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Marburg, Dienstag, 84. Juli 1883.

XVm. Jahrgang.

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Die Cholera In Egypten

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M britische Autorität die Leitung der Angelegenheiten über­nehme. Nach der „Daily News" haben letzter Tage binnen

24 Stunden in Kairo 200 Todesfälle stattgesunden.

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Nach dem neuesten Telegramm deS „Reuterschen Bureaus" aus Kairo starben hier 381 Personen an der Cholera, davon kommen 216 auf die Vorstadt Bulak. Unter den Gestor­benen befinden sich 4 Europäer. Die Quarantäne ist in Egypten aller Orten aufgehoben worden, ausgenommen in Alexandrien und in der Provinz Fayeum, wo dieselbe auf Verlangen des Generlkonsuls Malet aufrecht erhalten wird.

Nach einer Meldung des „Standard" aus Kairo werden indesien die Todesfälle an der Cholera in den offiziellen Berichten viel zu niedrig angegeben; die Vernachlässigung der einfachsten sanitären Maßregeln sei allgemein; das Exekutivkomitee werde in seinen Bewegungen durch zwei egyptische Würdenträger, welche auf die fremde Einmischung eifersüchtig sind, gehemmt; eS sei keine Hoffnung, der Epi­demie Einhalt zu thun, wenn nicht irgend eine offizielle

„Phantasieren?" brauste er auf. „ES ist mein voller, heiliger Ernst, ich pflege bet so delikaten Angelegenheiten vorher reiflich zu überlegen. Und doch — ich muß dies Bieter einschränken — hat mir die überwallende Leiden- tyaft vielleicht zu rasch daS entscheidende Wort von den dhpen geriffen. Aber gesprochen ist eS und die Entschei­dung liegt in Ihrem warmen, reichen Herzen, das Ihnen «in günstiges Urteil diktieren möge. Ihr ganz besonderes Wohlwollen in letzter Zeit —"

.Haben Sie, wie eS scheint, völlig falsch auSgelegt,'

haben. Bayley verweilte dort 36 Jahre, besorgte dort 16 Jahre lang die Korrespondenz des indischen Gesundheits­amtes, ward selbst einmal von der Cholera befallen und spricht daher aus ureigenster Erfahrung. Es hat deshalb um so größeren Wert, wenn er behauptet, daß Quarantäne und Absperrung wirkungslos blieben; daß das Wesen der Cholera bis jetzt ein Geheimnis sei; daß aber die Krankheit in ihren Anfängen stets unterdrückt werden könne durch Reinlichkeit, Wechsel des Wohnorts, strenge Maßhaltung in Speisen und Getränken u. s. w.

Auch die städtische Verwaltung der City von London hat beschloffen, Vorsichtsmaßregeln gegen den AuSbmch der Cholera zu stressen. Die Kanalöffnungen sollen in der ganzen Stadt täglich desinfiziert, der Kehricht auS allen Häusern soll täglich entfernt, die Kanäle häufiger und stärker auSgespült und den HauSmieterv die fleißige An­wendung von Karbolsäure empfohlen werden. Zugleich wird eine Kommission ernannt, der es obliegt, die Logier- Häuser zu inspizieren und die thunlichste Reinhaltung der­selben zu überwachen.

5 Prozent der Bevölkerung in wenigen Tagen dahingerafft wurdm. In Schirbin ist der Stand der Seuche unver­ändert; außerdem aber tritt sie nunmehr in Samanud, Chobar, Zeflrh, Dangoai, Tanta Mehallel - el - Kebir, Menzaleh, Talkja, Portsaid, Mitgamr und Scherbin el-Kum mit Heftigkeit auf, in welchen schwachbevölkerten Orten nach der letzten Meldung die Todesfälle 147 betrugen.

