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Marburg, Freitag, 6. Juli 1883

XVffl. Jahrgang.

elnreigea nimmt entgegen! di-Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux 1 Th. Dietrich u. Co. in gaff-, und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; fWenftetn u. Vogler in ffankfurt a. M-, Berlin. 8.5.jg, Köln ic.; Rudolf We m Berlin, Frank- ' " futt a. M. ic-

WcheUchk Zeitmz

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von @. 2. Daube u. Co. in

Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; L Schlotte in Bremen.

»rscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrtrtes SoMtlagSLlatt" durch die Expedition (R o ch'fche Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches « Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ercheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Die Thütigkeit des Abgeord«eteuha»ses.

Die am Montag geschlossene Session deS Landtages resp. des Abgeordnetenhauses gehört zu den ausgedehntesten, die je in Preußen stattgefunden haben. Nur die Session von 1871/72 in welcher die KreiSordnung beraten wurde, aber nicht zu stände kam, hat etwa ebensolange gedauert, sie wurde auch erst im Juli vertagt und schon im Oktober wieder eröffnet. Die neueste Session hat am 14. Nov. 1882 begonnen und das HauS hat, die Sonn- und Festtage, sowie die Zeit der offiziellen Vertagung und der Ferien abgerechnet, 137 Tage gesessen. ES haben 91 Plenar­sitzungen, darunter 4 Abendfitzungen, stattgefunden, und wohl noch niemals zuvor sind die Plenarsitzungen so ununter­brochen aufeinander gefolgt; es war sonst immer üblich, in der Woche einen oder zwei Tage sitzungsfrei zu laffen. Die Abteilungen deS HauseS haben 19 Sitzungen gehabt, und 244 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen, 260 Sitzungen der Fraktionen haben stattgefunden. Außer dem Etat sind dem Abgeordnetenhause 25 Gesetzentwürfe zugegangen, davon 20 direkt, 5 vom Herrenhause. Von diesen 25 Gesetzentwürfen sind 3 durch Einfügung in andere Gesetze erledigt worden, nämlich die Kölner Bahnhofsvorlage und die Eiselbahn durch Einfügung in die Sekundärbahn- vorlage, das Gesetz über die Verwaltungsgerichte durch Ver­schmelzung mit dem über die allgemeine Landesverwaltung, 19 Gesetze sind durch das Abgeordnetenhaus und Herren­haus angenommen worden, von den 3 übrigen Gesetz­entwürfen ist die Kanalvorlage vom Herrenhaufe abgelehnt worden. Das Gesetz über die Behandlung der Schuloer- säumnifle und das Hundesteuergesetz find unerledigt geblieben, oder wie der technische Ausdruck lautet, unter den Tisch gefallen. DaS Hundesteuergesetz hat dieses Schicksal nun schon zum zweiten Male erlitten. — Selbständige Anträge von Mitgliedern des Hauses sind 8 eingebracht worden; zu dreien sind Resolutionen gefaßt worden, nämlich zu dem Anträge Windthorst über daö Freigeben deS Sakramente­spendens und Mesfelesens, ferner zu einem Anträge Köhler, die Gerichtskostenverwaltung wieder den Gerichten zurück­zugeben, und schließlich eine Resolution über die Herab­setzung des JmwobilienstempelS. Interpellationen sind drei gestellt und von der Regierung beantwortet worden, zwei von den polnischen Abgeordneten über Schulangelegenheiten und eine über die Einführung einer neuen Hypotheken-

Aestellungen auf das dritte Quartal der Ober- v hessischen Zeitung nebst Illustriertem Sonntagsblatt werden noch von allen Post­anstalten wie auch von der unterzeichneten Ex­pedition angenommen.

Die Exped. der Oberhess. Ztg.

6 Drei Brüder.

Sine Geschichte aus dem Leben von August Butsch er.

Alle lachten heiter, außer Gotthold, der sich verächtlich abwandte und zu dem verlaffenen Bilderbuche zurückkehrte.

