Marburg, Donnerstag, 12. Juli 1883.
11.160.
XVHI. Jahrsma
l Uhr;
Wcheßschk ZckW
llf
o.
cke.
iha
lett
iS GeschV
listigen
über Düssclvorf, wo er mit seiner Gemahlin zusammen-
Nur
io
Drei Brüder.
it
ge von lost undb !ohn, für luSlausti ei der 6)
).
Loose
121
101
rüst 1
und stellt dem Besuche einer Universität den Besuch der Polytechnischen Schulen in Braunschweig, Stuttgart und Karlsruhe gleich. Gegenüber dieser ausdrücklichen Namhaftmachung war es zweifelhaft geworden, ob die Inskription bei der philosophischen Fakultät der Akademie zu Münster, welche bekanntlich nur eine theologische und eine philo-
vergeblich, die Hülfe zum Aufsteigen de« Fahrstuhls gegeben, sodann aber sich beeilt, das bewegliche Gitter, welches durch alle drei Stockwerke hindurch den Fahrstuhlschacht umgiebt, an den drei Punkten des Parterre«, ersten und zweiten Stockwerks, an welchem das Aus- und Etnsteigen erfolgt, in die Höhe zu ziehen. Er war hiermit nur zur Hälfte erst fertig, als der Stuhl auf den Boden aufstirß und, ehe noch einer der Jnfasien Zeit gehabt hatte, in gebückter Haltung unter dem Gitter hinweg in den Saal hinauszutreten, erfolgte ein Krach und der neben dem Amtshauptmann v. Welck stehende Kretshauptmann lag regung«- und lautlos mit zerschmettertem Kopfe zu den Füßen der im Fahrstuhle befindlichen Herren. Da» etwa« mehr als 1 Meter lange, 125 Pfund schwere Eisengewicht, welches ihn niedergestreckt hatte, berührte den Amtshaupt- mann v. Welck leicht am linken Arm und brach dem Direktor Clad beide Röhren des rechten Unterarmes. Davon, daß Direktor Clad seine rechte Hand auf des Kreis« Hauptmanns linke Schulter gelegt gehabt hätte, und dieselbe deshalb getroffen worden sei, ist keine Rede. Zwischen Beiden stand der Amtshauptmann v. Welck, eS war solche Manipulation CladS mithin unmöglich. Hätte sich nicht das zweite Gewicht, welches ebenfalls aus seiner hölzernen Fahrbahn herauSgehoben und abgesprengt worden ist, im Gcbälke festgeklemmt, so würde auch dieses noch herabgestürzt sein.
Darmstadt, 10. Juli. Die erste Kammer genehmigte dir Gesetzentwürfe wegen Erbauung von Sekundärbahnen und wegen Errichtung einer stehenden Brücke über den Main bei Kostheim.
sophische Fakultät hat, dem der anderen LandeS-Universttäten in erwähnter Beziehung gleichstehe. Wie die „Pharmazeutische Zeitung" meldet, ist in Preußen diese Gleichstellung anerkannt. — Nach zuverlässigen Meldungen soll sich der Gesundheitszustand des Fürsten Bismarck in FriedrichSruh langsam bessern.
