Marburg, Dienstag, 31. Juli 1883.
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28 Drei Brüder.
«ine Geschichte auS dem Leben von August Butsch er.
„Mir scheint/ gab Gotthold zurück, „er hat seine Mimte auch erhalten. Doch bleiben wir bei meiner 8"gelegenheit.-
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Juli. Aus Gastein wird gemeldet, daß die Abreise Sr. Majestät des Kaisers daselbst erfolgt am 7. August 1 Uhr 22 Min. Der Kaiser übernachtet in Salzburg, reist am 8. August halb 10 Uhr nach Ischl, woselbst er um 12 Uhr mittags anlangt. Der Kaiser, welcher im Hotel „Kaiserin Elisabeth* logieren wird, verbleibt einen Tag in Ischl und reist am 9. August 4 Uhr nachmittags über Hof nach Schloß Babelsberg. — Vize- Admiral Bätsch ist unter Stellung k la suite des See- oifizierkorps, Kontreadmiral Berger als Vizeadmiral zur Disposition gestellt worden. — Ein Berichterstatter der .National - Zeitung* behauptet, einem Gerücht zufolge sei zwischen den Bundesregierungen verhandelt tvorden zu dem Zwecke, den spanischen Handelsvertrag bald in Kraft treten zu lassen und die Genehmigung des Reichstags nachträglich einzuholen. Nach Hamburger Depeschen verlautet dort, der Vertrag solle am 1. August in Kraft treten. — Der Herr Minister für die Medizinal - Angelegenheiten hat an die
o'aff d und Hannover; Th. Wch in Frankfurt a M.; öaofenftein u- Vogler m Wfutt a. M., Berlin. Q, Köln Rudolf He in Berlin, Frank- furt a. Ak- tc.
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sorfältige Kontrolle zu nehmen. Nicht minder bedürfen die Wohnungen, namentlich diejenigen, welche von einer dichtgedrängten oder fluktuierenden Wohnbevölkerung benutzt werden, eingehender Beobachtung, wie Massenquartiere, Herbergen, Logier- und Kosthäuser, ferner Privatquartiere, welche von mehreren Personen bewohnt werden, sodann Räume, welche bei öffentlichen Bauten von Arbeitern zum Wohnen benutzt werden. Gewerbliche Anlagen, in welchen, sei eS fäulniserregende, seien eS zur Verbreitung ansteckender Krankheiten geeignete Stoffe sich befinden, bedürfen einer erhöhten Beaufsichtigung. Auch auf die vagierende Bevölkerung, sowie auf die auS Nachbarstaaten im Grenz-, namentlich im Flußverkehr auf diesseitiges Staatsgebiet übertretenden Personen ist die Aufmerksamkeit der Exekutiv- organe zu richten. Märkte, Messen und andere Veranstaltungen, welche Gelegenheit zur Anhäufung größerer Menschenmassen geben, werden eingehender Beachtung bedürfen.* Wie auS dem Erlaß deS Weiteren zu ersehen ist, hat eS vicht in der Absicht deS Herrn Ministers gelegen, durch vorstehende Anführungen die Richtungen abschließend zu bezeichnen, in welchen die mit der Wahrung der gesund- heillichen Interessen deS Staates betrauten Landespolizeibehörden ihre Fürsorge zu entfalten haben. Der Minister vertraut vielmehr, daß sie auch über die angedeuteten Beziehungen hinaus nach den eigentümlichen Verhältnissen ihrer Bezirke die geeigneten prophylaktischen Maßnahmen treffen werden. Auch wünscht derselbe, daß keine Maßregeln ergriffen werden, welche geeignet sind, die Bevölkerung zu beunruhigen, daß vielmehr überall nur die Ueberzeugung erweckt und bestärkt werde, daß eS sich lediglich um vorbeugende Anordnungen handele, welche zur Beseitigung der erfahrungsmäßig den Ausbruch und die Verbreitung ansteckender Krankheiten befördernde Mißstände bestimmt sind. — Der Verleihung deS schwarzen Adlerordens an Kalnoky uvd dessen Besuch in Gastein sucht die „Kreuz-Ztg.