„Und Du Gottfried?" fragte der Hauptmann weiter. „Ich bin begierig, waS Du Dir ausgesucht hast. Deiner vorigen Antwort nach darf man gespannt sein."

Der Angeredete lächelte in seiner behaglichen Weise und «widerte: „Ich will ein Lehrer werden, und zwar einer auf dem Lande, der bei seinen Blumen bleiben kann und bei seinen Büchern, bei den guten Leuten und in einem kleinen Hause mit Reben und grünen Läven."

„Ganz poetisch gemalt," sagte nachdenklich der vornehme Pathe, aber erwartet hätte ich das nicht."

„Ich auch nicht," fuhr Vater Schön auf. „Du bist doch noch der einfältigste von allen. Ein Mann mit zwei­hundert Gulden Gehalt, eine Stube voll Kinder, nichts zu nagen und nichts zu beißen, der Sündenbock von Pfarrer und Gemeinde, der Stiefelknecht für die ganze Welt — da möchte doch der Blitz dreinschlagen l"

Er vergaß stch so, daß seine sehnige Faust dröhnend auf den Tisch niederfuhr.

, „Ich bitte um Verzeihung," sagte er aber sofort zer­knirscht und schwieg dann nachdenklich.

Der Hauptmann lächelte still, die Gespielen aber sahen wit einer Mischung von Mitleiden und Verachtung auf den blonden Gottfried, der ein Schulmeister werdm wollte.

Dieser aber blieb vollkommen ruhig und sagte in seiner altklugen Weise: „Der Herr Pfarrer hat mir gesagt, daß bald eine bessere Zeit für die Lehrer kommen werde und ,^ß man bei bescheidenen Ansprüchen in einem kleinen

ordnung für die Rheinprovinz. Petitionen sind 1400 etn- gegangen und davon 13 zurückgezogen. Von verschiedenen Kommissionen sind darüber 57 schriftliche Berichte erstattet und 43 mündliche Berichte vorbereitet worden, von denen 29 schriftliche und 20 mündliche im Plenum erledigt worden sind. Von den Petitionen sind 317 zur Erörterung im Plenum nicht für geeignet erachtet, 26 durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, 98 der Negierung überwiesen, 422 durch Annahme von Gesetzen oder Resolutionen für erledigt erklärt worden; 277 Petitionen sind unerledigt geblieben, doch haben sich wenigstens die Kommissionen mit denselben beschäftigt.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Juli. Der „Reichsanzeiger" meldet: Gestern haben im Reichsamte des Innern unter dem Vorsitze deö Staatsministers v. Bötticher kommiffarische Beratungen der beteiligten Behörden Preußens und deS Reichs über Maß­regeln gegen die Einschleppung der Cholera stattgefunden. Die Kommission, an deren Beratung auch der Minister v. Goßler teilnahm, empfahl, in dem amtlichen Teile deS „Reichsanzeigers" regelmäßig die neuesten Nachrichten über den Stand der Cholera zu veröffentlichen, ferner darauf htnzuwirken, daß die Zufuhr neuer infizierter Transporte nach Egypten, sowie der Austritt von der Cholera ver­dächtigen Personen aus Egypten gehindert werde; endlich anzuregen, daß die Regierungen der deutschen Seeufer- staaten schleunigst eine ärztliche Kontrolle aller einlaufenden Schiffe und verdächtiger Provenienz ins Leben rufen. Der „Reichsanzeiger" macht bekannt, daß auf Veranlaffung deS Reichsgesundheitsamtes die amtlichen Choleranachrichten fort­an im „Reichsanzeiger" veröffentlicht werden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." fchreibt: Während des Urlaubes des Fürsten Bismarck dürfen demselben weder amtliche, noch nichtamt­lich« Schriftstücke vorgelegt, noch nachgesucht werden; eö ist deshalb auf eine Beantwortung nicht zu rechnen. — Nach der Allerhöchstenorts genehmigten Instruktion zur Verhütung von Flurbeschädigungen durch daS Publikum rc. werden zur Unterstützung der Landgendarmen bei Gelegen­heit der größeren Truppenübungen Unteroffiziere und Ge­freite der Kavallerie zur Bildung von Gendarmericpatrouillen kommandiert. Der Zweck dieser Patrouillen ist zunächst, daS den Truppenübungen zuschauende Publikum von dem Betreten bestellter Fluren zurückzuhalten, beziehungsweise demselben geeignete Aufstellungspunkte anzuweisen. Außer­dem liegt den Patrouillen ob, die Ordnung der mar­schierenden Truppenbagage, der Wagenkolonnen mit BtvouakS- bedürfnissen zu kontrollieren und sonstige, dem Feldverhält- nisse entsprechende Poltzcidienste zu verrichten. Diese Pa­trouillen bestehen in der Regel aus 3 Mann, und zwar auS: 1 berittenen Landgendarmen als Führer, sowie 1 Unter­offizier und 1 Gefreiten der an den Truppenübungen teil­

