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Marburg, Freitag, 27. Juli 1883.

xvin. Jahrgang.

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bärn„ ioteb.ilnnoHcen-Sureaui unk )■ Dietrich u. Co. in unb Hannover: Tb.

Buchhandlung daselbst;

Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalid endank in

Berlin; w. Thiene» in «berfeld: «. Schlotte in Bremen.

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Drei Brüder.

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Sine Geschichte auS dem Leben von August Butsch er.

Wenige Wochen nach dem VerlobungSabend wurden in ber kleinen, freundlichen Kirche zu Nesselbronn die Drillinge Maut und die Dorfleute kamen aus dem Staunen gar °icht mehr heraus, und wochenlang noch wunderten sie sich über das „unverschämte Glück", daß die „Buben des alten Ehrers" gehabt.

Der tiefblickende Dorfpfarrer aber machte ganz für sich die Bemerkung: „Nesselbronn! Du kleine» Nest könntest fhtn für die jungen Leute bedeutsamen Namen haben, Affeln für zweie, einen Brunnen de» Glücke» für einen.

Ewige möge alle» zum Rechten wenden !"

6. Nesselbronn.

größere Verdienste als die Sozialdemokraten hat, ist eine Frage, die flch nicht so leicht beantworten läßt; stcher aber ist, daß die Agitation der Fortschrittspartei in den Masten die beste Vorfrucht für die Sozialdemokratie war, deren Ueberwindung jetzt die Hauptaufgabe des deutschen Bürger­tums bleibt. Daß dieses flch hierbei nicht der Fortschritts­partei und ihrer Prinzipien als Hilfe bedienen kann, ist ebenso klar, wie daß eine nicht minder große und wichtige Aufgabe für das deutsche Bürgertum die Beschränkung des unheilvollen, den inneren Frieden störenden fortschrittlich­demokratischen EinflusteS ist: nur so kann da- Bürgertum „seine Stellung, zu der eS berufen ist, fortan bewahren", nur so ist eS sicher, nicht „erschüttert, untergraben, zerstört" zu werden.

Wir müffett ein Jahr inS Grab betten, eine kurze Spanne Zeit und doch lang genug, um eine Fülle von Nett auszuschütten oder ein Meer von Elend zu gebären.

Es gibt wenige Menschen, die glücklich sein lernen. Sie Wen oft alles, was man billigerweise von diesem atmen ^urchgangSdasän verlangen kann, sind aber zu unweise, Mit hauSzuhalten und sich damit zu begnügm. Wer von Mem Dasein alles will, ist ganz gewiß einmal, schon Pfeils der Grube, elend zu nennen und ist im Grunde Ah viel unglücklicher als eS scheint, well er als Schau­fler der beobachtenden Welt ein Stück vorspielt, da- mit

den erwerbenden Mittelstand das geringste Jntereste, wenn sie dem Großkapital und der Großindustrie jedwede Be­wegungsfreiheit läßt, welche zur Bedrückung und Aufsaugung der kleineren und mittleren Existenzen führt. Sie will den Mittelstand nicht vor den Nachteilen gewahrt wisten, welche die Auswüchse der Gewerbefreiheit gerade für ihn im Ge­folge haben. Das Hausterertum hat gerade von feiten der Fortschrittspartei die lebhafteste Verteidigung gefunden, und wer sich ihrer Reden für die Freiheit der Kolportage er­innert, der wird auch im Zweifel darüber fein, ob die geistigen Interessen der großen Mittelschicht von der Fortschrittspartei auch nur richtig verstanden werden. Das, waS der Mittelstand an Bildung und geistiger Freiheit be­sitzt, ist wahrlich keine Errungenschaft der Fortschrittspartei, die Gott sei Dank bisher noch nicht die Macht gehabt hat, ihre Ideen von geistiger Freiheit und Bildung auf daS gesamte Leben des Volkes zu übertragen: der große Refor­mator, dessen vierhundertsten Geburtstag wir demnächst feiern, und die unabläfstge Sorge der Könige Preußens, unterstützt durch große Denker und Dichter, haben die Grundlage dieser Bildung gelegt, welche daS Volk auch be­fähigt, die politische Weisheit der Fortschrittspartei in ihrer ganzen Nichtigkeit zu erkennen.

