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Marburg, Sonntag, 29. Juli 1883.
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In dem seit Monatsfrist sich endlos dahinschleppenden irortprozesie von TiSza-ESzlar ist zwar noch kein Urteil «sprechen und es müßte daher auch als verfrüht bezeichnet
MS, der sich eine Type in feinem Bruder Gotthold "'N hatte. Der Genannte stand plötzlich neben dem der eben durch ein Mauerfenster den letzten Abend- ‘ Erachtete, den die untergegangene Sonne gleich einem Taue einzog, das sich noch an dieses Land gekettet.
wüster, widerwärtiger Kampf zwischen Judenfeinden, Juden und Judenfreunden in Ungarn, ein Kampf zwischen religiösem und sozialem Fanatismus, ein Streit der Unduldsamkeit mit der Bosheit und Niederträchtigkeit, der in entsetzlicher Weise die Kehrseite de« ungarischen Kulturleben» zeigt, dem eben noch die allernötigstcn Bedingungen: Gerechtigkeit und Humanität, fehlen und welches mit nationaler Wüterei und rücksichtsloser, roher Selbstsucht sich stützen will. Die Ungarn sitzen danach noch auf einer der untersten Kulturstufen, und die wenigen ungarischen Stadtbezirke, wo das Kulturleben einem edleren Impulse folgt, können jenes Urteil kaum mildern. Wahrhaft selbstmörderisch erscheinen daher die Bestrebungen der ungarischen Politiker, alle Staatsangehörigen von nichtungarischer Abstammung zu magyart- steren, wo die anderen Völkerstämme in Ungarn von dem Magyarentum doch gar nichts profitieren können.
Gespannt darf man auch daraus sein, ob das ungarische Justizministerium das Urteil des gegenwärtigen Gerichtshofes im Prozefie von TiSza - Eszlar aufheben oder der Affaire ihren Lauf und der ungarischen Rechtspflege ihre Schande lasten wird.
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6 Drei Brüder.
®ine Geschichte aus dem Leben von August Butscher.
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yaiK llcp In eine Aki Lvur ytnetngerebet und > i«n, daß solche Scenen nicht» neue» mehr seien, da BoP W verlernt hatte, zu überlegen.
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die betreftende Provinzialregierung ermächtigt, eine Beschwerde wegen Heranziehung zur Zahlung von Schulgeld mit dem Hinweise darauf ablehnend zu bescheiden daß nachdem einmal feiten» der Provinzialregierung der 8e* Wuß des Magistrats in der bezüglichen Stadt wegen Erhebung eines Schulgeldes bei der Volksschule genehmigt worden, die Heranziehung zur Zahlung de» Schulgelde« für ungerechtfertigt nicht erachtet werden könne. Der Minister fügt jedoch hinzu: „Erwünscht wäre e» gewesen, wenn die königliche Regierung dem gedachten Beschlüsse des Magistrats seinerzeit die Genehmigung versagt hätte. Die königliche Regierung wird dieserhalb auf die Rede deS Herrn Präsidenten des Staatsministeriums in der Sitzung de» Haufe« der Abgeordneten vom 4. Februar 1881 und auf die Erlasse vom 28. April 1881, 24. Januar, 4. MS», 29. April und 2. Mai 1882 verwiesen. Die in diesen Erlassen erteilten Weisungen sind in Zukunft jedenfalls zu beachten." In gleicher Richtung bewegt sich ein weiterer Erlaß des Kultusminister» an den Oberpräsidenten von Hannover, welcher angewiesen wird, dem Konsistorium, da» in einem ähnlichen Falle die Erhöhung deS Schulgelde« genehmigt hatte, die gleiche Eröffnung zu machen. Dieser Erlaß enthält dann weiter folgendes: „Für die Folge aber hat das Konsistorium, da die in dessen Berichten vertretenen Anschauungen hinsichtlich der Beschaffung der VolkSschul- UnterhaltungSkosten durch Erhebung von Schulgeld sich mit den seil mehreren Jahren wieverholt bekundeten Intentionen der StaatSregierung, welche auf di« Beseitigung des Volksschulgeldes, soweit solche aber zur Zeit noch nicht zu ermöglichen, darauf gerichtet sind, wenigsten- eine Ermäßigung der Schulgeldsätze herbeizuführen, nicht im Einklänge befinden, jedenfalls grundsätzlich diejenigen Gesichtspunkte in der BerwaltungSpraxis zu beachten, welche in dieser Beziehung in den Erlassen vom 28. April 1881, 21-und 24. Januar, 4. März, 29. April und 2. Mai 1882 wiederholt zum bestimmten Ausdruck gebracht worden sind. Zugleich ist das Konsistorium darauf aufmerksam zu machen, daß, da das Volksschulgesetz vom 26. Mai 1845 den Schulverbänden (Schulgemeinden) nur die Aufbringung der Mittel der Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen auferlegt, Einrichtung, Anfgabe und Ziel der preußischen Volksschule aber durch die allgemeine Verfügung vom 15, Oktober 1872.festgesetzt ist, der Schulvorstand einer Volksschule nicht für berechtigt erachtet werden kann, durch einen von ihrn gefaßten Beschluß da« Ziel der Schule über das durch die obige allgemeine Verfügung festgesetzte Ziel der Volksschule zu erweitern und der Schulgemeinde bezw. den Mitgliedern derselben eine Verpflichtung aufzuerlegen, diejenigen Mehrkosten aufzubringen, welche durch Erweiterung des Zieles der Volksschule entstehen. Soll einem größeren Teile der Kinder der Einwohner eine höhere Bildung gegeben werden, al» dies in der Volksschule geschieht, fort geht, und es geht so fort, machen sie mich wahnsinnig, und deswegen mußte ich mit Dir reden, ich will nicht wahnsinnig werden, will frei werden von der goldenen Kette, die ich mit mir schleppe und mit der ich nicht ein« mal rasseln darf!"
