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Marburg, Freitag, 3. August 1883.

XVffl. Jahrgang.

179.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Son», und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ^JllnstrirleS «onntagsblatt" durch die Expedition o ch'schr Buchd,Ulkerei) bezogen 81/« Vhtrt, durch di« Postämter de- Deutsche» Reiche- 8 Mark 60 Psg. (excl. Bestellgebühr) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen «erden 85 Pfg. berechnet.

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Meigen nimmt emgegen : Kroedition d. Blatte-, LledÄnnoncen-Bureaux rrb. Dietrich u. Co. m Lffd und Hannover; LH. Wch m Frantturta.M.; haasenftem u-Voatt.- « We in »ahn, Frank- ® furt a. -R. -e.

Anzeige» nimmt entgegen: die Expedition d. Butte#, sowie d.Annoncen-Bureanx von @. 8. Daube u. Lo. in Frankfurt a. M-; Jägerschr Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin: w. Thiene- in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

sl- Juli 1883, In »L.

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DieSermauta" und daS päpstliche Breve vom Februar 1880.

au den bemerkenswertesten Kundgebungen, schreibt die Provinzial-Korresp.welche die Presse der Zentrumspartei (*j[ ->ahr und Tag hat an die Oeffentltchkrit treten lasten, arbören die nachstehenden in derGermania" vom 24. Juli d. 3- (Nr- 165) abgedruckten Sätze:

Sie Aktion Rom- im kirchenpolitischen Kampfe ist von Anfang an bi- beute eine derartige gewesen, daß die Katholiken Preußen- in derselben immer nur ihre eigenen Gedanken wieder* aefunden, die Schläge ihre- eigenen Herzen- vernommen haben. Mr ein einzige- Ultal war da- nicht der Fall. Als Papst Leo XIH in dem Februar-Breve de- Jahre-1880 an den Herrn Erzbischof von Köln erklärte, die Anzeigepflicht betreff- der Pfarrer wenn auch noch unter Offcnhaltung der Erörterung über die Einzelheiten und Bedingungen dieser Konzession zu­geben zu wollen, da erlebten die Katholiken eine lieber* raschung Es ist zwar nicht zweifelhaft, daß die immense Mehrheit derselben die strikte Aufrechterhaltung der Forderung: Abschaffung der Maigesehc, lieber gesehen haben würde, als dieses Eingehen deS Papste- auf eine bloße Revision.'

Absicht und Bedeutung dieser wenige Tage nach Erlaß he- Gesetzes vom 11. Juli 1883 veröffentlichten Kund­gebung kann nicht zweifelhaft sein. DerGermania" ist offenbar daran gelegen,die immense Mehrheit von Katho­liken" vor einer abermaligenUeberraschung" auS Rom sicher zu stellen , d. h. die hohen Verfasser deS Februar- Lreke vom Jahre 1880 davor zu warnen, die Anzeige- pflicht betreffs der Pfarrer, wie ste durch daS gedachte Gesetz somultert werden,zuzugeben" und dadurch einerstrikten Aufrechterhaltung" deS Verlangens nach Abschaffung der Maigesetze zu präjudizieren. Da rS die Art katholischer Partei-Organe nicht ist, so heikle Fragen, wie diejenigen nach dem Verhältnis der Katholiken Preußens zum helligen Stuhle, ohne entsprechende Veranlassung öffentlich zu er- irterv, so darf angenommen werden, daß die Gefahr einer Ueberraschung" in dem bezeichneten Sinne für nicht ganz jo ausgeschlossen gilt, wie man die Welt glauben machen möchte.

Wenn ein lediglich für sich selbst verantwortliche« Organ der Presse Bevenken gegen eine Maßregel äußerte, durch welche den Katholiken PreußensUeberraschungen" bereitet werden könnten, so vermöchte man sich das auch da zurecht j» legen, wo man eS bedauerlich findet, daß preußische Katholiken ein Zugeständnis deS heiligen Stuhls an ihren eigenen Staat beanstanden und in dieser Rücksicht weiter gehen, als der Papst selbst. Vorliegenden Falles trifft diese Voraussetzung (diejenige nämlich, daß dieGermania" im eigenen Namen redet) indesten nicht zu. Aus dem neulich veröffentlichten Schreiben desKomitees zur Her« -uigabe der Schlesischen Volkszeitung" an den Dr. Hager (Berlin d. d. 5. Februar 1883) wissen wir, daß die Re­daktionen katholischer Parteiblätternicht die Aufgabe haben, Politik zu machen", daß dazu allein die ZentrumS- dartei im Reichstage und Landtage daS Mandat deS katho­

lischen Volkes hat und daß die Aufgabe der Redaktionen nur" diese ist,sich mit der Parteileitung in Fühlung zu erhalten, um die Parteizwecke immer richtig fördern zu können."