Und die politischen Interessen der großen Mittel­schicht? Nun, diese bestehen wahrlich nicht in einem fort­währenden Kampfe mit der Krone und in der Verschärfung deS Gegensatzes zwischen Volk und Regierung, worin die Fortschrittspartei ihrerseits baß Wesen aller Politik erblickt. DaS deutsche Bürgertum will in Frieden mit dem Kaiser und mit den angestammten Fürsten leben, weil eS in ihnen mit Recht die eifrigsten und uneigennützigsten Beschützer der Rechte und der Interessen deS Bürgertums sieht, die andererseits nur Immer von ehrgeizigen Politikern auSzu- beuten gesucht werden. Und wo wäre denn das deutsche Bürgertum heute, auf welches die Fortschrittspartei so stolz ist, wenn es ihr gelungen wäre, dasselbe in ihre abenteuer­lichen Feldzüge gegen die Rechte der Krone mit sich fort« znreißen, und wenn nicht die Krone und daS Heer mit kräftiger Hand das deutsche Bürgertum vor fremder Ver­gewaltigung beschützt hätten? Fortschrittliche Reden hätten sicher nicht vermocht, daS deutsche Bürgertum zu retten und ihm den Frieden zu bringen und zu erhalten, welcher jetzt die Grundlage seines Wohlbefindens bildet.

DaS deutsche Bürgertum hat der Fortschrittspartei nichts zu verdanken alS die Erinnerung an gewisse trübe Zeiten, welche von allen verständigen Bürgern in Stadt und Land als eine bleibende Mahnung zur Vermeidung ähnlicher Fehler und Irrtümer beherzigt werden. Zu dieser Er­kenntnis haben auch die Konservativen das Ihre beige« tragen und sich hiermit einen berechtigteren Anspruch auf die Vertretung der wahren Interessen des deutschen Bürger­tums erworben, als die Fortschrittspartei. Ob letztere

sich hatte er auch zuerst geschüttelt werden müssen in dem großen Kampfe, den man Leben nennt, und lernen müssen in der strengen Schule des Menschendaseins. Und er hatte gelernt und war würdig, eine Epoche freundlicher Jahre zu durchleben.

DaS Los war ihm aufs liebliche gefallen und er staunte eS an mit einem kindlich dankbaren Herzen, mit einer Art naiven Lust, für die Genußmenschen keinen Sinn haben, die sie nicht einmal zu ahnen vermögen.

Nesselbronn! — Für ihn wurde das stille Dorf ein Brunnen deS Glückes, und die Nesseln überließ er der Welt, die sie ja unermüdlich zu pflanzen pflegt.

Der arme Dorfschullehrer war jetzt Rittergutsbesitzer, eine schöne edle Frau ging wie ein Engel deS Lichtes an feiner Seite, ein liebliches Knäblein nannte ihn Vater und zwei edle Greise waren seine Freunde und Berater.

Herr von Weißdorn und der alte Schön, der den schweren Stab der langen BerufSthätigkeit endlich in die Erde gesteckt hatte, daß er wie der Stab AronS grüne für seinen Lebensabend, bewohnten einige Zimmer im Erd­geschosse des alten Schlosses und freuten sich de» aufblühen­den Leben» um sie her.

E» war ein herrlicher Sitz, Schloß Nesselbronn! In gigantischen Formen stieg e« an einem Felsen, um den die Donau brauste, empor. Vier Erkertürme flankierten gleich gewaltigen Wächtern den Steinbau, und wie ein malerisch hingeworfener Mantel breiteten sich Garten und Park um den steinernen Leib des Schlosse».

