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Marburg, Mittwoch, ll. Juli 1883.

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a Das Helle, freundliche Haus wurde im Frühling und Sommer vom Herrn Hauptmann von Weißdorn bewohnt.

Sine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.

Der mit den langen Locken und dem krausen schwarzen Bart, mit den kühnen Augen und den raschen Bewegungen, P Gottlob der Künstler.

meister Frank, Gottlobs Lehrer, Führer und Berater, eine originelle Figur, wie wir bald sehen werden, frei in seinen Aeußerungen, fast bis über die Grenzen des gesellschaftlich Hergebrachten, eine gefürchtete Persönlichkeit in Künstler­kreisen, aber ohne Falsch.

Die Drillinge näherten sich bald wieder den drei Schönen in der Laube, die von Miß DouglaS wie von einem Drachen gehütet wurden. Die Annäherung geschah so ungesucht, daß die Einwendung, die schon auf den Lippen der alten Hüterin saß, in einem sauersüßen Lächeln ver­starb, und mit einer Prise, die jetzt der Heimlichkeit ent­behrte, begraben wurde.

Gottlob war ganz Weltmann geworden. Er konversterte jo leicht, so elegant, so anschmiegend an die Stimmungen der jungen Damen, daß seine Brüder nicht dagegen aufzu­kommen vermochten und diesem Künstler gegenüber fast wie Statisten erschienen. Ueberdies hatte er den Vorzug, der Primadonna und Fräulein Burnstde schon vorgestellt zu sein.

Morgen abend also," sagte eben die Sängerin, indem sie sich zu den Statisten wandte,werden Sie Gelegenheit haben, Ihren Bruder als Sänger auf der Bühne zu be­wundern. Ein Held der Saiten und der Kehle! Mein Liebchen was willst Du noch mehr! So viel mir Herr Frank sagt, werden wir uns auf ein Phänomen gefaßt machen müssen."

Sie lächelte graziös.

Er war schon ein Phänomen in der Wiege," bemerkte Gottfried heiter,er soll uns im Schreien weit übertroffen haben. Das wächst so mit den Jahren."

(Fortsetzung folgt)

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Gestellungen auf das dritte Quartal der Ober* hessischen Zeitung nebst Illustriertem Sonntagsblatt werden noch von allen Post- anstalten wie auch von der unterzeichneten Ex­pedition angenommen.

Die Exped. der Oberhess. Ztg.

Deutsches Reich.

verli«, 9. Juli. Erzherzog Karl Ludwig von Oester­reich ist im strengsten Inkognito zum Besuche der Hygieine- AuSstellung hier angekommen. Wie auS amtlichen Kreisen verl-utet, hält man eS nicht für wahrscheinlich, daß Polizei­präsident v. Madai auf seinen hiesigen Posten zurückkehren werde. Als sein Nachfolger wird in sehr bestimmter Weise der gegenwärtig beurlaubte OberregierungSrat v. Heppe bezeichnet. Wie dieVoss. Ztg." hört, wird der Re- gicrungsschulrat Müller in Aurich zum Vortragenden Rate im Unterrichtsministerium berufen werden. Derselbe war, ehe er in seine jetzige Stellung kam, Seminardirektor und vorher Vorsteher einer höheren Mädchenschule. Zwischen der königlich preußischen und großherzoglich hessischen Re­gierung ist in bezug auf die Versteuerung des NachlaffeS der beiderseitigen Staatsangehörigen eine Verständigung dahin getroffen worden, daß der Nachlaß preußischer Unter* thancn lediglich von Preußen und der Nachlaß hessischer Unterthanen lediglich von Heffen zur Versteuerung zu ziehen ist, jedoch mit der Maßgabe, daß für Grundstücke und Grundgerechtigkeiten die Erbschaftssteuer von demjenigen Staate zu erheben ist, in welchem dieselben sich befinden. ES entspricht dieses Verfahren den bezüglichen Bestimmungen der in Hessen geltenden Kollateralsteuer-Verordnung, welche besagt:Bei Berechnung des Betrages der Erbschaften in Hinsicht auf die Entrichtung der Kollateralgelder find, wenn der Erblaffer ein Inländer war, alle deflen Mobilien, Bar­schaften und Aktivkapitalien in oder außer Landes, sowie auch die innerhalb der Grenzen HeffenS gelegenen Jmmo- biliarstücke, nicht aber die im Auslände gelegenen Immo­bilien in Anschlag zu nehmen, so jedoch, daß auch die Schulden, welche auf den Immobilien im Ausland gerichtlich speziell versichert sind, von der Erbschaft nicht in Abzug gebracht werden dürfen, dagegen sind aber auch die Erben von Ausländern, welche in Hessen Immobiliarvermögen besaßen, hiervon nach Abzug der gerichtlich und speziell darauf versicherten Schulden die Kollateralgelder in den geeigneten Fällen zu entrichten schuldig." DieKreuz­zeitung" bestreitet, daß die Abberufung des Landdrosten von Aurich mit politischen Fragen etwas zu thun habe. 8s wird jetzt bestritten, daß die Verstaatlichung des Vcr- stcherungSwescnö für die nächste Zeit, etwa schon für die

