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Mmeiactt nimmt entgegen: E, Expedition d. Blattes, Kn>ieb.3lnnoncen-®ureaui ’ Dietrich u. Co. in ».fiel und Hannover; Th. xielnch in FrankfurtaM.; fioafenftem u. Vogler in &furt a. M-, Berlin Sew-ig' En Rudolf idgffe in Berlin, Front- n futt a. M. ic.

Marburg, Dienstag, 17. Juli 1883.

IVUI. Jahrgang.

WcrMchr 3fitnnj.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; 3nöeli»enbonlin Berlin; W. LhieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

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arf^eint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Illnstrirte« CtatntagiNatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/* Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Bfa.

_________Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Zur AuSwauderungsfrage

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wenn nicht auch noch anderweitig Veranlassung genug dazu ba wäre. Die Gründe, welche die Hunderttausende jährlich

Wirkungskreis. Tausende aber von diesen würden ihr Vor­haben von vornherein ausgeben und in ihrer alten Heimat bleiben, wenn sie wüßten, was für ein Los ihrer „drüben" wartet. Von diesem Lande der „Freiheit" und des „Goldes"

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Amerika in den letzten Monaten des vorigen und den ersten Monaten dieses JahreS gegen früher bedeutend ge­sunken war, hatte man zu hoffen angefangen, daß sie sich Nig vermindern würde, und diese Hoffnung hat sich, wenn auch nicht in dem erwarteten Maße, bisher erfüllt. Die Mer der in diesem Jahre Ausgewanderten ist immer noch je«, dne so hohe (vom Januar bis Mai etwa 81000), daß es ts. [’) bei dem volkswirtschaftlichen Verluste so vieler Arbeitskräfte

und, wenn auch viele fast mittellos nach Amerika gehen, doch im ganzen so bedeutender Summen sich schon lohnen -huug j Bütbe, die Auswanderungsfrage immer wieder zu erörtern,

teilt der „R -B." unter der Ueberschrift: „Bleibe im Lande l* und nähre dich redlich" nach eigenen Erfahrungen folgenden tltjl Artikel mit:

r» Nachdem die Zahl der deutschen Auswanderer nach

zur Auswanderung treiben, sind mannigfacher Art: Un­zufriedenheit mit den wirtschaftlichen und sozialen Zuständen - , Deutschlands, verfehlter Beruf und unglückliche Schicksale, * I1 unruhiges Temperament und innerer Drang nach weiterem

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wird aber, trotzdem es heutzutage so gut wie keine Ent­fernungen mehr giebt, noch so viel gefabelt, der Verdienst daselbst wird so vielfach übertrieben, das viel teurere Leben gewöhnlich ganz übergangen und von den vielen Tausenden, die in Amerika jämmerlich zu Grunde gehen, gar nicht geredet, daß das eigentliche, wahre Verhältnis ganz unklar

iusl«« uni den wenigsten in Deutschland bekannt ist. ES ist daher Aufgabe desjenigen Teils der Presse, der das wahre । Wohl dcs Volkes im Auge hat, diese Masse des Volkes,

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aus der daS Hauptkontingent der Auswanderung sich bildet, über die wirklichen Verhältnisse in Amerika so viel wie möglich aufzuklären und, da sich ja doch viele vom Aus­ländern nicht werden abhalten lasten, diesen wenigstens

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gute Ratschläge und nützliche Winke sowohl für die Reise wie für ihr erstes Verhalten in der Neuen Welt an die Hand zu geben.

Wir möchten aus eigener Erfahrung an dieser Stelle folgendes mitteilen:

