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Marburg, Donnerstag, 19. Juli 1883.

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Aus unserem Kulturleben.

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wir sprechen in eigener Stimme mit Freunden, die hundert und mehr Meilen von unö entfernt sind. Unter der glühenden Julisonne schaffen wir uns durch chemische Mittel EiS, das dem festesten und krystallintfchesten Erzeugnis der Natur gleichkommt. Unsere Wundärzte versetzen die Haut von dem Arme eine- Menschen in das Gesicht eines anderen, sie sitzt fest und wird ein Teil seines Leibes. Man ver­fertigt eine Quadratmeile von weißem Druckpapier, bringt eS auf eine Spule, von der eine Druckerpresse eS abwickelt, bedruckt, schneidet und eS wird gefaltet und gezählt, zu vielen Tausenden pro Stunde ausgehändigt. So wirkt und schäft der geweckte und geschulte Erfindungsgeist in tausend­fältiger Weise fort und fort und hat uns bereits an die Pforten eines neuen Zeitalters gebracht, besten Ende niemand zu erfasten vermag.___

lichste Ausdehnung des Bezugs der bei den Staatsbahnen zur Verwendung kommenden Holzschwellen aus inländischen Forsten zur genauesten Beachtung in Erinnerung gebracht. — In der Sitzung des Bundesrats vom 28. Juni, der letzten der abgelaufenen Session, ist die feit längerer Zeit in Aussicht genommene Abänderung des $ 57 drS Betriebs« Reglements für die Eisenbahnen Deutschland- durch ander» weite Normierung der LieferungSzetten für Eil- und Fracht­güter endgilttg zum Beschluß erhoben worden. Die Ab­änderungen deS § 57 bestehen in folgendem: 1) der Ab­satz 1 erhält folgende Fassung: Jede Bahnverwaltnng publiziert durch die Tarife für den Verkehr innnrrhalb ihres Bahngebietes LieferungSzetten, welche sich au- Expe« ditionS- und Transportfristen zusammensetzen und die nach­folgenden Maximalansätze nicht überschreiten dürfen: a. für Eilgüter Expeditionsfrist 1 Tag, Tranportfrist für je auch nur angefangene 300 Km. 1 Tag, b. für Frachtgüter Expeditionsfrist 2 Tage, Transportsrist bei einer Entfer­nung bis zu 100 Km. 1 Tag, bet größeren Entfernungen für je auch nur angefangene weitere 200 Km. 1 Tag.

2) Im Absatz 3 deS S 57 find die Worte „Messen und andere" zu streichen. 3) Absatz 5 de- § 57 fällt weg. Die vorstehenden Bestimmungen treten mit dem 1. Ott. dieses Jahres in Kraft. — Der Antrag Hessens, in Absatz 5 des § 57 die Worte: „oder eine bei einem größeren Orte zwischen mehreren daselbst mündenden Bahnen bestehende Verbindungsbahn" zu streichen, war abgelehnt wordm. — Neueren Bestimmungen des RetchS-PostamtS zufolge dürfen en Behörden gerichtete Briefe, welche LteferungSanerbiete« enthalten und auf der Außenseite einen auf diesen Inhalt bezüglichen Vermerk tragen, zur Postbeförderung zugelaffen werden, während dies anderweit unzulässig ist. Ferner muß eS in den Fällen, in welchen größern, allgemein bekannten Orten behufs Unterscheidung von gleichnamigen tteinen Post- orten eine zusätzliche Bezeichnung eingelegt ist, lediglich in daS Ermessen der Absender gestellt bleiben, ob sie bei Post­oder Telegramm-Sendungen nach solchen größeren Orten eine zusätzliche Bezeichnung in Anwendung bringen wollm oder nicht. Demnächst dürfen gewöhnliche Briefe u. s. «. für Reisende an einen Gastwirt, welcher eine Abholung«- erklämng abgegeben hat, durch die Postausgabestelle nur insoweit verabfolgt werden, als die Sendungen außer mit dem Namen des Reisenden auch mit dem drS Gastwirt­versehen sind, wogegen Sendungen, auf welchen, ohne nammt- liche Bezeichnung deS Gastwirts, nur der Gasthof alS Woh­nung angegeben ist, auch in dem Falle, daß der Gastwirt seine Briefe von der Post abholen läßt, durch die bestellenden Boten abgetragen werden müssen. — Die Schulden der Stadt Berlin beliefen sich nach dem Hauptverwaltungsberichte des Magistrats pro 1881 Ende März v. I. auf mnd 129 V, Mill. Mark. Hiervon fallen 103'/, Mill, den in­dustriellen Anlagen (Gasanstalten, Wasserwerke, Kanalisation,

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Sine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.