welcher von Freitag zum Sonnabend in Berlin über­nachtete, bereits um 2 Uhr früh von der bevorstehenden Entbindung in Kenntnis gesetzt, desgleichen die Frau Kron­prinzessin, welche in der Geburtsstunde am Bette ihrer Schwiegertochter «eilte und dort mehrere Stunden zu­brachte. Professor Dr. Schröder hatte das Palais in den letzten Nächten überhaupt nicht mehr verlassen.

Bo«U, 6. Juli. Dem hiesigen Kriegerverein ist am vergangenen Sonntag die Ehre zuteil geworden, dem Kaiser in EmS vorgestellt zu werden. Dem Vereine war bereit« vor etwa Jahresfrist von seinem kaiserlichen Herrn eine Fahne zum Geschenk gemacht worden; seitdem war es ein dringender Wunsch deö Vereins, dem hohen Geschenkgeber auch persönlichen Dank abstatten zu können. Dieser Wunsch ist nunmehr infolge der Bemühungen eines Mitgliedes des Vereins, Polizeirals Bornheim von hier, in Erfüllung ge- gangen. Der Verein zog am frühen Morgen in der Stärke von 152 Mann mittels Sonderzugs der schönen Lahnstadt zu und nahm gegen halb 9 Uhr vor dem Kurhause Auf­stellung. Der Kaiser erschien mit dem Schlage 9 Uhr fa Begleitung eines Flügel-Adjutanten und trat mit den Worten:Guten Morgen Kameraden!" auf den Verein zu. Ein kräftiges, begeistertes:Guten Morgen, Majestät!" folgte dem Gruße, worauf der Vorsitzende des Vereins, Gymnasiallehrer Dr. Leber, im Namen des Vereins dessen unterthänigsten Dank für die ihm erwiesenen Gnaden­bezeugungen abstattete. Der Kaiser schritt nunmehr, Dr. ßebet zur Seite behaltend, die Reihen der Krieger entlang und richtete an viele derselben huldvolle Worte. Besonders waren es die mit Orden und Ehrenzeichen geschmückten Krieger, denen eine solche Auszeichnung zu teil wurde. Ein Mitglied des Vereins, jetzt Pedell der hiesigen Uni­versität, der vier Ehrenzeichen trug, erregte de« Kaiser« besondere Aufmerksamkeit und wurde ausführlich nach der Veranlassung befragt, die dem Bezeichneten seine Dekora­tionen eingetragen. Dem Fahnenträger rief der Kaiser nach Besichtigung der Fahne mit Hinweis auf das die Brust de« Betreffenden zierende Eiserne Kreuz die Worte zu:Sie sind bereits einer ernsteren Fahne gefolgt!" Balv darauf verabschiedete sich der hohe Herr unter dem Ausdruck deö Dankes für das Erscheinen de- Verein«, worauf Dr. Leber dem Kaiser rin Hoch ausbrachte, in da« allseitig, auch von dem zahlreich versammelten Publikum, begeistert eingestimmt wurde. Der Tag gestaltete sich solchermaßen für unseren Kriegerverein zu einem hohen Fest- und Ehrentage. Freude und Stolz erfüllte aller Brust, und noch heute, nachdem der erste Jubel vorüber, werden die glücklichen Krieger nicht müde, von dem denk­würdigen, unvergeßlichen Tage und von der hohen Leut­seligkeit, Huld und Gnade ihres kaiserlichen Herrn in be­geisterten Worten zu reden.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux o Th. Dietrich u. Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrick, in Frankfurt a-M-; Haasenstein u. Vogler in Lankfurt a- M-, Berlin Leipzig, Köln rc-; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M- re.

