. 163.
Marburg, Sonntag, 15. Juli 1883.
XVffl. Jahrgmz.
Archeßscht jfitimo
&
ehlr. —
M. 5
i fl. a>k. M.
12. Juli li In */,.
Brief.
M -
9 6. M.
M.
W.
Mgen nimmt entgegen: jPgreebition d. Blattes, ^ied.Annoncen-Bureaur xj, Dietrich u. Co. in und Hannover; Th. Nnch in Frankfurt a-M-; Eisenstein u-Vogler in , Jffurt a. M., Berlin, SJ, Köln ic.; Rubel Äe in Berlin, Frank.
futt a. M- ic.
klnieigen nimmt entMee: die Crpedition d. Manes, sowie d.Annoncen-Bureaar von L. Daube u. La. in Frankfurt a. M.; Illg «sch« Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlwtg ♦ daselbst; Jsttvalidendauk in Berlin: w. Lhiöwes in Aberseld: C- Schlotte ta Bremen.
Srschemt täglich außer an den Werttaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen Beilage „Jlln-rtrteS Smmta-sbla«- durch die -rpedition (» o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/» Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Start 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bfg.
Mr tn der Expedition ju ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
V.
> 8-
ft. pr.
fr-
3n Brik
?. R.
. 8. hlr.
81) 71)
76) io ft.
100 0)
100
100 .00 40
SO
•CO
Deutsches Reich.
Berlt«, 13. Juli. Las kronprinzliche Paar traf vor- MagS von Potsoam ein, besichtigte die PreiSarbetten der xchüler in der Kunstakademie und nahm mittags im Palaiö ,[c Glückwünsche sämtlicher anwesenden Staatsminister zur Seburt deS zweiten Sohnes des Prinzen Wilhelm entgegen.— )rr Kronprinz wird sich am Sonnabend Abend nach Biele- elb zur Besichtigung der Pastor Bodelschwingschen Anstalten Tethel" und „Wilhelmsdorfer Arbeiterkolonie" begeben. )ic Ankunft des Kronprinzen in Bielefeld erfolgt am Sonnig morgens um 4 Uhr, die Abreise von Bielefeld am giontag nachmittags um 4 Uhr. — Der „Reichsanzeiger" Mziert das Konkurrenzausschreiben für den ErwetterungS- au der königlichen Museen in Berlin; zur Konkurrenz 0[tben alle deutschen Architekten eingeladen; für die besten üjnngen sind vier Preise von je 5000 Mk. ausgesetzt. — )tr „Reichsanzeiger" fließt ferner eine Ueberstchl über die [r&dten der Kommission zur Ausarbeitung eines bürger
en.
IN. 21-i , 41 —• , 71 , 6M , 17-1 Nonen $ •Ir. - lr. -
~ scheu Gesetzbuches; aus dieser Uebersicht erhellt, daß die F, kielten der Kommission in erfreulichem Fortschritte be- . ' Men sind, so daß auf den Abschluß der Arbeit tn nicht chn ferne Zeit gerechnet werden darf.—Das Befinden des fürsten Bismarck soll noch immer kein zufriedenstellendes ein, daß er in Bälde die Reise von Friedrichsruh nach klssingen antreten kann. Im großen und ganzen bekommt rat Kanzler der Aufenthalt auf dem Lande bester, als hier
bi Berlin. Daß er sich dort aber nur der Erholung und bem Familienleben widmet und sich von allen Arbeiten fern D, scheint doch nicht so ganz zutreffend zu sein, denn der «genannte schwarze Reiter sprengt nach wie vor mit der roßen gefüllten Ledertasche täglich mehrmals nach dem Hamburger Bahnhöfe, um den Inhalt dort zur Beförderung in den Fürsten auszugeben, wie er andererseits die von friedrichsruh eingetroffenen Sachen in Empfang nimmt. — liberale Blätter geben Mitteilungen über die parlamen- arischen Dispositionen für den Winter, nach denen als ilnfangstermin für die LandtagSfesston der verfassungsmäßig »lässige späteste Zeitpunkt, 15. Januar, als wahrscheinlich hingeftellt wird. Diese Angabe wird aber schon ihrer
Inneren Unwahrscheinlichkeit wegen, wie die „B. P. N." bemerken, als begründet nicht angesehen werden dürfen. Denn eS stehen dem Landtage gesetzgeberische Aufgaben in sicher Fülle bevor, daß seine Zeit und Kraft voraussichtlich In noch höherem Maße, als in der eben verflossenen Session In Anspruch zu nehmen sein wird. Außer dem Etat stehen Machst die drei bei Eröffnung der letzteren bereits an- Seknndigten Vorlagen, betreffend das Schuldotationsgesetz auf der Grundlage des Kommunalprinzips und der direkten Beteiligung deS Staates an den Schullasten, die Entlastung ber Kommunen durch Beteiligung an den Erträgen der Kealabgaben, das Beamtenbesoldungsgesetz, zu erwarten.