WaS für dieSchlesische Volkszeitung" gilt, gilt selbst­verständlich auch für dieGermania". Danach wird als ausgemacht anzusehen sein, von wem die nach Rom ge­richtete Warnung vor einer abermaligenUeberraschung" ausgeht, welcher Politik ste dienen soll und welche Parteizwecke" durch ein Vorgehen solcher Artrichtig gefördert werden sollen". Außerdem liegt der Schluß in unabweiSlicher Nähe, daß man eben da, wo man das alleinige Mandat des katholischen Volkes zumMachen der Politik" zu besitzen glaubt, von einemZugeben der An- zeigepfltcht" nichts wissen, sondern die Forderung der Auf« Hebung der Maigesetzestrikte" aufrecht erhalten sehen will. Nicht vor dem Eindruck auf dritte wird gewarnt, sondern vor dem Eindruck, den einZugeben" der Anzeigepflicht auf die Warnenden selbst machen würde I

Das ist aber nicht alles. Die Frage der Anzeigepflicht ist anerkanntermaßen nicht religiöser, sondern so ausschließ­lich kirchenpolittscher Natur, daß ste mit dem katholischen VolkSgewissen nichts zu schaffen hat. ES handelt sich bei dieser Frage um von der Kirche in Anspruch genommene Rechte und diese kann (wie dieGermania" zu unge­zählten Malen und noch neuerdings gesagt hat) allein der Papst dem Staate überlassen. Wenn nun ei» Organ, dessen Aufgabe eS ist,sich mit der Leitung der Zentrumspartei in Fühlung zu erhalten und dadurch die Parteizwecke richtig zu fördern", in einer Angelegenheit, die seiner Anschauung nach innerhalb der alleinigen Kompetenz des Papste- liegt, dem Papste zuruft, eS würde dem katholischen Volke eineUeberraschung" bereitet werden, wenn der heilige Stuhl seine in dem Breve vom Februar 1880 angedeutete Absicht verwirklichte, so bedeutet daS nichts anderes, als daß man da, wo die Parteipolitik und die Parteizwecke bestimmt werden, eine von der Politik deS Papstes abweichende, in die päpstliche Kompetenz hinüber- gretfcnde Richtung verfolgt.

Diese Feststellungen darüber, von wem der nach Rom erteilte Wink auSgeht, und daß diejenigen, in deren Namen dieser Wink erteilt wird, eine von der päpstlichen Kompetenz unabhängige, beziehentlich eine in dieselbe hinüber- greifrnde Macht in Anspruch nehmen, diese Feststellungen sind so wichtig, daß wir es für heute bei denselben bewenden lassen dürfen.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Aug. Das Reichs-Eisenbahnamt beschäftigt sich dem Vernehmen nach schon feil einigen Jahren mit der Frage wegen Einführung einer Normalzeit für daS deutsche Reich zu gunsten deS Eisenbahnbetriebes. Der erste Schritt zur Annahme einer Normalzeit ist längst ge­