nehmenden Kavallerie-Regimenter als Begleiter deS Ersteren. Als besonderes Dienstabzeichen legen die kommandierenden Mannschaften zum Waffenrock rc. wie zum Mantel einen Ringkragen von weißem Metall an, auf welchem sich zwei heraldische Adler in Gelb befinden. Die Mannschaften haben, sobald sie zur Wahrnehmung deS Polizeidienstes auftreten, stets im Dienstanzug mit obigem Ringkragen zu erscheinen. Die kommandierten Mannschaften haben die­jenigen polizeilichen Anordnungen mit zu befolgen, welche der Landrat den zu diesen Patrouillen kommandierten Gendarmen innerhalb fehlet Kompetenz zu erteilen für nötig erachtet. Werden, wie bei den großen Herbstübungen, Gendarmen auS verschiedenen Kreisen kommandiert und unter Aufsicht von Gendarmerie-Offizieren verwendet, so gehen die den Patrouillen zu erteilenden Anordnungen von diesen Gendarmerie-Offizieren auS; hat aber eine solche Abkommandierung von Gendarmen für Manöverzwecke nicht stattgefunden, verbleiben letztere vielmehr in den von den Manövern berührten Kreisen zur Verfügung der betreffenden Landräte, so haben auch die zur Unterstützung dieser Gendarmen kommandierten Unteroffiziere und Gefreiten den seitens des betreffenden Landrats an fie ergehenden Weisungen nachzukommen. Bezüglich deS Einschreitens gegen Unordnungen der marschierenden Truppenbagagen rc. find indessen lediglich die militärischerseits gegebenen Wei­sungen maßgebend. Nach Schluß der täglichen Uebungen treten in der Regel die zur Unterstützung der Gendarmen kommandierten Mannschaften unter den direkten Befehl deS leitenden Truppenkommandeurs zurück, um erforderlichen Falls noch zu militärpolizeilichen Diensten in denBivouakS und Kantonnements verwendet zu werden. Eine Verwen­dung zu Ordonnanzdiensten bleibt indeffen ausgeschlossen. — Einem Artikel der „Kreuz-Ztg." ist über den Umtausch der alten ReichSkassenscheine gegen die neuen zu entnehmen: Der gesamte Umlauf an alten und neuen Reichskaffen- scheinen stellte stch Ende Mai d. I. in Abschnitten zu 50 M. auf M. 105 927500, in Abschnitten zu 20 M. auf M. 23718060, in Abfchnitten zu 5 M. auf M. 18859330, zusammen M. 148504890. Da die neuen 20M.-Scheine im Gesamtbeträge von M. 10 000 000 vorauöfichtlich bis Ende d. M. vollständig in Umlauf gesetzt sein werden, so kann von da ab ein Umtausch der alten 20 TM.« Scheine nur gegen neue 50 M.-Scheine erfolgen. Nach den seit dem BundeSratSbeschlusse vom 25. Juni 1881 gemachten Erfahrungen legt das RetchSbank - Direktorium indessen Wert darauf, daß die Reduktion der 20-Mk.-Scheinr auf den Betrag von 10 000 000 Mk. hinauSgeschoben und noch ein erhöhter Betrag von diesen Scheinen in Umlauf er­halten wird. Vom Standpunkte der Reichsfinanzverwaltung besteht kein Bedenken, diesen Wunsch des Reichsbankoirek- toriumS in der Weise zu berücksichtigen, daß die Reduktion der 20 - Markscheine zunächst nur bis zum Betrage von

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Kreise am glücklichsten werden könne — glücklich will ich einmal werden, daS habe ich mir in den Kopf gesetzt."