Wie bereits erwähnt, soll es feststehen, daß die Krank­heit auf dem Fluffe durch Schiffsleute von Mazaleh aus eingeschleppt worden ist. Die Absperrungskordons um Mansurah, Damtette rc. sind bereits als nutzlos aufgegeben; die englischen Truppen sollen In die Choleralager bei Helikan abgeführt werden. Es ist daS der gesundeste und höchste Platz im Delta deS Nils. Die auf Urlaub entlegenen Soldaten kommen vorläufig in ein Quarantänelager bet Abasstyeh. Bedenklich ist nur, daß augenblicklich unter den 7000 Mann, die von den Einmarschtruppen in Egypten zurückblieben, fast 850, also ungefähr 12 Prozent, an anderen Krankheiten darniederliegen. Ein Wort der Anerkennung verdient der Khedive, der auf seinem Posten in Kairo aus­harrt und alles thut, was in seinen Kräften steht, um den gesunkenen Mut der Bevölkerung zu heben. Die ärztliche Hilfe läßt natürlich in qualitativer wie quantitativer Hinsicht zu wünschen übrig; geradezu trostlos sieht eS aber in dieser Beziehung auf dem platten Lande aus, wo der arme Fellah, ohne daß sich eine Hand zu feiner Hilfe rührt, der Seuche erliegt. Ueber die Zahl der Opfer, die hier in Dörfern und einzelnen Gehöften von der Cholera hingerafft werden, wird man wohl nie zuverlässiges erfahren.

Auch Im englischen Unterhause kam vor kurzem die Epidemie und die Schlaffheit der egyptischen Behörden wieder zur Sprache. Der UnterstaatSflkretär Lord Fitz- maurice erwiderte auf eine Anfrage bezüglich der Cholera, Dr. Hunter sei nach Egypten abgegangen und werde dort vom Dr. Mackie und dem englischen Mitgliede des egyp- tischen GesundheitSrateS unterstützt werden. Der Vertreter Englands sei angewiesen, einen Druck auf die englische Re­gierung ouSzuüben, um derselben begreiflich zu machen, daß gesundheitliche Reglements zur Unterdrückung der Cholera weit wichtiger seien, als Kordons, Lazarette und Quaran­tänen. — Im Einklang mit dieser Auffaffung, der sich, wie man weiß, auch unsere kompetentesten Autoritäten an­schließen, führen in der „Times" einige hervorragende Aerzte aus, daß die Quarantäne eine veraltete Einrichtung sei, welche der Ansteckung eher Vorschub leiste; daß die Cholera überall da entstehe, wo ihre Ursachen, Unreinlichkeit u. s. w. vorhanden seien; daß insbesondere die jetzige Cholera in Egypten dort entstanden sei, gerade wie die Cholera in Syrien im Jahre 1875 in Syrien entstand. So sei denn die englische Regierung ganz im Rechte gewesen, als sie die Quarantäne aus ihrem Abwehrsystem ausstrich. Zu den betreffenden Einsendern gehören u. a. Cunnigham und Bay­ley, welche die Cholera seit langer Zeit in Indien studiert

Srlteint täglich außer an den Werktaam nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Vellage „Jllnstrirle« CatttttagMlatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 8'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,.

Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 86 Pfg. berechnet.

Melancholisch in eine Ecke gelehnt, blieb lieber- und klanglos die Guitarre zurück, überglüht von der Lampe, die sühlloS weiter leuchtete.

„Aha l stehen die Sachen so?" flüsterte der Buchhalter, leise davonschleichend. „Da sind die brüderlichen Körbe freilich sehr erklärlich. UebrigenS gönne ich dem Narren seine Niederlage von Herzen."

Lange noch stand, einem stillen Monumente gleich, der blonde Dichter an seinem Postm. Nur seine Lippen zuckten. Der arme Kopf wollte keinen klaren Gedanken hervorbringen und daS brave, warmfühlende Herz des Dichters wollte stille stehen unter dem dumpfen Drucke einer schweren Last.

