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Marburg, Donnerstag, 9. August 1883.

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Zustimmung deS Staatsanwalts beschlossen, den verhafteten polnischen Dichter KraSzewSki gegen eine Kaution und unter fortbauernbet Beobachtung durch ble Polizei aus bet Unter­suchungshaft zu entlassen. KraSzewSki ist, nachbem für ihn eine Kaution von 30000 Mark gestellt worben ist, von seinem Verteibiger unb einem höheren Polizeibeamten be­gleitet, heute nachmittag nach seiner Billa bei Dresden ab­gereist. — Der langjährige frühere Direktor der Anhalter Buhn, Geheimer RegierungSrat Fournier, ist gestorben.— lieber den Anlaß zu der Revision bet Verbandskasse für die Invaliden bet Arbeit sind in bet Presse so verschiedene Stimmen laut geworden, daß eS nicht überflüssig erscheint, den wahren Sachverhalt zu konstatieren. Die „Nordd. äUg. Ztg." teilt hierüber mit: Der Tischler Pampel hier- selbst hat sich bei der Verbandskasse im Jahre 1875 für den Fall seiner Invalidität eine Pension von 9 Mark wöchentlich versichert. AlS er die Versicherung einging, enthielt das Statut der Kasse eine Bestimmung, nach welcher der Anspruch auf Pension durch eine fünfjährige Beitragszahlung bedingt war. Danach hatte Pampel im Jahre 1880 daS Recht erworben, Pension zu erhalten, sobald er Invalide würde. Im Juni 1881 wurde jedoch da« Statut geändert und an die Stelle bet fünfjährigen Karenzzeit eine fünfzehnjährige gesetzt. Daraufhin ist Pampel, nachdem er im August 1881 invalide geworden, sowohl von

ist durch eine so große Zahl weltgeschichtlicher Ereignisse bezeugt worden, daß eS nicht erst einer äußeren festlichen Ausgestaltung desselben bedürfen wird. — Der .Reichs­anzeiger" meldet: Die vom Kaiser vollzogenen VerwaltnngS- ’ gesetzt sind bereit« in bet Mitte der vorigen Woche hier « anzelangt. Das Organisationsgesetz trägt als Vollziehungs­

tag daS Datum des 30. Juli, das ZuständtgkeitSgefetz da« Datum: 1. August. — Der Untersuchungsrichter hat mit

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeUage „Jklrrstrtrtes SomtlagSblatt" durch die Expedition (Jt o ch'sche Luchdruckerei) bezogen 8*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 86 Pfg. berechnet.

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bet Kasse, als auch von dem durch das Statut angeord- neten Schiedsgerichte mit seiner PensionSforderung abgewiesen worden. Er hat dann, da ihm der Rechtsweg verschlossen war, bei dem königlichen Polizeipräsidium Hilfe gesucht. Infolge dessen ist die Vornahme einer Revision der Grund­lage und der Geschäftsführung der Verbandskasse durch Sachverständige angeordnet worden. Es handelt sich hier­nach um einen durch bestimmte Beschwerden eines Inter­essenten herbeigeführten Akt der staatlichen Aufsichtsbehörde, und es ist völlig unbegründet, wenn Dr. Hirsch in einer Zuschrift an die „Vossische Zeitung" behauptet, das poli­zeiliche Vorgehen gegen die Jnvalidenkasse bilde den Aus­fluß einer systematisch betriebenen Agitation gegen die freie Versicherung und die freie Genossenschaft. Nicht minder unbegründet ist die von den Beamten deS VerbandSbüreauS der deutschen Gewerkvereine in der an die „Magdeburger Zeitung" gerichteten und von dieser in ihrer Nr. 340 vom 24. Juli b. I. abgebruckten Zuschrift ausgesprochene An­nahme, „es handle sich bei dieser Maßnahme darum, auS dem reichen statistischen Material der VerbandSinvaliden- kasse die Grundlage für die geplante ReichSverstcherung zu finden". Die ReichSbehörden stehen in keinerlei Beziehung zu der angeordneten Revision. ES bedarf kaum der Er­wähnung, daß ihnen daS statistische Material, dessen sie bedürfen, auch ohne Inanspruchnahme bet Hirsch-Dnnckerschen Gewerkvereine zu Gebote steht, baß übrigens auch im Hin­blick auf ben grundsätzlichen Gegensatz, in welchem die ge­planten Reichsgesetze zu ben Ideen stehen, aus denen jene Gewerkvereine erwachsen sind, daS statistische Material der letzteren für die gesetzgeberischen Vorarbeiten im Reiche von äußerst geringem Werte ist.

