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xvm. JahrMg.

Rr. 191

s

und

1

bekannte Robinson Crusoe, die schon manchen lebhaften

für noch und

längst wieder hinter seinem Buche verlieft im Anschauen der Bilder, unterbrachen. ES war der welt-

wie ein blödes Auge.

Gotthold saß schon und war offenbar ganz die den Text freundlich

Zum Schluß -er Laudtagssesftou.

Mit raschen Schritten geht die parlamentarische Sesston deS ersten Halbjahrs 1883 ihrem Abschluß entgegen. Dem am 12. d. M. erfolgten Schluß des Reichstages wird sich nun heute die Beendigung der Arbeiten des preußischen Landtages angeschlofsen haben. — Ueber die Ergebnisse der Thätigkeit des Reichstages (Beratung der Budgets für 1883 und 1884, Reform der Gewerbe-Ordnung und Fertigstellung des Gesetzes betr. die Krankenverstcherung) ist an dieser Stelle bereits in Kürze Rückschau gehalten und dabei her­vorgehoben, daß das Erreichte hinter den gehegten Erwar­tungen nicht zurückgeblieben ist. Dasselbe wird schon gegen­wärtig dem Landtage nachgerühmt werden können.

Als nach Beendigung der letzten Wahlen zum Ab­geordnetenhause die beiden Häuser des Landtages zusammen- ttaten, standen drei Angelegenheiten im Mittelpunkte der öffentlichen Aufmerksamkeit: die Umgestaltung de» Steuer- wesenS, der Abschluß der Verwaltungsgesetzgebung und die weitere Förderung des kirchenpolstischen Friedens.

Auf jedem dieser Gebiete sind wir um ein tüchtiges Stück vorwärts gekommen.

Die Beseitigung der untersten Stufen der Klaffensteuer ist zwar nicht mit dem vollen, von der Regiemng beab­sichtigt gewesenen Umfange nach, aber doch so weit durch­geführt worden, daß der dringendste Notstand für beseitigt gelten kann. Dadurch, daß die beiden untersten Stufen in Wegfall kommen, stnd 3740900 bisherige Klafsensteuer- zahler, d. h. 74 Prozent der Gesamtzahl oder (da tot Durch­schnitt auf jede besteuerte Haushaltung 4,42 Personen zu rechnen stnd) etwa 16 535 000 Seelen von allen direkten Staatssteuern befreit worden. Von der Klassensteuer waren teils wegen geringeren Einkommens als 420 Mk., teils aus anderen gesetzlichen Gründen, bereits früher 7825781 Personen befreit gewesen, sodaß in Zukunft in Summa 24360781 Personen von Staatspersonalabgaben befreit sein werben, fast 90 Prozent der Gesamteinwohner­zahl Preußens. Dieser allein durch die weitere Ausbildung des Systems der indirekten Stenern ermöglichte Erfolg giebt alle Aussichten darauf, daß die weiteren steuerrefor­matorischen Absichten der StaatSregierung in erweitertem

Maße von der Zustimmung der großen Mehrheit deS Volks werden begleitet werden.

In Sachen der Verwaltungsgesetze ist es gelungen, die­jenigen Vereinfachungen des Mechanismus und deS Ver­fahren» der zum Behuf der Selbstverwaltung errichteten Instanzen durchzusetzen, von deren Annahme die Staats­regierung die Ausdehnung der neuen Einrichtungen auf die westlichen Provinzen der Monarchie abhängig machen mußte. Nachdem die Kommission des Herrenhauses sich für die Annahme der auf die Bestätigung der städtischen Kom­munalbeamten bezüglichen letzten Beschlüsse des Abgeord­netenhauses ausgesprochen hat, darf das Geschick auch dieser wichtigen, in der Geschichte der preußischen Verwaltung epochemachenden Gesetze für gesichert angesehen werden.

Endlich ist durch die Annahme deS kirchenpolitischen Gesetzentwurfs vom 5. Juni (dem die betreffende Kommission deS Herrenhauses gleichfalls zugestimmt hat) ein Schritt auf der Bahn des kirchenpolitischen Friedensschlusses gethan worden, deffen Bedeutung nicht hoch genug angeschlagen werden kann. In dem größten Teile der Monarchie werden die Klagen über daS Fehlen von Seelsorgern vorläufig beseitigt sein, allenthalben die Funktionen deS Messelesens und der Sakramentspendung wieder ausgenommen werden, — endlich unwidersprechliche Beweise dafür vorliegen, daß die Regierung den geistlichen Bedürfnissen der katholischen Be­völkerung jedes mit der Autorität des Staates vereinbare Zugeständnis zu machen bereit ist. Nicht diplomatischen Verhandlungen, sondern freien Entschließungen der Staats­regierung ist es zu danken, daß ein jahrelang beklagter Notstand aus der Welt geschafft und Millionen gläubigen Herzen eine schwere Last abgenommen worden ist.

