ein fertiger Mann, der nichts mehr zu lernen hat. .... Auch auf den Gymnasien hat man, wie ich Haube, sich vielfach falschen Vorstellungen hingegeben, al- sollte da« Ziel derselben sein, eine ganz fertige allgemeine Bildung zu geben. Eine fertige allgemeine Bildung ist da noch nicht zu erreichen; viele Menschen erreichen ste niemals im Leben; aber wer ste erreicht, der wird auch sagen, daß da« beste, waS er hat, erst später durch da« Lernen im Leben erworben worden ist."
„DaS Beste, was wir gegen die Ueberbürdung zunächst thun können — ruft der Berfasirr — ist, daß wir Alle die verderbliche Richtung des Zeitgeistes, die zu diesen un« gesunden Verhältnissen geführt hat, einsehen; die Heilung wird dann allmälig wie von selbst eintrrten. Denn es kommt ja nur darauf an, daß wir Alle geneigt find, den Mißbrauch einer 8- bis 10-stündigen täglichen Ar» beitSzeit für Knaben und Jünglinge abzustellen; so müflen sich die Mittel dazu finden lassen. Und wahrlich! e« ist Zett, daß hierin etwas Durchgreifendes geschieht: Die Kosten diese« Zustandes zahlt unsere Jugend, und da« ist die Zukun t unseres Vaterlandes."
Der Verfasier macht dann sehr ins Einzelne gehende Reformvorschläge, deren Reproduktion und fachmännische Besprechung nicht unsere Sache sein kann. Nur im allge» meinen wollen wir erwähnen, daß Dr. Lacher durch Le» schränkung des Lehrstoffes (Wegfall der altsprachlichen Skripten, Reduktion des fremdsprachlichen Unterricht«), Berbesierung der Lehrmethode und zweckmäßigere Eintet» teilung der Arbeitszeit seinem Ziele zustrebt. Hier plädiert der Autor sehr warm für die Abschaffung dr« Nachmittag«» unterricht-. Eine durch die Einführung des Vormittag«» Unterrichts erreichte Beschränkung der Schulzeit würde nach seinem Dafürhalten wahrscheinlich die wettere Er» letchteruug für die oberen Klassen im Gefolge haben müssen, daß entbehrliche Arbeiten, wie die fremdsprachlichen Aufsätze, abgeschafft würden. Und schließlich möge dann der Kern der Ueberbürdung, dir übermäßige Ausdehnung des philologischen SprachenbetrtebeS, zerstört werden.
So nachdrücklich übrigens Dr. Lacher für dir von ihm emp'ohlenen Verbesierungen des höheren Unterrichtswesens zu Felde zieht, so weit entfernt ist er von einer prsfimi» mtstischen Auffaffung. Im Gegenteil betont er am Schluffe seiner Darlegungen mit vollem Recht, daß Druffchland auf sein Schulwesen stolz sein könne.
In seiner Rücksichtnahme auf dir verschirdenarttgsten BtldungSbedürfniffe, in der straffen, diesen verschiedenen Bedürfnisien entsprechenden Organisation seiner Lehrpläne, in seiner altbewährten und doch beständig sich verjüngenden, rein wissenschaftlichen Methode, in der strengen Ueber» wachung, die ihm von selten der Staatsbehörde hinsichtlich der Erreichung der vorgeschrtebrncn Unterrichtsziele zu Tell wird, kann da« deutsche Schulwesen rin Muster sein für
klingender Stimme eine wilde Weise in die Nacht hinaus — ein echte- Zigeunerkind! —
3. Wind und Wogen.
Fast zehn Jahre waren dahingegangen. Wohin? Man sagt ins Meer der Ewigkeit — auf N mmerwiederkehr für die, die sie durchlebt, gar nicht gewe en für die, die erst kommen. Wir wollen nicht Philosoph eren, es wäre eitel, wir wollen prüfend lesen in dem LebenSbuch derjenigen, die wir zu malen und zu beschreiben unternommen. —
Die Residenz, zu der wir unsere fahrmden Schüler wandern sahen, hatte zu jener Zeit noch ein alle«, graueS zerbröckelndes und darum ehrwürdige» Thor, das man aus Pietät stehen geloffen. An dieses lehnte sich ein frisches, weißes, elegantes Haus. Der Kontrast war sehr wirksam. Man wußte nicht, welches von beiden da« andere stütze, aber jedermann lobte die Idee, »eil ste sich selber lobte.
