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Marburg, Freitag, 20. Juli 1883.
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Berufe, dafür schlug sein Herz zu warm. Er mußie oft mitten in der Arbeit an da- hübsche Sommerhaus denken, wo Herr v. Weißdorn mit den uns bekannten Damen lebte.
Und doch, wenn er hie und da abends dorthin seine Schritte lenkte, kehrte er zuweilen wieder um und ging wehmütig gestimmt nach seiner Wohnung. Fridas holdes BUd hatte sich tief hineingezeichnet in sein unberührte- Herz, und mit einer Art Schrecken bemerkte er eS, al- er sich einmal ehrlich und gründlich erforschte.
„Wohin soll das führen?" fragte er sich oftmals. Trotz meiner schönen Stellung ist eine große Kluft zwischen unS gegraben. Die reiche, gefeierte Frida, ein Unikum an Anmut und Bildung, und ein Landschullehrer, der jetzt allerdings eine Art Schriftgelehrter unter den vielen Phari- sären dieser Stadt geworden, nein! daS ist nichts. Ich muß meine Gefühle bezwingen. Und abgesehen von alledem, würde ste mir ihre Neigung schenken können? Sie hat sich al- Kind mit Widerstreben von mir au- dem Wasier ziehen lassen, wird die vornehme und wohl auch verwöhnte Jungfrau sich wohl auch heimführen lasten von einem, der au» einem Retter ein Ritter geworden? Und welche Motive würde mir wohl Herr von Weißdorn unterschieben ?"
Man steht, er war der ehrliche und logisch denkende Gottfried geblieben, zu bescheiden für die Kreise, in denen er jetzt lebte, bescheidener als seine Brüder, für die solche Skrupel nicht bestanden haben würden.
An diese mußte er auch in dieser Herzensfrage denken. Konnte nicht der berühmte Sänger und Spieler, desten Rivale wie ein glänzendes Meteor gekommen, aber auch wieder verschwunden war und destm Beziehungen zu der Sängerin, die Gottfried schon an jenem Konzertahend mit
um die Volksstimmung unbekümmerter Organe des Zentrums. Hüben und drüben läßt man es sich gleich eifrig angelegen sein, den wahren Sinn der letzten Akte der Staatsregierung zu verdunkeln.
Welche Punkte der kirchenpolitischen Gesetzgebung sind durch den Gesetzentwurf vom 5. Mai d. I. berührt worden und welche nicht? An den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen darüber, daß erledigte Pfarrstellen binnen Jahresfrist definitiv besetzt werden und daß die für dieselben bestimmten Kandidaten den Organen der StaatS- regiernng namhaft gemacht werden müssen, ist nichts verändert worden. Ebenso bleiben die früheren Vorschriften über die Ausbildung von Geistlichen in Kraft. Gegen die feste Anstellung eines Geistlichen in ein Pfarramt kann — gerade wie bisher — aus Gründen, die sich auf da» bürgerliche oder staatsbürgerliche Gebiet oder auf die Vor- bllbung de» Anzustellenden beziehen, seitens der staatlichen Organe Einspruch erhoben werden; Beschwerden über solchen Einspruch entscheidet der Minister. Davon abgesehen, daß dergleichen Beschwerden früher Berufungen hießen, daß ste an gewifie Fristen gebunden waren und daß ste an den kirchlichen Gerichtshof gingen, ist an diesen Fundamentalbestimmungen über daS AufstchtS- und Bestätigungsrecht des Staates nichts geändert worden. Die Bestimmungen der Vorlage vom 5. Juni haben rS zu thun 1. „mit Hülfsleistungen und Stellvertretungen im geistlichen Amte", für welche die Anzeigepflicht aufgehoben ist, 2. mit der staatlich anerkannten Bischöfen erteilten Befugnis, in erledigten Diözesen Weihehandlungen vorzunehmen, und 3. mit der Beseitigung derjenigen Beschränkungen, deren die Notseelsorge in verwaisten Gemeinden bisher unterworfen war. — Das neue Gesetz bezieht sich mithin einerseits auf die Abhülfe der seelsorgerischen Not in den Gemeinden, d. h. auf die Beseitigung von Beschwerden, deren Berechtigung seitens der Gegner des neuen Gesetzes wiederholt anerkannt und deren Beseitigung auf dem Wege der inneren staatlichen Gesetzgebung von diesen Gegnern verlangt worden ist. Andererseits Ihält das Gesetz die Mitwirkung des Staates bei Besetzung der Stellen der Pfarrer, der übrigen Seelsorgegeistlichen, welche nicht widerruflich anzu- stellrn sind, sowie der Pfarrverweser aufrecht. Er wahrt sich auf diese Weise einen sicheren und klaren Rechtsboden, auf welchen sich nach den Erfahrungen unsere» eigenen Landes, wie anderer Staaten, die katholische Kirche gestellt hat, ohne sich irgendwie in der Erfüllung ihrer Aufgaben beeinträchtigt zu fühlen.