Mit dem Vorstehenden find nur die h a u p t s ä ch l i ch st e n Ergebniffe der dem Schluß entgegengehenden Landtagssession anfgezählt, — auf das Einzelne werden wir in der Folge zurückzukommen Gelegenheit haben. — Unbefangene Be­urteiler unserer öffentlichen Zustände dürften schon jetzt eine Antwort auf die Frage fertig haben, ob das Vertrauens­votum, welches die letzten Wahlen der Regierung ausstellten, ein gerechtfertigtes gewesen ist oder nicht.

Knaben auf den Fitligen der Phantasie hinau»gefühü über ferne Meere nach fernen Eilanden.

Es lag jedoch nichts von jener Begeisterung in dem hübschen, aber schmalen Gesichte de» Knaben, die da« Auge strahlen und die Lippen lächeln macht, mehr etwa» Nach« denkendes, fast Grüblerische», und wenn seine schmale Hand durch da» kurzgeschnittene braune Haar fuhr und dann da« hagere Kinn umspannte, hätte man ihn mit einem Recheu- exempel beschäftigt geglaubt.

Des Vaters Auge streifte hie und da da« Gesicht de« Knaben durch die große Radbrille, die auf der Nasenspitze saß, und dann schüttelte er da» graue Haupt, wie einer, der au» irgend etwas nicht recht klug werden kann.

„Vater,* fuhr e» jetzt rasch von den Lippen de« Kna­ben, was kostet so ein Buch?"

„Bare sechsunddreißig Kreuzer/ bemerkte wichtig der Alte, „gib nur recht acht, es schneit kein Geld zum Fenster herein."

„So? — So ein Buchhändler muß doch etwa« ver­dienen," war die langsame Antwort. „Wenn er an einem Stück nut einen Sechser verdient und verkauft tausend Stück, so sind das schon hundert Gulden."

„Freilich," war die etwas unwirsche Entgegnung, „aber wie kommst Du darauf?"

„Hm, ich meine nur so, man denkt an allerlei. Aber um etwa- muß ich Euch doch bitten, well e« mir gerade einfällt. Ich habe auf Weihnachten dieses Jahr fünfzig Männer aus Tannenzapfen verkauft und mehr gelöst al« das letztemal, sic waren aber auch viel schöner. Und da meine ich nun, Ihr dürftet mir wohl zwei Kreuzer vom Stück lasten, statt bloS einen, daS wäre billig und würde meiner Sparkaste gut thuu." iFortsetzuu, folgt)

Eine Geschichte au» dem Leben von August Butscher.

1. Daheim.

„Leg' noch ein Scheit nach," sagte der alte Lehrer und Schuster Fürchtegott Schön zu seinem zwölfjährigen Knaben Gotthvld, der über einem Buche gebückt saß und unter dem Tische die Hände rieb.

„Wo nur die beioen anderen Schlingel so lange stnd," brummte er für sich hin, als der Knabe rasch htnausge« gangen war und zog dabet den Pechdraht so grimmig aus­einander, daß er knirschte.

Das war noch einer „aus der alten Schule", dieser Schulmeister und Schustermeister zugleich, der bei Tage die Gerte schwang und am Abend den Hammer, um des Lebens Notdurft für sich und die Drillinge, die ihm der liebe Gott vor zwölf Jahren als fast zu reichen Segen in die arme Hütte gelegt, zu erwerben.

Drillinge! Ein seltenes und schweres Wort und eine seltene Thatsache. Er war vor zwölf Jahren mit gemischten Gefühlen vor der übervollen Wiege gestanden, die Hände gefaltet und das Gesicht in Falten, und hatte bann al» guter Christ mit Hiob ausgerufen: „Der Herr hat's ge­geben — sein Name sei gepriesen!"

Wohl dachte er dabei im Stillen, er werde bald sagen dürfen: „Der Herr hat'« genommen", aber merkwürdiger­weise gediehen die Knirpse wie die Kirschen, und die alte Thatsache war aufs neue bestätigt, daß die Schulmeister mit den Kindern ein auffallendes Glück haben. Der armen Mutter hatten die Drillinge fteilich da» Leben gekostet und »n ihrer Wiege waren viele Thränm geflosten, aber bet ehrsame Fürchtegott Schön brachte e» doch fertig, die Kleinen