»Ich begreife", sagte Gottfried langsam mtb tief ergriffen und drückte die Hand des Bruder», die ein kalter Schweiß bedeckte.
„Du kannst e» wenigstens ahnen", sagte gepreßt der weiße Sklave, „denn Du hast zu einem Hellen Verstände A warme» mitfühlendes Herz. Ja — hätte ich Drin Weib errungen, diesen Diamant ihre» Geschlechte«, sie hätte mich gehoben und veredelt. Aber sie hat ganz Recht ge- habt, mich abzuweisen, mich, der mit kühler Berechnung einem Wesen gegenüber trat, da» mit dem Worte „Berrch. nung" gestraft wird."
„Du hast seinerzeit um Frida geworben?" warf Gott- ftied überrascht dazwischen.
„Ja so, Du weißt da» nicht", war die zerknirschte Erwiderung. „Freilich habe ich e» gethan, ich Vermessener, der am eigenen Elende allerdings einen großen Teil der Schuld trägt. Vergieb mir!" Er streckte die Hand nach ihm aus, als hätte er ihm eine schwere Beleidigung abzubitten.
„Gewiß, „wenn es da etwas zu verzeihen giebt", er- widerte sanft der einzig Glückliche unter den Drillingen. „Merkwürdig ist es übrigens, daß drei Brüder um ein Mädchen gefreit I"
»Du weißt es also von Gottlob?" fragte der Zerknirschte. „Ich weiß es", lautete die lakonische Erwiderung.
(Fortsetzung folgt.)
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ödiettili toenn man juristische Seite desselben schon jetzt */a 1 «leuchten wollte. Aber wenn wir e« auch dahin gestellt en». ,jn lgssen, ob die der Abschlachtung der Esther Solymossy
»geklagten ungarischen Juden dieser Unlhat überwiesen vollmächij »erden können oder nicht, und ob sie freigesprochen werden ,i. der nicht, so hat jener Prozeß doch ein so grelles und ~ [i ran wieder düsteres Streiflicht auf die sozialen und poli- Wen Zustände Ungarns geworfen, daß lediglich diese Seite
Mordprozesses die bedeutsamste ist und die Rechtsfrage «0*44 ur eine Nebenrolle spielt.
- Wenn man zunächst so ein paar Dutzend Verhand- , E »"gen dieses Prozesses, wie sie der Telegraph fast täglich rmvn ai ringt, gelesen hat, so kommt man in Gefahr, das Gefühl »h S “ bcn Kopf zu bekommen, wie es in Goethes „Faust" no um ,|t ben berühmten Worten deS Schülers gekennzeichnet ", .£ >°rden ist: „Mir wird von all dem Zeug so dumm, als ”, mir ein Mühlrad im Kopf herum!" —Zeugen treten "™° ? Prozesse von TiSza-Eszlar auf, die mindestens einmal 1883. ligen und schwindeln, andere Zeugen machen ihre Aussagen und K« «ter dem Eindrücke brutaler Drohungen oder stattgehabter --Wandlungen, man steht da Beamte funktionieren, denen eS die § «® Vorwurfe gemacht wird, daß sie bereits wegen Be- teht und iligung an Raub und Diebstahl Stralen erhalten hätten, lf foglÄ dvokaten geben sich in dem Prozesse Mühe, um ihre |t die Ei Renten herauszulügen und zu schwindeln, der Gerichtshof,
[! “ dm famosen Prozeß leitet, hat bedenkliche Beweise seiner ——- Echkeit gegeben, und von dem StaatSanwalte im
Wffe von Tisza-Eszlar wird behauptet, daß er von der M)** Alliance israelite“ Geld bekommen hätte. Kann unter lüser, 'ien das Richteramt verhöhnenden Zuständen in dem iftsnM von TiSza Eszlar überhaupt noch von einer RechtS-
W geredet werden? Fehlen da nicht die notwendigsten hopft« WSsetzungen I Dieser Prozeß ist überhaupt kein Prozeß uaci it Sinne der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, cS ist ein
981 ^«rohren sangen ihr eintönige« Lied, daS ihn sonst A g *7'9 stimmte, heute weckte e« die Wellen seine« BluteS »i Lbtnn seltsamerweise empfand er alle« doppelt, waS L Sm „an9*n9, gewiß eine unglückliche Naturanlage, aber