schehen, indem sämtliche deussche Eisenbahnen ihre Fahrzeit nach mittlerer Berliner Ortszeit einreichrn müssen und nur die Kursbücher und die Lokalpläne nach der Zeit der be­züglichen Orte berechnet werden. Dem Reichs-Eisenbahn- amte ist es aber bisher nicht gelungen, die Verhandlungen wegen Einführung einer Normalzeit für da» deutsche Reich zum Abschluß zu bringen, weil die Ansichten insbesondere darüber auSeinandergehen, ob die Berliner oder die Leipziger Zeit zur Normalzeit für das deutsche Reich zu machen sei. Für die Berliner Normalzeit wird angeführt, daß der Meridian von Berlin ungefähr in der Mitte zwischen den östlichen und westlichen Grenzmarken deS Reiches liegt und überdies nur wenige Sekunden von der Prager Linie ab­weicht, welche für Oesterreich die Normalzeit abgiebt, wo­gegen für die Leipziger Normalzeit geltend gemacht wird, daß Leipzig so ziemlich in der Mitte der norddeutschen Ost'West-Eisenbahnlinie liegt und daß bei Annahme der Leipziger Zeit die süddeutschen Staaten um so leichter zum Beitritt zu veranlassen sein würden. Bekanntlich haben Baiern, Württemberg und Baden eine auf den Meridian ihrer resp. Hauptstädte bezogene Normalzeit und die Ein­führung derselben hat nirgends Schwierigkeiten hervor­gerufen. Das Kultusministerium hat mittels Zirkular­verfügung diejenigen Grundsätze festgestellt, welche bet der Verteilung des durch den Staatshaushaltsetat pro 1883/84 auf jährlich 500000 Mark normierten Fonds zur Unter­stützung bei den Etat-Schulbauten beobachtet werden müssen. Danach soll der Fonds zur Gewährung von Beihülfen an unvermögende Gemeinden und Schulverbände für Neu-, ErwetterungS- und Reparaturbauten von Elementarschulen dienen und in dieser Hinsicht an die Stelle des Aller­höchsten Dispositionsfonds bei der Generalstaatskaffe trete», aus welchem fortan Gnadengeschenke zu dem gedachten Zwecke nicht mehr erbeten werden. Ausgaben, zu welchen der Fiskus au» irgend einem RechtStttel verpflichtet ist, dürfen aus dem Fonds nicht geleistet werden, und bevor auf ihn zurückgegangen wird, sind zunächst etwa vorhandene Provinzial-, StistungS- und Lokalfonds, aus welchen Schul­bau-Unterstützungen gewährt «erden können, in Anspruch zu nehmen. DaS Bedürfnis zur Unterstützung der Ge« mctnden und Schulverbände wird, sofem nicht die durch die Zirkularverfügungen vom 2. November 1837 und 26. November 1873 angeordneten Jndividual-Reparttttonrn bereits aufgestellt sind, fortan nicht mehr wie bisher in dieser, sondern in analoger Weise wie bei der Gewährung von Zuschüssen auS Staatsfonds zu den Lehrerbesoldungen nach Anhörung der Lokal- und Kreisbehörden von der zu­ständigen Provinzialbehörde unter Mitwirkung der betreffenden Finanzstation geprüft. Um zu verhüten, daß Unterstützungs­sachen in größerer Zahl und mit größeren Bedarfssummen als e« die vorhandenen Mittel gestatten, vorbereitet und von den Provinztalbehörden an die Zentralstelle gebracht werden, wird jeder zuständigen Provinzialbehörde diejenige

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* Drei Brüder.

Sine Geschichte auS de« Leben von August Lutscher.

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1883.

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Ich werde mit meiner Erklärung bald zu Ende sein, die Offenheit, der ich mich befleißigen werde, kennt - jj-ie Umschweife. Uebrigen» werde ich doch zurückgreifen J - ' düsten auf die Zeit, wo ich in Ihren Weg trat, Herr Kollege. -Gut so," sagte dieser kühl und mit unverhehltrm

Der eifersüchtige Ehemann sah erstaunt und etwas be- Ikidigt nach dem Konzcrmeister hinüber, der aber ganz kalt­blütig bemerkte:Sie brauchen Ihre Augen nicht so zu drdrehen mein Lieber, die Sache ist ganz einfach und Irlich zugegangen. Da ich einen geradezu väterlichen Anteil an Ihnen speziell nehme, nahm ich die Sache kurz­es in die Hand. Auf mein Forschen gab mir unser ^ben-würdiger Wirt Gottfried nickte die nötigen Mchlüsse und ich hielt eS für da» beste, einen kühnen ^ritt zu thun, indem ich mich an Herrn Zistko persön- $ wandte. Ich rede offen «ie immer. DaS stille Elend ? mir grimmiger verhaßt, als der offene Jammer, und da $ in der Residenz so eine Art Vaterpflicht gegen Sie stbe daS Vatergefühl verläßt mich nie wollte ich AeS Fahrwasser machen, bevor mir wieder mit frischm Gimpeln in die aufgeregte See de» Theaterlebens stechen. Jülich bin ich auch einigermaßen überrascht, daß Herr Mo selbst gekommen ist, um den Knoten durchzuhaum, Machte nur an eine briefliche Auseinandersetzung, und fl bin geradezu begierig, wa» er uns zu sagen haben wird." 'Darf ich offen reden?" fragte dieser kurz und vornehm. i Gewiß," sagte Gottlob kühl,wir habm keine Ge- $ Mivisse mehr vor einander."