ES folgen diejenigen Vorlagen, deren Einbringung regierungsseitig bereits in Aussicht gestellt ist: die definitive Ordnung der Klaffen- und Einkommensteuer und des Veranlagungsverfahrens, sowie die Regelung der kommunalen Besteuerung der juristischen Personen, Aktien-Gesellschaften re. Eine neue Serie von Eisenbahnverstaatlichungen, Kret«- unb Provinzialordnungen für Hannover und Schleswig- Holstein find in der Vorbereitung. Kanalvorlage und SchulversäumniS - Gesetz endlich sind unter Umständen gescheitert, welche die dringende Aufforderung zur weiteren Verfolgung dieser gesetzgeberischen Pläne enthalten. Selbst, wenn daher die nächste Session noch nicht mit weiteren kirchenpolitischen Vorlagen befaßt werden sollte, ist das legislatorische Pensum derselben an Inhalt und Umfang so reich und betrifft Materien von so strittiger Natur, daß seine Erledigung in der Zeit von Mitte Januar ab neben dem Etat ausgeschloffen, ein früherer Berufungstermin daher angezeigt erscheint. — Wie die „Vosflsche Ztg." hört, soll nach Nachrichten aus Madrid die Absicht des König« Alfonso, den Herbstmanövern in Deutschland beizuwohnen, nicht wenig zu der Förderung des Vertragsabschlusses mit- aewirkt haben. — Als Nachfolger Madais wird jetzt für den Posten des Polizei-Präsidenten von Berlin Herr v. Colmar-Meyenburg, Reichstagsabgeordneter und Polizeipräsident von Posen genannt. Derselbe ist ein Schwiegersohn deS Leibarztes des Kaisers, Dr. v. Lauer, und soll die meisten Chancen haben. — Während der internationalen Tierschau zu Hamburg soll, wie die „Kreuz-Ztg." hört, eine vorbereitende Besprechung betreffs Gründung einer allgemeinen deutschen Gesellschaft zur Förderung der praktischen Interessen der Landwirtschaft stattgefunden haben.
Hamburg, 12. Juli. Der „Hamb. Korresp." macht tn bezug auf die seitens Hamburgs getroffenen Maßnahmen gegen Einschleppung der Cholera Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen: In Hamburg besteht eine Quarantäneverordnung vom Jahre 1856, deren Bestimmungen dem Sinne nach der jetzt von der preußi'chen Regierung veröffentlichten Quarantäneverordnung entsprechen. Diese Verordnung ist auf einer Konferenz von Delegierten der deutschen Seeuferstaaten, welcher als hamburgischer Delegierter der Sekretär der Deputation für Handel und Schifffahrt Herr I. W. H. HarqreaveS beiwohnte, im vorigen Jahre festgestellt und die Vereinbarung getroffen worden, daß dieselbe nicht von der Reichsregierung, sondern von jeder Regierung der deutschen Seeuferstaaten erlassen werde. In Anlaß des AuSbrucheS der Cholera in Egypten hat die preußische Regierung die Verordnung publiziert, dem hamburgischen Senat ist jedoch erst in den letzten Tagen die Aufforderung zugegangen, ein Gleiches zu thun. Wie wir erfahren, wird in der morgen stattfindenden Senatssitzung der Beschluß erfolgen, die Verordnung zu publizieren. Der Senat hat indessen, ohne diese Aufforderung abzu
warten, bereit« in voriger Woche auf Grund der Quaran- täneverordnnng vom Juli 1856 nach Cuxhaven die Instruktion erteilt, alle aus dem Suezkanal oder egypttschm Häfen kommenden Schiffe unter Quarantäneflagge anzu« halten und solche auf der Rhede einer Inspcction medicale zu unterziehen. Wird festgestellt, daß innerhalb 14 Tagen vor Ankunft de» Schiffes in Cuxhaven kein der Cholera verdächtiger Fall vorgekommen, oder ergiebt sich bei der Inspection medicale überhaupt nichts Verdächtiges, so erhält das Schiff freie Praktika; in anderen Fällen wird dasselbe festgrhalten und die Entscheidung deS hiesigen Medizinalkollegium» eingeholt, was mit dem Schiffe zu geschehen habe.