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juli. Der Gesandte von Schlözer begibt sich heute nachmittag nach Potsdam und wird dort vom Kronprinzen empfangen. Gestern empfing der Kronprinz den Afrikareisenden Leutnant Wißmann. — In einigen öffentlichen Blättern ist neuerdings viel von einer angeblichen Wiederaufnahme der Frage wegen Uebertragung der preußischen Eisenbahnen aus das Reich die Rede. Weshalb? ist unS nicht klar. Wir erinnern uns dabei, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten seinerzeit bei den Verhandlungen über die erste Verstaatlichungsvorlage am 10. Dezember 1879 im Abgeordnetenhause auf mehrfache Bemerkungen oppositioneller Redner über das ReichSeism- bahnprojekt wörtlich folgendes erwiderte: „Ich finde aus allen den Reden, die hier gehalten worden find, von den Gegnern des ReichSeisenbahnprojckts eine gewisse Besorgnis heraus, daß sich eines Tages dieser Gedanke sehr rasch verwirklichen könnte. Ich weiß nicht, ob die Herren besser unterrichtet find; ich wenigstens habe bisher noch nicht wahrgenommen, daß die Ausführung des Gedankens bei den übrigen verbündeten Regierungen großen Anklang gefunden hätte." Sind wir recht unterrichtet, so würde der Minister auf eine gleiche Anfrage heute noch dieselbe Antwort erteilen. — Bet der Massenhaftigkeit des einschlägigen Materials kann es weiter kein Befremden erregen, wenn ein Urteil über das mutmaßliche Ergebnis der Zuckersteuer- Enquete für jetzt noch nicht gefällt werden kann. Rur soviel scheint, nach den „B. P. N.", schon jetzt festzustehen, daß von einer Besteuerung der Melasse abgesehen werden dürfte. — Der Kultusminister hat in einem Spezialfalle
Der Buchhändler war bleich und seine zusammengekniffenen Lippen gaben seinem Gesichte etwas entschieden Abstoßendes.
»Ich muß mit Dir reden", zischte er unvermittelt hervor, nahm den Arm des Bruders und zog ihn fort auf den glatten Kiesweg, der sich wie ein großes weißes Kreuz über daS Bahrtuch deS finster gewordenen Rasens spannte.
„Nun?" fragte Gottfried, als der Besucher schwieg.
„ES kommt sogleich", sagte Gotthold, „ich muß einmal jemanden haben, dem ich beichten kann, und besser wird eS fein, wenn eS ein Bruder ist, als ein Fremder."
„Ich habe so etwas kommen sehen", murmelte der blonde Schloßherr wie für sich. „Aber bitte, mache es kurz, die anderen «erden bald bereit fein. Erleichtere also, wenn Du Dich als armer Sünder fühlst, Dein Herz. Zum Priester fehlt mir allerdings die Weihe, aber an gutem Willen, loszusprechen, fehlt eS mir nie, wenn nur damit geholfen wäre."
»Ja, als „armer Sünder" fühle ich mich vollständig", stöhnte fast der Belastete. „Ich führe ein wahre» Hunde- leben, Gottfried, und Gott hat mich für meine Habsucht so gründlich gestraft, daß ich seine Gerechtigkeit wie Feuer auf meinem Rücken fühle. Die Weiber machen mir daß Leben zu einer Hölle. Du hast die Entwürdigung bemerkt heute abend; das ist nur ein blasser Schatten von dem schwarzen Dasein, da« ich führe. Ich bin ein „Geschäftsinhaber" geworden, intern ich ein Lakai meiner Frau und des alten Drachen geworden, die ich mitschleppen muß durch mein freudenloses Leben. Die Alte tötet mich mit Fliegenstichen und entwickelt unter der Maske süßer Freundlichkeit eine Bosheit, die einem Teufel Ehre machen würde. Und die Junge ist sehr gelehrig. Wenn da« so
Während ihn die Sängerin mit einem halb zornigen, 'vngichätzigen Lächeln von der Seite musterte, standen die «dern verlegen oder zogen sich langsam in den Salon M, um der unerquicklichen Scene nicht länger beiwohnen Wen. Gottfried empfand einen schneidenden Schmerz r. 4». braven Männerherzen, denn er ermaß an seinem welches Unglück eine solche Ehe fein mußte. Dem ««Dchön war vor Ueberraschung die Pfeife ausgegangen, 1011 J.W® Glücke aber fehlte ihm daS volle Verständnis bar 1011 l°'ch grundfaulen Zuständen.
tO!f Während die meisten der jetzigen Schlcßbewohner sich «or Ammer zurückgezogen hatten, um sich — sie hatten 101* 2 bit Etiquette mitgebracht — für das Nachtessen ein 67! „ ° umzukleiden, wandelte der junge Schloßherr unter -bl e "«»kernigen Kastanien des Hofes auf und ab. Schatten .Xoll und Schatten in sich. Die Strahlen der vier