Ein ruhig-schöner Maiabend ging voll Dust uud sanftem Licht über die Fluren da außen, die sich wett auf» thaten für den Blick, gleichsam stoh, der engen, staubigen Residenz entronnen zu sein, und auch viele Spaziergänger atmeten aus, wenn sie das Thor hinter sich hatten uud vor sich die schöne, blühmde, bunte Welt, in der so wenig — Menschen wohnten.
An der Gartenpforte, die In ein kleines Paradies von Blumen führte, standen drei junge Männer, sagen wkS nut gleich, unsere Drillinge.
Sie hatten sich wenig und doch viel verändert. Tin Bekannter hätte ste sicher gleich bei Namen genannt, denn die Grundlinien waren dieselben, nur schärfer im Ausdruck, gleichsam ausgewachsen. Und doch viel verändert, sagen wir.
(Sottsetzau, fel|t.)
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Marburg, Dienstag, 10. Juli 1883.
xvm. Jahrgang.
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»iaen nimmt entgegen: Sition d. Blattes. .iid.Annoncen-Bureaur Vk Dietrich u. Co. in
iSta, Mn Rudolf Ä, in Berlin, Frank- furt a. M. -c-
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Anzeigen nimmt «ntaeecH: die Expedition d. Matte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von«. L. Daube n.C«. in
Frankfurt a. M-; Ramsche Buchhandluna oasetdst;
Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalibendank in
Berlin; D. Thiene« in Merfeld: C- Schlotte tu
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Initiative der Regierung schuld giebt und meint, daß sie durch ein einfaches ministerielles Reskript aus der Welt geschafft werden könnte. Ein ebenso großer Mißgriff ist eS — und er kommt sehr häufig vor — wenn man die an den höheren Schulen geübte Unterrichtsmethode dafür verantwortlich macht und so thut, als ob die Lehrer lauter gedankenlose Pedanten wären, die auS dem gewohnten Geleise einer verrotteten Lehrweise nun und nimmer herauS- kommen könnten.
Die Ursachen der Ueberbürdung liegen viel tiefer, und ihre Beseitigung ist viel schwieriger, als man in vielen dieser Laienartikel annimmt; die Ueberbürdung ist eine im Laufe eine« halben Jahrhunderts eingewurzelte schwere Krankheit an unserem Unterrichts-, ja an unserem Nationalorganismus, deren Heilung darum nur eine sehr allmälige, langwierige sein kann. Erinnern wir unS an die Genesis der jetzt bestehenden UnterrichtSverhältnisie, so stellt sich heraus, daß der Zustand der Hypertrophie, in welchem sich das heutige höhere Bildungswesen befindet, hervorgerusen worden ist durch die Entstehung einer neuen Art der höheren Bildung neben der althergebrachten, durch den Kampf dieser beiden Bildungsarten und durch ihren Wetteifer, sich an Leistungen zu überbieten. Weil zu den alten Bildungselementen eine Menge neuer hinzutraten, ohne daß der Umfang und die Bedeutung jener wesentlich beschränkt worden wäre, so mußte als notwendiges Resultat dieses Prozesses die Ueber- lastung der höheren Schuljugend mit Arbeiten eintreten.
Der uralte gesunde pädagogische Grundsatz — wenn man viel lernen wolle, müsse man nicht vielerlei auf einmal lernen, denn da- wäre eben wenig — ist seit langer Zeit außer Gebrauch gesetzt worden. Das kranke Vielerlei überwuchert das gesunde Viel überall.
Diese Wahrheit ist ebenso wenig allgemein verkannt, als sie neu ist. Sie hat nur kürzlich an einer hervorragenden und maßgebenden Stelle einen vortrefflichen Ausdruck erhalten.