Es giebt in Newyork eine deutsche Hilfsgesellschaft, die sogenannte „Deutsche Gesellschaft" (Adresse: German So­ciety, Broadway near Castle Garden, New-York), deren Zweck es ist, den eingewanderten Deutschen, so viel eS in ihren Kräften steht, mit Rat und That beizustehen. Bei ber ungeheuren Zahl, von der diese Gesellschaft leider fort­während in Anspruch genommen wird, kann von pekuniärer Hilfe natürlich nur in den seltensten Fällen die Rede sein;

desto mehr thut sie aber in ihrer Unterstützung mit Rat und Auskunft. So hat dieselbe Anfang dieses Jahres ein kleines Büchelchen herauSgegeben, dessen Titel, wenn ich nicht irre, „Ratschläge für den deutschen Auswanderer" heißt und das von bedeutendem Wert für diesen ist. Das­selbe wird jedem, der eS verlangt, umsonst gegeben und eS sollte niemand versäumen, sich vor seiner Auswanderung schon von Deutschland aus an obige Gesellschaft zu wenden und um Uebersendung diese« Büchleins zu bitten. Auch einer anderen segensreichen, von den Deutschen zu wenig gekannten Gesellschaft will ich hier gleich noch erwähnen: des „Deutschen RechtöschutzvereinS" (Adresse: „Deutscher Rechtsschutzverein, 29 Nassau Street), der sich die Aufgabe gestellt hat, gerichtlichen Rat und Beistand allen dessen be­dürftigen Deutschen zu gewähren; eS ist jedem, der in Newyork irgendwie übervorteilt worden ist, dem der Lohn u. s. w. vorenthalten wird, der überhaupt gerichtlichen Rat und Schutz braucht, nur zu raten, sich an diese Gesellschaft zu wenden, die, wenn nach ihrer sachverständigen Ansicht die Sache gerecht ist, dieselbe zu der ihrigen macht und gerichtlich austrägt.

Vor allem rate ich aber, aus bitterer Erfahrung an mir selbst und unzähligen anderen, Kaufleuten und „Stu­dierten", überhaupt allen, deren Beruf in geistiger Arbeit besteht, nur dann auszuwandern, wenn sie entweder eine feste Stellung schon sozusagen in der Tasche haben oder drüben einen lediglich gut situierten Verwandten besitzen, von dem sie fest überzeugt sein können, daß er sie solange aufnimmt, bis sie ein anderes Unterkommen gefunden haben. An stellesuchenden jungen Kaufleuten ist in Newyork wie in den anderen Großstädten Amerikas ein solcher Ueberfluß, daß man sämüiche KomptoirS .einer Stadt wie Leipzig damit besetzen könnte, und wenn ich auch Amerika durch­aus nicht das Streben absprechen will, in Kunst und Wissenschaft nach und nach emporzukommen, so kann dies doch nicht im entferntesten einen Vergleich mit Deutschland aushalten. Die größte Mehrzahl solcher bedauernswerten jungen Leute ist dann gezwungen, nachdem alle ihre Hoff­nungen, in ihrem Berufe anzukommen, gescheitert sind, zu der ersten Arbeit, die sich bietet, zu greifen und das Leben eines gewöhnlichen Arbeiters zu führen. Einigen von diesen freilich gelingt es mit der Zeit, sich emporzuarbeiten und zu Wohlstand und angesehener Stellung zu gelangen, doch sind daS immer nur verhältnismäßig wenig Ausnahmen und die Betreffenden würden, wenn sie in Deutschland ebenso arbeiten würden, wie sie eS drüben müssen, es hier mindestens ebensoweit bringen. Die große Mehrzahl führt ein kümmerliches, oft elendes, zuweilenLein richtiges Vaga­bundenleben. ES giebt in Newyork und den Nachbar- städten Brooklyn und Hoboken Hunderte von niedrigen Logierhäufern (zu 10 bis 20 Cts. die Nacht), in welchen viele Tausende solcher Unglücklichen, die in Deutschland

