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Marburg, Dienstag, 3. Juli 1883.

xvm. Jahrgang.

Gotthold schloß indessen alle Thären, untersuchte die Fenster und hatte eine besorgte Miene angenommen, al« ob Gott weiß was gestohlen werden könnte.

Jetzt ging- tripp trapp den Schloßberg hinauf. Der Sturm hatte sich gelegt und vom Himmel Lugten einige freundliche Sterne.

Im Schloßhofe war es stille wie auf einem Friedhöfe und die kahlen Bäume und Sträucher starrten dunkeln Monumenten ähnlich gegen den Nachthimmel, während da« Gemurmel de« Röhrenbrunnens sich auhörte wie unermüd­liches Gebet.

Ein Diener mit einem AlltagSgeflcht leuchtete den An- gekommenen nach dem Erker mit dem trüben Lampenauge, das sich freilich sehr vergrößerte und erhellte in dem be­haglichen Raume, den sie betraten und tu dem sich der Schloßbefltzer Hauptmann a. D. von Weißdorn mit seinem achtjährigen Töchterchen Frida und deren Erzieherin Miß DouglaS befanden.

Man begrüßte sich herzlich, denn hier, wett von dm Cmtren der sogn. „feineren Gesellschaft", gab man sich so natürlich wie möglich, obwohl sich die StandeSunterschiede keineswegs verwischten. Das gab ter natürliche Takt, dm man nicht gerade suchte, aber doch fand. In der Mitte des geräumigm Erker- f and, metallisch glänzend, rin herr­licher Flügel, den Gottfried nach dem Schloßherr» zuerst begrüßte, und wie schmc chelnd über seine Tasten fahr. Die übrige Einrichtung war mehr behäbig al- reich und paßte ganz zu dem würdigen Wesen de- Hauptmann«, der an der Schwelle des Greisenalter« zu stehen schien.

(Fortsetzung folgt-j

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«chmen nicht geschädigt werden. Es sei auch nicht richtig, «6 tie Eisenbahnen allein den Aufgaben deS Verkehrs Piügen könnten. Der Dau von Kanälen schließe übrigens

den Bau von Sekundärbahnen ja nicht aus. In bezug auf die Niedrigkeit der Frachtsätze müßten die Eisenbahnen stets hinter den Kanälen zurückbleiben. Wasser- und Land­straßen seien auch ebenso wie Posten und Telegraphen nicht in erster Linie als Finanzquellen des Staates anzusehen. Die StaatSregterung sei der Meinung, daß für Landwirt­schaft, Handel und Industrie die Kanalbauten gleichmäßig wohlthättg wirken werden, und daß die großen Ausgaben, welche für die natürlichen Wasierstraßen gemacht werden, erst durch die künstlichen Wasierstraßen recht fruchtbringend gemacht werden würden. Der vorliegende Kanal habe den großen Wert, daß er, obwohl als Teilstrecke eines größeren Ganzen gedacht, doch auch in seiner Beschränkung schon von großem Nutzen für die Montanindustrie, nicht minder aber auch für die Land- und Forstwirtschaft sein werde. Die Frage, in welcher Richtung der Kanal fortzusetzen sei, bleibe vollständig offen. Die vorliegende Linie sei in jedem Falle nötig. Die Vorlage würde dem materiellen Wohle deS ganzen Landes zu gute kommen, die Staatsregierung hoffe daher, daß das Herrenhaus die Wirtschaftspolitik auch in dieser Frage unterstützen werde.

Inzwischen ist von dem Fürsten Hatzfeldt rin An­trag eingebracht: „Zur Zeit den Bau eines SchiffahrtS- kanals zur Verbindung deS Rheins mit der EmS, Weser und Elbe abzulehnen; dagegen die königl. Staatsregierung zu ersuchen, den Plan zu einem die Monarchie von Osten nach Westen durchziehenden einheitlichen Kanalnetze dem Landtage vorzulegen und die Mittel dazu in einer Anleihe aufzubringen. "

Graf Brühl bittet die Vorlage abzulehnen, dieselbe würde die Einleitung zu unabsehbaren Lasten für den Staat sein. Bezüglich der technischen Seite der Vorlage ständen sich die Urteile diametral gegenüber. Beachtenswert sei aber, daß auch Herr Krupp in Esien ein Gegner dieses Kanals und daß ebenso die Landwirte Westfalens denselben nicht wollten. UebrigenS stelle sich die ganze Vorlage mit Rücksicht auf den § 2 (Grunderwerb) doch lediglich als ein Projekt hi».