Stuttgart, 9. Juli. Der Entwurf eine» Gesetze», betreffend die Errichtung einer Postsparkasse, ist erschienen: Artikel 1. bestimmt: Unter Gewährleistung de» Staate» wird eine Postsparkasse errichtet, deren Verwaltung unter der r bereu Leitung und Beaufstchtignng de» Ministerium» des auswärtigen Angelegenheiten der für den Postbetrieb bestehenden Direktivbehörde übertragen wird. Jene Postanstalten, welche als Ein- und Auszahlungsstellen der Postsparkasse zu dienen haben, werden durch Verfügung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten bestimmt. Nach Artikel 2 kann die Postsparkasse von Jedermann, auch von Ehefrauen und Minderjährigen, benützt werden. Der Mindestbetrag einer Einlage wird durch Artikel 3 auf 1 Mk. festgesetzt, der verzinsliche Maximalbetrag auf 1500 Mk. Nach Artikel 5 wird die Höhe de» Zinsfußes für die Einlagen durch Königliche Verordnung festgesetzt. Artikel 6 handelt von dem Verfahren, im Falle ein Postsparkassenbuch in Verlust geraten. Artikel 9 bestimmt, daß aus dem Ertrage der Einlagen die Zinsen für letztere, sowie die gesamten Verwaltung-- und sonstige Kosten zu bestreiten seien. Nach Artikel 10 wird ein Reserve- fonds gebildet. Den Motiven sind tabellarische Übersichten ter Einrichtungen und Ergebnisse in Großbritannien und Irland, Belgien, Italien, Holland, Frankreich und Oesterreich beigegeben.
An-laud.
Pari-, 12. Juli. Das Abenteuer von Madagaskar scheint beinahe zu einem Zerwürfnis mit England führen zu sollen, welches Land der kühnen französischen Kolovial- politik ohnehin unfreundlich gegenübersteht. Man kann in einigen Blättern lesen — dir Mehrzahl will ohne weitere Nachrichten kein Urteil abgeben —, daß der Admiral Pierre ganz recht gehandelt habe und daß man ihn beloben müsse, wenn er den englischen Konsul aus Tamatave auSgewirsen und andere Engländer verhaftet habe. Mau sehe schon die guten Früchte seiner Energie, denn die Engländer, die zwar immer schrieen, aber niemals handelten, wenn sie auf festen Widerstand stießen, hätten nicht gewagt, sich ftltttn
<h.
ch-
1883.
Volt. W.
ml int »)
n!
13 Drei Brüder.
Sine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.
— Er näherte sich ihr mit aller ihm zu Gebote stehenden • "Itbenswürdigkeit und jener strengen Ehrbarkeit, die bei
* "Hen Naturen, wie es die junge Dame war, den besten
Eindruck hervorbringt.
Er redete von kaufmännischen Geschäften, Kapital- Klagen, StaatSpapieren, kaufmännischer Reellität gegen« wer den Schwindelgrößen und wußte sich al» Träger der Selsten Prinzipien hinzustellen, ohne daß die Absicht be« ^rkt wurde.
— . . .Sie sind ein Heller Kopf," bemerkte freundlich die ’lonbe Miß, „und man könnte ihnen ohne Bedenken alles _ verträum."
— < .Alles?" erwiderte er, die Gelegenheit nützend. „Da«
— 4 ‘ diel gesagt und fast zu schmeichelhaft. Vielleicht kommt
ttn wo Sie an das Wort erinnere."
