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Marburg, Sonntag, 22. Juli 1883.

ivm. Jahrgang.

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Die Stille «ach dem Eturmfeste. (Korrespondenz aus Paris)

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Republik zu erwählen, geht bekanntlich von Gambetta aus. Sie entsprang einer Zeit, in welcher die monarchischen Palleten noch stark waren und die gemäßigten Republikaner mit dem Gros der Bourgeoisie schwankten, auf welche Seite sie sich hinwenden sollten. Die Unentschlosienheit der Re­aktion beförderte die gambettistischen Ränke, und das ver- sjcckle Spiel hinter den Kulissen, ergänzt durch offene Agitation in jenen Volksversammlungen von Belleville, tzahvrs, Bordeaux rc., übte einen Terrorismus aus, der dm endlichen Sieg des fortschrittlichen Regimes herb iführte. Zn jener Zeit hatte Gambetta seine Organisationspläne der Armee noch nicht aufgegeben, nach welchen die gesamte Wehrkraft des Landes aufgebotcn werden und Frankreich schon in tiefem Frieden ein einziges gerüstetes Kriegslage! dorstellen sollte. ES kam zurächst darauf an, die Armee ;u republikanisieren, daher fand die Feier ihrer neuen Fahnen gnade an dem Gedenktage dieser Emeute statt, welche vom neugebildeten Munizipalrat im Stadthause ausgehend die Invaliden des ancien regime niedcrgemetzelt hatte. Der 14. Juli 1880 war der Geburtstag der neuentstandenen Armee. Von diesem Tage wurde auch die Nationalfeier dotiert, obgleich man schon im Jahre zuvor einen Versuch dozu gemacht hatte. Die radikale Strömung war seit 1879 in voller Flut gestiegen, und Viktor Hugo feierte in begeisterten Oden, wie Soldaten und Kommunarden sich Miteinander verbrüderten. Gambetta, als Präsident der souveränen Kammer, war der Mittelpunkt aller Ovationen, »er dem der bescheidene Grevy ganz verschwand. Wußte doch ganz Paris, daß die munizipalen Freiheiten und die Errichtung einer Centralmairie auf dem Programm de- Weigenden Gestirns stand.

Wenig-Jahre sind seitdem verfloffen. Aus der Schule nitb aus dem bürgerlichen Leben wurde der letzte Einfluß

der Kirche beseitigt. Handel und Gewerbe begannen zu stocken und die Anarchisten erhoben ihr Haupt. — Welch ein wunderbarer Wechsel hat sich während dem in der herrschenden republikanischen Partei vollzogen I Man darf sagen, die Gambettisten haben nach und nach alle ihre politischen Grundsätze aufgegcben, nur das Prinzip nicht, dem sie ihren Namen verdanken, den Opportunismus. So ist eS ge­kommen, daß dieses Nationalfest, das vor 4 Jahren als oppor­tunistisches Schreckmittel gestiftet wurde, heute schon eine Quelle von Verlegenheiten für die Regierung geworden ist, und zwar selbst für eine Regierung, die aus fortschrittlichen radi­kalen Mitgliedern besteht, auS den Schülern des Meisters, der es geschaffen hat. Alle jene Ideen, für welche die Männer der heutigen Mehrheit in der Vergangenheit gekämpft haben, eigneten sich vorzüglich zur Agitation; sie erweckten die Leidenschaften und trübten den Blick. Zur praktischen An­wendung sind sie weniger brauchbar; deshalb fliehen sie sofort ihre Träger, wenn diese zu positiven Thaten über­gehen müssen, und begeben sich in das Lager der Opposition, wo sie mächtige Waffen für akademische Diskussionen bleiben. — Selbstverwaltung wird in der Theorie gewiß überall als eine berechtigte Forderung jeder Gemeinde anerkannt. Wenn aber heute der Pariser Munizipalrat, in feiner aus­gesprochenen roten Schattierung, stch selbst einen Maire wählen und seine Geschäfte nach eigenem Ermessen be­sorgen würde, dann wäre der nächste Schritt, daß Paris vollständige Autonomie und damit die Kommune herstellte. Eine unabsehbare Verwirrung und eine fortwährender Streit um die gegenseitigen Kompetenzen wäre dadurch inauguriert. Die ganze Bourgeoisie steht dadurch auf feiten des Kabinetts, wenn dieses die munizipalen Freiheiten von Paris dem Zentralisationsprinzip zum Opfer bringt. Da­durch läßt stch aber die große Mehrheit nicht abhalten, in der Theorie nach wie vor für die Dezentralisation zu schwärmen.