Herr Lindemann (Ober-Bürgermeister von Dort­mund) betont, daß auch die Kommission dieses Hauses prinzipiell sich keineswegs gegen den Kanalbau ausgesprochen habe; im übrigen widerlegt er eingehend die Gründe, welche gegen die Vorlage nach verschiedenen Richtungen gemacht werden. Die Genehmigung der Vorlage bedeute eine posi­tive Unterstützung der von dem Herrn Minister-Präsidenten inaugurierten Wirtschaftspolitik.

Der Referent Herr Stumm erklärt, daß in der Kom­miston die prinzipielle Stellungnahme zu der Frage der Kanalbauten festgestellt sei.

Herr v. Bethmann-Hollweg erklärt sich gegen die Verlage und bittet, event. dem Amendement Hatzfeldt zuzustimmen.

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Tret Brüder.

<8ine Geschichte au« dem Leben von August Butsch er.

lachen. „Die Welt ist groß, nicht wahr, Gotthold? Wir reisen mit Deinem Robinson in die weite, weite Welt und suchen Glück und Ehre, während Gottfried die Gänse hütet."

„Nicht übel," spottete der letztere. „Du schaust in die Wolken und fällst über Steine und Wurzeln, Gotthold schaut nach den Goldklumpen im Sande und vergißt den Himmel dabei. Ich aber —*

„Nun?" höhnte Gottlob.

„Ich schaue nach allen Seiten, auf die Gänse und auf die Leute, wünsche nicht viel und habe dann immer genug."

„Philister, sagen die Studenten," lachte Gotthold und blätterte in den Noten, die er mitgebracht hatte.

„Still da, befahl der Vater und klopfte mit dem Knie­riemen auf die fettige Hose. „Macht Euch fertig, wir müsien alle um 8 Uhr aufs Schloß. Euer Pathe, der gnädige Herr Hauptmann, will mit uns musizieren."

„Bravo," jubelte Gottlob und schlug ein Triller wie eine Lerche.

„Das ist schön," sagte befriedigt Gottfried, „kann ich doch wieder einmal auf seinem schönen Klavier spielen."

„Und ich seine Bibliothek ansehen," setzte Gotthold bei und klappte rasch sein Buch zu. „Schöne Einbände, eng­lische Leinwand, Leder und Sammet."

„Du schaust sie außen an, ich möchte sie lieber lesen," lächelte Gottftied und bürstete seinen SonntagSrock, während GotÜob sein üppiges Haar kämmte.

Der Vater stand bald im SonntagShabit da — kurze Hosen, weiße Strümpfe, Schnallenschuhe und schwarzes Sammetkäppchcn — das Gesicht in feierliche Falten gelegt, und hielt zärtlich sein altes Violoncell im Arme, während Gottlob zur Geige griff und Gottfried die Noten zu- samwenband.

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Herr Ada mS bemerkt, daß der Referent in der Kom­mission da» benützte Zahlenmaterial selbsi als unzuverlässig bezeichnet habe, wie da« auch von demselben heute erklärt sei. Aber unter solchen Umständen könne eS auch nicht gerechtfertigt erscheinen, aus diesem Material die Berech­nungen anzustellen und die Konsequenzen gegen die Vor­lage zu ziehen, wie sie der Bericht enthalte. — Daß dir Wasserstraßen den Eisenbahnen Konkurrenz machen, be­streitet er entschieden. Die Fracht auf den Wasierstraßen werde immer billiger sein als auf den Eisenbahnen. Die Eisenindustrie müsie allerdings naturgemäß gegen den Kanalbau sein. Im übrigen dürsten doch nur die allge­meinen Jnteresien bei der Inangriffnahme eine« solchen hochwichtigen Unternehmens maßgebend sein. Wo der An­fang zu machen, könne man vertrauensvoll der Regierung überlasien; dieselbe werde auch wohl erwogm haben, ob das Land die finanziellen Lasten zu tragen im Stande sei. Er bitte daher, die Vorlage anzunehmen.