Schleppenden Gange» ging er der Eingangspforte zu. Er konnte niemandem gute Nacht sagen mit seinen ver­siegelten Lippen.

Vier Wochm sind eine kurze Zeit. Und doch, waS können sie alles wirken und ändeml Die Gefunden auf» Schmerzenslager werfen ober gor in» Grab, die Streber auf die ersehnte Höhe führen oder zurückwerfen in nicht- und damit in Verzweiflung. Es werden Pläne gereist und ausgeführt, Hoffnungen vernichtet oder erfüllt — wer zählt all das Werden in kurze» Fristen oder das Vergehml doch das Meiste vollzieht sich nach Gesetzen, die sich be­rechnen oder wenigstens ahnen lasten, manche« aber so unerwartet, daß man staunend davor stehen muß.

Unsere Drillinge hatten am Ende der vier Wochm, die wir meinen, auch Außerordentliche» zu verzeichnen, wie sie benn ja überhaupt einen Lebensgang verfolgten, der von der großm Fahrstraße der Alltäglichkeit weit ablag.

(Fortsetzung folgt.)

Drei Brüder.

Line Geschichte aus dem Leben von August Butscher.

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Deutsche- Reich.

Berlin, 21. Juli. Generalleutnant Graf Lehndorff begab stch zum Kaiser nach Gastein. — Die Kaiserin wird bis zu Anfang August im Schlosse zu Coblenz verweilen und dann am 9. August mit dem Kaiser in Potsdam zu- sammentreffen. Der Kaiser wird da» Schloß Babelsberg bewohnen, die Kaiserin, wie wir der „Kreuz-Ztg." ent­nehmen im Stadtschloste zu Potsdam, die Kaiserzimmer, jene Reihe von Gemächern, welche stch links vom Mar­morsaal erstreckt. Diese Disposition mußte aus Anlaß des immer noch leidenden Zustande- der Kaiserin getroffen werden, eines Zustandes, der die Kaiserin noch an den Rollstuhl festelt. Die hohen Treppen Im Schlöffe von Babelsberg würden derselben die Bewegungen erschweren. Die Rampe deS StadtschloffeS von Potsdam befindet sich in gleicher Höhe mit dm Kaisergemächern und bietet so für die Ausfahrten der Kaisern wesentliche Erleichterungen. In früheren Jahren war die Kaiserin gewohnt, die Zeit, die zwischen dem Aufenthalte des Kaisers In Gastein und dem Aufenthalte auf Babelsberg lag, zu einer „Jncognito- Reise" zu benutzen, in diesem Jahre m»ßte Ihre Majestät von dieser Erholung infolge ihrer fast gänzlichen Be­wegungslosigkeit Abstand nehmen. Die Beflerung diese« Zustandes macht nur sehr langsame Fortschritte. Die Übliche Ordnung früherer Jahre wird jedoch die Kaiserin durch ihr Zusammentreffen mit dem Kaiser im Anfänge August festhalten, um dem Kaiser währenv des Babels­berger Aufenthalts nahe zu sein und mit den anderen Mitgliedern der König!. Familie, die in dieser Zeit in Potsdam bereinigt sein werden, in persönlichem Verkehre zu bleiben. Während dieser Augusttage wird auch die Taufe deS zweiten Sohnes des Prinzen Wilhelm stattfinden.

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„Also durchgefallen, rein abgefahren wie ein Stümper, der da« erstemal vor die Rampe tritt. Statt einer Erhörung eine moralische Vorlesung. Sehr hübsch, auf Ehre. Wenn ich wenigstens einem begünstigten, schwer in« Gewicht fallenden Nebenbuhler weichen müßte, wäre doch ein Schatten von Trost dabei. Aber so — l"

Er griff zornig in die unschuldigen Salten, so daß eine davon stöhnend zersprang und „fein Ton mehr auferstehen konnte", wie er kurz vorher wie vorahnend gesungen.