* eine politische Bedeutung zu geben. Sie schreibt: „Um einen speziellen politischen Zweck mag eS sich hierbei allerdings nicht gehandelt haben, allein daß der deutsche Kaiser wenige Tage, bevor er sich zum Besuche des verbündeten österreichischen SouverainS nach Ischl begiebt, den Besuch deS Leiters der österreichisch-ungarischen auswärtigen Politik erhalten und daß er diesen Staatsmann in solcher Weise, wie eS geschehen, ausgezeichnet hat, ist jedenfalls ein Ereignis politischer Natur. Als solches muß es unter allen Umständen jenen gegenüber erscheinen, die eS vielleicht lieber gesehen hätten, wenn sie ein Symptom zu verzeichnen hätten, daS geeignet wäre, gewisse lächerliche mit der Eventualität einer Veränderung in den österreichisch-deutschen Beziehungen spielende Velleitäten zu unterstützen. — DaS Ergebnis der Bauführer-Prüfungen in Preußen im EtalSjahr 1882/83 ist im ganzen: 228 Kandidaten (im Vorjahre 329) haben die erste Staatsprüfung als Regierungsbauführer abgelegt und zwar: in Berlin 178, in Hannover 37 und in Aachen 13. Von diesen Kandidaten haben 123 die Prü«
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genügen und dos andere stelle Gott anheim.* Damit traten sie über die Schwelle.
Im Salon, einem großen, mit sehr schön gemalten Tapeten überkleideten Raume, den eine große Lampe in jenes Halblicht hüllte, dem man — wer weiß mit welchem Rechte — einen besonders [günstigen Einfluß auf die Gemütsstimmung zuschreibt, saßen bald alle unsere Bekannten um dm Theetisch. Aber eö mußte heute ein böser Zauberer heimlich seine Künste treiben, denn eS wollte keine rechte „Stimmung* kommen, so sehr man sich auch Mühe gab. Gottlob sollte seine Meisterschaft auf der Geige zeigen und geigte nicht, seine schöne Frau sollte singen und sang nicht, Gottfried sollte eines seiner schönen Volkslieder vortragen und ffand die Stimmung nicht dazu. Es war unleidig, und die beiden Engländerinnen gähnten unverholen. Selbst als der Hausherr, um die heiteren Geister zn zitieren, einen Flaschenkorb auffahren ließ, wollte es noch nicht recht Licht werden. Freilich, Gotthold und Gottlob sprachen dem blinkenden Weine wacker zu, ober sie wurden nur erregt und nicht heiter, und die ehemalige Miß Burnside warf ihrem Gattm wenig zärtliche Blicke zu, während di« Signora nur verächtlich die Achseln zuckte. Endlich kam Herr von Weißdom auf den Einfall, jede« eine Geschichte nach Belieben erzählen zu lassen, und fand mehrerseitS Beifall, wahrscheinlich weil manche- dachte, es werde von einem andern befreit. DaS Los — „Hälmchenziehm" — ent- schied, und der alte Schön war der Glücklich, der anzu- fangen hatte.