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im preußischen Staate" während de» Etatsjahres 1881 bis 1882 folgenden nicht unwichtigen Beschluß gefaßt: „DaS Abgeordnetenhaus wolle beschließen: 1. die erwähnte „Ueberstcht" durch bett von ber Kommission erstatteten Be­richt für erledigt zu erklären; 2. bie Kgl. StaatSregierung aufjuforbern, a) bie erwähnte „Ueberstcht" in jedem Jahre dem Landtage vor ber Beratung be» Staatshaushalt« vor­zulegen, b) bet „Uebersicht" eine tabellarische, sich auf eine längere Periode erstreckende Statistik über bie Einnahmen und Ausgaben, sowie über die Verhältniffe der preußischen Knappschaftskassen mit Rücksicht auf deren Entwickelung beizufügen, c) die Reform der Knappschaftsgesetzgebung in Erwägung zu ziehen." — Ein Aufsatz des Professor« v. Treltfchke in den „Preußischen Jahrbüchern" beschäftigt sich int weiteren auch mit der zukünftigen Parteigestaltung und der inneren Lage Deutschlands; in dieser Beziehung wird gesagt: „Die Nation ist der Politik bi» zum Ekel satt; sie freut sich ihres neuerrungenen Ansehens und ihre« aufblühenden Wohlstandes, den die Parteipreffe vergeben» abzuleugnen sucht. Sie .weiß seht wohl, daß, alle» in allem, kein anderer Großstaat heute besser regiert wird al« Deutschland; denn das Aergste, wa» sich dem Reichskanzler votwerfen läßt, sein rücksichtsloses, freilich gutenteil« durch die Parteien selbst verschuldetes Spiel mit den parlamen­tarischen Fraktionen, ist der Masse deS Volkes vollkommen gleichgültig. Aber al» ein häßlicher Niederschlag au» jener Zeit der Kämpfe ist dem Volke eine arge Lust am Skan­dal und an starken Worten geblieben. Darum kommt heute — wie paradox das auch klingen mag — die allgemeine politische Ermattung vornehmlich den Parteien zu statten, welche die Kunst demagogischer Wühlerei am gründlichsten verstehen. Ein solcher Zustand mag, da die Völker lang­sam leben, wohl einige Jahre anhalten; e« mag gelingen, die Mittelparteien mehrere Jahre hindurch au» den Parla­menten zu verdrängen. Sie auf die Dauer zu vernichten, ist unmöglich. Denn ihre Gedanken sind nicht da» Werk einzelner Köpfe; sie wurzeln tief in mächtigen Interessen, in der ganzen Weltanschauung weiter Schichten der Nation, sie werden darum in irgend welchen Formen immer wieder ihre politische Vertretung finden. Vor 17 Jahren wurde der Nationalverein, als er im Eifer be« ParteihafleS schon nahe baran war, tos österreichische Lager überzugehen, nur durch bie mächtigen Schläge be« böhmischen Kriege« wieder zum Bewußtsein dessen, wa» er eigentlich wollte, zurückgeführt. Mögen e» diesmal minder gewaltsame Er- eigniffe sein, welche den verbitterten Liberalismus wieder zur Besinnung bringen." — An diesen Paffn« knüpft die nationalliberale „Südd. Presse" an, wenn sie bemerkt: „Was Treitschke hier unumwunden ausspricht, ist auch in dem Schreiben, welches Herr v Bennigsen an den Vor­stand der natlonaClberaleu Partei gerichtet, In dem diesem

1'/jil A /l2P *t Marburg, Sonntag, 1. Juli 1883.

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Deutsche- Reich.

Berlin, 29. fJuni. Der „Staats-Anzeiger" ver­öffentlicht daS Gesetz, betreffend bie Reichskriegshäfen, sowie bie Feststellung des Nachtrages zum ReichShauShaltungsetat für 1883/84 Der Bundesrat genehmigte gestern bie Litierarkonvention mit Belgien unb lehnte ben ReichSiags- befchluß wegen Abänbernng dcS Zolltarif« bezüglich harter Kammgarne ab. Sobann wurde bie Session des Bundes­rates geschloffen. — Die Budgetkommission hat betreffs der jährlich dem Landtage zugehenden „Uebersicht über die Ver­waltung der fiskalischen Bergwerke, Hütten und Salinen heraufzubringen mit Gottes und guter Leute Hilfe, und heute hätte er sie nicht „um den schiefen Turm in Pisa", der ihm die größte Merkwürdigkeit der Welt war, her- gegeben.

De« König« Gnade hatte ihm in jener schweren Zeit fünfzig bare Gulden in« Hans gebracht und die Dorflmie legten ba» Ihrige dazu, denn jedermann wollte bie „Dinger" sehen uno legte etwas „Eingewickeltes" in die Wiege der Knäblein, die schon so frühe angestaunt wurden unb von denen die alte Leichenbitterin behauptete, daß sie unfehlbar eines Tages etwas Große» würden.

„Groß" wurden sie allerdings, denn sie aßm wie die Drescher, und der Vater wunderte sich alle Tage, wie er da» unmöglich Scheinende möglich gemacht.

Heute waren e» gerade zwölf Jahre — e» war ber letzte Dezember — Sylvesterabend — daß ber Himmel Drillinge ins HauS geschneit hatte. Aber eS gab kein Fest beSwegen, denn zu einem Feste gehört Geld ober Kredit unb beides fehlte im Schulhäuschen zu Nesselbronn im Jahre deS Heil» 1840.

Draußen fegte der Schneesturm durch be« Dorfes einzige Gaffe, an beten einem Ende bas SchnlhauS lag. Der Wind fauchte wie wütend durch die hohen Pappeln, die sich in steifen Doppellinien nach einem alten Schlöffe hin­aufzogen, daS gleich einem Riesen auö dem Flockennebel ragte. Die alten Windfahnen knarrten unwirsch auf den Erkern, in derem einem nur eine Lampe brannte, düster