Mißtrauen in dieOffenheit" de» berühmt gewordenen Zigeuner».

Dieser aber fuhr ruhig fort:Ich habe Ihnen, mein Herr, in jener Nacht auseinander gesetzt, in welchem Ver­hältnis ich zu Maja gestanden. Sie werden au» meiner Leidenschaftlichkeit einen Schluß auf meine Leidenschaft ge­macht haben. ES war eine zettlang mein Entschluß, Ihnen die Geliebte zu entreißen, denn meine Liebe erwachte wie ein halberloschenes Feuer unter einem Windstoße. Aber prüfen mußte ich das Weib, dem einst all mein Sinnen und Denkm gehört hatte. Sie kam mir entgegen, mehr als den halben Weg, und ich hatte anscheinend ein leichtes Spiel. Bald aber bemerkte ich, daß ste ein doppelte» Spiel spielte, indem ste nebenbei mit Ihnen kokettierte. Ich reiste ab und spielte mit ziemlich viel Geschick den Kühlen und Zurückhaltenden. Das konvenierte dem feurigen Weibe nicht, und al» ste mich nicht nach Wunsch aus meiner Reserve herausfteiben konnte, nahm sie den Vogel, der ihr am nächsten war, und verlobte sich mit Ihnen."

Sie werden mit dem Vogel einen Gimpel meinen," unterbrach ihn sarkastisch der Teiger und Sänger.

Durchaus nicht," bemerkte, sich verneigend, der Zigeuner. Tausende in Ihrer Lage wären In da» geschickt geschürzte Netz gegangen. Im übrigen werden Sie mir wohl ver­zeihen, wenn ich zuweilen gegen Ihre jetzige Frau Ge­mahlin Ausdrücke brauche, die sich mit der Galanterie nicht zu vertragen scheinm, die Eigentümlichkeit der Beziehungen bringt daS so mit und ich bin nicht im Salon geboren und erzogen."

Genieren Sie sich gar nicht," sagte Gottlob mit einer Resignation, die fast komisch wirkte.

Ich werde bald zu Ende sein," fuhr der Besucher fort.Gesprochen habe ich Ihre Gemahlin nur noch ein­mal seit dem Bruche. Es war an dem kleinen Feste, das zur Feier der dreifachen Verlobung gegeben wurde. Ich mußte ihr einige gewichtige Worte zum Abschiede sagen und fand dazu Gelegenheit."

Ich habe diese Worte zufällig gehört," warf Gottfried dazwischen,und kann bezeugen, daß ste auf da» Erloschen- sein Ihrer Liebe ein unzweifelhaftes Licht warfen."

Ah," machte der Zigeuner.Ich danke für diese» Zeugnis. Sie ersehen daraus, daß ich offen rede, und wenn Maja» Leidenschaft von dort an wieder frisch auf­loderte, so ist das nicht meine Schuld, in jedem Falle aber eine Strafe für die Wortbrüchige!"

Sie haben also Beweise," fuhr Gottlob auf,die Ihnen dieses Auflodern der alten Leidenschaft verbürgen?"

Gewiß," lautete die kühle Antwort.Ich kann Ihnen eine Anzahl Briefe Ihrer Gemahlin vorlegen, die ste mir nach Ihrer Verehelichung schrieb und in denen sie förmlich um meine Liebe bettelt I"

Ein dumpfe» Aechzen entrang sich Gottlob» Brust. Also ein betrogener Ehemann," murmelte er.

Von einer Seite allerdings," antwortete der Erzähler. Es ist dies ein neuer Beweis dafür, daß da» Weib, wenn e» verirrt ist, viel zäher und schamloser die Sünde pflegt, al» der Mann. Ich muß offen sein, mein Ehre fordert das absolut. Herr Frank hat mich in seinem Briefe für die Störung des Familienglückes gewissermaßen verant­wortlich gemacht, und eS ist jetzt an mir, da» energisch von mir abzuweisen." (Fortsetzung folgt.)