Er erzählte mit großem Behagen eine lange ©elfter« geseichte, die ihm selbst passiert war, wie er kühn behauptete. Um die Sache dramatischer zu gestalten, führte
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fung bestanden und sind infolge dessen zu Regierungs-Bauführern bezw. Regierungs-Maschinenbauführern ernannt worden. Nach den älteren Vorschriften vorn 3. Sept. 1868 sind 9 Kandidaten, nach den Vorschriften vom 27. Juni 1876 219 Kandidaten, und zwar 83 für das Hochbaufach, 87 für das Bauingenieurfach und 49 für das Maschinenfach geprüft worden. Von den 178 Kandidaten, welche in Berlin der Prüfung sich unterzogen, haben 4 mit Auszeichnung bestanden, in Hannover hat 1 Kandidat dies Gesamtprädikat erhalten. — Ueber den Beuch de« Kultusministers beim Bischof von Paderborn wird dem „Wests. Merk.* berichtet, der Besuch hänge dem Vernehmen nach mit der Ausführung des neuesten Kirchengesetzes, sowie insbesondere mit der Wiedereröffnung des Paderbomer Priesterseminars zusammen, da den nunmehr in die Ferien zurückgekehrten Paderborner Alumnen in Eichstädt vor ihrer Abreise joon dort bereits mitgeteilt ist, daß ihre Rückkehr nach Süddeutschland aus dem angegebenen Grunde zweifelhaft sei. — Die „Post* brachte vorgestern einen Artckel, welcher sich über die obligatorischen Innungen ungünstig aussprach. ES wird darin erzählt, die Regierung von Düsseldorf habe auf eine Denkschrift der Krefelder Weber, welche sich für Zwangsinnungen aussprach, geantwortet, daß nur in dem Falle, wenn die freien Innungen in ihrer jetzigen Gestalt sich nicht wirksam erweisen und Zwang«- bestimmungen erforderlich sind, die Regierung unbefangen und objektiv für eine Aenderung der Gesetzgebung und für die erforderlichen Zwangsbestimmungen eintreten werde, so weit dieselben ihr ausführbar und nützlich erscheinen. Wir meinen, aus diese Probe der freien Innungen braucht die Regierung nicht länger zu warten: sie ist bereit« gemacht, und die freien Innungen sind, ganz geringe Ausnahmen abgerechnet, von dem Handwerk zurückgewiesen worden. Da« Handwerk verlangt, wo eS überhaupt Innungen verlangt, überall Zwangsinnungen.
SrirdrichSruh, 28. Juli. Fürst Bismarck ist heut« morgen 8 Uhr per Extrazug in Begleitung der Fürstin, seines Sohnes Wilhelm und feines Arztes von hier über Buchen und Lauenburg nach Kissingen abgereist.
Hannover, 27. Juli. Mit bezug auf die Reise de« Herrn Finanzministers v. Scholz in der Provinz Hannover berichtet der „H. C.*, daß der Herr Minister in den Bezirken der Hauptzollämter Sebaldsbrück, Geestemünde, Emden, Leer und Nordhorn an der Grenze gegen da« Ausland liegende Zollämter und Aufstchtsstattonen inspiriert und seine Reife an der Grenze gegen Holland, an welcher wegen des günstigen Heide- und MoorterrainS ab und zu ein Schmuggel geringer holländischer Tabake für den Konsum des GrenzdistrtktS vorkommt, von Bentheim au« auch in die Provinz Westfalen fortgesetzt hat. Er hat hierbei einerseits von den Einrichtungen, welche für den zollamtlichen Verkehr und insbesondere dessen Erleichterung bestehen, andererseits von den für die Grenzbewachung getroffenen Einrichtungen, von der Unterkunft und den per« er den Geist, der ihm oft beim Gebetläuten begegnet war, redend ein und wußte wirklich eine Art fröstelnder Aufmerksamkeit hervorzurufen. Der Geist, so erzählte er, sei immer auf dem eHen Grabe rechter Hand auf dem hiesigen Friedhöfe gesessen und habe die Hände nach ihm auSgestreckt. Anfangs fei er — Schön — sehr erschrocken, aber später habe er sich an den Spuk gewöhnt und habe ohne Zähne- klappern mit der „Gestalt* verkehrt. ES sei ein Giftmischer gewesen, der zwei Frauen in die andere Welt geschickt habe, um eine dritte nehmen zu können, und nachdem er selbst gestorben, sei eS seine Aufgabe gewesen, zwischen den Grabhügeln der beiden Ermordeten von Mitternacht bis zur Gebetglocke hin- und herzugehen und sich von den beiden ohne Widerrede „schimpfen* zu lassen. DaS sei eine furchtbare Qual gewesen und er habe geseicht nach Erlösung, denn er sei schon an die dreihundert Jahre so hin- und hergegangen. Ihm — dem Erzähler — sei «S Vorbehalten gewesen, ihn zu erlösen und er habe eS wirklich fertig gebracht, aber wie, das könne er keinem Menschen verraten, und er thäte eS nicht mehr, „und wenn man ihm auch den schiefen Turm samt der Stadt Pisa auf einem Teller bringen würde.*
Er schloß sehr selbstgefällig und war überzeugt, daß die „Stadtleute* so etwas nicht vorzubringen vermöchten.