Der Gemessene mit den etwas eckigen Manieren, aber viit geistreichem, wenn auch kaltem Gesichte, dem die kurz- vttschiitenen Haare einen Anstrich von Pedanterie geben, ist Gotthold, jetzt Buchhalter der Buchhändlerfirma Schön- °ern. Und der dritte? An dem immer klaren, sreund- iichen Gesichte erkennen wir sofort Gottfried wieder. Und hat er sich sehr verändert. Er hatte den Körper ««es Athleten, kernig und echt, und darauf einen Kopf **a' " feinstem Schnitte, überwogt von den krausen, gold- "kaunen Löckchen, die wir an ihm kennen. Seine Bewegun- zeigen eine Sorglosigkeit, aber wohl eben deswegen «ue Anmut, die, obwohl sie kaum salonfähig war, doch Wrt ansprach. Er war eben der Nachfolger seine« «»ters geworden und zum Besuche in der Residenz ein- bttrvffen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Buteaux von @. 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung dafewst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Juvaliderchank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: 6. Schlotte in

nächste Reichstagssession in Aussicht stehe.Dem Bundes­rat ist seitens des Reichskanzlers ein Antrag auf Abände­rung der Bestimmungen von 1877 betreffend die Statistik der Bergwerke, Salinen und Hütten, zugegangen. Die wesentlichste Aenderung ist die, daß Ziffer 10 jener Be­stimmungen die Fassung erhalten soll:Da« statistische Amt hat binnen 4 Monaten die definitive Zusammen­stellung der Resultate zu veröffentlichen, wobei zu vermeiden ist, daß die Produktionsangabe einzelner Werke ersichtlich werden. Nach geschehener Drucklegung hat da« statistische Amt die ihm zugegangenen Fragebogen kalkulatorisch berichtigt den Staatsregierungen zu weiterer Verfügung zurückzugeben.

