehalten worden sei, daß solche- von ihm dem Pfarrer zum Nachteile geschehe." Der Amtmann ließ den Bauer sofort verhaften und mit 14 Tagen Turmarrest bestrafen. Mittelst EiveS bezeugte Weindraut,
»n,ei,en nimmt entgegen: die Expedition d. Mattos, sowie d.Nnnoneen-Bnreanx von ©. L. Daube a. 6#, ia Frankfurt a. M-; Jöaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank tn
Berlin: W. Thiene« in Elberfeld: 6. Schlotte in
Bremen.
arscheint täglich außer an den Werttagen nach Son«, und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS EomrtugSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'fche Kuchdruckerei) bezogen 2V» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl- Bestellgebühr) — JnfertionSgebühr für die gespaltene gelle 10 Pf«.
Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet-
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W j ta Orden pöur le merite, an der linken Brust baß Groß- jLjtteuj des Eisernen Kreuzes und auf dem Haupte die -'j Nitärmütze. Auf dem Perron meldeten sich zunächst der >en wir to General ü la suite Fürst Anton Radziwill und Flügel« iftung*ant Oberstleutnant v. Bomsdorff zum Antritt deS
tutet iw > «jeder der Fall, ajm von yerruHen parraymuyen «mögen mit Ml Lebene, mitten im üppigsten Grün gelegene Bahnhofs- a vermiß atbiube hatte sowohl in seinem Aeußern wie Innern einen ■ee Nr $ Lj besonders reichen Schmuck entfaltet. Von den Dächern '-^jUten an langen Flaggenstangen Fahnen in den preußischen gut, deutschen Farben, mächtige Guirlanden zogen sich Nischen dem Flaggenschmuck an der Frontseite des Gebäudes entlang, uns vor dem Eingänge zu den Kaiserzimmern prangte eine ausnehmend schöne Dekoration von Palmen, Mressen und blühenden Gewächsen, welche die Treibhäuser der benachbarten Güter der Bahndirektion bereitwilligst Erlassen hatten. Im kaiserlichen Wartezimmer hatte man die Nischen mit Palmen ausgefüllt und den Tisch mit zwei Ucsenbouketls geschmückt. Da Se. Majestät jeden osfi- Men Empfang abgelehnt hatte, so hatten sich auf dem Ähnhofe nur einzelne hochgestellte Persönlichkeiten ein- gefunoen. Man bemerkte u. a. den Landrat Prinzen Hand- pg und den stellvertretenden Amtsvorsteher, Amtsrat Fischer B Dietersdorf; auch der ölte Amtsrat Bouvier aus Buhls- torf, dessen Vater eine Zeitlang Erzieher deS Kaisers und Mg Friedrich Wilhelm IV. gewesen war, hatte sich, wir Hhrlich, eingefunden; eine Anzahl Damen aus der Um« ,egend mit ihren Kindern bildeten an den blumenbestreuten Mesen vom Geleise bis zu den Kaiserzimmern Spalier. Bit Extrazug, welchen Mitglieder deS Bahndirektoriums leiteten, lief glücklich zur festgesetzten Zeit, um 8 Uhr iS Minuten, in den Bahnhof ein und hielt auf dem zweiten
tut, sB «in iucijau ganz eigemuuuiuiti uu, «« «ui ««. Dfferien® Ar; 1575 in der Kirche zu Bauerbach zugetragen hat, t [266» — - - ■ -
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