Aehnlich verhält es sich mit der Amnestiefrage. Gerade die Sozialisten in der Kammer und im Gemeinderate gönnen ihren allzuweit vorgeschrittenen einstigen Partei­genossen, den Anarchisten, von ganzem Herzen eine kleine Lektion, wie sie dieselben in Lyon, Rtom und Paris em­pfangen haben. Aber der lieben Wähler wegen muß man sich den Anschein der Entrüstung geben, und wie hätte wohl der Präsident des Gcmeinderates von Paris mit mehr theatralischem Effekt die Tradition des 14. Juli 1789 wieder erwecke» können, wenn nicht durch einen Hinweis auf die Verurteilten, welche nichts weiter begangen haben, als daß sie den Versuch machten, dem Beispiele jener Bastillestürmer zu folgen?

Wenn Herr Math« dann weiter behauptet, daß daS republikanische Bewußtsein von Paris nur auf Frieden, Arbeit und Freiheit beruhe, und daß deshalb alle Welt

volles Vertrauen zu dieser großen Bürgerschaft haben müsse, so ist daS eine Phrase, in welche die große Bürger­schaft, welche dieselbe vor der enthüllten Statue der Repu­blik applaudierte, gerade am wenigsten selbst glaubt. Allen solchen Kundgebungen wird von keiner Seite rin anderer Wert als der einer Phrase beigelrgt, als Dekoration zu Schaustellungen und Geprängen.

Auf den rauchenden Trümmern der Bastille hatte ein „patriotischer Gaffenjunge" nach dem Siege des von Megären angeführten Pöbels eine Tafel angebracht mit den Worten „Ici l’on danse.“ Der Republik GambettaS und FerryS blieb es Vorbehalten, diese Worte zur Wahrheit zu machen. Im alten Rom hieß es: „Brot und Spiele". Für letztere hat nun die Republik an einem Tage 700000Frcs. aus- gegeben. Nach ersterem werden die Reklamationen nicht auSbleiben, denn die gedrückte Geschäftslage, die rückgehende Handelsbilanz des letzten halben Jahres, welche soeben ver­öffentlicht worden ist, und der Ausfall an den indirekte» Steuern verheißen keinen wirtschaftlichen Aufschwung und keine Steigerung der Industrie. Die Arbeiter sind in den großen Produktionszentren zusammengehäuft, während man aus dem Lande über Mangel an Arbeitskraft klagt. Ohne Zweifel werden Stockungen in größerer Ausdehnung ein­treten, und mit ihnen der stete Begleiter aller wirtschaft­lichen Krisen, der Pauperismus. Die Heilmittel gegen denselben, welche bis jetzt die Regierung und der Muni­zipalrat in Angriff nehmen wollten, haben sich schon jetzt als ganz unzureichend erwiesen. Wohl aber sind die Maß­regeln gegen die Ausschreitungen sehr wirkungsvoll ge­wesen. Hiermit ist für die Zukunft die Sozialpolitik des Opportunismus angezeigt. (R.-B.)

Tage traten. Unwillkürlich stiegen dann wieder Vergleichun­gen in ihm auf jzwischen diesem klaren Geschöpf mit seiner ruhigen, aber innigen Weise und dem exzentrischen Charakter der Sängerin. Sein Zustand begann sich auffällig zu bessern, was Gottfried, dessen Scharfblick nichts eingebüßt hatte, mit stillem Schrecken bemerkte. Sollte seine Ahnung, die er sich gestanden, zur Wahrheit werden: daS mußte er verfolgen. Seine Aufmerksamkeit verdoppelte sich und schürte immer heftiger das Feuer, da« in seiner Seele brannte und das zu löschen nur eine Hand im stände war. Und diese Hand zu rufen und zu ergreifen, dazu fehlte dem blonden Dichter ver Mut.