— j Das Fräulein errötete und Gotthold zog sich, höchlich
— li wlt sich selbst zufrieden, zu den anderen zurück, die, im
_ 1( ?atten des Herrn von Weißdorn promenierend, ihm Ge- — 4 ^nheit gegeben hatten, seinen „Geschäften" nachzugehen. — . Gottfried war in sehr guter Laune und entfaltete eine
— , ^Hastigkeit in der Konversation, eine Tiefe der Gedanken doch dabei einen sprudelnden Witz, ber wie ein Spring« — H kUn”cn in einem ernstgehaltenen Garten wirkte, daß alle —, JJ A im Stillen bewunderten. Da er ohne Absicht sein Dbh«®’ M leuchten ließ, wirkte seine frische Natürlichkeit und _ I 1/ poetische Anhauch, der Über allem lag, was er sagte, — unvermittelt, und Frida von Weißdorn bewies dem eine Aufmerksamkeit, die dem alle« be- "-"HM^chtenden und berechnenden Gotthold zu denken gab.
Gottholds Chef, ein Schwager des Konzertmeisters, einer der ersten Verleger der Residenz, war auch anwesend und ließ sich mit dem Dichter der „Mühlelse" in ein lange« Gespräch ein, das beiderseitig sehr zu befriedigen schien.
Die Gruppen schieden und sanden sich, wie eS der Zufall oder die Sympathie gab. Am meisten aber waren Gottlob, der Held des gestrigen Abends, und die Sängerin beisammen. Die Gefühle schienen In Worte gekleidet worden zu fein, denn die Wangen der beiden glühten und manch stiller Händedruck sagte noch mehr, als eS wohl die Worte gethan.
Gottfried verwickelte mit dem ihm eigenen feinen „Takte", ber nicht bloS ein Produkt der sogenannten „feineren Erziehung" ist, die beiden in ein Gespräch, indem er mit Frida zu ihnen trat. Im Laufe de» Gesprächs sagte er mit der feinen Ironie, die ihm so gut stand: „Vorgestern abend hätte ich mich bald zu Ihrem Ritter aufgeworfen, Signora l"
„Ei, wie so?" erwiderte die Primadonna, mehr ablehnend als neugierig.
„Wir — ich und meine Brüder nämlich — glaubten Sie von einer Art Raubritter bedroht," war die Antwort. „Wir sahen nämlich einen Mann in ziemlich drohender Haltung Ihrer Kutsche nahen und mehr al» lebhaft mit Ihnen verkehren."
„Ah so I" machte sie, indem sie ein wenig bleicher ward. „Haben Sie gebirt, wa« der — der — Fremde sagte?" Sie sprach e« lächelnd, aber ihre Augen forschten ängstlich dabei.
„Leider nein!" gab der junge Lehrer lächelnd zurück. „Wir hatten also vorerst keine Veranlassung, einzuschreiten
— und auf einmal war der „Fremde" weg wie ein Schatten. Er hat Ihnen doch nicht« Beleidigende« gesagt?"
„Hoffentlich nicht!" fiel Gottlob mit der Würde eine» Ritters ein.
„O, wo denken Sie hin," sagte die Sängerin mit ihrem strahlendsten Lächeln. „E» war ein armer Mann, den Hunger und Elend zu dem etwa« gewaltthätig aussehenden Schritte trieben, den er unternahm. Ich gab ihm ein Goldstück, um ihn wieder Io« zu werden, und sammette damit glühende Kohlen auf sein Haupt, da« er mit der Unverschämtheit, die die Not wohl gebiert, zu hoch erhoben hatte."
„Ah so!" machte jetzt auch Gottfried mit einem ungläubigen Lächeln. „Das war immerhin unangenehm. Ich vermutete einen zu feurigen ober eifersüchtigen Bewerber."
»Da« sind Ihre Sachen," gab die Signora etwa« scharf zurück. „Die Serbinbungen, die ich habe, scheuen die Sonne nicht."
„Selbstverständlich," lautete Gottfried« galante Erwide- mng. „Ich habe bemerkt, daß Ihnen nicht blo« Bettler, sondern auch feine Leute eine Aufmerksamkeit ermessen, die über daS Maß de« Gewöhnlichen hinanSgeht."
Die Sängerin errötete, was ihren zarten, braunen Wangen außerordentlich gut stand. Gottlob lächelte ein wenig, denn beide bezogen den Sttch auf sich.
„ES hat sich nämlich" — bemerkte Gottfried innerlich belustigt — „im Theater ein Herr in ganz auffallender Weife mit Ihnen beschäftigt, wa« freilich nur an Mienen und Geberden zu erkennen war."
„Ah, da« brachte die Rolle mit sich," war die »erlegen klingende Antwort. Sie dachte, es sei eine neue Anspielung.
(Fortsetzung feilt)