Dresdea, 9. Juli. Bon dem erschütternden Unglücksfall in der Georgischen Fabrik in Mylau am 4. d. M. bringt daS „DreSdn. Journ." nachfolgende, offenbar zuverlässige, andere Mitteilungen teilweise berichtigende Schilderungen : AlS Se. Majestät der König nebst Gefolge und Begleitung das Erdgeschoß und den ersten Stock der Wollkämmerei von Georgi u. Co. besichtigt hatte und eS sich nun darum handelte, in den zweiten Stock zu gelangen, wurde zu diesem Behufe der Fahrstuhl, und zwar nicht etwa auf dringende Aufforderung des Fabrikbesitzers Georgi, sondern nur, weil er als der übliche Beförderungsapparat vorhanden ist und bis dahin feinem zeitersparenden Zwecke stets tadellos gedient hatte, benutzt. In dem Fahrstuhle befanden sich außer Sr. Majestät die Herren Kreishaupt- mann vr. Hübel, Geh. Rat Bär, AmtShauptmann v. Welck, Oberstallmeister v. Ehrenstein, Major v. Malortie und Fabrikbesitzer Georgi, welcher durch einen Wink den Fabrikdirektor Clad zum Aufsteigen und Dirigieren des Stuhles geladen hatte. Bevor der Stuhl sich in Bewegung setzte, fragte Herr Georgi den Fabrikdirektor, ob es nicht zu viel werde, worauf dieser verneinend antwortete. Er war zu einer solchen Aeußerung berechtigt; denn es ist für den Stuhl eine Tragfähigkeit von 25 bis 30 Zentnern zugesagt und diese Last annähernd wiederholt auch bereits auf dem Stuhle befördert worden. Die acht Herren, welche denselben am 4. d. MtS. bestiegen,, können aber höchstens 12 Ztr. gewogen haben. Der Stuhl wurde in Bewegung gesetzt; obschon aber Direktor Clad die zum Aufsteigen nötige Hülfe gegeben zu haben versichert, obschon er dieselbe mindesten« doch dann und zwar mit aller Kraft gab, als Herr Georgi äußerte: „Ja, was ist denn das? Wir wollen hinauf und fahren hinunter?" sank das Gefährt dennoch nach unten. Gesprochen wurde während der ganzen Fahrt, abgesehen von jenen Worten GeorgiS, welche ohne Antwort blieben, nichts. Ein Jever stand, da man ja inne ward, daß der Stuhl seinem Lenker nicht gehorche, und da stck derselbe zudem auch mit steigender Schnelligkeit nach unten bewegte, unter dem Drucke banger Ahnung. Endlich erreichte der Stuhl — mit einem zwar nicht gewöhnlichen, immerhin aber doch mäßigen Ausstöße — den Erdboden. Im Erdgeschoß, in welchem man wußte, daß der Fahrstuhl hatte nach oben gehen sollen, in welchem man auch alsbald das ungewöhnliche Tempo der Niederfahrt wahrnahm, hatte man den Verlauf der Sache mit großer Besorgnis beobachtet. Werkmeister Jäger war herzugeeilt und hatte auch seinerseits, indeffen
Deutscher Reich.
Berlin, 10. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht Gesetz, betr. die Feststellung deö ReichShaushaltS-Etat« 1884—85, ferner das Gesetz, betr. die Aufnahme einer Anleihe für das Reichsheer, die Marine und RetchSeisenbahnen. Das erstere Gesetz hat folgenden Wortlaut: 8 1. Der diesem Mtze als Anlage deigefügte Reichshaushalts - Etat für das Etatöjahr 1884/85 wird wie folgt festgestrllt: in Aus« «ahe auf 590819344 Mk., nämlich auf 544327866 Mk. ,n fortdauernden, und auf 46491478 Mk. an einmaligen Ausgaben und in Einnahme auf 590 819 344 Mk. §2. Der diesem Gesetze als weitere Anlage beigefügte BesolvungS- gtat für das Reichsbank - Direktorium für die Zeit vom 1. April 1884 bis 31. März 1885 wird auf 132 000 Mk. festgestellt. § 3. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur vorübergehenden Verstärkung deS ordentlichen Betriebsfonds der Reichs - Hauptkaffe nach Bedarf, jedoch nicht über den Betrag von siebzig Millionen Mark hinaus, Schatzanwei- surigen auszugeben. 8 4. Die Bestimmung deS Zinssätze« dieser Schatzanweisungen, deren Ausfertigung der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden übertragen wird, und der Dauer der Umlaufszeit, welche den 30. Sept. 1885 nicht überschreiten darf, wird dem Reichskanzler überlassen. Innerhalb dieses Zeitraumes kann, nach Anordnung des Reichskanzlers, der Betrag der Schatzanweisungen wiederholt, jedoch nur zur Deckung der in Verkehr gesetzten Lchatzanweisungen ausgegeben werden. 8 5. Die zur Verzinsung und Einlösung der Schatzanweisungen erforderlichen Beträge müssen der Reichsschuldenverwaltung aus den bereitesten Einkünften des Reichs zur Verfallzeit zur Verfügung gestellt werden. 8 6. Die Ausgabe der Schatzanweisungen ist durch die Reichskaffe zu bewirken. Die Zinsen der Schatzanweisungen, sofern letztere verzinslich ausgefertigt sind, verjähren binnen vier Jahren, die verschriebenen Kapitalbeträge binnen dreißig Jahren nach Eintritt des in jeder Schatzanwetsung auszudrückenden Fälligkeitstermins. — Der Erzherzog Karl Ludwig folgte vormittags
Sine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.