Au» dem Brunnen im Hofe rauschten vier Wasser­strahlen und ein graubernoster Triton blies unermüdlich feinen Strahl in die Luft, wie wenn er das nie versiegende Glück symbolieren wollte, da» Einzug gehalten in diesen

Steinkoloß. An den Felsen schmiegte sich klein und fteunb« lich das Dorf, früher schwer bedrückt von der „Herrschaft", jetzt wohlthätig unterstützt von den Schloßbewohnern, die Menschennot nicht kalt ließ, sondern in Liebe erwärmte.

Nesselbronn war eine Oase des Glückes geworben und Gottfried glaubte oft zu träumen, wenn tr morgen» hinaus- trat in die Schattenkühle des Hofes, in den langsam wie ein selbstbewußter Sieger da« Licht der Sonne hinabstieg. Dann mußte er beten, und er that es mit so viel Inbrunst wie In den reinsten Kindestagen. Dann begrüßte er Weib und Kind und die „Väter", die mit langen Pfeifen im Munde zum Morgenspaziergange herauskamen und sich jedes Tage» freuten, den ihnen der Himmel noch auf diesem herrlichen Flecken Erde gönnte.

Und wie fühlte der junge Schloßherr sich dann be­geistert zu dichterischem Schaffen. Er mußte schreiben, es war ihm nicht nur Genuß, eS war ihm Notwendigkeit. WaS jetzt unter feiner Feder entstand, war eine Wohlthat für die Menschheit, eS waren Gaben eines reinen tiefen Gemütes, einer frommen, geläuterten Seele, die in taufend Häuser und Hütten, und was mehr ist, in tausend Herzen brangen.

lieber ben Volksgeschichten, bie er schrieb, lag ein heiliger Ernst, der immer feinen Weg machte, seine Schllde- rungen waren so rührend naiv, daß sie jeder verstand, und bei Betrachtung der Schicksale, die er schilderte, feuchteten sich viele, viele Augen, die das Weinen verlernt zu haben glaubten. Wer kalte Herzen zu erwärmen versteht und fromme Thränen in bie Augen leckt, wirkt wie ein Pre­diger und hat feinen Lohn nicht dahin, wie der große Troß der Schriftsteller, die die Liebe zum Laster zu erzeugen suchen und ach, oft nur zu leichte Arbeit haben.

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.eigen nimmt entgegen: (Srpebition d.Blatte»,

Das deutsche Bürgertum.

Nach einer Rede, die Herr Hänel jüngst zu feiner Empfehlung vor seinen Wählern gehalten, nimmt der fort­schrittliche Liberalismus für sich die Vertretung des „deutschen Bürgertums", „jener großen Mittelschicht" in Anspruch, auf welcher zu allen Zeiten die Kraft und bie Blüte bet Nationen beruht hat". Nach Herrn Hänel hanbele eS sich bei den gegenwärtigen politischen Kämpfen um bie Ent­scheidung über bie Frage: „Soll daS beutfche Bürgertum denjenigen Einfluß, diejenige Stellung, zu welcher es be­rufen ist, fortan bewahren ober soll eß erschüttert, unter« graben, zerstört werben?" Als Gegner beß deutschen Bürgertums bezeichnete der geehrte Herr bie Sozialdemo­kraten und Konservativen: „zwischen diesen beiden Kräften ist die Stellung beß deutschen Bürgertum» eingekeilt, beide Gegner haben daß Interesse, daß deutsche Bürgertum zu schwächen". Beiläufig bemerkt fei noch, daß Herr Hänel mit dem deutschen Bürgertum nicht nur die Städter meint, sondern „Stadt und Land und alles, was flch nicht kasten­mäßig auSfchlleßt".

Herr Hänel legt also auf das gesamte deutsche Bürger­tum, auf die große Mittelschicht im Namen der Fortschritts­partei Beschlag. Nur eine etwas erregte Phantasie ober eine gewisse Bangigkeit vor bem Ausfall der bevorstehenden (inzwischen statt^ehabten) Nachwahl macht eß erklärlich, daß hier für die Fortschrittspartei ein Besitzstand ober ein Besitz- recht ausgesprochen wird, auf welches sie am allerwenigsten Anspruch hat.