Potsdam, 8. Juli. In der Gutöktrche zu Bornstedt wohnten heute vormittag der Kronprinz und die Kron- Prinzessin mit ihren jüngsten Prinzessinnen Töchtern, sowie der Prinz Wilhelm dem Dankgottesdienste bei, welcher auS Anlaß der glücklichen Entbindung der Prinzessin Wilhelm abgehalten wurde. Die kronprinzlichen Herrschaften sprechen täglich mehrmals im Marmorpalais vor, um sich persönlich nach dem Wohlbefinden der hohen Wöchnerin und de« jungen Prinzen zu erkundigen. Bis auf weiteres werden von Montag abend 6 Uhr täglich Bulletins im Marmor- palaiS von den Aerzten, Professor Dr. Schröder, Direktor der königl. Universitäts-Frauenklinik zu Berlin, und dem OberstabS- und Regimentöarzt des 1. Garde-Rcgtö. z F. Dr. Friedel auSgegeben. Heute früh 8 Uhr haben die Aerzte folgendes veröffentlicht:Die Frau Prinzessin Wilhelm und der neugeborene Prinz haben den gestrigen Tag und die Nacht gut verbracht und befinden sich vollkommen wohl." Vorläufig nährt die Prinzessin den kleinen Prinzen selbst, bis eine Amme gefunden sein wird. Die nächsten hohen Verwandten, zu denen in erster Reihe das Kaiserpaar, die Königin von England und die Herzogin Adelhaid von Schleswig-Holstein, die Mutter der Prinzessin, ge­hören, haben außer den ersten Telegrammen bereits aus­führliche briefliche Nachrichten von dem glücklichen Vater erhalten. Die Herzogin Adelhaid, die gegenwärtig auf dem Schlöffe Primkenau weilt, wird zur Pflege ihrer Tochter erst nach einigen Wochen im Marmorpalais eintreffen. Rings um dasselbe herrscht vollkommene Ruhe und sind alle Zugänge zu demselben abgesperrt. Die Zimmer der hohen Wöchnerin liegen in der ersten Etage mit der Aus­sicht auf den heiligen See. Selbst Prinz Wilhelm sucht seinerseits jede Störung in den beschränkten Räumen de« Palais zu vermeiden und nimmt die Mahlzeiten vorläufig bei seinen Eltern imNeuen Palais" ein. Etwaige schleu­nige Anfragen und Antworten «erben durch die zwischen beiden Palais bestehende Telephonverbindung erledigt, wie solche auch zwischen dem Marmorpalais und Berlin, sowie mit dem Stadtschloß zu Potsdam eingerichtet worden ist. Wie noch nachträglich bekannt wird, wurde Prinz Wilhelm, noch fest in feinen Strümpfen stand, undder Pfarrer von der Blumenburg" mit feinem stattlichem Bäuchlein und seiner immer freundlichen Miene.

In der Laube saß Miß DouglaS, noch eckiger und gravitätischer als vormals, und drei junge Damen, nicht unähnlich einem üppigen Kranze an einem alten, vergilbten Rahmenbilde. ' u

Die eine mit dem interessanten, bleichen und edlen Profil und den dunkeln Augen ist Frida von Weißdorn, die zweite mit den langen, strohgelben Locken ist Miß Burnstde, eine Nichte von Miß DouglaS, und die dritte mit den schwarzen Augen und dem südlichen Teint, Signora Sonnora, die Primadanna des Hoftheaters.

Sie kommen lange nicht," bemerkte eben der alte Schön, der es an seinenBuben" nicht leiden konnte, wenn sie nicht pünktlich waren, wie seinerzeit in der Schule, in der die alte Schwarzwälderuhr alle« mit unveränderter Konsequenz regelte.

Gottfried ist gleich nach seinen Brüdern gerannt," fügte er bei,und das beruhigt mich, er ist kein Sausewind und"

Da sind sie ja," tief heiter der würdige Pfarrherr, der Pastor jovialis, wie ihn Herr von Weißdorn gerne nannte.

E« traten ebm die Dreie in Begleitung eines vierten Herrn durch die hintere Thür des Hauses in den Baum­garten. Die Vorstellungen, die nötig wurden, waren rasch abgemacht und man lenkte sofort in daS Fahrwasser zwang­loser Unterhaltung ein, nicht ohne übrigens mehrerseits sich gegenseitig heimlich zu beobachten und im verschwiegenen Herzensgründe zu kritisieren.

Der alte Herr mit dem gewaltigen grauen Knebelbarte und der sorgfältig gehaltenen Perrücke war der Konzert-

63 i & Seine Tochter Frida hatte mehrere Jahre in einem 761i' Wtute und dann bei einer fernwohnenden Tante zuge- 72«W und hatte also die Drillinge seit ihrem Abschiede «P ^hr gesehen, wohl gar längst vergeffm.

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