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Marburg, Donnerstag, 26. In« 1883.

XVffl. Jahrgang.

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Drei Brüder.

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Tine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.

Still lächelnd saß er später bei dem splendiden Mahle, M dem der brave und beredte Pfarrherr einen humortsti- tym Toast auf die beiden Brautpaare ausbrachte und ^bei den Wunsch aussprach, daß Gottfried bald der „Dritte ® Bunde* sein möge.

dington anderweitig zu plazieren, da man bereit« erkannt hatte, daß er für den Wiener Botschafterposten, zu welchem er designiert war, nicht passe. Der „Figaro* ließ sich aus Wien schreiben, daß die deutsch-österreichischen Blätter über seine Ernennung frohlockten, weil sie hofften, daß dieser reiche, vornehme und friedlich gesinnte Republikaner ohne revolutionäre Vergangenheit seine Stellung nicht mißbrauchen würde, um gegen das österreichisch-deutsche Bündnis zu konspirieren. Daraus könnte man fast zwischen den Zeilen lesen, als ob die royalistischen Freunde des „Figaro* im czechischen und polnischen Lager die projek­tierte Ernennung nicht mit gleicher Freude betrachtet hätten.

In London wird dagegen Waddington ein leichtes Spiel haben, so lange Gladstone am Ruder bleibt. Dieser befindet sich heute in einer ganz analogen Lage mit der­jenigen, in welcher sich Freycinct im vorigen Jahre während der egyptischen Episode befand. FreycinetS RegierungS- majorttät in der Kammer begann seit dem Bombardement Alexandriens durch Lord Seymour (11. Juli 1882) zu wanken. Gladstone hat jeht ebenfalls Aussichten, gelegent­lich bei einer Kabinettsfrage in die Minderheit zu geraten. Die konservative Opposition ist ihm weniger gefährlich, weil diese augenblicklich nicht die heillose Erbschaft der schwebenden Verwicklungen antreten möchte. Aber seine eigenen Anhänger verlasien ihn mehr und mehr. Den einen ist er nicht radikal genug, den anderen ist er zu sehr in die Bahnen des romantischen Imperialismus seine« Vorgängers, des Lord Beaconsfields, hineingeraten. Heikele Fragen, wie diejenige des neuen Suezkanals, welche mit der definitiven Gestaltung Egyptens zusammenfallen dürfte, erschüttern ohnehin die Stellung des Kabinett« im Unter­hause sichtlich. ES wird ihm daher nicht erwünscht sein, im Fall Tamatave einen neuen Konflikt heraufzubeschwören. Das französische Kabinett dagegen ist seiner Kammermehr­heit sicher und kann nach Belieben vorgehen. So liegt das Spiel jetzt umgekehrt; in Madagaskar wird vom Admiral Piene das englische Vorbild in Egypten nach- geahmt, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird dieses große, schöne Eiland fortan französisch werden, denn Eng­land ist kaum in der Lage, einen Casus belH aus dieser neuesten Annexion machen zu können. Für Frankreich hat dieselbe außer dem an und für sich sehr hohen Wert des Besitzes selbst und seiner Einwirkung auf da» Gedeihen der Kolonieen im indischen Ozean noch eine höhere Be­deutung. Sie soll das Selbstbewußtsein und das Prestige der Nation wieder heben und die Politik des kecken Zu- greifenS sanktionieren. Den Friedensschwärmern und den Trembleurs soll Mut gemacht und bei den vorsichtigen Bourgeois die Begierde erregt werden. Der Anfang ist gemacht. (R.-B.)

im Glücke bescheiden zu sein, denn dem Demütigen gibt der Herr seine Gnade!"

Ein tiefes Schweigen folgte der ernsten Rede und über dem Gesichte der Sängerin, die bet religiösen Bemerkungen eine Art vornehmer Ablehnung beobachtete, lag auf einmal ein tiefer Schatten. Sie wendete sich dem Fenster zu, und wer ihr Gesicht hätte sehen können, würde bemerkt haben, daß fie auf einmal tief erbleichte. Ein finsteres Gesicht, an das Fenster, da« in den Garten hinauSging, gepreßt, hatte sie mit glühenden Augen angestarrt. Aber-eS schien kein Geist zu sein, so geisterhaft bleich eS war, denn die zur Signora avancierte Zigeunerin war auf einmal ver­schwunden, vermutlich, um dem gespenstigen Wesen ent­gegenzugehen.

Eine lebhafte Unterhaltung verdeckte ihre Abwesenheit, Gottfried aber, der, um seine brennenden Schläfen zu kühlen, sich zu einem offenen Flügel hinauSlehnte, sah ihre hohe Gestalt im Schatten eines Busche« bei einem Manne stehen, der auch einem Schatten glich, und hörte jetzt halb­laute, zischende Worte, die wie ein höhnischer Abschied klangm: „Die Prüfung wurde schlecht bestanden, heuchlerische Maja. Du hast all mein Vertrauen verscherzt und wirst Sturm ernten, wo Du Wind gesäet. Geh' nur, falsches Weib, Deine Schwüre sollen Geschwüre für Dich werden, vergiftete Seele!*

Das überige erstarb in einem Geflüster.