„In früherer Zeit", sagt der sächsische Kultusminister, Herr v. Gerber, in der Kammersitzuug vom 11. Januar 1882, „betrachtete man die Bildung auf dem Gymnasium als eine einfache wissenschaftliche Vorbereitung, zu dem Zweck, die allgemeine geistige Befähigung zu entwickeln, damit der junge Mann dann, wenn er zur Universität übertrat, fähig wäre, nunmehr sein Fachstudium zu ergreifen.....Ich glaube, daß in dieser Beziehung ein
Umschwung der Ansichten eingetreten ist; so wie ich die Dinge beurteile, hat man die Meinung, daß man vom Lernen aus dem Leben nicht» mehr erwarten, daß vielmehr die Schule schon alles bringen solle. Die Schule soll alles antizipieren; was der Mensch irgend einmal wiffen, was er irgend einmal lernen muß, soll er schon in der Schule lernen, womöglich soll man aus der Universität schon als fertiger Regierungsrat herauStreten, mit einem Wort, als
hessische« Zeitung nebst Illustriertem Sontttagsblatt werden noch von allen Post- gnstalten wie auch von der unterzeichneten Ex- vedition angenommen.
? Die Exped. der Oberheff. Ztg.
zu häufig damit, das Faktum der Ueberbürdung entweder I« bestreiten oder doch herabzumildern. Auf diesem Wege lann nun aber die Sache unmöglich sehr gefördert werden. Die Laien, und speziell die Aerzte, sind ja zweifellos kompe- tent, auf Grund der gesundheitlichen Erscheinungen, welche in ihrer Praxis an einer Reihe von Schülern höherer r Eonai Lehranstalten zutage treten, das Faktum der Ueberbürdung Wzustellen. Sie können die Symptome des Krankseins nnchweisen — sobald sie sich aber daran begeben, die Ur- Ischen der NeberbürdungS-Krankheit aufzudecken — und ohne die Kenntnis feiner Ursachen ist ja kein Uebel zu heben — machen sie oft die seltsamsten Uebergriffe. Ei» Mißgriff ist eS, wenn man die Ueberbürdung allein der
erstand, ilerin « Blume«
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bet preußischen Regierung, wenn auch in etwa« anderer Form, in Aussicht genommen, vom Abgeordnetenhause freilich durch Ablehnung des betreffenden Etatspostens unmöglich gemacht worden.
3-f. if ( Zn der NeberbürdungS - Litteratur drängen sich dem J7'7"W kundigen Beobachter zwei Erscheinungen auf, dir dem be- "! handelten Gegenstände nicht zum Vorteil gereichen. Einer-
*1.° ~?tf feit» rühren diejenigen Artikel, welche gegen die Ueberbür- i|ten $(uf glg c|n unbestreitbares Faktum ankämpfen, meist von . .. ■ Säten her, die ihre Kompetenz auf weiter nichts als auf ruitebetia Erfahrungen gründen, die ste felbst einmal als Schüler einer höheren Schule gemacht haben oder an ihren eigenen h_____ und fremden Kindern noch machen. Andererseits beschäf
tigen sich die von Fachmännern ausgehenden Erörterungen
Otf&tint täglich außer an den SBerttaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirte« SotMtagSblatt- durch die Expedition (Ä 0 ch'fche Buchdruckerei) bezogen 21/« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Wg. Für in der Expedition zu ertheUende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.