Post«, 5. Aug. Auch die hiesige Handelskammer hat sich dem Vorgänge anderer angeschlossen, den Fürsten Reichskanzler anzugehen, mit „ben zu Gebote stehenden Mitteln hochgeneigtest dahin wirken zu wollen, daß der deutsch-spanische Handelsvertrag binnen kürzester Frist in kraft gesetzt werde." Dieses Petitum wurde seitens der Handelskammer u. a. folgendermaßen motiviert: Der deutsche Spritexport kann vor einer empfindlichen Beein­trächtigung nur dadurch bewahrt werden, daß der mit Spanien vereinbarte Handelsvertrag bereits im August b. I. in Wirksamkeit tritt. Es barf behauptet werden, daß die Ratifikation deS Vertrages zu einer späteren Zeit, etwa im Oktober d. Js., nachdem die Hauptgeschäftszeit ver­strichen ist, für die Belebung der einheimischen SpritauS- fuhr ebenso einflußlos sein würde, als wenn der definitive Vertragsabschluß erst im Laufe des künftigen Jahres erfolgte.

Breslau, 6. Aug. Wie zuverlässig gemeldet wird, hat der kommandierende General des 6. Armeekorps, General der Kavallerie v. Tümpling, durch seinen Gesundheitszustand gezwungen, bei Er. Majestät dem Kaiser und König seine Versetzung in den Ruhestand nachgesucht. Derselbe erhofft bereits in den nächsten Tagen die Erfüllung seiner Bitte.

flatterhafte Weib. Sie zog sich auf ihr Zimmer zurück, um einsam nachzudenken.

Der Abend dieses Tages sah Gottfried auf dem Wege zur Residenz. Mit schönen Thränen in ben Augen stand Frida auf dem Söller und winkte dem edlen Manne Scheidegrüße nach. —

Was sich in den nächsten Tagen alles im Innern der Personen vollzog, die uns in dieser Geschichte nahe ge­treten, entzieht sich der Schilderung. ES gibt eine ver­innerlichte Sensation, die nur derjenige in sich vollziehen steht, der ihr stilles Opfer ist, und nur zuweilen treten ihre Wirkungen nach außen, oder wir sehen erst nach der Ausreise der inneren Vorgänge die äußere Schlußwirkung, die sie hervorgebracht. So auch hier.

Die Frauen, die die letztgeschilderten Vorgänge am meisten und tiefften getroffen, ließen nicht viel von sich hören. Freilich behauptete ein neugieriges Zimmermädchen, sie habe gesehen, wie die Sängerin einmal ihrem Gatten zu Füßen gefallen sei und um seine Vetzeihnng gebeten habe. Et aber habe sie kalt zutückgewiesen. Diese Aus­sage war und blieb unverbürgt und hatte, wenn man den stolz gearteten Charakter der Sängerin betrachtet, auch keine große Wahrscheinlichkeit. Das Verhältnis der beiden Gatten blieb ein kühles. Um die Lider der schwer ge- demütigten Künstlerin zogen sich blaue Ränder und die Dienstleute behaupteten, es komme vom vielen Weinen, und da» vorwitzige Zimmermädchen zitierte altklug das Sprich­wort: „Viele Tropfen höhlen einen Stein."

Auf den Gemütern von Miß Douglas und ihrer Nichte log offenbar ein tiefet Schatten, und ihr Benehmen war ein so widersprechendes, daß man sogleich erkannte, wie

Eine Geschichte aus dem Leben von August Butschet.