Fürst Hatzfeldt begründete darauf seinen oben mit­geteilten Antrag. Die Zusagen der Regierung «egen der Fortsetzung des gegenwärtigen Kanalprojektes könnten nicht genügen.

Staatsminister v. Boetticher spricht zunächst sein Bedauern aus, daß der Herr Minister für Handel und Gewerbe durch seinen Gesundheitszustand verhindert sei, die Vorlage persönlich dem hohen Hause zu empfehlen. Die Staatsregierung stehe der Vorlage unverändert wie früher gegenüber. Die Gerüchte, daß das Ministerium in dieser Frage nicht ganz einig sei und rin Mitglied des­selben die Abweisung der Vorlage wünsche, sei vollständig unbegründet. Namentlich seien auch der Minister der öffentlichen Arbeiten trotz der möglichen Konkurrenz, welch« die Kanäle den Eisenbahnen bereiten könnten, vollständig für die Vorlage. DaS Zahlenmaterial hätte der Bericht bester aus offiziellen Daten genommen. Er gebe übrigrn« die Rentabilitätsberechnung ganz prei«. Für dir Re­gierung handle es sich nicht um die finanziell günstigen Resultate dieses Kanals, sie halte seinen Bau für zweck­mäßig, auch dann, wenn der Staat sollte noch einen Zu­schuß gewähren müsien. ES handle sich im allgrmrium mit der Vorlage um den Schutz der rheinisch-westfälischen Industrie, um Erweiterung des Arbeitsmarktes, um För­derung des sozialen Friedens. Auch vom Standpunkte der Reichspolitik empfehle sich die Annahme der Vorlage, denn Preußen könne unmöglich von anderen Bundesstaaten auf Grund deS Artikel 4 der Verfasiung die Ausführung ähn­licher Unternehmungen verlangen, wenn es selbst nicht in gleicher Weise vorgehr. Die Vorlage sei rin wesentlicher Fortschritt auf dem Wege der vom Reichskanzler aus Be­fehl Sr. Majestät inaugurierten Wirtschaft-- und soziale» Politik, und die Regierung vertraue, daß daS Herrenhaus auch hierbei ihr die Unterstützung nicht versagen werde.

- .Er ist immer ein wenig verrückt, meinte sarkastisch vci um»?. „Wenn man ihn lobt, so rappelt eS ’M bei ihm. Der Herr Pfarrer, dem wir daS neue Jahr Ostungen haben, hat seine Stimme „ein Ereignis" ge- — ad (L.nnt' und jetzt meint er schon, der ganze Mensch sei ein L^HNis und eS müsie sich nächstens etwas ganz Wunder- _ L mit ihm «eigenen."

»Wer weiß?" machte Gottlob mit einem hellen Auf-

»n,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Snu-ncen-Bure«ux von ®. 8. Daube u. Co in Frankfurt a. M; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermausche Buchhandlung daselbst; Dwalibendank in Berlin: W. Thiene« in Merfeld: 6. Schlotte t* Bremen.

:epair! mommett sei, mit vereinzelten Ausnahmen vom ganzen _ - laufe angenommen sein würde, wenn im Gesetz selbst die 3 Zi°- orlsetzung des Kanals nur nach dem Rhein und der im 1.8 ittleren Weser und Elbe ausgesprochen wäre. Eine andere Erteilung habe die Vorlage in der Kommission dieses

[ laufe« gefunden, deren Referent sich bereits bei der EtatS- ; ttaiung gegen die Zweckmäßigkeit von Kanalbauten auS- ,'lcnbi Krochen. Die StaatSregterung habe indes die Hoffnung, llchc,! ch dieses hohe Haus sich dem Votum deS anderen HauseS

da« mit dem 1. Juli begonnene III. Quartal werden I eon der Expedition, sowie auch von allen Postanstalten

-■ ’t£t£n Landpostboten angenommen.