Gottlob fuhr zornig auf. „Ich will nicht nach dem Rechte fragen, mit dem Sie eine solche Frage stellen, son- btrn ohne jede Vorstellung, denn ich erkenne Sie, dieselbe beantworten: „Seit heute bin ich der Verlobte der Signora, die ich nicht ungestraft beleidigen lasse." Er sagte eS trium- Herend und kam sich wie ein Ritter vor, der seine Dame verteidigt.

Josef Zisiko lachte höhnisch.

„Ich habe mir so etwas gedacht," sagte er dann mit tinet Ruhe, die deutlich den Sturm verriet, der unter ihrer Oberfläche kochte.

, „Ruhig, bitte," sagte wie flehend die Sängerin und “äle ihre Hand auf den Arm ZisikoS.

„Ruhe? Nein, Wahrheit und Klarheit, die sich hier ?i<h> ganz mit der Ruhe vertragen," hieß seine übrigen« beherrschte Antwort. „Bleiben wir stehen. Die Platane, [it die Schatten des Abend« noch dichter macht, mag allein °i° Aufklärung hören, die Sie verlangen und die ich geben "uß. Sie erinnern sich, mein Herr, ich habe Sie sofort Wieder erkannt, an einen schönen Abend vor etwa zehn Mten. Drei Brüder, Drillinge glaube ich, wanderlustige |Un0e Leute, kamen zu einem Zigeunerlager. Einer davon Wie die Geige und dünkte sich ein Künstler. Ah, Sie Kunern sich. Ein junger Zigeuner lehrte Sie, daß Sie "tat waren. Er hieß Ziskv und nennt sich jetzt Joseph Mko, und schmeichlerische Leute nennen ihn den Fürsten ^et den Geigern" —

6. „Ah, der sind Sie," kam e« schweratmend von den ^ppen Gottlobs. .Weiter, mir wird nicht« mehr unbe- beeiflich sein."

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Linen nimmt entgegen: Kbition d. BlatteS. Ltbännoncen.Öureaut Kb. Dietrich u. Co. m . «>1 und Hannover; Th. UkichinFranArtaM.; Kenstein u- Bögler m l6Ä.rt a. M-, Berlin LD,ig, Kdln K.; Rudolf W? m Berlin, Frank- furt a. M- re-

Anzeigen nimmt ertaegai: die Expedition d. Matte«, sowie d.Annonren-Bur«UU von 8. Daube n. Co. in Frankfurt a. M-; JSaersche Buchhandlung dasekost; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank tu Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C Schlotte in

Ein Mann, der um ein verlorene« Herz bettelte. — ZiSko hat einen ähnlichen Weg gemacht, wie Maja, aber er hat die Arglist der Welt nicht zu der seinen gemacht, auch hat er sein Volk nicht verachten und vergessen lernen. Er be­wegt sich bet den verschrieenen Stammesbrüdern und setzt dann seinen Fuß in dir Säle des Glanze«. Ich mußte wissen, heute noch," fügte er erregt hinzu, „wie e« um Dich steht, gefeierte Maja, ganz mußte ich e« wissen, und ich habe meinen Zweck erreicht. Auch Sie wissen jetzt manches Neue, mein Herr. Verwenden Sie es nach Gut­dünken. Ich denke, wir sehen uns noch 1"

Mit dem rasch hingeworfenen Schluß war er ver» chwunden wie ein Schemen und auch die beiden setzten chweratmend ihren Weg fort. Da« „Gutenacht" klang eltsam kühl und blieb als Wort einsam in den tausend Gedanken, dir verschwiegen blieben.

5. Gereifte Schicksale.

Der alte Schön und der Pfarrer von der Blumeu- burg waren abgereist und zurückgekehrt in ihr idyllische« Heim, wo e« keine Konzerte gab, aber melodischen Vogel­gesang, keinen Glanz von Orden und Diamanten, aber unver­wehrten Sonnenschein, Thaufunkeln und immer klare Lust.