Ueberall da, wo die Sachlage ohne Nebenrückstchten in» Auge gefaßt worden ist, hat man das in katholischen wie in evangelischen, — in politischen wie in nichtpolitischen Kreisen auf den ersten Blick erkannt. Innerhalb der evangelischen Kreise bedingte der spezielle kirchlich-theologische Standpunkt in dieser Rücksicht keine Berschtevenheit der
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17 Drei Brüder.
Cine Geschichte au» dem Leben von August Butsch er.
Auffasiungen. Gerade ein kirchlich-liberale», niemal- in den Verdacht der Konnivenz gegen hierarchische Ansprüche gezogene« Blatt, die „Protestantische Ktrchenzettung f. d. evangelische Deutschland" hat diese Seite der Sache mit außerordentlicher Schärfe und Deutlichkeit zum AuSdmck gebracht, hervorgehobrn, daß ein die Kurte betreffender Schritt nicht gethan worden, sondern daß der Staat durch daS neue Gesetz der katholischen Bevölkerung dir Hand zum Frieden geboten und sich der geistlichen Not derselben erbarmt habe, soweit daS mit seiner eigenen Autorität irgend vereinbar war. „Das waS nach katholischem Gefühl einem Christenmenschen absolut notwendig ist, Beichte und Mrffe, das wird ihm nunmehr durch die Liberalität de» Staat» gewährt . . . Aber weiter wird auch nicht- eingeräumt, und will die Kurie in Preußen geordnete kirchliche Zustände, nach welchen KlemS wie Volk gleicherweise verlangen, herbeigeführt wiffen, so . . . muß ste die Anzeige- Pflicht in dem Maße anerkennen, wie r- die Gesetze-vorlage normiert." Der Artikel schließt mit dem Wunsche „die politisch großartig und dabei wahrhaft liberal gedachte Vorlage" zum Gesetz erhoben zu sehen. Der Staat werde dann „in größter Ruhe zusehen können", ob und wann die Kurie es für geboten erachte, „behufs Wiederherstellung regelrechter kirchlicher Zustände" ihrerseits entgegen zu kommen. — An dieser unbefangenen Würdigung ist dadurch nicht- geändert worden, daß der Vorstand der Partei, welche das genannte Blatt als ihr Organ betrachtet, dm in Rede stehenden Artikel nach Annahme de- Gesetze» durch den Landtag mißbilligt hat. Auch hier bestätigt sich die vielfach gemachte Erfahrung, daß der günstige Eindruck, welchen die Gesetzesvorlage auf die weitesten Schichten de» Volkes geübt hat und welchen auch das Gesetz selbst nach erfolgter Publikation auf die katholische wie evangelische Bevölkerung hervorbringt, seitens der Parteien vom Standpunkte de- Parteiprogramms und der ParteitMk abge- schwächt und in Abrede gestellt wird.
Mit den vorstehend wiedergegebenen Ausführungen der „Pr. K. Z." darüber, daß das neue Gesetz r- wesentlich mit der Abhülfe der seelsorgerischen Not der Gemeinden zu thun hat, daß der Staat im übrigen nach wie vor in der Lage geblieben ist, die Wiederherstellung „geordneter kirchlicher Zustände" von der Erfüllung der durch seine Sicherheit gebotenen Bedingungen abhängig zu machm, und daß e» Sache der Kurie ist, auf der Grundlage de- Artikels 1 die von den Gemeinden ersehnte Regelung der kirchlichen Zustände eintreten zu lassen, — ist da- Wesm der Sache getroffen worden. An diesem Wesm gehen die vermeintlichen Anwälte der Staat-rechte ebenso absichtlich vorüber, wie diejenigen der Interessen der katholischen Kirche. Wenn von ersterer Seite über den Mangel an Bürgschaften für die Erfüllung deö übrig gebliebenen Teile» der Anzeigepflicht geklagt und auf die Gefahr hingewiesm
-G a. M-, Berlin. Ä Köln Rudolf L m Berlin, Frank, furt a. M- rr-
Orfcbeint täglich außer an den Werttaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal M't de^Schentlichm Erläge durch di« Spedition (Koch sche
^Buchdruckerei) bezogen g*/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- g Mark LO Pfg. (erd. Bestellgebühr.)-Jnsertu-n-gebühr für die gespaltene gelle 10 Vf».
Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werde» gk Psg. berechnet.
Zi-ko wiedererkannt hatte, etwa- erkaltet schienm, dm großen Schritt wagen, den er fürchtete? Und selbst [bet Bruder Buchhalter? Er besaß ein Selbstvertrauen, da» großartig war, und eine Zähigkeit, die fast jeder seiner Unternehmungen Erfolg verhieß. Sein Chef prophezeite ihm eine reiche Zukunft. Konnte er auf diese vertrauen, warum nicht auf ein Mädchenherz, das doch in allen Fällm schwach ist? So quälte er sich, ward mißmutig und verlor damit den eigentlichen Glanz seine- Wesens, die lieben»- würdige Heiterkeit. Der Bruder Buchhalter bewachte mit sorglichem, wmn auch nicht mit sorgendem Auge die Symptome einer Seelenkrankheit, für die er frelltch keinen Namm wußte, die er aber mit seiner scharfen Kombtnation-gabe auf „unglückliche Liebe" zurückführte, eine Krankheit, bk immer noch nicht sterben will, so viele auch schon baran gestorben.
Er kombinierte «eiter: Der neugebackene und nmester Zeit etwa- unangenehm schmeckende Redaktmr konnte nur eine Liebe hegen, zu Frida. Er hatte vielleicht einen Antrag gewagt und war durchgefallen. So mußte e- sein, kalkulierte er, und ein Gespräch, daS Frida mit ihm auf der Straße pflog, bestärkte ihn in seiner Annahme.
„Ah, guten Morgm, Herr Buchhalter!" rief ste ihm nämlich eine« schönen Tages entgegen. Sie gab sich ganz in ihrer herzlichen Weise und hatte keinen großen Respekt vor Europen» überdünchter Höflichkeit, die so oft durch kalte» Formenwesen Herz und Gemüt ersetzen will! Hebet* Haupt war der Hebermut und die Launenhaftigkeit ihrer ersten Mädchmjahre ganz geschwundm, die Anmut aber geblieben, die sich lieblich mit der ihr geworbenen Schönheit paarte, bie ste einst in kindisch * eitler Aufwallung
Anzeigen nimmt eMaeg«: die Expedition d. Blatte», sowie dAnnoncen-Bmean» von @. 8. Daube u. Co- in Frankfurt a. M; Jägers chr Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhanblm«» ♦ daselbst; Aivalidenbank in Berlin: *B. Dhiene» hl Elberfeld: E Schlotte ta Bremen
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«wn nimmt entgegen: Litton d.Blatte-, «1*1* liMnnoncen-Bureaux UllQXt Dietrich u. Co. in ■ d-mi LrSNNrL rb0, e/Äj
In einigen Monaten stand er fest in seinem Berufe ein Langgedienter. Seine Feder war in kurzer Frist •'M geachtete geworden, und die Artikel oder Gedichte, die ® für SchönbornS Journale schrieb, waren ihrer frischen Mürlichkeit und der Anmut der Sprache wegen für die Netten Städter „eine pikante Kost".
Wohl sand er flch in vielem getäuscht, waS et in seiner Wen Dorfheimat geträumt über die Geburtsstätten der Weihaltenden Litteratur. Die rauchenden Schlote, da» ^brause der Maschinen, da» mechanische Getipp der Setzer, unmelodische Geknirsch der Federn im Zimmer der Nfleute, das ganze fieberhafte, nach der Hhr regulierte Atriebe des „Geschäftes" harmonierte schlecht mit den Wen, die er gehabt und die jetzt gewalzt und gefalzt Wtden, wie ein Papierbogen, die, prosaisch genug, von Wtyen herstammen.