Gottlob kräuselte die Lippen, denn diese Bemerkung schien ihm zu derb für eine so feine Gesellschaft, Miß Lrunside und die Gouvernante rümpften die Nasen, die "»deren Fräulein lachten fröhlich.
„Die neue Oper," legte sich jetzt Frida von Weißdorn ins Gespräch, „soll eine durchaus liebliche Musik haben und stimmt dann vollkommen mit dem Text, den ich ge- lcsen habe und der so duftig und anmutig ist, so frisch und natürlich, daß daS hölzerne Machwerk mancher anderen völlig vor ihm erbleicht."
. „Herr Frank ist der Komponist der „Mühlelse", hörte uh sagen," mischte sich hier Miß Burnstde in die Äon« Uersation.
, »Es ist so," bestätigte die braune Primadonna. „Man ^te hinter dieser rauhen Außenseite keine solche Fülle zartesten Empfindungen vermuten."
„Sehr verbunden," ertönte jetzt die Löwenstimme Frank«, tie Bemerkung aufgefangen hatte. „Ich werde, wie e« scheint, schon hemntergemacht."
. Die Damen und Herren lachten, denn sie kannten Wenigstens gatt dies von dm meisten Mitgliedern der «esellschaft) die Art de« Konzertmeisters gut genug, um su wiffen, daß er nicht so leicht beleidigt werden konnte. R „Der Verfasser des Texte«," sagte jetzt Frida, „nennt Uch auch Schön, ist also ein Namensvetter der Drillinge. 1»' — setzte sie ein wenig ironisch lächelnd hinzu — jioUte am Ende der Herr Sänger und Spieler selbst der Achter sein?
b-Jch muß das ablehnen, so schmeichhaft e« klingt, ^RJkte Gottlob verbindlich.
ioi. 671 76! M 102i|
76!'
296
Ausland.
Wie«, 9. Juli. Die „Wiener Abendpost" veröffentlicht den Wortlaut der Note ver rumänischen Regierung vom 5. d. Mt«. an den österreichisch-ungarischen Gesandten Freiherrn v. Mayr in Bukarest. Die Note nimmt bezug auf die Mitteilung de« Monitorul, welche bereit« den Sinn und die Tendenzen der in Jaffy gesprochenen unüberlegtm Worte habe mißbilligen sollen, aber al« unzureichend befunden worden sei. Um jeden Zweifel in die Aufrichtigkeit der Erklärungen der Regierung des König« zu beseitigen, habe dieselbe, wenn auch durch die Abwesenheit deS Königs und de« Ministers des Auswärtigen unfreiwillig etliche Tage verzögert, doch freimütige und loyale Erklärungen abgegeben, denn die Regierung de« König« habe niemals eine Haltung angenommen, welche glauben lasten könnte, daß sie Oesterreich-Ungarn gegenüber feindliche Absicht hege. Nicht erst heute verurteile die Regierung jede ungesetzliche, sich etwa gegen die Sicherheit der Ruhe von Nachbarstaaten, also auch gegen die österreichisch-ungarischen Provinzen richtende Aufreizungen, stets habe sie denjenigen eine formelle Zurückweisung gegeben, welche dem Könige
rgafseÄ lautet’ stelle«, llSbald gf
die Exprd trifft, seine Reise nach Amsterdam fortzusetzen. — Die Reichs-Prüfungsordnung für Apotheker macht die Zulastung ----zur Prüfung auch von dem Nachweise eines durch ein Ab- pr. 1. gmgszeugniS als vollständig erledigt bescheinigten „Universt- lätSstudiumS" von mindestens drei Semestern abhängig
•eiaen nimmt entgegen: 'Expedition d. BlatteS, «jkd.Annoncen-Bureaur Tb Dietrich u. Co. in L.ffrl und Hannover; Th. Urich in Fransiurta.M.; L.flfenftein u. Bögler tn öfurt ° M., Berlin, Knjig, Köln it-; Rudolf □e in Berlin, Frank- furt a.
r Geschäft! einer Einladung der kronprinzlichen Herrschaften nach Potsdam, wo er auch diniert. Abends beabsichtigt der Erzherzog
nnjeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureanx von G. 8. Daube n. Ge. in Frankfurt a. M; ISgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank iu Berlin; 8». Thiene» in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSustrirleS SomttagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdiuckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 26 Pfg. berechnet.