Das Los traf jetzt den Konzertmeister, der stillstnnend dem Erzähler zugehört und mit Absicht das lange Hälrn- chm gezogen hatte, denn er wollte ein Erlebnis zum besten geben, das zwar nicht gerade geisterhaft war, aber doch al« ein würdiger Anschluß an das Erzählte erschien.
„Ich war im letzten Sommer* — begann er — „mehrere Wochen Badegast in dem Badeort B. im Schwarz-
„Ja, bleiben wir bei dieser, aber behandeln wir sie y sagte Gottfried mit der ihm eigenen Entschiedenheit. Ä habe da vor allem zwei Fragen zu thun: Kannst Du N denn nicht ermannen, und wenn nicht — was ist in Sache zu thun?*
. „Ermannen?* erwiderte mit einer Art selbstverhihnen- p® Ausdrucke der Gefesselte. „Wie wäre das möglich, Megären gegenüber. Die Junge wäre noch zu p»agen, aber der alte Satan verhetzt sie dergestalt, daß > eine würdige Schülerin wird. Und dann, was das k»»lichste ist, sie binden mir auch in geschäftlicher Be« Uung die Flügel, die ich so lange wachsen ließ. DaS wird mir knapp zugezählt, peinliche Abrechnung ver- W, jede Spekulation, die ich machen will, hundertmal jjtoogen, bis die günstigste Zeit verpaßt ist, und so Nr« andere, daß ich immer auf Nesseln liege ober im D renne. Hätte ich dem elenben Mammon nicht Leib Nlttt dklf Seele verkauft, ich könnte noch ein glücklicher Mensch : ManfjA I Wie ba zu helfen wäre, weiß Gott — ich nicht.* enzoA* t,®1 schlug die Hände vor da« Gesicht, al» sie dem Messe wieder zuschritten, und die große Laterne, die treu jßater'^ MWache am Portale hielt, beleuchtete zwei dicke Tropfen, ' durch seine überschlank gewordenen Finger sich drängten. — «u.-Jch will nachdenken, gründlich Nachdenken,* tröstete
königlichen Regierungen unter dem 19. d. M. einen Erlaß gelichtet, in dem eS heißt: „DaS Auftreten der Cholera in Egypten legt in anbetracht der leichten Berschleppbarkeit dieser Krankheit den Sanitätsbehörden die Pflicht auf, den öffentlichen Gesundheitsverhältnissen die größte Sorgfalt zu- leingefö Menden und sanitäre Uebelstände in geeigneter Weise und energisch zu bekämpfen, damit nirgends Zustände entstehen, welche die Entwickelung epidemischer Krankheiten begünstigen. Die prophylaktischen Maßnahmen beziehen sich zunächst auf [2i die Reinhaltung des Bodens durch ordnungsmäßige Beseitigung oder Unschädlichmachung von Dejektionen und Ab- ■ fiöe aller Art, durch Reinhaltung und Desinfektion der uf W iffentlichen Bedürfnisanstalten im Freien, fowie in ge- __schlossen«! Räumen. Auf die Fernhaltung gefundhetts« tuten Za Adriger NahrungS- und Genußmittel ist zu achten, ins- icli ’ Wonbete auf die Beschaffung eines ausreichenden und