Der alte Lehrer fühlte sich durch da- Glück seiner Drillinge so gehoben und gestärkt, daß er von seiner Be­hörde die Erlaubnis erlangt hatte, der Schule ht seinem Heimatorte vorerst wieder selbst vorzustehen, und er lebte in seiner Aktivität wieder neu auf. Er glaubte jetzt steif und fest, daß auf der Welt alle- möglich sei, daß alle« Krumme gerade und alles Schiefe aufrecht werden könne, selbst der schiefe Turm in Pisa. (Fortsotzung folgt.)

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Deutsches Reich.

Berit«, 17. Juli. Der „Reichs-Anzeiger" veröffent­licht das vom Kaiser am 11. Juli auf der Mainau ge­nehmigte Kirchengesetz. — Wenn hiesige Blätter melden, daß mit deS Kaisers Reise nach Gastein ein regelmäßiger Kurierdienst von hier dorthin eingerichtet wird, so ist dies insofern ungenau, als ein solcher Kurierdienst stets vor­handen ist, auch wenn der Kaiser nur auf wenige Tage von Berlin abwesend ist. Deshalb bestand er auch schon seit der Reise nach EmS und bestand auch schon in früheren Jahren. Der Kaiser läßt bekanntlich nichts Geschäftliches ruhen und erledigt auch während seiner Kur- und Er­holungsreisen die Geschäfte wie in Berlin. Ebenso ist eS eine schon alte Einrichtung, daß dieser Kurierdienst von Postbeamten und durch daS Kabinetts-Postamt in Berlin besorgt wird. Reitende Feldjäger werden schon lange nicht mehr dazu verwandt, und auch im Kriege von 1870—71 besorgten Postbeamte den Kurierdienst. — ES wird ver­sichert, Vizeadmiral Bätsch werde die Geschäfte deS Chefs der Marinestation der Ostsee dieser Tage wieder über­nehmen. Damit wäre sein Abschiedsgesuch erledigt. — Der Finanzminister hat, wie wir den „B. P. N." ent­nehmen, mittelst Zirkularverfügung die König!. Regierungen darauf aufmerksam gemacht, daß durch die vom 1. April d. Js. ab erfolgte Uebernahme der Zahlung der Ruhege­hälter an die auf Grund deS § 99 des Ausführungsgesetzes vom 24. April 1878 zu dem deutschen Gerichtsverfassungs- Gesetz in fden Ruhestand versetzten Richter und Staats- anwalte auf den Zivilbeamten-PenstonSfonvs eine Aenderung in den getroffenen Anordnungen, nach denen diese Kom­petenzen vierteljährlich im Voraus gezahlt werden sollen, nicht beabsichtigt oder herbeigeführt worden ist. — Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat nach der „Vosstschen Zeitung" durch Erlaß vom 21. Juni c. die früheren Be­stimmungen betreffend den Ausschluß ausländischer Hölzer von der Verwendung bet fiskalischen Bauten, und die thun-

„Dieser ZiSko," fuhr der berühmt gewordene Zigeuner fort, „liebte später feurig, glücklich jene Maja, die Ihnen vorgetanzt, sie steht hier al« Signora Sonnora, und war glücklich unter seinem Leinwandzelt und an den Lagerfeuern seines Stammes."

Gottlobs Arm glitt langsam von dem seiner erbebenden Eintagsbraut. Der braune Künstler fuhr mit beherrschter Stimme fort: „Ein Kapellmeister hörte sie zufällig singen. Er berauschte sie mit lockenden Bildem. Sie verließ heim- lich die Ihrigen, die Lumpen der Armut und ihren Ge­liebten. Sie durchzog die Welt, — ich folgte ihren Spuren — wurde b rühmt, schuf sich einen Namen in der Künstler­welt und auch einen für ihre Visitenkarte. Sie vergaß das wandernde Volk der Haide, obwohl sie das Wandern nicht verlernte. So ist e«, Maja, nicht wahr?"

Sein ausdrucksvolles Auge, in dem Zorn, verhaltene Wehmut und spöttische Verachtung in einer Flamme zu­sammenbrannten, ruhte auf ihr und sie fühlte diesen bren­nenden Strahl, wenn sie ihn auch der wachsenden Dunkel­heit wegen kaum sah.