Was stnb denn bie Verbienste bieser Partei um baß deutsche Bürgertum? Hat sie die materiellen Interessen desselben irgendwie in hervorragender Weife zu vertreten unb zu wahren gewußt? Sie kämpft biß zum heutigen Tage noch für die Ueberschwemmung beß deutschen Marktes mit ausländischen Waren, für eine Niederreibung der Schranken, welche allein eS möglich machen, daß deusscher Fleiß und deutsche Arbeit immer mehr ihren Lohn finden unb daß die lang daniedergedrückten Gewerbe jetzt wieder in Blüte stehen. Die Fortschrittspartei zeigt gerade für

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Termin Juli

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Juli. Im Befinden beß Reichskanzler» soll sich in letzterer Zeit keine große Veränderung voll­zogen haben. Der Kanzler fühlt sich matt unb angegriffen; auch das Magenleiden hat feine Steuerungen nicht einge­stellt, fo daß der Fürst bisher nicht in der Lage war, eine Baureife in nahe Aussicht zu nehmen. Nichtsdestoweniger ist weder vom Reichskanzler, noch von den ihn behandelnden Aerzten die Reife nach Hüfingen aufgegeben worben, son­dern steht im Gegenteil voll und ganz auf dem Programm und die entgegenstehenden Nachrichten gehören durchaus ins Reich der Erfindung. — Die „Prov.-Korrefp." ent­hält einen Artikel über die Reife beß Ministerß v. Putt- tarnet in bie Eifel, welcher folgende» enthält: Als Summe der auf diese Weise gewonnenen Eindrücke hat sich er­geben, daß die akuten NotstandSerscheinungen de» vorigen JahreS als zur Zelt gehoben angesehen werden dürfen und daß bie Gunst ber diesmaligen Ernteaussichten eine gedeih« kichere Gestaltung ber nächsten Zukunft ber Eifelgegend hoffen läßt. Immerhin bleibt übrig, daß bie allgemeine Lage bieser von der Natur verhältnismäßig und nament­lich int Vergleich zu den gesegneten Landstrichen derselben Provinz wenig begünstigten Landschaft eine außerordentlich schwierige ist und daß die wirtschaftliche Hebung derselben den Gegenstand dauernder Fürsorge der Staatsregierung bilden wird. Der Natur der Sache nach wird eine ein­greifende Besserung aber nur das Ergebnis umfassender Beratungen und dauernden Zusammenwirkens der verschie­denen Zweige der höheren Verwaltung sein können. Im Interesse solchen Zusammenwirkens hat der Vizepräsident beß Staatßministeriumß Veranlassung genommen, sich an Ort und Stelle über bie Lage ber Dinge zu unterrichten unb daburch ein umfassendes, ber Berücksichtigung ber übrigen Ressorts zugängliches unb zum Besten cer Eifel gegen» verwertbares Material zu gewinnen. — Die Er' richtung eines Internationalen Sanitäts-Amts ist, wie dl" „Nat.-Ztg." erfährt, zwischen mehreren Regierungen angee

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Oberhesfische Zeitung

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Otf&eint täglich außer an den Werktagm nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für da» Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Jllnstrirteß SomrtagSdlntt" durch bie Srpebition (Jt o ch'sche Buchbruckerei) bezogen 21/« Mark, durch bie Postämter de» Deutschen «eiche» 2 Mark 50 Pf», (erd- Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pf,.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Txpebition b. Blatte», sowie d.Annoneen-Bureaur von @. 8. Daube u. Sa. in

Wo ein Mensch, so hatte Gottfried baß herrliche Talent, zu fein. Gottfried — der Name war bebeutungß« Irust wäre auch im kleinsten Kreise zufrieden gewesen,

Zufriedenheit unb irdisches Glück decken sich ja. Frei-

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