Narburi rr. 44.
3.
e»
1011 dbar 101i
lOilj looi!
102
: gesucht.
d. Bl. (8 echt wird
Datier, h Nr.4l
Ichs
Freund, ___i Uten men gch u. Züsch« sgebild. ta .enheitzui nehmet Ai t Lage, »mm, W rto/Mst sch erfch ilter, dm te stehen, lung. Off
„Nun, Geheimnis ist eS keins," fiel hier die polternde Stimme deS Komponisten ein. „ES ist allerdings ein Schön, ein schöner und talentvoller Schön, der ehr- und tugendsame Jüngling Gottfried Schön, der den herrlichen Text geliefert hat."
Alle« erstaunte und die schmeichelhaftesten AuSrufungm umstürmten Gottfried, der tief errötet war, nur die Brüder schienen etwas verstimmt, der Geheimniskrämerei wegen, wie sie ihre unangenehme Sensation motivierten.
„Unter den auf mein Ausschreiben eingegangenen Arbeiten," erläuterte Herr Frank, „war die eine« Herrn Gottfried Schön weitaus die beste, und sie begeistette mich. Ueber den Verfaster schwieg ich um ihnen allen heute eine kleine Ueberraschung zu bereiten."
„WaS Ihnen vollkommen gelungen ist," sagte Frida, indem ihre schönen Augen mit Juterefle auf Gottfrieds Zügen ruhten.
„Das geht über den schiefen Turm in Pisa," rief der alte Schön. „DaS stille Wasser ist ein Dichter, hol mich der und der, wenn ich ein Wort davon gewußt habe."
„Auffallend," bemerkte jetzt Gottlob, nur um auch etwa« zu sagen, „daS Textbuch wurde in unserer Offizin gedmckt und mir kam nicht die geringste Ahnung."
Nicht so heimlich, mein Sohn," rief dazwischen der Pfarrer von der Blumenburg Gottfried zu, der eben in seiner Verlegenheit eine Prise nahm, „ich möchte auch daS alte Möbel wieder einmal sehen.
Er nickte dabei etwas
boshaft nach Miß Douglas hinüber, die beim Anblick ihrer verleugneten Dose ein leichtes Erröten nicht verbergm konnte.
Er schnupft I" stöhnte leise die junge Miß mit den
Shrenfarbenen Ringellocken. „Ein so schöner Mann und schnupfen!" setzte sie leise bei.
Die anderen bettachteten aufmerksam dir schöne Dose, und Signora Sonnora verfiel bei ihrem Anblicke sogar in ein tiefes Nachdenken, aus dem sie nur erwachte, um die Züge der Drillinge einem eingehenden Studium zu unterwerfen.
Gottfried entging die« nicht, und er suchte ihr Interesse zu erraten, was ihm aber heute nicht gelang.
Bald segelte man wieder in dem Fahrwasser der harmlosesten GesprächSthemata.
Den Abend beschloß und krönte ein solenne« Mahl. Die feurigsten Weine stossen und die feurigsten Lieder erklangen von den Lippen Gottlobs und der Bühnenfängerin. Frida accompagnierte mit vielem Verständni« aus dem Klavier, Herr Frank gab ein Bravourstück auf dem Cello, Gottfried mußte ein Bruchstück au« seiner Oper deklamieren, und so trugen fast alle in irgend einer Art zur Gesellig, leit bei. Die anderen hörten zu, denn man mußte doch auch ein Publikum haben.
Gotthold war den ganzen Abend sehr nachdenklich und machte heute Berechnungen, die den Geschäftsbüchern ferne standen, von denen aber daS Geschäftliche keineswegs au«, geschloffen war. Er hatte Miß Dougla« auf feine Weise auSgehört und dabei erfahren, daß ihre Nichte Besitzerin eines bedeutenden Vermögens fei. Da« gab Stoff zum Nachdenken. Frellich zog ihn auch die Sängerin gewalttg an, und ihre Stimme war eine Goldgrube. Auch Fridas Liebreiz ließ ihn nicht unberührt, so wenig als ihre reiche Mitgift, aber — in dieser Richtung war nicht viel zu machen, die Hoffnungen waren zu vage.
(Fortsetzung felgt)