Ein Sommerabend neigte stch seinem Ende zu. Eine leichte Brise hauchte durch die Blätter der hohen Pappeln, die gleich steifen Ehrendamen am Sommerhause de» Herrn von Weißdorn Wache hielten. Sie schüttelte gleichsam die Lichter durcheinander, die auf den Zweigen abschiednehmend noch ein wenig weilten. Auf dem Rasen bettete sich all- mälig zur Nachtruhe das Dunkel, breit und schläfrig, und in der Fliederlaube wachte ein Lampenlicht auf wie ein Glühwürmchen.

Dort saßen nur Frida und Gottlob der Sänger. Heute waltete er wieder einmal des oft geübten Amtes als Trou­badour. Eine Guitarre lag in seiner Linkm und die Rechte ging mit gewandten Griffen über die Saiten.

„Wenn an der Harfe golden schön Die Saite ist gesprungen, So kann der Ton nicht aufersteh'n, Und gleich ists auSgesungen.

Wenn mir mein Lieb den Abschied gibt. So gilt eS auch mein Leben, Denn ist eS einmal ausgeliebt, Kann» keine Hoffnung geben/.

ltiaen nimmt entgegen! itrpedition d. Blattes,

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Er trug stch, ganz seinem zähen Naturell entsprechend, mit großen Plänen. Schon längst war der Entschluß in ihm gereift, ein eigenes Geschäft, ähnlich dem Herrn Schönborns, zu gründen, und diesem mit allen Kniffen und Praktiken, die er ihm abgelernt, Konkurrenz zu machen. Pflichten der Dankbarkeit existierten für den ganz „modern" Gearteten nicht. Aber Geld gehörte dazu, viel Geld, und die beste Bezugsquelle war eine reiche Frau. Die Pläne, die von Sorgen garniert waren, furchten oft seine Stirne und gaben seinem Wesen zeitweilig etwas Unstätes. In Gottfried dagegen stritten die Moral und das Ideal. Frida war sein Ideal; die Moral aber gebot ihm, so redete er stch wenigstens ein, stumm zu entsagen. Seine Heiterkeit flackerte nur noch zuweilen auf und erhielt einm Beisatz von Schärfe, erzeugt in der Selbstqual, mit der er stch marterte. DaS kleidete ihn wenig und versperrte überdies Frida den Weg, eine freundliche Wendung zu ihm zu bewirken.

Frida wendete deshalb — ob nicht auch ein Fünkchen Koketterie darin lag? — ihre Aufmerksamkeit meistens Gottlob, dem Sänger und Geiger, zu, dessen Wesen geradezu etwas Gestörtes an stch trug. Seine ungeberdige Künstler­natur konnte das Hangen und Bangen nicht geduldig er­tragen. Frida ahnte eine Wunde in seinem Herzen und mit ihrem natürlichen Takte, zu dem stch ein Teil weiblicher List gesellte, hatte sie ihm bald seine Schmerzen abgefragt. Wo weckte nicht zarte weibliche Teilnahme, wie sie Frida wie keine andere zu entwickeln vermochte, die Dankbarkeit des damit begnadeten Mannes! Auch Gottlob schlürfte mit Behagen diese mit schmelzender Stimme vorgebrachten Trost­gründe, deren er immer mehr zu hören begehrte. Er schloß sich enger an das edle Märchen an, dessen tiefgründige schönen Eigenschaften unabsichtlich immer und siegend zu

19 Drei Brüder.

Sine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.