bessere Tage gesehen haben und sich leichtsinnigerwetse zum AuSwandern haben verleiten lasten, von einem Tage zum anderen hinvegetieren, nicht wissen, wovon sie am nächsten Tag ihr elendes Essen und ebenso elende- Nachtlager be­zahlen sollen, womöglich schnurren und fechten gehen und schließlich als Landstreicher eingesteckt werden. Ueber diese wird aber in Deutschland selten oder nie berichtet, sondern immer nur von den Wenigen, die ihr „Glück gemacht" haben. Freilich erniedrigt in Amerika gar keine Arbeit, doch bei der fortwährenden starken Einwanderung ist die Nachfrage nach Arbeit bedeutend größer als das Angebot, so daß in Newyork Tausende, die gern arbeiten möchten, keine Arbeit finden können. Viele von diese wenden sich dann an das deutsche Konsulat und die deutsche Gesell­schaft mit der Bitte um freie Rückbeförderung; solche Bitten sind früher in einzelnen Fällen berücksichtigt worden, haben sich aber mit der Zeit derartig gehäuft, daß jetzt unter keinen Umständen dieselben mehr bewilligt werden. Der einzige Weg, umsonst nach Deutschland zu kommen, sich auf einem der Hamburger oder Bremer Dampfer „herüberzuarbeiten", aber auch dteö ist ziemlich selten der Fall, da Ueberzählige nicht angenommen und nur die durch Desertieren der Mannschaft entstandenen Lücken mit solchen Arbeitern auSgefüllt werden dürfen. Wer nun dennoch, Kaufmann oder Gelehrter, ohne Stellung zu haben auszuwandern den Mut hat, der versäume wenigstens nicht, sich mit einigen guten Empfehlungen für Amerika zu ver­sehen; wenn eS auch heißt, der Amerikaner gebe nichts auf „Papiere", wenn er zuweilen dies sogar selbst äußert, so steht er solche doch doch gern an und nimmt, daß er dem Fremden gegenüber zurückhaltend und mißtrauisch ist, lieber einen gut empfohlenen an und auf als jemand ohne alle Empfehlung.

Günstiger liegen die Verhältniste für Landwirte mit etwas Kapital und für Handwerker. Wenn ein Landwirt mit einigen Tausend Mark nach dem Westen oder Süd­westen von Nordamerika geht, daS dort billige, sehr er­tragfähige Land kauft, so kann er sicher sein, nach etwa 10- bis 12 jähriger, allerdings harter und anstrengender Arbeit, falls nicht zu viel Mißernten etntreten, ein wohl­habender Mann zu fein, der mit Stolz auf ein ausge­dehntes, fruchtbares und schönes Besitztum blicken kann. Fleischer, Bäcker, Schreiner, Maschinisten u. dgl. werden in Amerika immer gesucht und finden deshalb auch bald leidlich guten Verdienst. Letzterer darf jedoch nicht nach deutschem Maßstab gemessen, d. h. in deutsches Gels um­gerechnet werden; man darf nicht vergessen, daß 1 Cent (= 4 Pfg.) in Amerika das geringste Geldstück und wenig oder nichts dafür zu bekommen ist. Kleidung, Wohnung und, wer nur einigermaßen anständig essen will, Kost, also die nötigsten Bedürfnisse des Menschen, sind teuer, Annehmlichkeiten wie Bäder, erfrischende Getränke, Rauchen

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Drei Brüder.

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Eine Geschichte aus dem Leben von August Butscher.

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,nrer> »Ich meine aber einen feingekleideten Herrn im Par- effeÄ i toe, nicht auf der Bühne," berichtigte Gottfried, der auch Sbald gkil ’itr dm Satz bestätigt fand, daß die Liebe blind macht, r Herri „So?" fragte sie gedehnt und aufmerksam werdend.

—-—-' Diese Aufmerksamkeit übertrug sich gleich einem geistigen

. Apport auf Gottlob, in dem die Eifersucht aufdämmerte, «lärm „Ein Herr also?" fragte sie. „Ein feiner Herr? Hml 'M kann man sich gefallen lassen." Sie lächelte kokett. -Wer ist eö wohl?"

. „Ich kann hierüber keine Auskunft geben. Es ist ein Dauner Herr mit abwärts gedrehtem Schnurrbart, feurigen sHm, in denen eine düstere, ich möchte fast sagen, eifer- Kchtige Flamme brennt."

Sie wurde wieder bleicher.

H „Das Aeußere erinnert ja an —", murmelte sie. „Aber Feinheit I Bah, er kann eS nicht sein." Sie lächelte wieder.

»Nun, lassen wir das," brach sie dann leicht ab. — w; $ Bewunderer, etwas mehr oder weniger leiben« Östlich, hat eine Dame in meiner Stellung viele. ES i2inn aber nur einer fein, der endlich reüssiert." Sie sandte [2*211 7*cn beredten Blick zu Gottlob hinüber, der ihn vor Glück 1 "beben machte.