.Aber seine schneidige Natur überwand und seine ge- Mtidige Seite fügte sich und so wurde er trotz deS Mnischen Grinsen« seine» Bruder» Buchhalter ein „Ge- . ^oMtsmann". ter in die Schablone de» Arbeit-gange« mit
•Wtiem Künstlerfinger poetischen Gehalt schrieb.
1 Aber ganz aufgehen konnte er doch nicht in seinem
nj Kehren wir wieder zur Stadt zurück, wo die Drillinge SauMlff Mftseiftig ihrem Berufe oblagen. Gottfried« Aufgabe TTTTT. W die schwerste, weil ihm neu und unbekannt. Aber mit CODie«1 thet riesigen Arbeitskraft und einem Talent, das der Chef ft«1 ff Wen anstaunte, überwand er die Schwierigkeit, die ihm UJMM ter neue Beruf in den Weg legte ober die ihm die „zünf- kfchikkt» ligen" Kollegen reichlich bereiteten. ... _
4. Jyij kirchenpolitische Gesetz und die Oppofitiousprefse. K Die Prov.-Korresp." schreibt hierüber: Die Gewohnheit,
i Äicher"Erärterung bedürftige Fragen mit fertigen Formeln sogenannten geflügelten Worten abzuthun und sich ickl an daS Urteil, sondern an dir Leidenschaften und vor- "fttzten Meinungen der Leser zu wenden, spielt in der 8'ttoen Presse eine von Jahr zu Jahr zunehmende Rolle. Aua»» Lifie Erfolge lassen sich auf diesem Wege ja unschwer r ®;eien. Erfahmngsmäßig genügt e«, bei bestimmten Ge- ' iteii gefallene Schlagworte zu nennen, damit die mit dieien verbundenen Vorstellungen ohne Rücksicht auf die sjr ihre Entstehung maßgebenden Verhältniffe wachgerufen B diejenigen Stimmungen erzeugt werden, die man braucht «der M brauchen glaubt.
’ Kaum jemals früher ist die Bedenklichkeit dieser Art rt-/ Mj-istischer Erörterung so deutlich zutage getreten, wie in e *ten letzten Wochen. Während von einer Seite dem Eindruck deS regierungsseitigen Vorgehens auf die katholische Lcvölkerung entgegengearbeitet wird, beginnt man von der „beten mit den Worten „Waffenstreckung der preußischen Mietung", „kirchenpolitisches Olmütz", „neues Canoffa" j, s, w. ein Spiel zu treiben, das zu der wirklichen Lage der Dinge in schreiendem Widerspruch steht und daS sich mit dem Verhalten der maßgebenden Parteien und ihrer M, viel Mhter zum mindesten nicht deckt. Namens derselben poli- ' j tischen Gruppen, deren Meinungen geteilt waren, deren .ff.» [„ Wreier während der Verhandlung die auffallendste Zurück- ’ Ostung beobachteten oder den entscheidenden Paragraphen üom iijte Zustimmung nicht vorenthalten zu können glaubten, traben von gewissen Preßorganen Verdammungsurteile in die Welt gesendet, die nichts weiter als Kundgebungen isoliert gebliebener Zeitungsredaktionen sind. Während der Schwerpunkt der von der Staatsregierung gefaßten Ent- lchließungen In der Beseitigung der seelsorgerischen Not der semeinden zu suchen ist, und während die Haltung eine« bemerkenswerten Teils der katholischen Presse durchsehen lißt, daß Absicht und Bedeutung der den katholischen Ge- mnden zugedachten Erleichterungen von diesen selbst verenden zu werden beginnen, lasten die angeblichen Vertreter des StaatSinteresteS diese Seite der Sache außer Betracht, indem ste bet Bevölkerung einzureden versuchen, eS seien n«ch außen hin schwerwiegende und dabei völlig wirknngS- lije Zugeständnisse gemacht worden. Statt auf diejenigen Beruhigungen hinzuwirken, welche der katholische Teil deS Bolti au« den beschlossenen Maßnahmen schöpfen kann, hüt die im Dienste der systematischen Opposition arbei- knbt Presse Beunruhigungen auS, zu denen die thatsächliche Beranlassung fehlt. Die leitenden Gedanken deS Gesetzes , Dom 11. Juli werden zu diesem Behuf entstellt und Be- befindli Achtungen wachgerufen, welche durch die bisherige Haltung zum g« t« Regierung und der konservativen Parteien ebenso auS- (2 Mosten erscheinen, wie durch daS neueste Vorgehen gewister,
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