Frida schien mit sich selbst zu kämpfen, kam aber rasch zu einem Entschlüsse und sagte mit etwas vibrierender Stimme, die einen elegischen Klang annahm: „Nun, wenn e« Ihnen ein Trost fein kann, den ich immer gern spende, will ich Ihnen gestehen, daß Sie allerdings einem andern unterliegen, dem ich schon seit lange für Immer mein Herz geschenkt habe. Lasten wir mit diesem Geständnis unsere peinliche Unterredung beendet fein, ich bitte darum I"

Sie erhob sich.

Ein dreifache« „Ah" der Drillinge deckte stch fast. Bel Gottlob war e« aber mehr ein zorniger Aufschrei, der die verräterischen Laute der Horcher verschlang.

„GutI" knirschte er dann. „Also da» ist«. Ich hoffe ihn noch kennen zu lernen, meinen glücklichen Nebenbuhler, und bann — wehe ihm!"

Mit biefem theatralischen Schlußsätze stürmte er davon, ungewiß, was er mehr verwünschen sollte, den begünstigten Liebsten, ober sich selbst, ber mehr eine komische als tragische Figur gespielt.

Friba folgte mit langsamen Schritten, um zur Gesell­schaft, die sich schon in die Villa zurückgezogen, zurück­zukehren.

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tn w fiel sie ihm ziemlich entfliehen InS Wort. „CS galt einzig

® freundschaftlicher Weife der unhaltbaren Stellung, in 1 Sie die Sängerin gebracht, eS galt der Zerristenheit Ares Wesens, die ich zur Klärung und Versöhnung sührm sollte. Geradezu sonderbar, wenn ich nicht sagen will be- ^digend, erscheint ihre Werbung, wenn man die Berzweis- l»»g erwägt, die Sie über die Ausflüchte der Signora an Tag legten. Denken Sie, der eben gethane Schrttt M ein Ausfluß deS gestörten Gleichgewichte-, da- Sie Wnwärtig repräsentieren," setzte sie mit einer scherzhaft ra sollenden Wendung bet

. »Nicht übel abgetrumpft," höhnte Im Stillen der huschende Buchhalter, während zu gleicher Zeit ein Seufzer Erleichterung über Gottfrieds Lippm ging, erzeugt von Ctffi frohen Aufatmen einer entlasteten Brust.

Der unglückliche Werber sah in dem Lampenschein Wnhaft bleich aus. Sein Selbstgefühl war tief verletzt

« stammelte mit einem Gemisch von Zorn und Schmerz:

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Was Kairo betrifft, so steht allerdings zu fürchten, daß die Stadt wegen ihrer Größe aller vorhandenen Des- insektions- und Absperrungsmittel und der ärztlichen Hilfe spotten wird. Daß man eS wirklich mit der Cholera und nicht, wie von verschiedenen Seiten behauptet wird, mit einer anderen Krankheit zu thun hat, hält auch der eng­lische Arzt Dr. Mackie in seinem Bericht an Lord Granville aufrecht und weist zugleich daraus hin, daß die Schuld lediglich die Indolenz der Eingeborenen und der Regierung treffe. Aus dem Kanal, der Damtette mit Trinkwaffer tetforgt, zog man seit dem Ausbruche der Krankheit 400 in Verwesung übergegangene Kadaver von Rindern, die an der Rinderpest gefallen waren; der Boden ist dazu gänzlich mit Fäkalstoffen durchdrungen, daS Waffer bei Eintritt der Flut stagnierend, und die tropische Sonnenhitze hinzugerechnet, ist es nur natürlich bei einer derartigen haarsträubenden Nachlässigkeit, verheerende Seuchen aufspringen und ihren grauenhaften Umzug halten zu sehen. Im ganzen sind seit dem ersten Ausbruch 3131 Personen der Seuche erlegen. In Damitte und Mansurah scheint sich die Wut der Krank­heit erschöpft zu haben, nachdem in beiden Städten an

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