Die Braut erschien bald wieder im Saale; mit fest­geschloffenen Lippen, hinter denen wohl die kleinen Zähne knirschten. Aber niemand bemerkte e« al« Gottfried — und dieser schwieg.

(Fortsetzung folgt.)

u. seligen Thränen zu ihm aufsah. Da« entwaffnete letzten Zweifel auch der, man darf wohl sagen „feind- Brüder, die lippenblrich dasaßen und mit grimmigen

Thoren Frankreichs liege und nach verbrieften Rechten seit Jahrhunderten zu Frankreich gehöre.

l'rsprünglich erfreute sich Waddington bet den Gam- bettisten keines besonderen Vertrauens. Die Teilnahme an dem Berliner Kongreß wird von letzteren überhaupt als ein Fehler betrachtet und gleich den russischen Heißspornen warfen sie dem Bevollmächtigten der französischen Republik eine allzu große Gelehrigkeit für die BiSmarckschen Pläne vor. AIS die Katserkrönung herannahete, fühlte man das Bedürfnis, die Republik in Moskau möglichst glanzvoll vertreten zu lassen. BiS zum Jahre 1870 wäre bei ähn­lichen Gelegenheiten ein siegreicher französischer Marschall der Gegenstand de« JntereffeS aller Nationen gewesen. Aber von einem General ohne kriegerischen Ruf konnte man sich unmöglich einen großen Effekt versprechen. Des­halb griff man zu einem Staatsmann von diplomatischem Ruf und von distinguierter Erscheinung, denn vor allem andern wollte man Eindruck machen; man wollte der Welt zeigen, daß die Republik auch äußerlich wieder die Tra­ditionen des alten, des in Europa präponderierenden Frank­reichs, ausgenommen habe.

Aehnliche Erwägungen mochten wohl auch Monsieur Leroy, ein in Paris höchst populäre Persönlichkeit, bewogen haben, seinen Groll gegen die Republik aufzugeben und wieder in die Oeffentlichkeit zu treten. Er war unter dem Empire erster kaiserlicher Hauptkutscher gewesen und führte die StaatSkaroffe bei allen feierlichen Aufzügen, wie auch bei den versuchten Attentaten auf LouiS Napoleon und auf den Kaiser Alexander II. Mit mehreren Ehrenkreuzen geschmückt, lebte er nach dem Sturz deS Kaiserreichs als wohlhabender Proprtetaire in Paris, um nun als Privatmann den Passio­nen seines ehemaligen roffelenkenden Berufes wieder zu fröhnen. Er hatte alle Anerbietungen der Herren Thiers, Mac-Mahon und Gambetta abgelrhnt, weil er nichts mit der Republik zu schaffen haben wollte. Aber als der Gala­wagen Mac-MahonS, der zur Disposition Waddingtons gestellt worden war, mit einem Viererzug bespannt und Probe gefahren wurde, da erweichte sich sein Herz, und er machte der Republik daS Anerbieten, in Moskau beim Einzuge den Wagen des französischen Krönungs-Botschafters zu lenken. DaS wurde natürlich mit großem Dank an­genommen, denn feine Erscheinung und seine Allüren auf dem Kutscherbocke sind unnachahmlich und rufen die Er­innerungen des ancien regime wach. Seitdem ist Leroy in den Dienst Waddingtons eingetreten und halb Paris beneidet letzteren um diese historische curiositS. Er be­gleitet auch den neuen Botschafter jetzt nach London und dort, wo man etwas „von der Sache* versteht, wird er sicher eben solches Aussehen wie in Moskau erzielen und dazu beitragen, den Nimbus des neuen Botschafters zu erhöhen.

Für Ferry kam die Gelegenheit sehr erwünscht, Wad-

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Madagaskar und Waddington.

(Korrespondenz aus Paris.)

Noch bevor die Piraten auf dem Roten Fluß in Ton- ling ihre blutige Züchtigung für den Verrat von Hanoi erhalten konnten, mußten die Hovas in Madagaskar die Schneidigkeit des autoritäten KanbinettS kennen lernen. Zn Mazunga (Mazangai) an der Westküste wurde nach kurzem Bombardement daS Fort und die Zollhäuser besetzt, die Herrschaft der HovaS beendet und die Sakalaven zur Selbstverwaltung herangezogen. Nächstdem kam das weiter nördlich gelegene Murunsangue an die Reihe, wo sich die Okkupation noch leichter vollzog. Diese beiden Posten korrespondieren mit den gegenüberliegenden französischen Inseln Mayotte und Nosibä, deren Wohlstand durch die in letzter Z it immer mehr erschwerte HandelSverbindung mit der großen Insel bedenklich inS Wanken gekommen mar. Der Hauptstreich aber, welchen der Admiral Pierre, dieser „dreihärige Bretagner", auSgcführt hat, war daS Bombardement und die Besetzung TamataveS, daS an der Ostküste belegen, den besten Hafen der Insel hat, und von da aus eine gute Landstrecke in das Innere nach der Hauptstadt Tananariva führt. Daß bei dieser Gelegenheit auch den Protektoren der HovaS, den Engländern übel mttgespiklt wurde, scheint zweifellos zu sein, wenngleich die «Wollen Berichte noch auf sich warten laffen, wahrscheinlich ««hl, weil man die Zeit wirken laffen will zur Beruhigung btt Gemüter diesseits und jenseits deö Kanals.