Wirklich war die Sängerin bleich geworden. Aber sie lanb diesmal überraschend schnell ihre Fassung und eS klang sogar etwa« wie Spott in ihrer Stimme, als sie er« fiberte: „Ah so, eS hält mich alles mindesten« für eine Mörderin. ES thut mir leid, diese Ansicht etwas korri- flitren zu müssen. Ich hielt eS unter meiner Würde, die lächerliche Annahme zu bekämpfen, daß der „Zigeuner« Haier" mir ein Morrwerkzeug gegeben. Zu meiner Be­schämung freilich muß ich gestehen, daß ich — ein Kind Hks Aberglaubens — dortmals einen Zaubertrank empfangen, kr freilich nicht zur Verwendung gekommen. Sie können Jfti Alten selbst fragen." Sie sah ihn stolz mit blitzenden Augen an.

Der Bußprediger fühlte sich einen Augenblick beschämt, °ünn aber atmete er erleichtert auf und sagte: „Ich glaube Ihnen, o jetzt kann noch alles gut werden. Vergeben Sie >nir!" Et reichte ihr beide Hände hin, die sie, jetzt auf ""mal tief gerührt, mit Kraft drückte.

Frida umarmte sogar die Sünderin, die zwar kaum keinesfalls aber büßend war, und sagte mit ihrer Wen Stimme: „Lassen wir jetzt die schlimmm Dinge, die Zeit verwundet und heilt, sie reißt auseinander, aber sie luhrt auch wieder zusammen!"

Sie schritten dem Schlosse wieder zu, und Gottfrieds Mitteilung, daß der Geigerkönig abgereist sei, nachdem er M eine so herbe Hiobspost im Schlosse hinterlassen, Aachte offenbar einen tiefen Eindruck auf das bis jetzt so

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: «M 26. Oktober d. I. kehrt zum fünfundzwanzlgsten Male der Tag wieder, au welchem Se. Majestät der Kaiser und König in Veranlassung der schweren Erkrankung St. Majestät König Friedrich Wilhelms IV. die Regentschaft Über den Preußischen Staat übernahm. Von einer festlichen Be- oebung dieses in der Geschichte Preußens und Deutschlands epochemachenden Tages wird auf Befehl Sr. Majestät Ab­stand genommen werden. Unferm Kaiser bedeutet der Tag eines Regierungsantritts zunächst die schmerzliche Erinne­rung an das jahrelange Siechtum seines Könlgl. Bruders uub an eine Zeit schwerer Heimsuchung deS Königlichen Hauses, deren Gedächtnis festliche Veranstaltungen aus« schließt. Das Preußische Volk, daS die Freuden unb Leiden seines Königshauses stets als die eigenen angesehen hat, wirb ben durch die pietätsvolle Auffassung unseres Kaisers bestimmten Beschluß, daß von einer öffentlichen Feier des 26. Oktober 1883 abgesehen werden soll, mit anteilsvollem Perständnis aufnehmen. Die hohe Bedeutung dieses TageS

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux oon®. 8. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; JSoersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank tn

Berlin: W. Thiene« in Säerfeld: C Schlotte in

versität! zu ben )l.

Kiel, 7. Aug. Das offizielle Resultat der Reichstags- wähl lautet: Hänel hat 13243, Heinzel 8830 Stimmen erhalten.«

Hildesheim, 5. Aug. Dem „Hann. Cour." wird von hier geschrieben: Am vorigen Donnerstag hielt die hiesige Handelskammer eine Sitzung ab, zu der fast sämtliche Mitglieder erschienen waren. E« gelangte zunächst die ihr durch die hlestge Landdrostei zugegangene Anfrage des Handelsministers zur Beantwortung, ob sie nicht nunmehr den Anordnungen desselben betreffs ihrer Geschäftsführung Folge geben wolle, nachdem auch das Abgeordnetenhaus ihre Rechtsauffassung durch Uebergang zur Tagesordnung Über ble bezügliche Petition als unberechtigt abgewiesen habe. Die Handelskammer beschloß einstimmig „den An« ordnungen des Herrn Handelsministers, soweit ste denselben nicht bislang schon nachgekommen, von jetzt an Folge zu geben, also ben nach § 32 beS Gesetzes vom 24. Februar 1870 zu erstattenden Jahresbericht erst 4 Wochen nach besten Einsendung an den Herrn Minister, eventuell mit besten Berichtigungen zu veröffentlichen." Man war der Ansicht, daß man jetzt, nachdem man den Prozeß in allen Instanzen verloren habe, in Ehren nachgeben und damit den Interessen des Handels unb der Industrie bester dienen könne, durch welchen jede Einwirkung auf die Staatsbehörden abgeschnitten werde.