Er sagte es mit einer Entschiedenheit, die seltsam frap­pierte und keinen Widerspruch mehr hervorrief.

„Da hat eS die kleine Frida doch am besten," meinte jetzt Miß DouglaS mit schnarrender Stimme, „sie braucht nichts zu werden, sondern nur etwas zu sein."

„Und doch will ich etwas werden," widersprach daS eigensinnige Kind. „Ich will eine große Dame werdm, wie eine in meinem Buche gemalt ist, mit einem Hut und Schleier und einem Fächer, mit dem man so macht, steh, Papa. Da nehmen alle Männer den Hut ab."

„Und den Kopf," murmelte der Schloßherr, dem diese Frühreife nicht gefiel. „Aber e» ist spät."

„Gehen wir," mahnte Schön, nachdem et sein Glas noch einmal bis auf die Neige geleert hatte. „Den heu­tigen Abend gebe ich nicht um dm schiefen Turm in Pisa. Ein bischm Steiget und viel Vergnügen. Profit neues Iaht, daS alte war schlecht genug I"

Sie schieden.

2. In die Fremde.

Nur durch einen niederen Abhang von der Kirche ge- trmnt, lag sonnig und blank in einem Garten daS Pfarr­haus, das Bild deS Friedens. Den Abhang hinunter zogen sich blühende Hollunderbüsche und schauten noch neugierig hinüber über den grünen Staketenzaun, der daS schöne Daheim deS Pfarrers umfriedigte. Sie schautm wohl neidisch hinüber nach der Blummpracht, die sich drüben aufthat. Der Garten war ein Ensemble von Farben und Formen, wie nur Natur und Kunst ein« zu schaffen ver­mögen. Um die Fenster zogen stch herrlich blühende

Geranien, Fuchsten, Pelargonien und viele, viele andere, deren Namen niemand kannte. Um die zwei Erkertürmchen, die dem Hause das Ansehen eines Schlößchens gabm, zog sich kraftvoll aufstrebend dunkler Epheu. Ein poetischer Freund des Ortspfarrers hatte dem glücklichen Inhaber deS Mintaturschlosses den Namen „der Pfarrer von der Blumenburg" gegeben, und nichts konnte treffender fein, als diese Bezeichnung.

Der Frühling war dreimal gegangen und gekommen, feit wir die Drillinge kennen gelernt, und eS waren auch schöne Drillinge gewesen.

Hinter dem Hause lag still wie ein große», klares Buge ein kleiner Teich, reich umkränzt von lieblichen Blumen, unter denen das Vergißmeinnicht am lautesten zum Ange sprach.

Zwei Schwäne segeltm ruh und an einer dünnen Kette 1 gleichsam geweckt von den lei gang der Schwäne erzmgte.

ES war ein Bild voll anmutenbet Schönheit, voll klarer Ruhe, ein Daheim, das leinen Wunsch aufkommen ließ, als dm, da leben und sterben zu können.

In einer niedlichen Laube, von der aus man all diese Schönheiten genießen konnte, saß an dem Morgen, den wir meinen, der Pfarrer von der Blumenburg, eine große, korpulente Gestalt mit einem fleischigen Gesicht, aus dem zwei gutmütige klare Augen leuchteten. Das kurzzeschnittme graue Haar verlieh ihm etwas Würdiges, und ein rundes Sammeckäppchm, das den „Mondschein" verbarg, vervoll­ständigte diesen Eindmck.

(Fortsehuus folgt)

g auf dem bläulichen Wasser chaukelte ein kleiner Nachen, en Wellen, die der Ruder-