DaS französische Kabinett hat nicht umsonst über die Archive zu gebieten, in welchen die politischen WeiSheitS-

Augen nach dem „stillen Wasser* sahen, nach dem „Hehler und Stehler*, der zur Palme vorgedrungen wie ein Sieger. Aber sie mußten sich beherrschen und sie wußten es zu thun, ste hatten ja lange genug in der Stadt gelebt. Sie brachten eS glücklich zu einigen Redensarten, deren Ge­zwungenheit Gottfried in seiner unbegrenzten Gutmütigkeit übersah.

Die Bräute beglückwünschten sich mehr oder minder herzlich und aufrichtig und eine ganze Sturzwelle von Fragen und Antworten, von Glückwünschen und Segensprüchen, Prophezeiungen und Neckereien verwusch daS trübe Element in der Tafelrunde oder machte es wenigstens unsichtbar. Nur Miß Douglas bewahrte ihre Würde, machte aber die treffende Bemerkung, daß man sich seltsam ändern könne. Al« Kind habe sich Frida fast der LebenSrettung widersetzt und als Jungfrau gebe sie ihr Leben strahlenden Auges jenem Retter hin.

„Nur nicht immer weinen," mahnte mit väterlicher Naivetät der alte Schön, der nur schüchtern mit seiner jungen Schwiegertochter zu sprechen wagte und kaum be­griff, wie man in Freuden weinen konnte.

„Laffen Sie nur weinen," sagte heiter der freundliche Pfarrer, „Thränen bedeuten Perlen."

„Dann müßten also," bemerkte etwa« spitz der Buch­halter, „Perlen Thränen bedeuten." Er deutele dabei auf da« Perlenhalsband seiner Braut, die in kühlem Glanze wie ihre Perlen strahlte, und auf das der Sängerin, deren blitzende Augen Diamanten beschämt hätten.

„Wer kann daS wiffen?" bemerkte etwas ablehnend der Pfarrer, der den Geldstolz mit seiner ganzen reinen Seele verachtete. „Bvlkssprüche können trügen und laffen sich auch wenden oder deuten. Für jeden Fall ist e« gut,

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Expedition der Oberhesf. Ztg.

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regeln der Richelieu und Tayllerand aufbewahrt sind. Ferry Md Challemel haben dieselben sehr genau studiert und ver­lachen ste praktisch anzuwenden. Die rücksichtsloseste Schnei- digkeit in der Aktion wird am besten verschleiert durch diplomatische Geschmeidigkeit. Der Denkzettel von Tama- twe soll in London vorläufig etwas verzuckert werden und , iathalb schickt die Republik ihren größten diplomatischen rt* Renten, Herrn Waddington dorthin, um Herrn Gladstone klar zu machen, daß Madagaskar so zu sagen vor den

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Als das Gläserklingeu vorüber war, erhob sich der Hausherr und erwiderte: „Zu Ihrer und wie ich hoffe, zu Eer Berfriedigung, würdiger Freund, kann ich der bet« fyten Gesellschaft die freudige Mitteilung machen, daß sich Hirt Gottfried Schön soeben mit meiner geliebten, einzigen Achter Frida verlobt hat. Trinken wir auf die frohe ___.v-u Wtnft der Verlobten."

1*$ । Aber niemand trank, al« der Redner selbst. Wie durch Mi 181 Zauberwort versteint saßen alle mit vorgeneigten Hälsen , JOiV nichtssagenden Augen, denn daS Gesagte war geradezu ^begreiflich. Der Pfarrer fand zuerst die Faffung und ^schte einen warmen Händedruck mit dem Bräutigam und lösten sich dir Lippen de« alten Schön, um da« große 5<>tt auszusprechen: „DaS geht ja himmelweit über den ^sen Turm in Pisa!"

. Er blickte mit forschenden Augen auf den Hauptmann, noch glaubend, er gebe sich einer Illusion hin, oder edler Wirt sei etwa« angeheitert.

z».- _ Dieser aber bestätigte lachend da« Gesagte und wieS 1$* j £ dem Finger auf Frida, die tieferrötend da« feinge- »ttene Köpfchen an Gottfrieds Schulter lehnte und unter

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