Berlin, den 30. Juni.

-r» der heutigen (18.) Plenarsitzung deS Herren- Je« wurde zunächst eine Petition, die Beschäftigung (Berh t Staatsbeamten an Sonn- und Feiertagen auf daS noaste Maß einzuschränken, um ihnen die Erfüllung der Reise t Mosen Pflichten zu ermöglichen — ohne Debatte , dem und» «trage der Petitionskommission gemäß, der StaatSregte- M Mr Erwägung überwiesen.

Demnächst kam die Kanalvorlage zur Verhandlung; !i Berichterstatter Herr Stumm nahm zunächst aus der sieni einaegangenen Petition des Kanajkomitees zu Münster a der 8 iib deS Ober-Bürgermeisters Fürbringer Veranlasiung, die i derselben gegen die thatsächlichen Behauptungen deS Be- M enthaltenen Angriffe in allen 14 Punkten zu beleuchten, I «nhi ft zu widerlegen; die statistischen Zahlen deS Berichts Lim zmn guten Teile gerade solchen Schriften entnommen, Ifhin He dem Kanalban günstig sind.

'.*VWI Ministerialdirektor Schultz hob hervor, daß im Ab- mditetenhause gegen die Opportunität der Kanalbauten fehlt bi berhüupt, abgesehen vom Abg. Frhrn. v. Minntgerode, ’ M Bedenken laut geworden und daß auch gegen die vor- ei egenbe Linie an sich Bedenken nicht erhoben seien, daß ,i >zor tie Vorlage, die dort jetzt mit 2h Majorität an-

Äomen-Sureaut

("Dietrich u. Co. in

* jtMn -c-r Rudolf

Br'in Berlin, Frank- %rt a- ,c-_____________

aufin ... ben Werktaaen nach Sonn- und Feiertagen. Prei» für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SomrtagSblatt" durch die Hpsdition (fl 0 ch'sche

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55 Für in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Pf«, berechnet.

a®er es schien ihm nicht so sehr ernst mit seiner Strenge, * *$« er lächelte fast dabei.

Zinseb „Gi i,i imuiri )eti ® Otfried, der dritte.

Pt6t 1 Gießen werde. Gestützt auf theoretisch« und praktische ergasf! Gerungen habe sie die Ueberzcugung, daß neben den J* fisiubohnen und Landstraßen die Herstellung von Kanälen 5 Sinn u uns ebenso, wie in anderen Ländern, notwendig sei. mdM lie Eisenbahnen würden durch die Kanäle in ihren Ein-

Ueber des Alten Gesicht huschte ein flüchtiges Lächeln.

„Du Geizkragen," sagte er, „immer rechnen und immer klieren. Aber so ganz Unrecht hast Du nicht, morgen u uem !ch't Dus haben, denn Du hälft das Geld zusammen."

„Danke, danke," murmelte Gotthold und rieb wieder fiel# k, Hände unter dem Tisch, nicht well e« ihn fror, sondern , [ hfl es ihn freute.

Draußen wurden jetzt helle Stimmen laut und am Rieifen wurden Schuhe abgestoßen, die Thüre fuhr auf, bet eintretende Knabe mit den blitzenden Augm und •™1 langen Lockenhaar schwang seine schneebedeckte Pelz­mütze, daß die Flocken In allen Ecken spritzten. Etwa« süchtig folgte ihm der andere, der die Drillinge vollmachte. . ,11 Mer ähnelte seinen Brüdern nicht sehr. Er hatte ein 1011« Me«, weiche« Gesicht, umgeben von lauter kurzen blonben hrmii । ,^en- Seine Lippen waren stets zu einem heiteren, fast ri Nischen Lächeln gekräuselt, während in seinem ganzen l '"Men etwas Gemesieneö und Entschiedenes lag.

—„Bist Du verrückt, Gottlob?" fuhr der Vater ben ersten