-cnkfurt a. M-, Berlin Köln re.; Rudolf

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juli. Se. Maj. der Kaiser und König setzt, wie auS Gastein gemeldet wird, seine Badekur daselbst täglich des Morgens mit gewohnter Regelmäßigkeit fort und nach der Rückkehr auö dem Bade erscheint Allerhöchst- derselbe dann bei günstigen Wetter in Begleitung des dienst« thuenden Flügeladjutanten zu einer Promenade auf dem Kaismvege. Die Nachrichten über das Befinden Sr. Maj. lauten fortdauernd sehr günstig. Dagegen ist die Witterung augenblicklich trübe, kalt und regnerisch und auch die Berg­spitzen sind mit Scdnce bedeckt, auS welchen Gründen auch Se. Maj. bisher größere Ausflüge in die Umgegend des Bade­orts, wie z. B. nach Böckstein oder ins Kötschachthal noch nicht unternommen hat. — Die diesjährigen großen Herbst­übungen des 4. und 11. Armeekorps vor Sr. Maj. dem Kaiser werden auf Allerhöchsten Befehl in Parade, CorpS- manöver gegen einen markierten Feind und dreitägigen Feld- manövern der Divisionen gegen einander bestehen. Die ge­nannten Armeekorps haben hierzu ous dem Beurlaubten-

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Do., nten, 13.

1846.)

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QUm viertenmalc hat die Republik in Paris ihr National- -ist la fete de l’assassinat, wie eS de la Rochefoucault- Bifaccia in der Kammer nannte, gefeiert. Der Jubel ist reihailt, der Rausch verflogen, und nichts ist von allem Manz übrig geblieben, als der Streit der Parteien über iieje und jene Vorkommnisse während der Festtage. Vor allem anderen wird im Publikum und in der Presse die Diskussion über die eigentümliche Stellungnahme deö Mini­steriums zum Munizipium der Stadt Paris fortgesetzt. Allein was in anderen Reichen einen schrillen Mißklang auf die nationale Kundgebung geworfen hätte, darüber geht man im Lande der ewigen Widersprüche bald hinweg. Diese Erörterungen und Entgegnungen bilden nur, ebenso njte die ganze diesjährige Feier, einen neuen Beleg für die ? Entwicklung des GambettiSmuS zum CäfariSmuS.

Ü Die Idee, den 14. Juli zum Nationalfeiertage der

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von S. L. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; Jägersch« Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalid endank in

Berlin; W. Thiene» in

Merfeld: 6. Schlotte in

. »Bis mein Denken und Fühlen so geläutert ist, daß En uns frei gegenüber stehen oder für immer leibeigen—* tänzle sie mit so viel zartem Schmelz der Stimme, daß er tem Gift, das ihn verwundet, den entsprechenden Tropfen Wm mit nach Hause trug. — Er sah sie von jetzt an ^iger, denn es fehlte ihm nicht an jenem Stolze, deffen Zuständiger Mangel den Mann zur Puppe herabwürdigt.

Die Besuche der „Drillinge" in dem Weißdornschen 1011 * y !e wurden wieder regelmäßiger, denn der alte Herr, der -ij £ im doppelten Sinne „groß" gewordenen ganz in sein ■ Ades väterliches Herz geschloffen, hatte die Ungetreuen 11 eine Art väterlichen Befehl wieder um sich versammelt,

l es lag aus uns wohlbekannten Gründen auf der

I jpmmung des Kleeblattes ein Hauch von Schwermut oder Zufriedenheit, daß Frida öfters scherzend bemerkte, e» । Alse irgend eine böse Fee einen unholden Spruch über

i " 9cthan haben.

72]J Der Buchhalter konnte aber doch den so rasch und 296 * zierlich geflochtenen Korb nicht recht verwinden und bei den Bewerbungen um die englische Miß, die er Adenklich wieder ausgenommen, von Zeit zu Zeit ein verächtliches Lächeln um Fridas Lippen schweben.

nahm ihm seine Sicherheit und ließ ihn nicht zu ,.tn raschen Entschlüsse kommen, um so mehr, als er ,.jt6 KampfeSmotto, das er acceptiert, nicht zum zweiten in Anwendung bringen mochte.

Mit dieser elegischen Sentenz erhob er sich, daS spöttische Win nicht bemerkend, daS fein Schlußwort hervorgerufen. „ »Ich will und muß also warten, angebetcS Licht meiner —— fogen, bis — ?«

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«erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Ouattal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS LoMttagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2* 1/« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfa.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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