„Es ist so," sagte ste halb mechanisch. „Ich könnte viel zu meiner Entschuldigung anführen, aber ich verspüre eS auf eine gelegene« Zeit. UebrigenS spielst auch Du ein Doppelspiel, Ziskv. Letzthin überfielest Du mich fast in Lumpen und der große Wagen verriet mir, daß Du noch mit unserem Volke vagabundierst, und heute bist Du der feine Herr und der große Künstler, der alle bezaubert."

„DaS war also der Bettler?" warf Gottlob dazwischen, der nicht recht wußte, wie er sich zu der neuen Sachlage stellen sollte. „

„Nun, ein Bettler war eS gerade keiner, mein Herr, sagte höhnisch der Zigeuner. „Und doch ein Bettler, j-l

gg ist eine längst von Staatsmännern und Forschern „»kannte und noch nicht genügend in allen Volksschichten „»breitete Wahrheit, daß die meisten Kulturfortschritte von vksindungen und Entdeckungen abhingen, welche der mensch- M Geist im Laufe der Jahrhunderte vollbracht hat, denn M für rein geistige Errungenschaften großer Religions- Mr und Weltweisen müssen die technischen und wirtschaft- EL Fortschritte und Leistungen auch als Stützen und Lbreiter dienen und für alles andere, was der Mensch „ feinem Wohlbefinden bedarf, sorgen sie erst recht in er- Mem Maße. In unserer Zeit ist nun aber der Erfin- dMs- und Entdeckungsgeist geradezu der belebende und befruchtende Faktor im menschlichen Thun und Schaffen geworden und schneller als je eilen wir den bedeutsamsten wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltungen entgegen.

Die Zahl der Ersindungen, die in den letzten fünfzig Ähren gemacht worden, ist vielleicht ohne Beispiel in der Weltgeschichte. Erfindungen zum Wohle des Menschen- gischlechtes wurden freilich seit der Mensch geschaffen worden u allen Zetten gemacht, denn selbst die Herstellung der linfachsten Haus- und Ackergeräte, Waffen u. s. w. waren wichtige Erfindungen. Blickt man aber eine Reihe von Jahrzehnten zurück, so muß man sich wundern, wie viele Erfindungen sich in die Spanne Zeit der letzten fünfzig Zahre zusammendrängen. Die Vervollkommnung der Loko- motice, des Dampfschiffs und der Dampfmaschinen, der Telegraph, das Telephon, die Nähmaschine, die Photographie, der chromo-lithographische Druck, die Zylinderdruckpresse, der Elevator für Gasthäuser und andere hohe Gebäude, die __Vorrichtung zur Reinigung der Baumwolle von dem Samen Wohl» and die Spinnmaschine, die Säe- und Mähmaschine, die Dampfdreschmaschine, die Dampffeuerspritze, der Dampf­hammer und das verbesserte Verfahren bet der Anfertigung Don Stahl, die Anwendung de« Chloroform und AetherS, tun bei schmerzlichen chirurgischen Operationen die Empfin­dung aufzuheben, fallen alle in diese Zeit. Verschiedene andere Entdeckungen stehen in Aussicht. Die Anwendung von Kohlengas und Petroleum zum Heizen und Kochen hat sich schon in glücklichen Versuchen erfolgreich gezeigt, lbenso die Benutzung deS Dampfes aus einem großen Z-ntralbecken; die künstliche Bereitung der Butter hat die Mlchpächter bereits in Bestürzung versetzt, die Befahrung der Luft mit einem Mittel, das unfern schon vorhandenen Ballon gleicht, steht bevor und daS Treiben von Maschinen durch Elektrizität ist auf dem Wege, zur Thatsache zn werden. Einige Aufgaben haben bisher der Lösung ge- igrhandl-i Rottet, doch ist viel Aussicht vorhanden, daß auch sie gelöst »erden. Denn sind die Geheimnisse selbst der schwersten feuer Zeit lösenden Aufgaben umfaßbarer als daS deS Ozeankabels, der Photographie oder des Telephons? Wir reden durch ein Kabel, während das Weltmeer uns trennt;

töäli» außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Brei« für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JünstrirteS Ctattttaftftfatt" durch die «rl>ebition(Ä o chssche ^Buchd^ des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr.)-Jnsertron-gebühr für dre gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der örpebition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Ps«. berechnet.