Einen beachtenswerten Beitrag zur Klärung dieser Frage finden wir in einer von Dr. Heinrich Lacher verfaßten ,„d in der Sammlung „Deutsche Zeit- und Streitfragen" sWrgang XII, Heft 183) erschienenen Abhandlung. Das Wen, die Stellung und die Erfahrungen des Autors bürgen dafür, daß er zur Sache zu sprechen legitimiert ist; Ldrigens sind bereits fruchtbringende Anregungen von ihm ssgegangen, namentlich sind zwei seiner Forderungen von autoritativer Seite als berechtigt anerkannt worden. DaS m ihm geforderte Arbeitsmaß für die verschiedenen Altersstufen der Schüler entspricht vollständig demjenigen, welches drs Gutachten der medizinischen Sachverständigen - Kom- er Be- E<vn in Elsaß - Lothringen mittlerweile aufgestellt hat. '" " um, die von ihm verlangte pädagogische Prüfung der Schul-
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ITOV cn oer Zigeunerin, cv ivniiic ucu wiuuvjujj |unw rlnnoE ^Ims, die Eitelkeit und die stolze Zurückhaltung nicht
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Gottfried ließ ihn lachend au» Miß DouglaS Dose schnupfen, die allgemeine Sensation hervorrief. Der Alte b«t ihm sofort zwei halblahme Hunde dafür, und als dies "icht verfing, einen einäugigen, schäbigen Affen. DaS edle ibigebot wurde zurückgewiesen, und die Knaben wollten in das nahegelegene Wirtshaus sich verfügen, als die Ägtunermutter erschien und ihnen trotz alles Protestierens 688 der Hand wahrsagte.
„Meine blanken Knaben," hob die zahnlose Alte mög- >'ch feierlich an, „Ihr werdet nicht von der alten Gurda Sehen, ohne daß ste Euch Glück und Segen welffagt."
Das war bei den jungen Wanderern neu und Gotthold M sofort feine Hand hin mit den Worten: „Nun, so N mir einfach, ob ich eines TageS reich fein werde, das toügt mir."
, »Hm, Hm," machte die Alte, „Du machst viele An- »'küche, laß einmal sehen."
Sie studierte mit gut gespieltem Ernste die schmale und sagte mit heiserer Stimme, die fich wie ein Aucht gelerntes Recitativ auhörte: „Die LebenSlinle ist Z9*88 kurz, aber sie geht gerade aus, und so wirst Du M gehen, ein klares, aber kaltes Ange und kaltes Gold in ^fle.... Du wirst vieles erlangen und doch — nicht«."
Sie Heß feine Hand lo« und Gotthold wußte nicht, 88 er aus dem Orakel machen sollte.
Nur mit Widerstreben ließ Gottlob feine Hand in der SMigen der Zigeunerin, er konnte den Grundzug feine»
„©Ine feine Hand," bemerkte die Alte, „sie taugt nicht zur Arbeit, aber den Bogen kann ste führen."
„DaS ist nichts neues, Alte," sagte unwillig der Knabe.
„Kommt schon noch," kicherte Gurda.
„Du wirst viel von der Welt sehen und sie doch erst spät kennen lernen. An Deinem Himmel sind viele Sterne, aber ste sind kalt. Hüte Dich vor den Allgensternen, ste sind heiß. DaS Ende weiß ich nicht." Sie brach kurz ab.
„Recht hübsch dämmerig," sagte Gottfried, der ein Ironisches Lächeln nicht von den Lippen brachte. „DaS Orakel von Delphi kann sich von Dir heimgeigen lasten, Gottlob. Aber doch ist ein gewisser Ginn darin. Da, meine Hand, ich muß doch auch ein Sprüchlein hören."
Er gab der Zigeunermutter die Rechte und schaute ihr mit seinem treuherzigsten Lächeln ins Gesicht. Sie studierte kurz die frischen Züge deS Knaben und bann ernsthaft seine Hand.
„Ein seltsames Menschenkind," sagte sie bann. „Er will einen schweren Lebensweg unb weicht ben Steinen nicht au». Er geht langsam vorwärts, et sammelt bie Steine unb schleppt ste mit. Aber er lernt daraus ein Haus bauen unb was er nicht erwartet, kommt ihm von selbst und ist sein Heil. ES werben manche Deinen Schatten suchen, bie Dich im Glanze nicht sahen. Gott segne Dich, mein Sohn!" — „Ein paar Kreuzer," fuhr sie unvermittelt fort, „die alte Gurda weiß nichts mehr, aber sie ist arm, obwohl ste Glück verkünden tarnt."
Die Knaben gaben etwas von ihrem Wenigen, Gotthold natürlich am wenigsten, und verabschiedeten sich etwa» beklommen.
„Gute Nacht!" rief die braune Maja und sang mit