,,siL »Da kommen unsere Freunde und Freundinnen alle," eW°' 'N jetzt Gottfried, der feine Mission vorerst erfüllt glaubte.

und wirklich fanden sich wie auf Kommando alle unsere ^^eS^HtUe an einem Fliederbusche zusammen, der seine =£==aaff>tyen gleich blauen, lechzenden Zungen im Sonnenglühen senkte.

Man suchte den Abendschatten auf, trank aus zierlichen Gläschen duftvollen Maiwein und besprach ein neues Phänomen am Himmel der Kunst, das man übrigens nur vom Hörensagen kannte, den Signor Joseph Zisiko, der heute abend ein große« Konzert in den Räumen des Hof- theater« gab.

„Wir müssen ihn alle hören," entschied kurzweg der Kapellmeister, „schon um empfinden zu lernen, daß unser Geiger keine Konkurrenz zu fürchten braucht."

„Bravo!" rief die Sängerin, und der Geiger und Sänger errötete vor Glück.

„Werde nur nicht übermütig mein Sohn," mahnte etwas scherzhaft der Pfarrer von der Blumenburg.

„DaS Leben hier macht mich kraus in meinem alten Kopf," bemerkte der alte Schön, „da« geht mir denn doch über den schiefen Turm in Pisa."

Man lachte und ging fröhlich zu den Wagen, die Herr von Weißdorn hatte besorgen lassen.--

Die Wagen fuhren durch mehrere Straßen, in die der freundliche Abend eine große Menschenmenge auSgegossen, die von dem verdunkelnden Blau de« Himmel« zehrte, da« wie ein Baldachin hereinhing und begierig an der frischen Brise sog, die ein sanfter West reinigend durch die staubigen Gassen schickte.

Gleich riesigen Perlen erschienen die Reihen der Gas­flammen unter den Kugelgläsern, unter denen geschmückte Spaziergänger ihre Flitter zur Schau stellten, während die Armut und die Schande ihre Lumpen verbarg.

Wieder leuchtete das Theater in prahlerischer Pracht, aber nur einer beherrschte heule die Bühne, Josef Zisiko, der Geigerfürst, wie ihn die Zeitungen angepriesen.

Die Loge unserer Freunde barg heute manch klopfendes

Herz. Nicht am langsamsten schlug daS de« Sänger« und Spieler«, der heute fürchten mußte, eine halbe Lorbeerkrone zu verlieren.

Und er verlor sie.

Josef Zisiko betrat die Bühne, ernst, einfach, aber sicher wie ein Sieger.

„Ah!" murmelte Gottfried erstaunt; er erkannte in Zisiko den Fremden vom Parterre, der hier kein gänzlich Fremder zu sein schien.

Die Sängerin erbleichte furchtbar, und eS entfuhr ihr unwillkürlich der Ausruf: „Gott, er ist'«!"

„Wer ist'«?" flüsterte Gottlob aufgeregt.

„Habe ich etwa« gesagt?" war die rasch gefundene Gegenrede. „Ich träume hie und da mit offenen Augen. Still, er beginnt!"

Und er begann. Vene, vidi, vice! Er konnte eS mit Cäsar sagen. Sein herrliche« Instrument, flötengleich im Piano, übertönte Im Forte mit Kraft, die alles in Er­staunen setzte, daS Orchester. Seine Technik war die eines Meisters, für die keine Schwierigkeit bestand, da« Feuer seines Spiels aber, die Leidenschaft, die er hineintrug in das Instrument und die herausklang wie Flehen und Schluchzen, wie Jubel und frohlockender Gesang, übertraf alles Dagewesene. Da« erste Stück machte ihn zum Fürsten dieser Versammlung, die sich dem Genie beugte, freudig jauchzend oder grollend, bezwungen ober in jedem Fall.

Gottlob lächelte geisterhaft. Er rührte keine Hand zum Beifall; ein ablehnende« Achselzucken war alle«, wa« er fertig brachte. Der Künstler unten, der mit seinen lodern­den Augen die Loge mit ihren Insassen rasch gefunden hatte, bemerkte es wohl, und ein verächtliches Lächeln um­spielte seine Lippen. (Fortseduna folgt.)