Düsseldorf, 5. Aug. Der Bericht der hiesigen Handels­kammer für das Jahr 1882 spricht sich im allgemeinen über Handel und Geschäftsverkehr im vergangenen Jahre aus: Das Jahr 1882 war in feinem Resultat für Handel und Industrie nicht gerade glänzend, jedoch Im großen unb ganzen recht befriedigend. Wir müssen die in unseren letztjährigen Berichten niedergelegte Ansicht wiederholen, daß die neue Wirtschaftspolitik dem deutschen Vaterlande und namentlich der Arbeiterbevölkerung zum Vorteil gereicht. Der letzte Semesterbericht an den Herrn Regierungs- Präsidenten gab uns Veranlassung, eine Statistik zu sammeln, welche jenen Ausspruch vollkommen bekräftigt. Hiernach hat sich die Zahl der Arbeiter in 26 der be­deutenderen EtablistementS unseres Bezirks in der Zeit vom 31. März 1882 bis 31. März 1883 von 4829 auf 5272, also um nahezu 11 Prozent vermehrt. Diese Ar­beiter haben während deS Jahres zirka 4800000 Mark Lohn empfangen, was durchschnittlich auf den Arbeiter jährlich etwas über 900 Mark ausmacht. Bei der Eisen- Industrie beträgt der Durchschnittslohnsatz jährlich über 1000 Mark, bei der Textil-Jndnstrie 575 Mark, bei den übrigen Jndustrieen zirka 790 Mark. ES muß hierbei hervorgehoben werden, daß diese Lohnsätze nur die Bar­beträge repräsentieren, welche die Arbeiter empfangen haben, während viele außerdem freie Wohnung haben oder doch in den Häusern der Fabrikbesitzer zu einer äußerst billigen Miete wohnen, die nicht der normalen Verzinsung deS Wertes des Grundeigentums entspricht. Daß der Dnrch-

ste nicht wußten, welche Stellung sie einzunehmen berechtigt warm.

Eine gewisse Schüchternheit Gotthold gegenüber zeigte übrigens deutlich, daß in beiden eine tiefgreifende Wand­lung sich vollzog.

Ein besonders günstiges Zeichen war der Umstand, daß sie Gotthold alles gebeichtet hatten und sich Schutz und Hilfe suchend an ihn wandten. Diese Thatsache hob seine moralische Kraft um ein Bedeutendes, und er widmete sich mit einem Elser ben verwickelten Angelegenheiten seiner Damen, der ihn fast plötzlich znm Herrn der Situation machte und ihm das Gefühl eines ehemals Leibeigenen gab, der frei und fein eigener Herr geworden ist.

Aller Gedanken wandten sich freilich Gottfried zu, der in der Residenz weilte und mit Entschiedenheit betonte, daß er mit Herrn Schönborn und Zistko alles in die Hand nehmen werde. Er habe den klarsten Kopf behalten, ver­sicherte er wahrheitsgemäß, und werde sich Mühe geben, den Abschied, den seine Besucher bald fordern mußten, zu einem möglichst befriedigenden zu machen.

Pünktlich traf er wieder ein am Vorabende des Ab­ganges feiner Gäste, und fo viel gesucht und viel umtoorben wie heute hatte er sich noch nie gesehen. Er war begleitet von Herrn Schönborn und besten Tochter Phllippine mit ihrem Bräutigam.

Als die drei Letztgenannten sich auf ihre Zimmer be­gaben, begann eine wahre Wanderung nach dem Zimmer Gottfrieds. Vor allem war es Frida, die über ihr stilles, aber wie ste meinte, gesegnetes Wirken referierte, und dann kamen ste, eine und einer nach dem andern, so daß er sich

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